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  • DE-50679 Köln
  • 07/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-127530)

Bildungslandschaft Altstadt Nord


  • Anerkennung


    Architekten
    LIN Architekten Urbanisten, Berlin (DE), Paris (FR) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich (CH)
    Verkehrsplaner: IBV Hüsler AG, Zürich (CH)
    Brandschutzplaner: TPG - Technische Prüfgesellschaft mbH, Berlin (DE)
    Tragwerksplaner, Fassadenplaner: Bollinger + Grohmann Ingenieure, Frankfurt am Main (DE), Berlin (DE), München (DE), Wien (AT), Paris (FR), Oslo (NO), Melbourne (AU), Rom (IT)
    sonstige Fachplaner: Höhler+Partner, Architekten und Ingenieure, Aachen (DE), Hamburg (DE), München (DE), Muscat, Sultanate of Oman (OM)
    Energieplaner: Ingenieurbüro Hausladen GmbH, Kirchheim (DE), München (DE)

    Preisgeld
    11.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches und landschaftsplanerisches Gesamtkonzept Micro Campus Köln

    Leitgedanke - Micro Campus
    Zentral gelegen verbinden Klingelpütz- und Hansapark die umliegenden Bildungseinrichtungen.
    Sie ermöglichen so die Transformation von bisher einzeln agierenden Institutionen zu einer integrativen Bildungslandschaft, in der die unterschiedlichen Bildungseinrichtungen zukünftig als Netzwerk fungieren. Eingebettet in die Stadt entsteht ein Micro Campus.

    Gleichzeitig sind die bestehenden Parkflächen als wichtigste Erholungs- und Aufenthaltsräume fester Bestandteil der umliegenden Quartiere. Der Entwurf reagiert darauf, indem er die Parkanlagen als zentrale – weil zentral gelegene – grüne Elemente integriert ohne sie in ihrer Gesamtheit zu überformen oder zu verändern. Bestehende Qualitäten sollen langfristig aufgenommen und in einem gemeinschaftlichen Prozess mit verschiedenen Akteuren weiter entwickelt und gestärkt werden.

    Neue Gebäude und Plätze in der Bildungslandschaft
    Mit fünf neuen Gebäuden und neuen Plätzen entstehen zwei Pole am südlichen und nördlichen Rand des Klingelpützparks zwischen denen sich die Bildungslandschaft aufspannt. Entlang der Vogteistraße bilden der Hof des Hansagymnasiums, das Mensa- und Werkstattgebäude, der Klingelpütz und ein neuer urbaner Eingangsplatz zum Park ein urbanes Ensemble, das vor allem durch die älteren Schüler genutzt wird. Im Gegensatz dazu wird das Gelände am Gereonswall von einer öffentlichen Schulfläche durchzogen die zum Park eine weiche Grenze mit intimen Bereichen ausbildet, an der Kyotostraße hingegen eine klare Platzsituation schafft und so das Abendgymnasium südlich der Kyotostraße räumlich in die Bildungslandschaft einbindet.

    Außenräume und Erschließung
    Alle neuen Gebäude der Bildungslandschaft werden von den öffentlichen Freiflächen der Schulgelände aus erschlossen um Sicherheit und gute Orientierung der Schüler im Alltag zu gewähren. Neue Außenräume die direkt zu einzelnen Institutionen gehören sollen einen, je nach Anforderung und Lage, spezifischen Charakter haben. Die gemeinsam genutzte öffentliche Freifläche soll im Gegensatz dazu für alle Nutzer der Bildungslandschaft Möglichkeiten zum Aufenthalt, Sport und Spiel anbieten und so ein Raum für Gemeinschaft sein, der auch flexibel für größere Veranstaltungen der Schulen, wie z.B. Basare und Sommerfeste, zur Verfügung steht. Gemeinsam ist allen Freiflächen, dass sie perspektivisch, in partizipativen Planungsprozessen entwickelt werden.

