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  • 1. Preis


    Architekten
    ama_architekturbüro michael auerbacher, Burghausen (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE)
    Tragwerksplaner: Mayr | Ludescher | Partner Beratende Ingenieure, München (DE), Stuttgart (DE)
    Lichtplaner: DAY & LIGHT LICHTPLANUNG, München (DE)

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    Konzept | Die Stadt Altena profitiert von ihrer landschaftlich schönen Lage im tief eingeschnittenen Lennetal. Der Fluss und die parallel verlaufenden Bahngleise stellen jedoch Barrieren dar, die die Stadt in zwei Hälften teilen.
    Mithilfe einer neuen Brücke soll die Verbindung zwischen der Innenstadt bzw. der Burg Altena und dem Bahnhof für Fußgänger und Radfahrer verbessert werden. Der Radwanderweg Lenneroute wird zukünftig über die neue Brücke und auf der Westseite des Flusses weitergeführt. Das bisher ungenutzte, ehemalige Bahngrundstück am Fluss wird durch die neue Fußgängerbrücke an die Innenstadt angebunden und in einen Park umgestaltet.

    Fußgängerbrücke | Das Längstragwerk wird aus einem exzentrisch angeordneten, bogenförmigen Versteifungsträger mit biegesteif angeschlossenen Pfosten und Gurten als Vierendeelträger gebildet.
    Durch die Neigung des Versteifungsträgers um 20° nach außen steht er weitgehend im Gleichgewicht mit der exzentrisch angeordneten Fahrbahn. Das Drehmoment aus der einseitigen Anordnung des Längstragwerkes aus Verkehrslast wird über biegesteif angeschlossene Pfosten und Querträger als Kräftepaar in die als Scheibe ausgebildete Fahrbahnplatte und den als Kastenträger ausgebildeten Bogengurt abgeleitet. Die Widerlagerscheiben sind außerhalb der Ufereinfassung angeordnet und bewirken somit keinerlei Versperrung im Hochwasserfall. Die Gehbahnabdeckung besteht aus aufgelegten 12 cm starken Stahlbetondielen mit oberseitigem Besenstrich oder alternativ aus Granitdielen. Die Entwässerung der Belagsfläche erfolgt über offene Fugen zwischen den einzelnen Platten.
    Die Rampenanlage wird ebenfalls mit Belagsplatten aus Stahlbeton- oder Granitdielen mit offenen Fugen ausgeführt, welche sich auf auskragenden Stahlbetonträgern und Stützen ablasten. Die Stützen sind über Pfahlkopfbalken und Kleinbohrpfähle im Boden eingespannt. Die Gründung der Rampenanlage erfolgt ebenfalls außerhalb der Ufereinfassung und stellt somit keinen Einfluss auf den Hochwasserfall dar.
    Das Brückentragwerk fügt sich harmonisch in die bestehende Umgebung und die Uferlandschaft der Lenne ein und bietet völlig freie Sicht in Richtung Stadt und Burg.
    Auch vom Bahnhof aus und entlang der beiden Uferbereiche stellt der filigrane bogenförmige Überbau kein Sichthindernis dar, sondern bildet ein markantes Erkennungszeichen für den neuen Lennepark.

    Lennepark | Die früheren Rangierflächen zwischen Bahnhof und Lenne sollen künftig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der neue Lennepark spielt mit der Topografie und inszeniert immer wieder den Blick auf die Burg und die Innenstadt. Das bisher 4,5m über dem Fluss liegende Gelände wird teilweise abgetragen und ermöglicht so über die gesamte Länge den Zugang zum Wasser.
    Die bestehende Mauer, Rasenböschungen und flache Rampen vermitteln zwischen dem unteren Niveau am Fluss und einem oberen Weg mit Blick aufs Wasser.
    Die Lenneroute verläuft durch den Park entlang der Bahntrasse. Eine breite Heckenpflanzung blendet Gleise und Schutzzaun optisch aus.

    Über frei bespielbaren Rasenflächen stehen mehrstämmige, hochgeastete Weiden, die lichte Schattenplätze anbieten, ohne jedoch den Blick zu verstellen.

