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  • DE Dresden
  • 03/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-4041)

Skatepark Lingnerallee


  • 1. Preis

    Übersichtsplan

    Landschaftsarchitekten
    atelier8 landschaftsarchitektur, Baruth/M. (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Horst Heinisch

    Mitarbeit
    Nicole Kleindienst, Mitarbeiter: Ragna Haseloff, Horst Heinisch, Thorsten Kramer, Nicole Schulze, mit Karsten Wittke und Johannes am Ende (Bildende Künstler)

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Einbindung – Weiteres Gebiet
    Zwischen Rathaus/ Altstadt und Großem Garten erstreckt sich die Herkulesallee als grünes städtebaulich wirksames Band, in das sich der Skatepark wie eine Intarsie einfügt. Die Verknüpfung mit dem Stadtring wird durch die Fortführung der Baumreihen der Herkulesallee hergestellt. Durch die Differenzierung in der Ausbildung von doppelten und einfachen Baumreihen wird eine Auflockerung innerhalb der strengen Struktur bewirkt und die Orientierung und Raumbildung unterstützt.
    Die Verflechtung mit dem Straßenraum der Lingnerallee wird durch eine dezente und zurückhaltende Verzahnung erreicht (Abzeichnung als Wegebänder), auf die Anbindung an den Blüherpark verweist die landschaftlich schwingende Wegeführung, die zum Hygienemuseum führt.

    Städtebauliche Einbindung – Engeres Gebiet
    Den Auftakt zum Skatepark bildet der durch Alleebäume gefasste Platz ‚Meet and Greet’ als Ausgangspunkt für die Teilnehmer der Skate-Night. Der Platz bietet Aufstellmöglichkeiten für die Veranstalter und die Musik.
    Den Übergangspunkt in die Erlebnis-/ Ereigniszone der Herkulesallee und in den Skatepark markiert eine breite Sitztreppe - Tribüne zur Beobachtung der Aktivitäten auf dem leicht abgesenkten Spielfeld mit Betonbelag für die verschiedenen Rollsportarten. Die seitlichen Sitzmauern dienen als Bande und Sitzgelegenheit. Bei Veranstaltungen mit Bühne wird das Spielfeld zum Zuschauerraum, die umlaufenden Sitzmauern dienen als Ablageplatz und zum Umziehen. Der bestehende Fußgänger- und Radweg wird aufgenommen und in der Höhe angepasst.
    Der Skatepark und seine einzelnen Räume ordnen sich der städtebaulichen Leitidee unter, die Sichtbeziehungen zwischen Rathausturm und Großem Garten werden durch die klaren und richtungsgebenden Kanten der Sitzmauern entlang der Skate-Zonen unterstützt. Die Mauern fangen die höher gelegene Wiesenfläche am Robotrongebäude auf und grenzen den vier Meter breiten asphaltierten Fuß- und Radweg zum Skatbereich ab (Konfliktvermeidung). Zwischen den Mauern entstehen verschiedene Aktionsräume für die unterschiedlichsten Formen und Schwierigkeitsgrade des Rollsports:

    -Spielfeld für Hockey , freies Skaten und Veranstaltungen
    -Skatebahn mit Wellen, Slalom und Übungselementen für Familienskate
    -Skatearena als RealStreet
    -Halfpipe am Torhäuschenplatz/ Skateverleih

    Die Baumpflanzungen in Verlängerung der Herkulesallee sind derzeit nur abschnittsweise realisierbar. Die komplizierten Eigentumsverhältnisse und die mögliche Verschmutzung der Skateflächen durch herabfallendes Laub beschränken die Pflanzungen auf die geplanten Platzsituationen. Durch optisches Zusammenziehen der Grünen Achse, die ab dem Platz am Torhäuschen weitergeführt wird, kommt die Idee des Sichtbarmachens der Allee dennoch zur Geltung.

    Skatearena
    Die Skatearena ist kein konventioneller Skatepark wie er vielerorts zu finden ist. Er ist innovativ und in dieser Form einmalig, nicht nur für die Region sondern auch für Deutschland. Die Skatearena erstreckt sich auf rund 65m Länge, sie orientiert sich thematisch an den Ursprüngen des Skatens im innerstädtischen Gefüge, ist sinnbildlich das überzeichnete Abbild eines Straßenraums mit Treppenanlagen (Stairs), Handläufen (Rails), Schrägen (Banks), Sitz- und Stützmauern (Ledges), an denen zeitloses Skaten praktiziert werden kann - eine sogenannte ‚RealStreet’. Der Entwurf lässt ein Durchfahren von acht Sektionen auf spannungsvoll wechselnden Ebenen zu, der zentrale Pool stellt eine eigene Herausforderung dar. Die Sektionen sind in unterschiedlichste ‚Spots’ unterteilt, an denen verschiedene Tricks gefahren werden können.
    Im Unterschied zu einer konventionellen Skateanlage kann bei der geplanten RealStreet-Arena sowohl der Anfänger als auch der fortgeschrittene Skater Spaß haben, da es nicht auf die Höhe der Geräte ankommt, sondern darauf, was der Einzelne aus dem Gerät herausholt. Zudem sind Spots eingebaut, die so noch nie gebaut wurden. Die Anlage ist somit eine Herausforderung für Ungeübte und Profis, vereint die Nutzergruppen und hat somit das Potential eines generationsübergreifenden Treffpunktes.
    Durch die Verwendung von Beton als durchgängiges Gestaltungsmaterial und das teilweise Einlassen der Anlage unter Niveau wird ein homogenes und dezentes Erscheinungsbild der Skatearena geschaffen. Eine farbige Gestaltung erfolgt nur an vertikal aufstrebenden Elementen, nicht auf den Fahrflächen.

