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  • DE-68161 Mannheim
  • 07/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-148074)

Gestaltung Karlsplatz


  • 1. Preis

    Auenlandschaft mit Gräserbändern und Überdachung Grasdach

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Ricardo Patings

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: K9 ARCHITEKTEN Borgards.Lösch.Piribauer, Freiburg im Breisgau (DE)

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Konzeptidee

    Im Zuge des Umbaus der Haltestelle soll der Karlsplatz zum attraktiven Entree für den Stadtteil Rheinau umgestaltet werden. Die Idee wird aus der Landschaft entwickelt, die dem Stadtteil ihren Namen gab – die Rheinaue. Der Karlsplatz greift die Charakteristik der Rheinaue auf und wird zum Tor zu Rheinau als identitätsstiftender Entreeplatz.
    Am Gelenkpunkt zwischen der Achse der Relaisstraße und dem landschaftlichen Bezug zum Rhein bildet der Kreisverkehrsplatz mit den Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs eine markante Kunst-Landschaft, die durch ihre Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit dem Stadtteil Rheinau seine eigene Identität verleiht.


    Karlsplatz – Tor zu(r) Rheinau

    Sämtliche Gestaltungs- und Ausstattungselemente fügen sich in ein Gesamtkonzept ein und verleihen dem Karlsplatz seinen ganz eigenen und unverwechselbaren Charakter.
    Geschwungene Gräserbänder thematisieren die nahegelegene Rheinaue und schaffen eine einzigartige Erlebnislandschaft mit hoher Aufenthaltsqualität. Die ebenfalls geschwungenen Verkehrslinien wie die Busspur oder auch die Taxizufahrt werden in das Konzept einbezogen und durch ihre Materialwahl in die Gestaltung integriert. So spiegelt beispielsweise der Ortbeton als Belag für den Busbahnhof den spröden, naturhaften Charakter der Kiesbänke wieder und eignet sich gleichzeitig ideal als robustes Material für die extreme Belastung durch den Busverkehr.
    Die Haltestellen von Bus und Straßenbahn werden in Form von großzügigen Dächern überdacht, die sich auf der Idee der Gras- und Auelandschaft entwickeln. Schräge Stützen tragen wie Schilfhalme ein leichtes Glasdach und werden so zum „Grasdach“. Die Beleuchtung greift die Idee der Gräser wieder auf und wird ebenfalls in Form von schrägen Schilf- und Grashalmen vorgestellt, die Leuchtkörper wirken dabei wie Fruchtstände.
    Das Drais-Denkmal wird als ortstypisches Motiv an markanter Stelle auf den Platz geholt und macht die Geschichte des Karlsplatzes an zentraler Stelle in der Achse der Relaisstraße erlebbar.
    Die umgebenden Flächen werden ruhig und zurückhaltend gestaltet und bilden eine Kulisse für den zentralen Bereich der Kunstlandschaft Rheinaue.


    Beläge und Materialien

    Die Wege und Bahnsteigflächen werden in einem Pflasterbelag vorgeschlagen, der mit seinen warmen Farbtönen in gelb-beige die Assoziation zum Sandboden der Rheinaue weckt und ein freundliches und einladendes Erscheinungsbild erzeugt. Ortbeton bildet einen individuellen und gleichzeitig robusten Belag für die Busspur. Er hält den Belastungen durch den Busverkehr stand und wirkt gleichzeitig aufgrund seiner Farbe hell und freundlich. Das Fugenbild der notwendigen Dehnfugen übersetzt grafisch den Charakter der Auelandschaft mit dem Bild von Strandgut, das wie zufällig an Land geschwemmt wurde. Bänke sind ebenfalls robust aus Beton ausgeführt.


    Beleuchtung

    Die Beleuchtung nimmt das Thema der Rheinaue wieder auf, Schilf- und Grashalme stehen frei verteilt über den Platz und wiegen sich im Wind. Durch ihre freie Anordnung kann individuell auf die jeweiligen Beleuchtungsanforderungen von Fahrbahn, Haltestellen usw. eingegangen werden und so eine optimale Ausleuchtung erreicht werden. Gleichzeitig entstehen durch die freie Lichtverteilung interessante Verdichtungen und Lichtflecke auf dem Boden, die eine ganz eigene Lichtstimmung auf dem Platz erzeugen. Ihre Materialität aus Corten-Stahl unterstreicht den etwas spröden Charakter der Auelandschaft und verleiht dem Karlsplatz seinen eigenständigen Charakter. Dabei wird bei der Auswahl auf Standardprodukte eines gängigen Leuchtenherstellers zurückgegriffen, die Bestückung erfolgt mit moderner LED-Technik und trägt so durch ihren geringen Verbrauch sowie der Insektenfreundlichkeit zur Ökologie und Umweltschutz bei.


    Vegetation

    Die vorhandenen fünf Eichen werden erhalten und durch typische Bäume der Aue, wie z.B. Erlen oder Weiden ergänzt. Die geschwungenen Bänder werden mit unterschiedlichen hohen Gräsern und Stauden, wie z.B. Segge, Chinaschilf und Iris bepflanzt, die den Charakter der Aue wiederspiegeln und gleichzeitig robust und pflegeleicht sind.


