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  • CH-8400 Winterthur
  • 04/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-142939)

Rudolfstrasse / Neuwiesenquartier


  • Gewinner

    kein Bild vorhanden
    Lichtplaner
    Hellraum GmbH, St.Gallen (CH)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: manoa Landschaftsarchitekten GmbH, Meilen (CH)
    Bauingenieure, Verkehrsplaner: ewp, Effretikon (CH), Luzern (CH)
    Architekten: pool Architekten, Zürich (CH)
    Visualisierer: nightnurse images, Zürich (CH)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Qualität des Gesamtprojekts / Einbindung in die Umgebung

    Das Projekt besticht durch die geschickte Platzierung von verkehrlich notwendigen Grundelementen, die auf selbstverständliche Art in ein gestalterisches Gesamtkonzept integriert werden: Mittels versetzter Baumreihen und einem differenzierten Lichtkonzept werden die Quartierstrassen zwischen Rudolf- und Neuwiesenstrasse zu einem Geviert mit eigenständigem Charakter aufgewertet.

    In der Rudolfstrasse erlaubt die konsequente Aufreihung aller Abgänge in der Strassenmitte klare Funktionszuweisungen von Velo- und Fussverkehr zu zwei Längsachsen. Der so entstehende „Bahnquai“ ist sowohl als Teilbereich des übergeordneten Leiterkonzepts wie auch als langgezogener Platz mit hoher Aufenthaltsqualität erlebbar. Die durch Dächer akzentuierten Zugänge zu beiden Personenunterfüh- rungen gliedern den Raum und unterstützen die Adressbildung des Bahnhofs. Auf dem Niveau der Personenunterführungen wird schliesslich das Ordnungsprinzip der Rudolfstrasse konsequent weitergeführt, wodurch kreuzungsfreie Verkehrswege entstehen und eine konfliktarme Abwicklung des Langsamverkehrs erwartet wird.

    Gestalterische Qualität

    Im Endausbau werden die beiden Bahnhofzugänge zu den Personenunterführungen die gleiche Wertigkeit haben. Sie erfahren dadurch eine willkommene Akzentuierung – zudem lassen sich Treppen für den Fussverkehr auf selbstverständliche Weise von Rampen, die dem Veloverkehr vorbehalten sind, unterscheiden. Die Belagszeichnungen mit Messingstreifen unterstreichen die Bedeutung der Rudolfstrasse als öffentlicher Raum.

    In der Detailgestaltung und der Einführung neuen Stadtmobiliars (Sitzgelegenheiten, Pflanztrögen und Wasserspiel) vermag das Projekt noch nicht zu überzeugen. Gut gelöst sind die Übergänge ins Quartier und der Einbezug von vertrauten Nachbarelemente wie der Asphaltbelag und der Staketenzaun entlang der Bahn. Ebenfalls hervorgehoben wird die Qualität der grosszügigen Aufenthaltsbereiche, die zwischen den Verkehrsachsen eingeführt werden.

    Kontrovers diskutiert wird die Gestaltung der Wartstrasse, deren Bedeutung gegenüber der übrigen Quartierstrassen eher durch Weglassen als durch eine eigene gestalterische Idee hervorgehoben wird. Das vorgeschlagene Verkehrsregime ohne Durchgangsverkehr böte gegebenenfalls die Chance zu einer etwas weitergehenden gestalterischen Differenzierung.

    Funktionale Qualität

    Die Einbindung des Langsamverkehrs ins Leiterkonzept und ein als Spange ausgebildetes Einbahnregime für den motorisierten Individualverkehr bilden die Grundlage des künftigen Quartierverkehrs. Überlagert wird die Verkehrsführung durch ein differenziertes Geschwindigkeitsregime mit der Rudolfstrasse als Begegnungszone und den übrigen Quartierstrassen als Tempo 30 Zone.

    Dieser Ansatz überzeugt in konzeptioneller Hinsicht wie auch in Bezug auf die Lösungsvorschläge einzelner Kreuzungspunkte. Noch wenig benutzerfreundlich ist die Lage von Kiss & Ride Parkplätzen in der Paulstrasse respektive der Gertrudstrasse und der Verzicht auf Taxistandplätze in der Nähe der Bahnhofzugänge.

    Geschickt gelöst sind die Veloführungen im Bereich der nördlichen Personenunterführung und der Rampe des Bahnhofparkhauses. Elegant ist insbesondere die Platzierung der gedeckten Zufahrtsrampe unter der Rampe zum Bahnhofparkhaus. Gute Lösungsvorschläge werden auch aufgezeigt für die Platzierung weiterer Infrastrukturelemente wie den Liften zu den Personenunterführungen, der Anlieferung der Personenunterführung Nord sowie für Unterflurcontainer in jeder Seitenstrasse.

    Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit

    Für die Etappierung der Veloabstellplätze wird ein schlüssiges, modular aufgebautes Konzept mit ungedeckten oberirdischen Abstellplätzen und doppelstöckigen unterirdischen Velostationen entwickelt. Im Gesamtausbau ist die vollständige Verlegung aller Abstellplätze in den Untergrund allerdings mit hohen Kosten verbunden. Die für die Etappe 3 vorgeschlagenen Abstellanlagen in den Seitenstrassen als Ersatz für wegfallende Stationen sind eher utopisch.

    Die konsequente Berücksichtigung des Interessenperimeters SBB ist in wirtschaftlicher und realisierungstechnischer Hinsicht begrüssenswert. Dagegen ist der vorgeschlagene Abbruch des Max-Bill- Hauses ohne Not zu hinterfragen – zumal die verkehrliche Gesamtsituation dadurch keine wesentliche Verbesserung erfährt.

    In der Rudolfstrasse kann sich die neue Baumallee parallel zum heutigen Baumbestand etablieren. Nach dem Wegfall der bisherigen Lindenreihe ist die aufgelockerte neue Baumreihe von grossem Wert für die Identitätsbildung des Quartiers.

    Das Kunstlichtkonzept verspricht einen hellen und freundlichen Raum. Die grosse Leuchtenvielfalt sowie die wartungsintensiven Elemente wie die beleuchteten Wasserfontänen werden hinterfragt.

    Fazit

    Insgesamt stellt der Entwurf im Konzept wie auch in vielen Detaillösungen eine attraktive und robuste Grundlage für die künftige etappenweise Quartierentwicklung dar. Dank einer sorgfältigen Analyse des Bestands gelingen überzeugende Interventionen, die einen zukunftsweisenden und hochgradig öffentlichen Stadtraum definieren.