    Landschaft
    Sowohl auf den Schulgeländen der öffentlichen Freifläche, als auch im Park sollen neue Bäume gepflanzt werden um den durch den Umbau entstehenden Verlust langfristig und nachhaltig zu ersetzen. Bodennahe Büsche und Sträucher sowie Betonelemente sollen entfernt werden um einen guten Überblick zu gewähren, die Eingangssituationen zum Park zu klären und das Sicherheitsempfinden der jüngeren Schüler und älteren Anwohner zu stärken.

    Organisation Schulgelände am Gereonswall
    Der Entwurf schlägt vor das Verbundgebäude Studienhaus als öffentliches Gebäude der neuen Bildungslandschaft zentral auf dem Gelände am Gereonswall zu positionieren. Es wirkt gleichermaßen als verbindendes wie ordnendes Element und spannt vielfältige Platzsituationen auf.

    Typologische Diversität | Räumliche Einheit
    Durch die zentrale Lage des Studienhauses auf dem Gelände am Gereonswall entsteht eine öffentliche Zone die das gesamte Gelände durchzieht, größere und kleinere Platzsituationen ausbildet und vielfältige Sicht- und Wegverbindungen der Institutionen untereinander erlaubt. Später können in diesem Bereich gemeinsam genutzte Gärten oder Spielflächen entstehen. Ein neuer Vorplatz von dem die Gebäude erschlossen werden findet seine Entsprechung auf dem Gelände des Abendgymnasiums und kann so, die Kyotostraße überspannend, einen räumlichen Zusammenhang zwischen den Institutionen herstellen. Zum Park hin weiten sich intimere Räume auf, die von den Schülern als Freibereiche und Rückzugsorte genutzt werden können. Bestehende und neu gepflanzte Bäume zum Park hin schaffen eine natürliche Pufferzone zwischen Park und neuem Campus Gelände.

    Akteure | Aktionsräume
    Die Entwicklung der Bildungslandschaft wird als Prozess verstanden, der mit dem Entwurf einen Rahmen enthält, in dem vielen Akteuren die Möglichkeit zur Beteiligung gegeben wird. Der Micro Campus Köln wird als offener Campus in der Altstadt Nord sowohl den beteiligten Nutzern der Bildungslandschaft, als auch den Bewohnern der umliegenden Viertel vielfältige Qualitäten zum Aufenthalt und anregende Räume zum Lernen bieten.
    Um dies zu gewährleisten und um die Akzeptanz und Identifikation zu stärken sollen wenn möglich alle beteiligten Akteure in den Planungsprozess miteingebunden werden. Dies kann über die Gestaltung der Räume der jeweiligen Institutionen durch ihre Nutzer gerade in der Gestaltung der Freiflächen durch partizipative Planungsprozesse gewährleistet werden. Als mögliche Aktionsfelder sehen wir hier die Aktionsräume die im Klingelpütz- und Hansapark und auf den Schulgeländen liegen. Sie haben das Potential in einzelnen Projekten mit unterschiedlichen Verfahren über einen langen Zeitraum, verschiedene Akteure in den Gestaltungs- und Entstehungsprozess der Bildungslandschaft mit einzubeziehen.


    Organisation Gebäude | Gebäudetypen

    Célestin-Freinet-Grundschule
    Altbau und Anbau bilden ein neues Ensemble. Die Verbindung ist als offener Aufenthalts- und Empfangsbereich ausgebildet. Die Abfolge von intimen und öffentlichen Bereichen innerhalb des Schulgebäudes soll Kindern die Möglichkeit geben, ja nach Situation, geeignete Aufenthaltsräume selbst zu finden. Die Freiflächen der Grundschule werden durch einen privaten, umfriedeten Hofbereich ergänzt.

