loading
  • DE-86732 Oettingen
  • 07/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-146625)

Neugestaltung südlicher Hofgarten


  • 1. Preis

    Perspektive in den Hofgarten

    Landschaftsarchitekten
    Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Poetische Wege

    Wege, die mehr sind als nur Verbindung zwischen zwei oder mehreren Punkten, Wege die auch ein Ziel sind: das ist die Grundidee des Konzeptes. Infolgedessen werden nicht nur Wege zwischen und zu den wichtigen Quell- und Zielpunkten eingerichtet, sondern ein ganzes Netz aus Wegen geschaffen, die in heiter-schwingender Weise Bushaltestelle, Parkplätze, Altstadt und Schule miteinander verbinden sowie an den nördlich gelegenen Stadtpark anbinden: poetische Wege.
    Die Nutzer haben in jede Richtung die Wahlfreiheit zwischen mehreren Alternativen. Direkte Verbindung oder kleine, verspielte Umwege, breitere Wege oder schmälere, stärker befestigte oder typische Waldwege, wechselnde Steigungen, wechselnde Perspektiven. Der Raum zwischen den Zielen wird zum Raum bewusster Bewegung, bewussten Erlebens und unterschiedlicher Dynamik. Auf ‚schnellen‘ Wegen fahren Radler, Blader, Skater etc., auf den ‚langsameren‘ genießt man das Schlendern durch den parkartigen Bestand. Wer sich buchstäblich aus dem Weg gehen will, hat hier alle Möglichkeiten. Ältere werden nicht von ungestümen Kindern bedrängt, Paare suchen sich Ihren Weg abseits und so fort.
    Ganz nebenbei entsteht so auch ein sehr leistungsfähiges Wegenetz, das den
    Anforderungen gewachsen ist und auch größere Menschenbewegungen verkraftet.
    Ankommende Reisebusse, die ihre ‚Fracht‘ zum Rundgang durch die historische Stadt
    absetzen, Schulbeginn und Schulschluss, die große Menschenmengen auslösen (können) u.v.a.m. werden konfliktfrei an einander vorbei geführt. Aber auch Punkte zum längeren Verweilen sind vorgesehen. Runde oder elliptische Sitzmauern aus Naturstein, die Bäume oder bepflanzte Bereich umfassen und an mehreren Stellen ins Wegenetz eingebunden sind, laden zum Aufenthalt. Ein Angebot an ‚klassischen‘ Parkbänken mit Lehnen bieten in Ergänzung auch komfortbedürftigeren oder -abhängigen Mitmenschen Möglichkeiten zum Verweilen. Mit halbhohen Mastleuchten und nicht zu grellen Leuchten entlang der Wege wird eine angenehme, auch nach Einsetzen der Dämmerung Sicherheit vermittelnde Ausleuchtung erreicht, ohne den Charakter des Parkes zu grell zu ‚übertönen‘.
    Das Materialkonzept unterstützt die Grundidee der wählbaren Wegealternativen. Auch die
    Wegedecken sind unterschiedlich, wenn auch farblich möglichst gleich gehalten. Die
    Hauptwege und –zugänge werden mit verfestigter Oberfläche/ Decke mit bituminöser (
    Farbasphalt) oder hydraulischer Bindung ( HGT) hergestellt. Auf diesen Oberflächen lässt
    sich schnell und mit Komfort vorankommen. Die ‚Waldwege‘ mit typischer
    wassergebundener Decke sind eher für langsamere Fortbewegung gedacht.
    Nördlich und südöstlich des Schulgebäudes fällt das Gelände sanft zum Neubau hin ab.
    Dadurch wird die Höhensituation deutlich entschärft.

    Der Baumbestand bleibt erhalten und wird entlang der Parkwege durch Neupflanzungen
    (Baumpflanzungen: 24 Stk., Ausgleichsmaßnahme) erweitert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf zeichnet sich durch einen sehr sensiblen Umgang den vorhandenen Strukturen aus. Er nimmt den Gedanken, den Hofgarten nach Süden zu arrondieren auf. Mit dem feinen Wegenetz verbindet der Entwurf in angemessener Weise die Zielpunkte. Schüler- und sonstiger Verkehr werden sehr schön durch die Parklandschaft geführt. Durch Bypässe wird
    unterschiedlichen Nutzern, z.B. Radler und Skatern, aber auch den langsameren Spaziergängern ein gutes Miteinander ermöglicht. Die großen, zusammenhängenden Grünflächen unterstreichen die ruhige Parksituation und geben dennoch Freiraum für die Vielfalt unterschiedlicher Nutzungen. Sehr positiv wird auch die Annäherung des Geländes an die Nordfassade des Schulbaus empfunden. Die Integration des ehemaligen Amphitheaters für die Geländemodellierung als auch der bleibende Hinweis als Erinnerungsstück an die alte Schullandschaft werden sehr positiv beurteilt.

    Der nördliche Eingang zur Schule als auch die unaufdringliche Verbindung zur Turnhalle auf dem gleichen Geländeniveau sind angemessen gestaltet. Die dortige Feuerwehrzufahrt ist im vollen Umfang nachgewiesen. Trotzdem gelingt es dem Verfasser in ausgezeichneter Weise, die Bestandsbäume in diesem Bereich zu erhalten. Der Höhenunterschied an dieser Stelle wird durch eine Mauer aufgenommen und sichert so zu beiden Einrichtungen den erd- und untergeschossigen Eingang. Die strickte, geradlinige fußläufige Verbindung vom Saumarkt zu den Lehrparkplätzen und damit zur Schule und zur Turnhalle erschließt alle drei Funktionen in idealer Weise (kürzester Weg). Nebenbei erwähnt eignet sich dieser Weg sehr gut für jährlich wiederkehrende Großveranstaltungen.

    An dem organisch gestalteten Fußwegen sind Sitzmauern aus Naturstein angeboten, welche den Linien der Wegeführung folgen. Weniger der Parksituation angemessen werden die doch sehr unvermittelt auftretenden in den Wegeraum eingreifenden runden Sitzgelegenheiten betrachtet.

    Der Verfasser hat es in seinem Entwurf unterlassen, zwischen Bestands- und neu zu pflanzenden Bäumen zu differenzieren. Bemängelt wird die unmittelbare Heranführung des Pausenhofs an die Ost-West-Achse des Fußweges über seine gesamte Länge.

    Pausenhof, Lehrerparkplatz und die Flächen zwischen Sporthalle und Schule sind als eine große graue Fläche dargestellt. Es fehlt jeglicher Differenzierungs-/Gestaltungsgedanke.

    Die übergeordnete Gestaltung ist von hoher Qualität, indem der Verfasser dem südlichen Hofgartenbereich seine ehemalige Form weitestgehend zurückgibt. Er beschränkt sich auf Bäume des Parks. Die gleiche Behutsamkeit führt er auch in der Oberflächengestaltung der Gehwege weiter. Die Hauptwege sind mit Farbasphalt, die Nebenwege werden wassergebunden vorgeschlagen.

    Die Barrierefreiheit in den Hauptwegen ist nachgewiesen. Das Gleiche gilt auch für die Feuerwehrzufahrten im Süden und im Norden.

    Die Realisierbarkeit erfüllt die Vorgaben. Die Herstellungskosten sind eher im unteren Bereich der Vorgabe zu erwarten. Das Gleiche gilt für den Pflege- und Unterhaltsaufwand.


INFO-BOX

Angelegt am 01.08.2013, 11:46
Zuletzt aktualisiert 02.08.2013, 17:29
Beitrags-ID 4-71752
Seitenaufrufe 500