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  • ein 1. Preis Zuschlag

    Eingangssituation

    Architekten
    hjp architekten PGmbB _ Prof. Jürgen Hauck, Herbert Osel, Würzburg (DE), Gießen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Nikolas Savic, Bastian Sevilgen, Maximilian Niggl, Tobias Bloh, Prof. Jürgen Hauck

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Lützow 7 Cornelia Müller Jan Wehberg, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Erste Inspiration zum Neubau des Theaterlabors und zur Gestaltung des Campuskarrees in Giessen war ein klassisches Bild Piet Mondrians. Das Tableau No.I von 1921 zeigt ein Nebeneinander verschiedenster Flächen in verschiedenen Qualitäten und Größen, strukturiert durch breite schwarze Linien und Felder. Das große Ganze ist erkennbar, eine Einheit und Identität, ohne jedoch die Vielfalt und Identität des Einzelnen zu ignorieren.

    Dies galt es auf den Campus zu übertragen. Felder zu defnieren, bestehende Qualitäten zu erkennen und zu stärken, Probleme und Brüche zu bereinigen.
    Klar war daher, daß die Mitte des Campus „aufgeräumt“ werden musste, um den ganzen Campus erlebbar zu machen. Die Achsen sind nicht nur Wegeverbindungen sondern schaffen auch neue Sichtbezüge. Sie leiten tief in das Gebiet hinein und hindurch, verbinden die Universität mit der Stadt

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Leitidee zielt auf ein vernetztes Ensemble aus Wege-, Blick- und Raumbeziehungen, die Stadt und Campus verbinden und zugleich eine hohe städtebauliche Qualität sowie sehr gute Entwicklungspotentiale des Standortes versprechen.
    Die Position des zwei- bis dreigeschossigen Gebäudevolumens an der Schnittstelle zwischen der Wiese - mit Spielplatz an der Stephanstraße -, einem bespielbaren Platzraum und einer großzügigen, neuen Grünfläche im Zentrum des Blockinneren überzeugen. Maßstab und Proportion der kompositionell zueinander geordneten Freiräume korrespondieren mit dem Maßstab der historischen Institutsgebäude.
    Die Sequenz aus der bestehenden Wiese - inklusive Spielpatz - mit urbanem Charakter und der Ruhe der Rasenskulptur im Blockinneren ergänzen sich im Sinne einer freiräumlichen Vernetzung und signifikanten Verbesserung der Grünraumqualität im Zentrum Gießens und der Universität. Die Erschließung der Stadtvillen im Zuge der Neugestaltung der Außenräume unter den Anforderungen der Barrierefreiheit bedarf weiterer Präzisierung. Eine Reduzierung der Stellplatzanforderung um zwölf
    Plätze im Norden der Grünfläche würde deren Verkehrsfreiheit gewährleisten. Die architektonische Gestaltung entspricht in der Wahl der Materialien und ihrer einfachen Kubatur dem Laborcharakter eines experimentellen Theaterraums. Mit der Artikulation durch goldeloxiertes Streckmetall gelingt eine abstrakte Markierung des ‘Bühnenhauses’.
    Die Orientierung des Foyerbereichs mit großzügiger Glasfassade nach Norden zur ansteigenden Rasenskulptur hin, eröffnet vielfältige Bespielbarkeiten. Die Öffnung zum westlichen Platzraum ist sinnvoll, wenngleich diese nicht notwendigerweise transparent ausgeführt werden müsste. Eine transparente Orientierung zur Grünfläche nach Süden wäre dagegen wünschenswert, um die wichtige Verbindung und visuelle Öffnung des Theaterlabors zum Stadtumfeld zu schaffen. Die Funktionalität des Bühnenraums ebenso wie die Nähe zum Magazin und zum Foyer sind ebenso optimal gelöst wie alle weiteren bühnentechnischen Anforderungen. Der Raumfluss zwischen Bühneninnenraum, Foyer und Grünraum erzeugt eine sehr hohe räumliche Qualität. Die umlaufende Galerie im Bühnenraum sowie die Variabilität des Bühnenbodens stellen wertvolle Ergänzungen der technischen und künstlerischen Möglichkeiten dar; die Dachterrasse verbessert zusätzlich die
    Aufenthaltsqualität des Hauses.
    Die Konstruktion, eine Kombination aus einer Stahlbetonkonstruktion für den Bühnenbau und einer verschalten Holzkonstruktion sowie die Grundgeometrie mit einfachen Fügungsdetails lässt eine wirtschaftliche Erstellung erwarten.
    In der Konzeption sind die Flächennachweise für die Gebäudetechnik wie gefordert abgebildet. Das Technikkonzept ist plausibel ausgearbeitet. Eine Fußbodenheizung im Bühnenbereich ist in Koppelung mit den Scherenpodesten nicht sinnvoll aber auch nicht notwendig. Die Stellplätze im Realisierungs- und Ideenteil sind zu überprüfen. Die gebäudenahen Stellplätze insbesondere am Universitätsplatz werden kritisch gesehen. Das Funktionsgebäude wird in seiner Position in Frage gestellt. Das Projekt 1003 überzeugt städtebaulich, funktional und in seiner architektonischen Haltung zum Charakter eines Theaterlabors. Mit dem Entwurf gelingt eine intelligente Neuordnung der Räume und Wege und damit auch eine Stärkung der Identität des Standortes für die Universität im Kontext der Stadt.

