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  • DE-19059 Schwerin
  • 10/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-56912)

Neues Wohnen am Lankower See


  • 3. Preis


    Landschaftsarchitekten
    ANDRESEN LANDSCHAFTSARCHITEKTEN, Lübeck (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ppp architekten + stadtplaner, Lübeck (DE), Hamburg (DE)

    Preisgeld
    5.750 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Auf dem Plangebiet im Stadtteil Lankow hat die frühere Internats- und Wohnnutzung vielfältige Spuren hinterlassen, die neben der Lagegunst am Lankower See wertvolle Anknüpfungspunkte für ein städtebauliches Konzept liefern:
    - Die Fläche ist an das übergeordnete Straßennetz im Norden gut angeschlossen
    - Im Gebiet selbst gibt es Straßen und Wege, die ausgebaut und weitergenutzt werden können
    - Teilweise wertvolle, funktionsfähige Ver- und Entsorgungsleitungen sind im Untergrund vorhanden
    - Ein teils üppiger und prägender Baumbestand ist vorhanden
    Um ein nachhaltiges, wirtschaftliches und identitätsstiftendes Siedlungskonzept zu entwickeln, wollen wir die vorhandenen Potenziale des Ortes für ein bezahlbares und gleichzeitig besonderes Wohngebiet für junge Menschen, Familien und unterschiedliche Generationen nutzen.
    Daher zeichnen unser Erschließungssystem und die städtebauliche Struktur die wertvollen Relikte der Vornutzung nach und führen sie zu einem einfachen, aber sehr prägnanten Siedlungsbild weiter.
    So entsteht eine kammartige Struktur von Norden und Süden, die mit Fußwegen und technischen Überfahrten durch einen diagonalen mittigen Grünraum verbunden sind.
    Die Lagegunst in Nähe des Lankower Sees liefert uns die zweite großartige örtliche Qualität, aus der wir unser städtebaulich-freiräumliches Leitbild entwickeln und damit die neue Siedlung in die Ortstypik ganz selbstverständlich einbinden.
    Der vorhandene Grünraum im Nordwesten und die Wiesen am Rand des Lankower Sees werden miteinander durch einen diagonal gelegenen grünen Korridor im Herzen der Siedlung verbunden und bieten damit eine großzügige Verflechtung der neuen und bestehenden Wohngebiete untereinander und zum Lankower See. Dieser Grünraum, mit seinen vielfältigen Fußwegen, Treffpunkten und Spielmöglichkeiten ist die Mitte des gesamten Quartiers und gleichzeitig ein großer Abenteuerspielplatz für Kinder und Jugendliche.

    Bebauung
    Die klare städtebauliche Struktur ermöglicht sehr unterschiedliche Formen der Bebauung und kann damit auf zukünftige Marktentwicklungen und Nachfragen reagieren, ohne dass der Reiz der Siedlung gestört wird. Im Norden schlagen wir entlang der Haupterschließung südorientierte Reihenhäuser vor, die für die anschließenden Wohngruppen eine ruhige Situation bilden. Nördlich ergibt sich die Möglichkeit der Nachverdichtung auf den sehr langgestreckten großen Grundstücken der Gadebuscher Straße mit Doppelhäusern. Südlich bilden Gruppen von Atriumhäusern zur Straße platzartige Raumaufweitungen. Gartenseitig sind sie zu „grünen Fingern“ orientiert, in denen Entwässerungsmulden und Gartenwege liegen. Dadurch entstehen sehr intime ruhige Bereiche, die dennoch nachbarschaftliches Wohnen fördern.
    Im Süden wird der Erlenweg verbreitert, um eine beidseitige Bebauung zu ermöglichen. Entlang der kammartigen Straßen können sich sehr unterschiedliche Wohngruppen oder –zeilen entwickeln: Atriumhäuser (wie im Norden), Kettenhäuser, Doppelhäuser, Einzelhäuser etc.
    An der Haupterschließung gegenüber der Schule können Geschosswohnungsbauten entstehen oder verdichtete Wohnbauten für Mehrgenerationenwohnen. Dies ist auch anstelle der Reihenhäuser im Norden möglich.

