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  • 3. Preis

    Perspektive, © Henchion Reuter Architekten

    Architekten
    HENCHION REUTER ARCHITEKTEN, Berlin (DE), Dublin (IE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: BERNARD UND SATTLER Landschaftsarchitekten, Berlin (DE)
    Tragwerksplaner: EiSat GmbH, Eisenloffel, Sattler + Partner, Berlin (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Wettbewerb Lennepark in Altena

    Projektbeschreibung

    Altena
    Die Stadt Altena ist geprägt durch eine abwechslungsreiche Geschichte. Sie entwickelte sich von einer anerkannten Grafschaft über eine Industriestadt zu einem beliebten Reiseziel für Schulklassen und Radfahrer. Die Burg Altena und das einzige Drahtmuseum Deutschlands sind die Zeugnisse dieser Geschichte und bilden den Grundstein für den touristischen Wert der Stadt.

    Grundlegender Gedanke der vorliegenden Arbeit ist es, den bestehenden Charakter der Stadt weiterzuführen und die Besonderheiten des Ortes herauszuheben.

    Wettbewerbsaufgabe
    Der Osten und der Westen des Zentrums der Stadt Altena sind derzeit nur über die Fritz-Berg-Brücke miteinander verbunden. Um den Bahnhof besser an die Altstadt und die Lenneroute anzubinden, soll eine neue Fußgängerbrücke und ein Stadtpark an der Lenne errichtet werden.

    Städtebauliches Konzept
    Im Zuge einer Aufwertung wurden am Ostufer die Lennepromenade und die Lenneterassen als urbanes Ufer bereits realisiert. Als grünes Pendant dazu soll nun der Lennepark entstehen. Um zwischen den Komplementären eine direkte Verbindung zu schaffen, liegt die neue Fußgängerbrücke am jeweiligen Ende der Lennepromenade und der Altstadt. Diese Stelle erscheint in einer städtebaulichen Betrachtung als sinniger Anschlusspunkt für eine Fußgänger- und Radwegbrücke in die Altenaer Altstadt. Sie liegt in der Achse der Straße Am Markaner und nicht, wie eigentlich vorgesehen, an dem Kreisel, welcher durch Autoverkehr geprägt und daher für Fußgänger und Radfahrer unattraktiv ist. Die neue Brücke liegt somit auch an dem historischen Standort der Altenaer Brücke.
    Der geänderte Standort hat auch den Vorteil, dass die bestehende Fritzbergbrücke und die neue Fußgängerbrücke, durch den größeren Abstand zu einander, harmonieren und sich nicht einander in den Schatten stellen. Des Weiteren besteht durch den Abstand auch keine Gefahr von negativen Strömungen oder Treibgutproblemen.

    Eine neue, einfache und hochwassersichere Fußgänger- und Radwegbrücke für Altena
    Die neue Brücke ist als Schwimmbrücke konstruiert, sodass sie sich ohne weitere Hilfsmittel wie Motoren oder Hydraulik, alleine durch die Kraft des Wassers, entsprechenden Hochwassersituation anpasst. Bei Pegelständen von 0–3m bleibt die Brücke in ihrer fixierten Auflagerposition und ist somit bei den normalen jährlichen Hochwassern passierbar unter Einhaltung der wasserrechtlichen Anforderungen. Ab dem Pegelstand 3m (154,6m ü. NN) hebt sich die Brücke, durch in die beiden Auflager intergierte und geführte Schwimmkörper und unter Einhaltung des erforderlichen Freibordes von mindestens 1m, aus ihrer Ruheposition. Im Vorfeld muss der Zugang zu der Brücke entsprechend gesperrt werden.
    Die Flusspfeiler beinhalten zum einen die beiden Schwimm-/Auftriebskörper. Zum zweiten erlauben sie eine sehr wirtschaftliche Konstruktion der Brücke durch geringe Spannweiten und Nutzung der Vorteile eines Durchlaufträgers. Sie bestehen jeweils aus den schon erwähnten Schwimmkörpern als Stahlhohlkörper, welche zwischen zwei Stahlbetonpfeilern geführt und gehalten werden. Die Auflagerkonstruktionen der Brücke liegt bewusst außerhalb des Überflutungsbereiches, sodass diese im Extremfalle nicht durch Treibgut oder ähnliches belastet werden können und die Brücke störungsfrei in ihre Ruheposition fallen kann.
    Der eigentliche Überbau, die Fahr- und Lauffläche, besteht aus einem 20cm dicken und 3,5m breiten Stahlhohlkörper mit innen liegenden Stegblechen und ist somit als ortotrophe Platte ausgebildet. Oberseitig ist eine strapazierfähige Epoxidharzbeschichtung mit Sandeinstreuung als Laufbelag vorgesehen.