    Freiraum
    Der Entwurf präsentiert mit dem schrägen Rasentableau eine strategisch hoch wirksame Grünfläche. Das Konzept präsentiert im ersten Bauabschnitt einen weiten Umgriff, dem nicht im vorgesehenen Realisierungsrahmen „direktes Umfeld“ entsprochen werden kann.
    Das Stellplatzkonzept im ersten Bauabschnitt erzwingt eine fast durchgängige Befahrbarkeit des gesamten Campus und konterkariert damit viele angedachte Qualitäten. Die Auslagerung des Funktionsgebäudes lässt sich nicht im ersten Bauabschnitt erreichen. Somit ist der vorgeschlagene Theaterhof anzupassen.

    Kosten
    Die Arbeit liegt bei den Bauwerkskosten außerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens, jedoch unter dem Durchschnitt aller abgegebenen Arbeiten. Einsparpotenziale werden insbesondere im Bereich der Fassade, der Ausbildung des Bühnenbodens sowie der zusätzlich angebotenen Dachterrasse gesehen.
    Hinsichtlich der Kosten für die Außenanlagen liegt die Arbeit außerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens, aber unter dem Durchschnitt aller abgegebenen Arbeiten. Der Entwurf bearbeitet das Wettbewerbsgebiet in großen Teilen, jedoch erscheint der Bearbeitungsumfang in einem ersten Abschnitt reduzierbar.

    Bühnentechnik
    Die Lage des Schnürbodens in 6,00 m könnte zur besseren Nutzung der Hubhöhe der Zugeinrichtungen auf z.B. 6,30 m angehoben werden. Die Scherenpodeste könnten zur Kostenoptimierung als Steckfußpodeste ausgebildet werden. Die Ausstattung des aufgeständerten Bühnenbodens wird als eine positive Besonderheit registriert. In den Schiebetoren zum Bühnenraum sind Türen vorzusehen. Eine Trennung Künstlergarderobe zum öffentlichen Raum sollte geplant werden. Die bühnen- und veranstaltungstechnischen Anforderungen werden ansonsten eingehalten.

    Energie
    Die Einhaltung der Vorgaben zur Energieeffizienz sind dargestellt und können im Rahmen des Entwurfs ohne weiteres umgesetzt werden. Die Arbeit liegt bezüglich der Energieeffizienz im oberen Drittel des Feldes.