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  • ein 2. Preis


    Landschaftsarchitekten
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ursula Hochrein , Axel Lohrer

    Mitarbeit
    Till Kwiotek, Ursula Hochrein

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ama_architekturbüro michael auerbacher, Burghausen (DE)
    TGA-Fachplaner: Duschl Ingenieure GmbH & Co.KG, Rosenheim (DE), München (DE), Chemnitz (DE), Erlangen (DE), Merano (IT), Frankfurt/Main (DE)

    Preisgeld
    70.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das RGU wird als langgestreckte, schlanke Gebäudeskulptur entlang der Dachauer- und Gabelsberger Straße entwickelt. Nach Süden definiert der Baukörper den Stadtraum zum Josef-Ruederer-Platz, nach Norden schließt er das Quartier des Blocks Maßmann/Schleißheimer/Gabelsberger und Dachauer Straße. Das 2-fache Verschwenken des Gebäudes im Grundriss gliedert die Baumasse - es entsteht eine spannungsreiche Führung des öffentlichen Raums zur Stadtseite sowie ein differenzierter Raumabschluss zum Hofraum, der durch die Terrassierung der beiden unteren Geschosse in seiner maßstäblichen Wirkung unterstützt wird.

    Die Höhenentwicklung des RGU folgt der Topographie und fällt von Norden nach Süden um ein Geschoss. Der skulpturale Charakter des Gebäudes findet sich im Grund - und Aufriss wieder. Das Gebäude bildet in seiner prägnanten Ausbildung eine eindeutige Adresse des RGU am Standort Dachauer Strasse.
    Die Topographie des Grundstücks ermöglicht, neben der Eingangsebene eine zweite "EG" - Ebene (Hofebene) mit Orientierung in den Gartenhof zu entwickeln. Hier befinden sich in räumlicher Nähe zur zentralen Haupterschließung die Gemeinschaftsnutzungen. Aus dem Eingangsfoyer erschliessen sich über Freitreppen und die zentralen Aufzüge die Obergeschosse.

    Das meandrierende Flursystem schafft anlog zum Außenraum auch im Inneren angenehme Raumfolgen. Die Orientierbarkeit wird durch die sich aufweitenden und verjüngenden Raumzonen der Flur- und Kombizonen unterstützt.
    Der Neubau des Männerwohnheims schließt die Baulücke an der Schleißheimer Strasse. Die Sonderräume mit Gartenbezug liegen im EG mit Zugang zum Innenhof über die Terrasse an der zentral gelegenen Cafeteria. Der Neubau bindet in allen Ebenen höhengleich/barrierefrei an den Bestand an, so dass eine funktionale Einheit entsteht.

    Der zentrale Zugang im EG und Treffpunkte in den OG´s an der Schnittstelle alt/neu unterstützen den Gedanken der Öffnung nach Außen, der Integration und des Miteinanders. Das Kinderhaus fügt sich als 2-geschossiger Solitär in die Struktur der vorhandenen Rückgebäude im Hof ein, die Gruppenräume können durch die Lage des Gebäudes im Norden zur Sonne
    orientiert werden. Die Krippenräume liegen im EG mit direktem Gartenbezug, die Gruppenräume des Kindergartens im OG. Diese erhalten eine multifunktionale Spielfläche vor den Gruppenräumen. Die Freiflächen entwickeln sich zweiseitig. Zum Straßenraum wird der Gehbereich zu einem einladenden Vorplatz erweitert. Breite, niedere Hecken schaffen angenehmen Distanzbereich zum EG.
    Vorhandener Baumbestand wird integriert und zoniert den Raum subtil für Fahrradparken, Sitzgelegenheit und großzügigen Zugang.
    Nach innen entwickelt sich ein großzügiger, gut durchlässig konzipierter Gartenhof. Eine gefaltete Landschaft unterschiedlichster Neigungen spannt sich zwischen den Fassaden auf, überbrückt barrierefrei die Höhenunterschiede, unterstreicht Hauptwegeverbindungen und betont durch Heckenakzente funktionelle Teilbereiche. Die KITA mit ihren Freiflächen wird so ebenso integrativer
    Bestandteil wie die Freiflächen des Männerwohnheims oder die erforderliche rückwärtige Erschließung und Andienung des Zentrums.

    Der wertvolle Baumbestand wird integriert und durch einen lockeren Schleier an Blütenbäumen ergänzt. Die großzügige Überdeckung der Tiefgarage gewährleistet die nachhaltige Entwicklung des Gartenhofs. Die Zufahrten für Feuerwehr, Gartenpflege und Versorgung erfolgt beiläufig über das Wegesystem.
    In der TG werden die Stellplätze für Mitarbeiter, Besucher und Kinderhaus sowie die erforderlichen Behinderten-Stellplätze ausgewiesen. Ein Teil der Stellplätze wird als Duplex-Parker dargestellt mit entsprechender Flächenreduzierung des TG-Baukörpers (Ökologie/Ökonomie). Der Fahrradkeller liegt ebenfalls in der TG-/Kellerebene.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit einer sich von Norden nach Süden verschlankenden zweifach abgeknickten Baufigur wird der Baublock auf überzeugende Weise geschlossen. Durch das Zurückweichen von der Dachauer Straße entsteht ein angemessen großes Vorfeld mit dem Haupteingang im konkaven Knick des Baukörpers. Besonders hervorzuheben ist der große zusammenhängende Freiraum im Blockinnenbereich. Das Gelände ist für die Belichtung des Hofgeschosses schon im nördlichen Bereich etwas abrupt abgeböscht. Auf der Straßenseite ergibt sich aus gleicher Ursache - Abgrabung des Vorplatzes im Bereich südlich des Haupteingangs - eine ungünstige Situation im urbanen Umfeld.