    Die Beleuchtung der Brücke wird über unterseitig in die Handläufe integrierte LED-Leuchten vorgeschlagen. Eine Lösung, welche bei Dunkelheit eine optimale und blendfreie Beleuchtung des Gehweges ermöglicht und bei Tage nicht in Erscheinung tritt.

    Die Gestaltung der Brücke ist bewusst zurückhaltend, im Detail jedoch elegant. Im Zusammenhang mit der technisch geschickten und zugleich einfachen sowie wartungsarmen Konstruktion entsteht ein feines Bauwerk von zeitloser Qualität, dass den komplexen Anforderungen gerecht wird. Es entsteht eine barriere- und rampenfreie Verbindung zwischen der Altstadt und dem Bahnhof bzw. der Lennepromenede und dem Lennepark.

    Der neue Lennepark
    Der Lennepark präsentiert sich im ersten Abschnitt zwischen der neuen Fußgängerbrücke und der Unterführung zum Bahnhof als zurückhaltend gestalteter Park, der durch vier besondere Orte, den "Lenneperlen" gegliedert wird. Diese knüpfen an die Umgebung an und bieten abwechslungsreiche Räume für Aufenthalt sowie für Bewegung.

    Der 3,50m breite Parkweg, der Bestandteil der Lenneroute ist, verläuft parallel zum Bahngelände, an der westlichen Grundstücksgrenze. Dadurch erhält der ohnehin sehr schmale Park einen maximal großen, grünen Aufenthaltsbereich an der Lenne - den Lennewiesen. Analog zur Baumpflanzung an der bestehenden Promenade, wird der Parkweg von säulenförmigen Hainbuchen begleitet. Die dadurch entstehende Allee bildet somit das Rückgrad des Parks. Zwischen Weg und Einfriedung zur Bahn befindet sich ein 2,50 m breiter Grünstreifen mit vereinzelten Sitznischen und Parkbuchten für Radfahrer innerhalb einer niedrigen Strauchpflanzung. Auf Höhe der Sitznischen bieten 1,60 m hohe Mauern Schutz vor den störenden Einflüssen des Bahnverkehrs. Entlang des Weges ist auch die Beleuchtung verortet.
    Wettbewerb Lennepark in Altena 763451

    Lenneperlen
    Burgterrassen
    Die Burgterrassen befinden sich südlich des neuen Brückenkopfs am Westufer der Lenne. Sie bilden den Auftakt des Parks und schaffen ein grünes Pendant zu den Terrassen der Lennepromenade. Die nach Süden hin orientierten, 1m breiten Sitzstufen laden zum Ruhen und Verweilen ein. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf die Altstadt und die Burg Altena fernab der störenden Verkehrsströme. Die Stufen, wie auch der Brückenkopf, sind für einen guten Durchfluss und geringen Widerstand bei Hochwasser ausgelegt. Die Stufen sind derart in die Bestandsböschung integriert, dass sich das Flussprofil vergrößert.

    Fritzstufen
    Die sogenannten Fritzstufen befinden sich direkt unter der stark befahrenen Fritz-Berg-Brücke. Sie bilden die zweite Perle innerhalb des Lenneparks. Der laute und schattige Ort unter der Brücke wird als harte und robuste Uferkante in Form von massiven Betonsitzstufen zum skaten, abhängen und feiern ausgebildet. Die bestehende Mauer wird hierbei in die Gestaltung integriert.

