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  • DE-50679 Köln
  • 07/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-127530)

Bildungslandschaft Altstadt Nord


  • 1. Preis

    Blick auf den Campus 'Bildungslandschaft Altstadt Nord' © gernot schulz : architektur + Topotek 1

    Landschaftsarchitekten
    TOPOTEK 1, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Rein-Cano

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: gernot schulz : architektur GmbH, Köln (DE)

    Preisgeld
    66.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitidee
    Ausgangpunkt der Entwurfsüberlegungen sind Studien, in welcher geometrischen Form sich die vorgegebene Clusteridee am besten organisieren und addieren lässt. Das Ergebnis „Fünfeck“ ist kein Zufall, zeigt sich doch das Fünfeck in vielen Bereichen des täglichen Lebens und des Wissens/Lernens als leistungsfähiges Grundmodul und Allgemeinwissen. Sei es in der Natur (Form der Ocraschote), der Chemie, der Mathematik (Geometrie/Fünfeck des Pythagoras), der Geschichte (Pythagoras- Pythagoräer), der Kunst (Goldener Schnitt) der Architektur (Festungsarchitektur/Idealstädte), der Landschaftsarchitektur (Giant´s causeway) und des Spiels (Schnittmuster Fußball).

    Die architektonische Idee, das Konzept der Bildungslandschaft der „Einheit in der Vielfalt“ – die Schule als Addition von Lernorten – direkt abzubilden erwies sich in der Durcharbeit als starkes und belastbares Konzept. Auch in der weiteren Zusammenarbeit mit allen Beteiligten birgt dieses Konzept die Chance der Weiterentwicklung und Optimierung ohne in ein starres orthogonales Architekturkonzept gebunden zu sein. Die Architektur wird sich daher erst in der Zusammenarbeit und Aneignung der Nutzer vollenden und vielfältige Deutungen ermöglichen. Die Chance zu einem Bildungsort mit großem
    Identifikationspotential ist gegeben.

    Freiraum
    Im Mittelpunkt des Freiraumkonzeptes der Bildungslandschaft Köln steht ein neues Wegesystem.

    Bildungsplatz und dessen Verbindung zur Umgebung
    Ein neugestalteter Bildungsplatz mit einem Studienhaus in der Mitte bildet den Kern der
    Bildungslandschaft. Der vordere Teil des Platzes spiegelt durch sein einheitliches Material die Grundform des neuen Bildungsensembles wider. Auf der Rückseite werden verschiedene Materialen eingesetzt, die den unterschiedlichen Nutzungsbedürfnissen der einzelnen Standorte gerecht werden und den Platz mit seiner Umgebung verzahnen.

    Eigenschaften des neuen Wegesystems
    Durch den verbreiterten Verlauf des neuen Belages differenziert sich das neue Wegesystem von seinem klassischen Vorläufer und ermöglicht einen flexiblen Anschluss an die Orte der Umgebung. Das neue Wegesystem ermöglicht ungezwungene Bewegungen und abwechslungsreiche Blickbeziehungen. Darüber hinaus wird die Begegnungsintensität erhöht und somit die Funktion einer Bildungslandschaft
    unterstrichen. Der Belag aus hellem und dunklem Natursteinpflaster schafft ein sanftes Bild ohne eine bestimmte Laufrichtung festzuschreiben. Die Wege führen durch die intimen Gassen im Kernbereich zu den Außenbereichen der einzelnen Ausbildungsorte hin zur offenen Parklandschaft.

    Freibereiche der Dorfgemeinschaft
    Die Freibereiche der „Dorfgemeinschaft“ sind klar organisiert: Kita und die Schulen haben jeweils eigene, den Dorfrändern zugewandte Freibereiche. Dies ermöglicht die individuelle Nutzung dieser Bereiche durch die Institutionen ohne Störung der benachbarten Bildungseinrichtungen. Die Grundschule erhält einen geschützten, nach Süden orientierten, eingefriedeten Schulhof, die Kita einen zum Park ausgerichteten und auf zwei Ebenen organisierten Außenbereich. Die Realschule wird um die bereits angedachte in den Park integrierte Freifläche, mit einem vorgelagerten Hof bereichert. Dieser dient bei Abendveranstaltungen der Aula als Erweiterung.

    Der Übergang über die Kyotostraße zum Abendgymnasium wird mittels Zebrastreifen und befestigter Fläche auf dem Mittelstreifen erleichtert. Die Kreuzung Gereonswall / Vogteistraße erhält an allen vier Ecken Zebrastreifen. Um die Durchgängigkeit des Geländes zu betonen wird vorgeschlagen, hier die Mauer zum Hansagymnasium auf 13m Länge durch eine offene Treppe zu ersetzen.

