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  • 3. Preis

    Ort und Umfeld

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    Architekten
    SCALA Architekten und Stadtplaner, Stuttgart (DE)

    Mitarbeit
    Jörg Esefeld Sayman Bostanci Stefany Kim

    Erläuterungstext


    Prolog
    „Freiheit und Bindung“- in Ulm

    DER ORT UND SEIN UMFELD

    Der Judenhof wird als Bestandteil eines ganzheitlichen, öffentlichen Raumkonzeptes verstanden, der durch seien Lage ein wichtiges Bindeglied einer Raumkette in Ost-West wie in Nord-Süd Richtung übernehmen kann.
    Dieses Potential gilt es zu stärken und herauszuschälen.


    EIN NEUER ÖFFENTLICHER RAUM UND SEINE BAUSTEINE
    - DIE RÄNDER UND DIE OFFENE MITTE -

    Dass klare und eindeutige öffentliche Raumfiguren als identitätsstiftende Faktoren in der Lage sind, Stadtquartiere neu zu strukturieren, haben in der jüngeren Vergangenheit einige Beispiele gezeigt.
    Das Raumbehältnis „Judenhof“ und seine raumwirksamen Ränder sind allerdings stark genug, hier gilt es über wenige stärkende Elemente den Raum und seine Eigenarten deutlich und erklärbar zu machen.

    Die raumwirksamen Ränder des Judenhofes wiesen trotz ihrer grundlegenden Klarheit feine Schrägen und Winkelabweichungen auf.
    Über eine klare, eingelegte Fläche wird eine ergänzende Ordnungsstruktur in der Fläche vorgetragen, die das Verhältnis Raumkanten und Fläche neu erleben lässt.
    Diese Belagsfläche bezieht sich in erster Linie auf die architektonische und stadthistorisch hochwertigen Gebäude auf der Südseite, über die auslaufenden Natursteinbänder wird die eingelegte Binnenfläche jedoch auch mit den anderen Raumkanten verspannt, so dass tatsächlich alle Raumkanten an der Platzfläche teilnehmen können.
    Die auslaufenden Natursteinbänder verdeutlichen dem Stadtwanderer darüber hinaus die Geometrie der Raumkanten.
    Die Ausrichtung des Brunnens auf die stadthistorisch bedeutende Südseite über ein großzügiges, rechtwinkliges Tableau wird gestärkt- der Bezug zur Südkante verdeutlicht, auch eine Zuwendung des Brunnens auch Richtung Süden gestärkt- im Grunde sollte es auf der Binnenfläche kein „Hinten“ und „Vorne“ geben.
    Zusätzlich hilft das Brunnentableau zum Verständnis der leicht Richtung Norden Richtung fallenden Topografie des Stadtbodens.
    Diese wenigen Elemente erklären und erzählen dem Stadtbesucher einen bekannten Ort auf eine neue Art und Weise. Die Nordkante wird über 4 geschnittene Baumskulpturen neu thematisiert- die 4 giebelständigen Bauwerke der Nordkante kommunizieren hiermit neu mit der Platzfläche.
    Die Baumobjekte, wie das Brunnentableau und die eingelegte Binnenfläche machen deutlich, dass einerseits der Individualverkehr geführt, andererseits klar wird, dass hier primär der Platzfläche mit ihren eigenen Langsamverkehren und nicht dem motorisierten Individualverkehr die erste Nutzungs- Präferenz eingeräumt wird- diese Objekte werden dem motorisierten Individualverkehr unmissverständlich klar machen, wer diese Platzfläche in erster Linie beanspruchen wird. Lediglich die (Leucht- ) Markierungen erklären die verkehrsberuhigten Bereiche.

    Zusätzlich ermöglichen die 4 Baumskulpturen auch ein Sitzen und Beobachten unter Bäumen, z.B. Richtung Süden für Bewohner, wie für Besucher der Innenstadt.
    Weitere Sitzmöglichkeiten werden an der Kante des Brunnetableaus angeboten, Sitzmöbel mit integrierten Mastleuchten reagieren auf die etwas schwächere Ostkante und stärken den Bezug auf die offene Binnenfläche, die neben der Tanzflächen ( Bindertanz, Märkte und andere spontane Aktionen u.a.m.) jederzeit für weitere Nutzungen offen steht- die wenigen bindenden Elemente lassen genug Freiräume zu.