    Hauptproblem des Entwurfs ist die sehr knappe Außenabwicklungslänge, was zu einem reduzierten Achsrastermaß der Büros führt, so dass einige Büros in einen zu engen schachtartigen Lichthof orientiert werden müssen. Auch die Ausbildung des Konferenzbereichs auf zwei Ebenen ist nicht akzeptabel.

    Vielleicht ließen sich die Probleme der zu geringen Abwicklung durch eine ausgeprägtere Terrassierung auf der Hofseite mildern.

    Bemängelt wird generell die räumliche Gefangenheit der Innenzonen ohne Ausblicke ins Freie. Dies geht auf Kosten der Orientierung der Besucher im Gebäude. Dieses Problem beginnt schon im Eingangsbereich, von dem aus man sich einen Durchblick oder zumindest Durchgang in den Hof wünschen würde. Positiv gesehen wird die großzügige Treppenanlage im Zentrum des Gebäudes. Von den dezentral situierten Aufzügen sind die Wege z.T. sehr lang. Es fehlt ein Lastenaufzug mit Verbindung zum Anlieferungsbereich.

    Die Fassaden sind mit einem einheitlichen Muster überzogen, das zwar die Dynamik betont, die durch die leichten Abwinklungen entsteht, aber auch die Gefahr von Monotonie in sich birgt.

    Das Prallscheibenthema erscheint zur Dachauer Straße hin richtig. Die barrierefreie Erschließung des Männerwohnheims ist gut gelöst. Dessen Gebäudehöhe überschreitet die Toleranz des § 34. Die Caféterrasse kann den fehlenden Garten nicht ersetzen. Zumindest einer der erhaltenswerten Bäume muss aufgrund des vorgeschobenen Erdgeschosses entfallen.

    Die Kindertagesstätte ist wohltuend klar und kompakt ausgeformt und von einer großen begrünten Freifläche umgeben, die gut besonnt ist. Die räumliche Qualität des zentralen Innenbereichs erscheint dagegen verbesserungsfähig.


    Die Arbeit zeichnet sich in besonderer Weise dadurch aus, dass ein kompaktes, langgestrecktes Gebäude einen angemessen großzügigen Eingangsbereich und einen gut proportionierten, ausgedehnten, ruhigen Binnenraum bildet. Die öffentliche Durchwegung ist von der Schleißheimer Straße und der Gabelsbergerstraße durch Gebäudepassagen möglich.

    Der Anteil versiegelter Flächen im Grünraum ist zu hoch. Bei Anerkennung der zurückgenommenen Gestaltung wird eine vertiefende Durcharbeitung der Freiflächen
    vermisst. Wertvolle Bäume können bedingt erhalten werden. Weitere Teile der Freianlagen sind durch die Tiefgarage unterbaut.

    Im Themenfeld „Komfort und Gesundheit“ verfügt die Arbeit infolge des hohen Gesamtfensterflächenanteils, der stark vertikal gegliederten Fassadenausbildung und teilweise dunklen Flure – mit eingeschränkten Sichtbeziehungen zum Außenraum – über eine mäßige Tageslichtversorgung. Auch das Raumklima bietet bei eher hohem Ost-West-
    Fensterflächenanteil, transparenten Brüstungsbereichen, einem mäßig effizientem Sonnenschutzkonzept nur bedingt förderliche Arbeitsplatzbedingungen. In Bezug auf die „Wirtschaftlichkeit“ zeichnet sich der Baukörper durch eine vorteilhafte Flächeneffizienz (NF/BGF-Verhältnis) aus. Die Lebenszykluskosten lassen gleichermaßen sehr geringe Investitions- und Betriebskosten erwarten. Hinsichtlich „Ressourcen und Energie“ ist ein mittlerer Anteil des Gesamtgrundstücks versiegelt. Der Primärenergieinhalt der Baustoffe
    („graue Energie“) weist gleichermaßen sehr geringe Werte zur Baumasse unter Gelände, zum Bruttorauminhalt und zum Hüllflächenanteil auf. Zudem erscheint die Fassadenausbildung
    robust und dauerhaft. Der absolute Endenergiebedarf ist sehr gering, der spezifische Bedarf (d. h. pro m2NGF) eher durchschnittlich. Die Energiebedarfsdeckung kann mit einem
    großen PV-Potential aufwarten, die Solartechnik ist teilweise formal in die Dachflächen integriert. Insgesamt liegt das Energie- und Nachhaltigkeitskonzept des Beitrages
    gleichermaßen im Wettbewerbsmittel aller Arbeiten sowie der Arbeiten in der Engeren Wahl im oberen Bereich.