    Senkgarten
    Im Bereich des ehemaligen Senkgartens wird zunächst eine Ebene als Platz definiert. Durchgänge sowie der Vorplatz der Mensa verbinden die Ebene behutsam mit der vorhandenen Topographie, welche von vorhandenen Terrassen überlagert wird. Die Nordseite des Senkgartens wird durch Rasensitzstufen, die sich zur Südseite hin ausrichten, mit dem neuen Wegesystem verbunden.

    Möblierung
    Die Möblierung des Freiraums der Bildungslandschaft besteht vor allem aus Sitzgelegenheiten und Fahrradständern. Im Kernbereich werden fünfeckige Sitzelemente mit und ohne Rückenlehnen in Gruppen angeordnet. Im Übergangsbereich werden schlichte, L-förmige Blocksitzelemente am Rand des Wegesystems integriert. Alle Sitzelemente haben eine schmale Schattenkante mit integrierter Beleuchtung. So zeichnen sie in der Dunkelheit weiter die besondere Form des neuen Ausbildungspodiums für das Publikum nach. Durch die Positionierung der Fahrradständer sollen die freien Bewegungen und Blickbeziehungen des Wegsystems verstärkt werden.

    Verkehrsführung
    Durch das neue Wegesystem wird die Verbindung von Klingelpützpark für Fußgänger und Radfahrer bewusst verstärkt. Für den Hol- und Bringverkehr der anliegenden Kita und Schulen wird im Norden des Gereonswalls ein Wendehammer vorgeschlagen. Darüber hinaus soll der Gereonswall für temporären Verkehr nutzbar gemacht werden, indem der dazwischen liegende Pfad auf 3,5 m verbreitert und mit einem festen Belag (Pflaster) versehen wird. Das bietet insbesondere Reisebussen die Möglichkeit einer ungehinderten Durchfahrt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf begreift die Architektur als Skulptur im Park. Über die serielle Verwendung eines fünfeckigen Bausteins gelingt es, unterschiedliche pädagogische Einheiten in einer fließenden Parklandschaft darzustellen.

    Die Verfasser erzeugen ein überzeugendes maßstäbliches facettenreiches Fassadenbild, das den unterschiedlichen Gebäuden individuell Gesicht gibt.

    Die Grundrisskomposition liefert ein effizientes System aus regelmäßigen Klassenräumen und dazwischen hochflexiblen, multifunktionalen Gruppenzonen. Auf klassische Flure wird vollständig verzichtet. Diese Raumkomposition lässt die erwünschte pädagogische Landschaft entstehen.

    Die pädagogische Zielsetzung wird damit hervorragend erfüllt. Die Strukturierung der Cluster ist übersichtlich, sehr gut platziert und kann insgesamt der Idee der Lernlandschaft sehr gut entsprechen.

    Das Raum- und Funktionsprogramm wird hocheffizient umgesetzt, was sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit des Entwurfes auswirkt.

    Im Hinblick auf die Freiraumqualität gelingt es, eine lebendige fließende Bildungs-Landschaft zu kreieren. Durch die Gebäudekonstellation entsteht innen ein Netz aus Plätzen und Gassen, nach außen werden grüne Höfe gebildet, die ganz selbstverständlich zwischen Park und Gebäude vermitteln.

    Die bauordnungsrechtlichen Anforderungen werden im Wesentlichen eingehalten. Der Entwurf sieht vor, das Studienhaus im Zentrum des Areals zu stellen und die Kita am Gereonswall zu platzieren. Diese Variante wird vom Preisgericht positiv bewertet. So profitiert das Abendgymnasium von der Nachbarschaft zum Studienhaus und die Kita vom angrenzenden Park.

    Das Mensa-und Werkstatthaus ist trotz der Abweichung von der vorgegebenen geschlossenen Bauweise gut gelöst. Es stellt eine prägnante Raumkante zum Senkgarten her und wertet den Stadtraum auf überzeugende Art und Weise auf.

    Die Kosteneffizienz und die zu erwartenden geringen Unterhaltungskosten werden von der Stadt Köln begrüsst. Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit sind gegeben. An der Grundschule wird eine zusätzliche Rampe zum barrierefreiheien Erschließen des Hofes benötigt.

    Insgesamt legen die Verfasser ein originelles Konzept vor, dass die Idee der Bildungslandschaft in eine besondere Architektur auf hervorragende Art und Weise überführt.


INFO-BOX

Angelegt am 18.07.2013, 14:14
Zuletzt aktualisiert 01.04.2014, 15:11
Beitrags-ID 4-71050
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