    Skatebahn mit Wellen, Slalom und Übungselementen für Familienskate
    Als verbindendes Element zwischen der Skatearena und dem Hockeyfeld liegt ein Skatebereich, der mit Rasenbändern durchzogen ist und Aufenthaltsqualität für Familien mit kleinen Kindern und Anfänger besitzt. Hier können erste Versuche mit Wellenbahnen, Slalom oder kleinen Rampen unternommen und auf den Rasenflächen gelagert und beobachtet werden. Der Bereich ist wie die anderen Felder vom Radweg her barrierefrei zu erreichen, zum Robotrongebäude hin schält sich die Fläche ca. 40cm in den Boden und wird durch die begleitende Sitzmauer abgefangen, die zur Zeit angeschüttete Eiche wird so wieder auf ihr angestammtes Geländeniveau zurückgeführt.

    Halfpipe am Torhäuschenplatz/ Skateverleih
    Die umgesetzte Halfpipe mit rückseitigen Schließboxen wird Anziehungspunkt auf dem Platz am Torhäuschen (Skateverleih) und bildet in gewisser Weise ein raumwirksames Pendant zum Torhaus. Den besonderen Herausforderungen in der Nutzung der Halfpipe wird hier ausreichend Raum gegeben, das Objekt integriert sich.
    Der Platz erhält eine Asphaltdecke und bildet den Übergang in die überwiegend ruhigen Erholungs-/Kultur- und Parkzonen im Bereich der Herkulesallee.

    Künstlerisches Konzept

    Skaterelemente als modulare Skulpturen und Bildträger für Streetart
    Der künstlerische Entwurf greift das Vorhaben aus den 70iger Jahren auf, in einer übergreifenden künstlerischen Konzeption eine zentrale Achse mit thematischen Bildprogrammen zu schaffen. Die Lingnerallee sollte als Fußgängermagistrale das Rathaus mit den Sportstätten und dem Erholungsbereich im Großen Garten verbinden und wurde mit der Figurengruppe und dem Wandbild künstlerisch ausgestattet.
    In diesem Sinne reiht der künstlerische Entwurf in Bezug zu dem landschaftsarchitektonischen Entwurf verfremdete Skaterelemente an der neu gestalteten Achse auf. Auf die Skaterelemente werden Bildthemen aufgebracht, die in einem inhaltlichen Kontext zu Dresden stehen und mit zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen (Streetart) und dem Konzept der Partizipation realisiert werden.

    Skaterelemente als modulare Skulpturen
    Ausgangsmaterial sind die handelsüblichen Skaterelemente und nicht selbstentwickelte Formen. Die Skaterelemente werden als Module in ihrer ursprünglichen Form verwendet und durch einfache Drehungen in ihrer Funktion und Wahrnehmung verfremdet. Die Neupositionierung der Skaterelemente weist ihnen eine neue Funktion als Skulptur zu.
    Ihre Eigenschaft als wiedererkennbare Module ermöglicht eine Erweiterung und Aufstellung aus dem Kerngebiet heraus.

    Skaterelemente als Bildträger für Streetart
    Für die Zielgruppe der Skater und Jugendlichen ist die Streetart eine Kultur und künstlerische Ausdrucksform. Hiervon abgeleitet werden die Ramps in diesem Stil „bemalt“. Diese „Bemalungen“ werden partizipativ gestaltet, indem sie durch Mitglieder der Zielgruppen ausgeführt werden. Die frühzeitige Einbindung und Beteiligung der Skater – und Streetartszenen weckt das Interesse an der neuen Anlage, schafft Identität und damit die Akzeptanz und einen behutsamen Umgang mit dem Gebauten.
    Ein weiterer Aspekt ist der „Bildwechsel“, das heißt die Neugestaltung der Bildinhalte in einem beispielsweise zweijährigen Turnus. Der „ Bildwechsel“ wird den Besucher und Betrachter die Gesamtanlage immer wieder neu und spannend erleben lassen.
    Die erste Gruppe der Bildthemen wird sich auf das 800-jährige Stadtjubiläum Dresdens beziehen. Traditionelle Stadtansichten und Motive Dresdens werden in der Sprache zeitgenössischer Streetart bearbeitet. Damit wird eine Geschichte der Kunst in Dresden fortgeführt, die von der Spannung zwischen Tradition und Innovation geprägt ist. Die erste „Bemalung“ wird in der Zusammenarbeit mit Studenten der Hochschule für bildende Künste Dresden umgesetzt. Bei den Studenten handelt es sich um Vertreter der Dresdener Streetartszene.

    Konzept für die Zukunft / Wettbewerb„ Dresdener Streetart Biennale“
    Für die weitere Gestaltung der „Bildramps“ schlagen wir vor, in einem zweijährigen Turnus eine Streetart Biennale zu veranstalten. Für diesen Wettbewerb schlagen wir Themengruppen wie Utopie der Stadt, Sports and Fun, Gärten und Parks vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.