    Open Haus | Bibliothek
    Das Gebäude des Studienhauses am Gereonswall ist eines der zentralen Verbundgebäude die von sehr verschiedenen Nutzergruppen der Bildungslandschaft und der umliegenden Viertel genutzt werden und somit innerhalb des Campus größtmögliche Öffentlichkeit erreichen. Konsequent ist das Gebäude zentral platziert, sodass es als Bindeglied zwischen Abendgymnasium und anderen Institutionen fungiert. Im Bereich um das Offene Haus sollen weiter Programme, wie z.B. Fahrradständer, Tischtennisplatten und Bänke angesiedelt werden, die das Offene Haus zu einem zentralen Treffpunkt auf dem Campus machen.

    Realschule
    Der kompakte Baukörper bietet durch Einschnitte, Terrassen und einen Hof viele Möglichkeiten für ruhige Arbeit, Gespräche und Aktivität. Als zentrales Element wirken dabei die Erschließungsflächen, die als Aufenthaltsflächen ausgebildet hohe Qualität erreichen sollen. Mit sensiblen Gesten verbindet sich der große Baukörper mit der Umgebung und öffnet sich zum Park. Die räumliche Nähe zum Offenen Haus | Bibliothek und die Erschließung vom selben Platz aus sollen die Institutionen eng aneinander binden und so für die Schüler als integraler Teil ihrer Schule deutlich werden.

    Kindertagesstätte
    Die Kindertagesstätte liegt vom Zentrum abgewandt zum Park und Gereonswall hin orientiert. Ein großer Hof und eine begehbare Dachlandschaft bieten Freiräume für Gemeinschaft und kleine Gruppen. Der Eingangsbereich und die Erschließungszone sind für schnelle und gute Orientierung offen gestaltet. Die einzelnen Gruppen sind in eigenen Bereichen untergebracht. Neben dem Dach und dem Hof, die als gemeinschaftliche Flächen genutzt werden können, liegen zwei Außenflächen mit Sandflächen und Gärten zum Park hin orientiert und können wie die Dachflächen von kleineren Gruppen genutzt werden.

    Mensa- und Werkstattgebäude
    Die Mensa ist der zentrale Treffpunkt für ältere Schüler und ist durch ihren offenen, urbanen Charakter gekennzeichnet. Die kompakte Form zieht eine klare Grenze zum Park. Die Fassade der Mensa lässt sich jedoch großflächig zum Baumhain hin öffnen.


    Team

    Architekten
    LIN Architects Urbanists, Berlin/ Paris mit Giulia Andi, Finn Geipel, Philip Koenig, Vesta Nele Zareh (Projektleitung 1.Phase), Sandra Badji (Projektleitung 2.Phase), Lucia Sanchez, Morana Mazuran, Marcin Szczodry, Marta Diez Amante, Bruno Pinto da Cruz, Ines Dobosic, Thomas Untersweg

    Landschaftsplaner
    Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich

    Verkehrsplaner
    IBV Hüsler AG, Zürich

    Struktur und Fassade
    Bollinger + Grohmann, Frankfurt am Main

    Brandschutz
    TPG ®
Technische Prüfgesellschaft mbH, Berlin

    Kostenplanung
    Höhler+Partner | Architekten und Ingenieure, Hamburg

    Energetische Konzeption
    Ingenieurbüro Hausladen GmbH, Kirchheim

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit besticht durch eine ungewöhnliche städtebauliche Konfiguration, die die Bildungslandschaft stadträumlich und architektonisch interpretiert. Besonders hervorzuheben ist die neue Positionierung des Studienhauses, die eine gute Verbindung zu den Bildungseinrichtungen inklusive Abendgymnasium erlaubt. Lediglich die Distanz zum Hansagymnasium wird geringfügig verlängert. In Verbindung mit den gerundeten Gebäudekörpern entstehen fließende öffentliche Räume, die eine gute Verzahnung sowohl mit dem Park als auch mit dem Stadtraum entstehen lassen. Der gerade Abschluss zur Kyotostraße wird kontrovers diskutiert. Durch die eigenständige, selbstbewusste Architektursprache ist eine eindeutige Ablesbarkeit der Bildungslandschaft gegeben und eine hohe Strahlkraft zu erwarten. Bedenklich ist jedoch die sehr schematische Fassadengestaltung.