    Bahnsteigdach

    Der Karlsplatz als „Eingangstor zu Rheinau „ erhält mit der neugeplanten
    Bahnsteigüberdachung ein klares weithin sichtbares Signet. Die aus einer Ellipse abgeleitete Form der beiden Dachhälften schafft eine starke in seiner Gesamtheit wirkende Form und definiert einen eindeutigen Ort auf dem weitläufigen Karlsplatz. Die frei angeordneten Stützen, die mit den geplanten Leuchtmasten korrespondieren, erstrecken sich wie lange Gräser über das Dach hinaus. Sie dienen als Pylone für die Abhängung des leichten Glasdaches. Die Dachscheibe ist als Rost konstruiert, der aus einem umlaufenden Gurt und 2 Stabrichtungen besteht. Die leicht bewegte Stabführung nimmt das Thema der bewegten Grasfelder auf. Der Wechsel von leicht bläulichen und grünlichen Gläsern unterstützt diese optische Wirkung. Das große Dach übernimmt den Schutz für die Wartenden, für alle Informationssysteme auf dem Bahnsteig und schützt auch die Fahrräder. Es wird somit eine integrative Lösung für die verschiedensten Funktionen im Gegensatz zu einer additiven Lösung erreicht. Mit dem einprägsamen Bauwerk entsteht ein Ort mit hoher Identifikation für die Bewohner von Rheinau.


    Trafostation/Funktionsgebäude

    Die zusätzlich notwendigen Räume für das betriebstechnische Personal und für die öffentliche Toilette werden mit der bestehenden Trafostation in eine bauliche Einheit zusammengefasst. Die Trafostation wird durch einen Anbau erweitert und erhält eine fast quadratische Grundform. Die eigentliche Trafostation wird dabei von einem Flur- und Zugangsbereich von dem Aufenthaltsraum und den Toiletten des Betriebspersonals und dem öffentlichen WC getrennt. Das Dach der Trafostation wird abgetragen und durch ein Flachdach, das sich über die gesamte neue Anlage erstreckt, ersetzt. Das gesamte Gebäude bekommt ein neues Kleid aus einem Edelstahlgewebe. Das leicht glänzende Gewebe lässt Durchblicke auf die grün gestaltete Außenhaut des Gebäudes zu und erlaubt eine Belichtung der dahinterliegenden Räume, die optisch geschützt sind. Insgesamt entsteht ein ruhiger Baustein der sich als Pendant zum Bahnsteigdach klar unterordnet und als Begleiter versteht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser gehen nicht von der Kreisform des Karlsplatzes aus, statt dessen wählen sie die shcwingende Formen der Auenlandschaft als zentrales Motiv ihres Entwurfes. Auf diese Weise gelingt es, den unterschiedlichen Anforderungen, die an die Platzgestaltung gestellt werden, auf selbstverständliche Weise zu entsprechen. SO wird auf abstrakter Ebene das Thema Rheinaue, das dem Stadtteil seinen Namen gab, aufgenommen.

    Ein elliptisches Dach als Haltepunkt bildet einen überzeugenden Identifikationspunkt für den Eingang zum Stadtteil Rheinau. Es gibt dem Ort ein eigenes Gepräge und bildet einen richtigen "Point de vue" aus den anliegenden Straßen. Offen bleibt die FRage, ob und wie eine derartige Konstruktion finanziert werden kann. Die Geometrie der Fahrdrähte und der Dachkonstruktion müssen im Bereich der Haltstelle möglicherweise aufeinander abgestimmt werden.

    Das Trafohaus der MVV wird mit einem Flachdach versehen und um die notwendigen Funktionsräume erweitert, dabei ist der Mittelflur erntbehrlich. Das Gebäude wird richtigerweise mit einer zweiten Schicht aus Metallgittern abstrahiert und damit zum Körper im Raum.

    Der Entwurf respektiert alle funktionalen Anforderungen. Auch die Vorgaben der RNV an die Barrierefreiheit und an die Schülerlenkung werden erfüllt. Der neue Standort für das Drais-Denkmal kann nicht überzeugen und sollte am angestammten Ort verbleiben.

    Abgesehen von der aufwendigen Dachkonstruktion handelt es sich um einen wirtschaftlichen Entwurf; insbesondere die Pflanzflächen haben keine besonderen Pflegeansprüche. Da es sich um ein stabiles Konzept handelt, können einzelne Flächen auch mit anderen als den vorgeschlagenen Pflanzensorten bepflanzt werden ohne dass die gesamte Idee in Frage gestellt wird. Die Artenauswahl muss sich den standörtlichen Gegebenheiten anpassen. Alle Bäume, deren Erhalt gefprdert war, können auch erhalten werden, somit werden die Anforderungen an ökologische Ausgleichsmaßnahmen erfüllt bzw. übererfüllt.

    Auch das Beleuchtungskonzept mit zusätzlichen Leuchten zur Akzentuierung des Raumes kann überzeugen und unterstützen auf spielerische Weise den urbanen Charakter des Ortes.

    Insgesamt stellt die Arbeit eine sehr gute Lösung für die gestellte Aufgabe dar.