    Altena Beach
    Die dritte Perle führt die Besucher direkt an die Lenne. Die im Park durchgängig hohe Böschung wird an dieser Stelle abgetragen. Eine Rasenrampe führt von der Lenneroute hinab ins Wasser. Am Weg befindet sich noch ein kleiner Platz mit Sitzaufkantung als Übergang von Asphalt zu Rasen. Die Lenne wird vom Weg wie auch vom Bahnhof aus sichtbar und für die Altenaer erlebbar - Ideal auch für Wassersportler und "Wasserratten".

    Lennebalkon
    Der Lennebalkon bildet den Abschluss des Parks in diesem Abschnitt. Der Platz bindet die neue Fußgängerunterführung und den Park und Ride an und ist Übergang zu den weiteren Abschnitten des Parks an der Lenne. Dieser Platz ist auch ein Ort des Ankommens und der Orientierung. Von der Balkonbrüstung aus kann man sich entlang der Lenne in Richtung Altstadt einen Überblick verschaffen. Ankömmlinge und Ausflügler werden hier auch zum verweilen eingeladen. Eine 5 m lange Picknickbank bietet Platz für viele hungrige Mäuler und müde Beine mit bester Aussicht.

    Umgang mit Bestandsrampe
    Die neue Brücke verläuft waagerecht über die Lenne. Der neue Parkweg startet somit auf dem Höhenniveau des Ostufers und westlich der modifizierten Bestandsmauer. Der neue Weg führt von dort ausgehend barrierefrei auf das höhere, hochwassergeschützte Niveau. Somit entfällt die bestehende Rampe zugunsten einer einheitlichen Ufergestaltung.

    Fußgängerunterführung
    Die neue Fußgängerunterführung wird auf Seiten des Parks mittels einer barrierefreien Rampe und einer Treppe erschlossen. Die Treppe liegt in der Verlängerung der Unterführung. Nach Norden wird die Treppe zum Parkplatz hin mittels einer Mauer abgefangen. Nach Süden öffnet sich der Raum. Eine grüne Böschung verläuft parallel zur Treppenwange. Die barrierefreie Rampe ist einzügig an der Grundstücksgrenze verortet und somit platzsparend angeordnet und in dem Grünbereich zwischen Weg und Einfriedung integriert. Der an der Rampe abknickende Weg ermöglicht eine begrünte Böschung, die ein angenehmes und angstfreies Raumgefühl für die Nutzer der Rampe ermöglicht.

    Lichtkonzept
    Die Hauptbeleuchtungslinie führt entlang des Weges durch den Park. Die Lenneperlen bieten zudem noch Orts- und Nutzungsspezifische Effektbeleuchtung. Die neue Fußgängerbrücke erhält eine Wegebeleuchtung im Handlauf. Auf weitere Lichtquellen wird aufgrund der Hochwassersituation an dieser Stelle verzichtet. Die Fritzstufen werden durch eine Illuminierung der Fritz-Berg-Brücke indirekt beleuchtet. Der Altena Beach wird durch Lichtbänder im Unterschnitt der Sitzstufen dezent beleuchtet. Der Park und Ride und die Balkonterrassen erhalten aufgrund ihrer Funktionen als Parkplatz und Bahnhofsvorplatz zusätzliche Lichtquellen, um eine ausreichende Beleuchtung zu gewährleisten.

    Materialien
    Der Rad- und Fußweg erhält einen Asphaltbelag, um den Nutzern der Lenneroute gerecht zu werden. Die Wegekanten bestehen aus Werkbetonstein und bilden eine klare Abgrenzung zu den Lennewiesen. Auf der Wiesenseite sind es 60x200cm, auf der Bahnseite nur 25cm breite und 100cm lange Steine. Die schmale Kante erhebt sich hinter den Ausbuchtungen zu einer Werkbetonsteinmauer. Die Sitzstufen und die Balkonbrüstung sind ebenfalls aus Werkbeton. Die an den Weg anliegenden Platzflächen an den Burgterassen und dem Lennebalkon bestehen aus einer wassergebundenen Wegedecke.