    Unterführung | Die Verbindung zwischen Bahnhof und Park wird durch eine barrierefreie Unterführung realisiert. Die geplante Unterführung der Deutschen Bahn wird dazu bis zum Fluss verlängert und zum Fluss hin aufgeweitet. In Höhe der Stellplätze erfolgt der Zugang über eine großzügige Treppe, die durch ein schwebendes Dach wettergeschützt ist. Unter dem Dach werden außerdem 8 Fahrradstellplätze und Sitzmöglichkeiten angeboten. Am Fluss gibt es einen zweiten, ebenerdigen Ausgang, der bei Hochwasser durch ein integriertes Flutschutztor verschlossen werden kann. Oberlichte im Dach und Lichtlinsen in der Tunneldecke sorgen für Tageslichteinfall.

    Park and Ride | Im nördlichen Teil des Parks entstehen Stellplätze für ca. 25 Pkw, die von Norden her über eine Zufahrtstraße erschlossen werden. Mittelhohe Hecken gliedern den Parkplatz und integrieren ihn optisch in den Lennepark.

    Beleuchtungskonzept | Die Beleuchtung fügt sich dezent in die Gestaltung und Topografie des Lenneparks ein. Die Heckenbepflanzung sowie die Mauer werden als lineares, wegweisendes Band durch Anstrahlung hervorgehoben. Sie sind auch vom gegenüberliegenden Lenne-Ufer als raumbildende Elemente deutlich wahrnehmbar. Entlang des Fahrradwegs werden schlichte Lichtstelen eingesetzt, um sowohl die Hecke als auch den Weg auszuleuchten. Die unteren Fußwege im nördlichen Teil erhalten Pollerleuchten mit einer niedrigen Lichtpunkthöhe. Sie leuchten auch die Fläche der Mauer aus und wechseln sich im weiteren Verlauf mit Wandeinbauleuchten ab. Auch die Treppe zwischen beiden Brücken wird durch Wandeinbauleuchten ausgeleuchtet.
    Die Beleuchtungsstärke im Bereich zwischen Parkplatz und Brücke wird entsprechend der dortigen Frequentierung etwas höher angesetzt und nimmt im weiteren Verlauf des Flusses ab. In der Unterführung sollen die Wandflächen von der Decke aus beleuchtet werden, um die Innenraum auch bis nach außen hin wahrnehmbar hell erscheinen zu lassen.
    Die Fläche der Überdachung beim Treppenabgang wird ebenso deutlich aufgehellt. Die Leuchten dort sollen in die Konstruktion integriert werden.
    Der Weg auf der Fußgängerbrücke sowie die anschließende Rampe werden durch lineare Handlaufleuchten beleuchtet. Das lineare Erscheinungsbild wird durch eine dezente Ausleuchtung der Tragkonstruktion von unten heraus ergänzt um eine klare Lichtidentität des Bauwerkes und gleichermaßen eine dezente, diffuse Beleuchtung zu schaffen, um zur Gesichtserkennung beizutragen.
    In allen Bereichen kommen LED-Leuchten mit warmer Lichtfarbe zum Einsatz. Durch präzise Linsenoptik lässt sich die Entblendung, auch aus niedriger Augenhöhe, und die Energieeffizienz gewährleisten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Parkfläche zwischen den Bahngleisen und dem Ufer der Lenne besticht durch ihre klare und homogene Gestaltung. Die Wegeführungen nehmen Rücksicht auf die historische Situation, die Bestandsmauern werden geschickt in die Planung integriert. Mit
    Baumpflanzungen wird sparsam umgegangen, es dominiert die Wiesenlandschaft, die
    Blickbeziehung zum Fluss bleibt offen. Auch in der Gestaltung der Unterführung spielt die
    Beziehung zum Fluss eine wichtige Rolle, sie wird bis zum Ufer geführt und weitet sich dort konisch aus, bei Hochwasser wird diese Öffnung mit einem Fluttor verschlossen. Auch die Integration der Park & Ride Stellplätze und ihrer Auflockerung durch Hecken darf als gelungen bezeichnet werden. Die Linearität des Parks wird durch das Lichtkonzept von LEDStrahlern und Einbauleuchten wirksam unterstützt.

    Die Fußgängerbrücke mit ihrem asymmetrischen Querschnitt stellt eine elegante Lösung dar, der nach Norden gekippte Parabelbogen kehrt der bestehenden Straßenbrücke den Rücken und leitet den Blick zum Stadtkern hin.

    Sowohl ästhetisch als auch technisch bietet die Arbeit Lösungen an, die als kultiviert, wohl
    überlegt und gelungen gelten können.