    Die Freiraumbewirtung wird i.M. auf zwei Bereiche begrenzt, die Spielmöglichkeiten über einige ausgesuchte Objekte neben den 4 Baumskulpturen angeordnet, didaktischere Spielmöglichkeiten, die auch etwas zum Ort und seiner Geschichte erzählen, werden im Südbereich des Brunnentableaus angeboten.
    Die eingelegten, geriffelten Naturstein- Sonderelemente (s.u.) werden zusätzlich ein phantasievolles „Bespielen“ der Gesamtfläche anregen können.
    Hier wird der öffentliche Raum auch tatsächlich als „Bühne des städtischen Lebens“ begriffen.
    Der offene Platzraum und die Ränder lassen diesen öffentlichen Raum als einprägsame und damit auch prägende Platzfigur am Eingang zur historischen Altstadt erscheinen.
    Die wenigen bindenden Mittel lassen ein Maximum an Freiheiten zu.

    Die stadthistorische und kulturellen Spuren und Hinweise auf die Ulmer Judensiedlung werden hier nicht als zusätzliches oder gar beherrschendes Thema herausgestellt.
    Wir meinen, dass alleine die Bezeichnung „Judenhof“ stark genug ist- außer dem großen, eingravierten oder eingelegten Schriftzug „Judenhof“ auf dem Brunnentableau wird nichts hinzugefügt - der im Grunde kleine Platz kann Bedeutungsaufgeladeneres auch gar nicht mehr aufnehmen.
    Dass die Begriffe „Judengasse“ oder eben hier der „Judenhof“ wieder präsent und selbstverständlich –natürlich auch im Kontext zur Geschichte, evtl. auch mit dem Hinweis auf die historischen Ghettosiedlungen dieser Mitbevölkerung- wieder in unsere Strassen einziehen, könnte an dieser Stelle Konzept genug sein.


    MATERIAL – UND LICHTKONZEPT

    1) Materialkonzept
    Der ordnende, eingelegte Stadtboden wird mit Granitstreifen unterschiedlicher Größe belegt, die Ränder mit Kleinpflaster geschlossen. Diese Methode erlaubt auch ein leichtes Anschließen oder Ineinandergreifen an, bzw. in die Nachbarbereiche.
    Einige, im beruhigenden Belagsteppich eingelegte, geriffelte Sonderbausteine, die exakte die Proportionen des Belagsfeldes im Kleinen wiedergeben, spielen mit den Maszstäben und erklären auf einer anderen Ebene noch einmal den Ort.
    Das Bemühen um ein großzügiges Raumkonzept wird über die Wahl der wenigen Mittel gestärkt.
    Den Belagsanforderungen (motorisierter Individual- und Busverkehr) wird dahingehend entsprochen, dass der Belagsaufbau entsprechend der Bauklasse 3 RSTO 01 ausgeführt wird. In den anschließenden Straßenräumen werden die Gehwege und Flächen vor den begleitenden Raumkanten mit Kleinpflaster weitergeführt.
    Die großen Stadtbänke werden aus hellem Beton mit hölzernen Sitzauflagen gefertigt, die hölzernen Masten (z.B. Fa. Aubrilam o.glw.); im Übrigen kann auf das bestehende Material- und Möblierungskonzept der Stadt Ulm zurückgegriffen werden.

    2) Lichtkonzept
    Primär sollte der Raum oder wesentliche Einzelarchitekturen über das Licht spürbar gemacht werden.
    Über eine dezente Beleuchtung wird die wertvolle Bausubstanz (hier Einzelfassaden, insbesondere im Süden) gestärkt.
    Die Einzelbäume um den Brunnen und im Norden erfahren durch einzelne Baumstrahler eine zarte, fast skulpturale Ausleuchtung.
    Die großen linearen Lichtbänke strahlen die Flächen bodennah aus, die hohen Leucht-und Fahnenmasten können zur Ausleuchtung der vorgelagerten Bereiche herangezogen werden.
    Einzelne kleinere, fast flächenbündige Bodenstrahler ergänzen das nächtliche Lichtszenario.
    Diese Lichtelemente müssen nicht gleichzeitig in Erscheinung treten, vielmehr kann über ein präzise gewähltes Szenario die eine Lichtstimmung die andere ablösen oder ergänzen.
    Zu einem präzisen Zeitpunkt (z.B. 00.00 Uhr) werden einzelne Beleuchtungselemente zurückgenommen, lediglich der Brunnen und die Lichtbänke bleiben spürbar.
    Diese Lichtwechsel sind aber jederzeit wandelbar.
    Die Freiräume werden durch wenige, präzise Elemente gestärkt und beruhigt, sie wandeln sich durch ein Maximum an Freiheiten im Rahmen der wenigen bindenden Elemente, bei Nacht und Tag und über alle Jahreszeiten hinweg zu einem gestärkten identitätsstiftenden Ort in Ulm

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

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