    Vegetation
    Auf der Uferböschung sind Weichhölzer wie Weiden angedacht, um die Böschung vor Erosion zu schützen. Der ebene Park besteht aus einem robusten Landschaftsrasen und aus locker gesetzten, aufgeasteten Harthölzern, wie zum Beispiel Stieleichen oder Bergahorne. Der Weg wird, wie schon die Lennepromenade, von säulenförmigen Hainbuchen und zusätzlich von einer niedrigen Schneebeeren-Strauchpflanzung begleitet. Der Park und Ride ist mit Schotterrasen versehen worden

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Beurteilung Arbeit 1014
    Die Arbeit zeichnet sich durch eine angenehme Zurückhaltung sowohl in der Gestaltung des
    Lenneparks als auch in der Gestaltung der Brücke aus.
    Der Übergang vom Bahnhaltepunkt in den Lennepark wird seiner Funktion gerecht. Die
    Anbindung des Park&Ride Parkplatzes ist gut, für bewegungseingeschränkte Personen aber
    etwas weit.
    Durch die Konzentration auf eine Wegeverbindung entlang der Bahnlinie verbleibt viel Platz
    für den Naturraum Lennepark und die Lennewiesen. Vier besondere Orte, vom Verfasser
    Lenneperlen genannt, gliedern diesen Park. Mit dem Lennebalkon am Zugang zur
    Bahnstation und Burgterrassen am Brückenkopf gelingt der Auftakt im Lennepark sehr gut.
    Die Fritzstufen und der Altena Beach sind grundsätzlich gut positioniert und nehmen ebenso
    die angrenzende Strukturen auf. Sie bieten unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten, wobei bei
    der Badestelle (vom Verfasser „Altena Beach“ genannt) wegen der hohen Böschung kritisch
    diskutiert (Blickbeziehungen) und der Anglizismus „Beach“ für eine Kanuanlegestelle als
    überzogen angesehen wird.
    Die Planverfasser wählen für die Lage der Brücke einen Standort außerhalb des
    ausgewiesenen Wettbewerbsgebietes. Das ist nicht nur eine Reminiszenz an den
    historischen Standort der ehemaligen Brücke, sondern darüber hinaus städtebaulich positiv
    zu bewerten: Die Entwurfsverfasser erreichen so die direkte Verknüpfung der
    innerstädtischen Lennestraße sowie der städtischen Lennepromenade mit dem
    landschaftlich gestalteten Lennepark. Der Lennepark erhält so einen maximalen grünen
    Aufenthaltsbereich und die neue Brücke kann sich von der Fritz-Berger-Brücke
    emanzipieren.
    Außerdem ist die vorhandene topographische Situation an dieser Stelle des Ostufers sehr
    günstig. Durch die Höhe des Standorts sind keine Rampen notwendig und die
    Aufschwimmhöhe im Hochwasserfall ist verhältnismäßig gering.
    Die Schwimmkörper der Brücke zwischen den Pfeilern sind konstruktionsbedingt sehr groß
    dimensioniert und das Preisgericht diskutiert, ob dies von den Uferseiten störend wirkt.
    Außerdem kann nicht nachvollzogen werden, ob die Dimension ausreichend ist und ob es
    technische Probleme im Hochwasserfall geben wird. Statisch muss die Brücke so ausgeführt
    werden, dass sie im Hochwasserfall mit nur zwei Auflagepunkten auskommt.
    Wasserrechtlich muss noch geprüft werden, ob die Abmessungen der Flusspfeiler einen
    erheblichen Eingriff in die Hydraulik bedeuten. Grundsätzlich erscheint die Konstruktion aber
    realisierbar.
    Die Arbeit erscheint wirtschaftlich und realisierbar und stellt einen gelungen Beitrag zur
    Wettbewerbsaufgabe dar.