    Der Entwurf erfüllt die pädagogische Zielsetzung in sehr großen Teilen, der Kindergarten ist sehr schön nach innen und außen angelegt, hat aber das Problem, dass die Außenflächen nicht klar den Clustern zugeordnet sind. Die Cluster der Grundschule sind gut ausgearbeitet. Die Cluster der Realschule sind im Innenbereich nicht optimal gelöst.

    Der Entwurf der Kita besticht durch seine hierarchiefreie Anordnung von Räumen mit gleichermaßen günstigen Außenraumbezug und die Besonderheit kindgerechter Außenraumqualität des umschlossenen Innenhofes.

    Der lediglich in den Obergeschossen mit dem denkmalgeschützten Gebäude verbundenen Anbau belässt diesem seine Eigenständigkeit. Clusterbildung und Verzahnung zwischen vorhandenen Gebäude und Anbau sind gut gelöst. Der Bezug zwischen Clusterforum und Klassenräumen ist durch unbelichtete, enge Flure eingeschränkt. Die bodengebundenen Außenraumflächen der Grundschule sind eng bemessen und können nur durch Dachflächen kompensiert werden.

    Im Übergang zur Kyotostraße ist eine deutliche Überschreitung der vorgesehenen Baugrenze festzustellen. Durch den geringen Abstand zur stark befahrenen Kyotostraße ist eine Beeinträchtigung der Nutzungsqualität der angrenzenden Räume zu erwarten.

    Vor dem Hintergrund der gerundeten Fassaden und des sowohl innen als auch außen hohen Glasflächenanteils ist mit höheren Investitions- und Betriebskosten zu rechnen. Aufgrund der kompakten Kubaturen ist energetisch eine günstige Ausgangssituation festzustellen, die jedoch durch den hohen Glasflächenanteil negiert wird. Die Barrierefreiheit ist im Innen- und Außenraum mit Ausnahme des Erdgeschosses der Grundschule gelöst. Dort ist im Sinne einer Inklusionsschule der Aufzug zu versteckt platziert und nicht zeitgemäß.

    Die sehr offene, spielerische Innenraumorganisation des Studienhauses mit seinen freigestellten Treppenhäusern lässt sehr interessante Raumwirkungen und vielfältige Raumnutzungen erwarten. Im 1. OG wird eine zweite Innenraumhülle erforderlich, um die geforderten abgeschlossenen Seminar- und Prüfungsräume bilden zu können. Hier hat das offene Konzept seine Schwächen. Das zusätzliche zweite OG ist offenbar ausschließlich der städtebaulichen Situation geschuldet und im Hinblick auf den tatsächlichen Raumbedarf verzichtbar.

    Überraschend ist, dass die organisch geformte Gebäudekontur der Realschule im Inneren sehr stringent strukturiert ist. Die große Gebäudetiefe führte trotz des großzügigen Foyers und des von oben belichteten Treppenhauses zu vielen unbelichteten und schmalen Flurflächen. Der Außenraum ist sinnvoll dem Park zugeordnet.

    Das Mensa- und Werkstatthaus zeichnet sich durch eine klare Grundrisskonzeption aus, die sämtliche Nebenfunktionen in einem linearen Rücken zum Brandgiebel nach Südosten anordnet. Die Aufenthaltsund Werkstatträume orientieren sich konsequent zum Senkgarten nach Nordwesten mit günstigem Freiraumbezug.

    Diese Arbeit liefert durch ihre Eigenständigkeit und räumliche Qualität einen sehr interessanten Beitrag zur Gestaltung der Bildungslandschaft. Der Entwurf erkauft einen Teil seiner Qualitäten durch deutlich zu üppig bemessene Grundrissflächen.


INFO-BOX

Angelegt am 18.07.2013, 14:29
Zuletzt aktualisiert 19.07.2013, 12:46
Beitrags-ID 4-71062
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