    Freiraumkonzept
    Aus dem angrenzenden Städtebau heraus entsteht unter Berücksichtigung und Integration der vorhandenen Erschließungs- und Vegetationsstrukturen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung eine kammartige Bebauungstruktur. Raumbildende Bäume können weitgehend erhalten werden.
    Die Baufelder greifen von Norden und Süden in das Wettbewerbsgebiet hinein. Aus dem zentralen landschaftlichen Grünraum greifen wiederum „Grüne Finger“ in diesen „Bebauungskamm“ hinein, so dass sich ein engverzahntes Gewebe von Stadt und Landschaft entwickeln kann.
    Die überwiegende Zahl der neuen Grundstücke hat somit einen unmittelbaren Zugang ins Grüne, in die Landschaft.
    Die Grundstücke, die im Norden und Süden an den in West-Ost-Richtung verlaufenden Erschließungsstraßen liegen, erhalten rückwärtig kleine Gartenwege, die in die Grünen Finger führen, so dass auch diese Grundstücke eine gute Anbindung an die Freiräume im Wettbewerbsgebiet erhalten.
    In den „Grünen Fingern“ liegen gleichzeitig Entwässerungsmulden, die das Oberflächenwasser von den Grundstücke und den Gebäuden sammeln und in mehrere dezentrale Rückhalte-und Sickerflächen im Grünzug führen. Das Regenwassermanagement wird somit im Wettbewerbsgebiet nachhaltig und ökologisch betrieben. Durch Anpflanzung von Kopfweiden entlang der Gräben entsteht zudem ein gestalterisches Leitbild für die Grünen Finger, das diesen Räumen eine Prägnanz gibt und an die Landschaftsbilder am Lankower See anknüpft.
    Um die Flächenversiegelung im Sinne der Nachhaltigkeit ebenfalls möglichst gering zu halten, wurde auf Wendemöglichkeiten für Rettungs- und Müllfahrzeuge in den kammartigen Erschließungsstraßen verzichtet. Schmale sickerfähig befestigte Überfahrten durch den Grünzug liegen wie kleine Furten im Grünzug, treten allerdings durch Ihre Ausbildung mit Rasenfugen kaum in Erscheinung. Die Durchfahrt wird durch Einbauten reglementiert.
    Ein Fuß- und Radwegenetz zieht sich durch den entstehenden Freiraum und bindet die angrenzenden Wege an, so dass ein Durchqueren auch für die Anwohner aus den umliegenden Quartieren möglich ist. Elliptische Aktionsfelder liegen als zusätzliche Anlaufpunkte in dem Grünzug. Spielen, Sitzen, Klönen, Fitness, vielfältigste Freizeitnutzungen im Freien sind hier denkbar und bieten die Möglichkeit wichtige Funktionen wie das Spielen u.a. in das Gesamtkonzept zu integrieren und einen angemessenen Platz dafür zu finden.
    Durch das beschriebene Konzept wird versucht an dieser Stelle am Lankower See in Schwerin unter Berücksichtigung der vorgefundenen stadt- und landschaftsräumlichen Situation ein feinmaschiges, unverkennbares Netz von Stadt und Landschaft zu weben.

    Erschließung
    Um eine ruhige, vom Individualverkehr freie grüne Mitte zu erhalten, ist die Erschließung für PKW in einem nördlichen und einem südlichen Bereich geteilt. Der nördliche Teil ist direkt an die Gadebuscher Straße angeschlossen. Die südliche Anbindung erfolgt von der Ahornstraße in Höhe der Versöhnungskirche und belastet insofern nicht die bestehenden südlichen Wohngebiete. Im Gegenteil kommt es zu einer Entlastung, weil es für Bestandsverkehre eine zusätzliche Erschließung gibt.
    Ver- und Entsorgungsfahrzeuge können die grüne Mitte über Furten queren, um großflächige Wendeflächen und Umwegverkehr zu vermeiden.
    Die Wohnstraßen sind als shared space mit platzartigen Aufwertungen vorgesehen.
    Vielfältige Fußwege durchziehen das gesamte Wohngebiet und vernetzen es mit dem vorhandenen Wegenetz im Umfeld. So können auch bestehende Quartiere sowohl von der grünen Mitte profitieren als auch einen schönen Fußweg zum Lankower See nutzen.

    Realisierung / Qualitätssicherung
    Das neue Wohngebiet lässt sich gut in zwei große Bauabschnitte gliedern:
    Der nördliche Teil inklusive der grünen Diagonalen und den Entwässerungsmulden und dem südlichen Teil. In beiden Teilen lassen sich wiederum entsprechend dem Nachfrageumfang kleinere Bauabschnitte bilden. Dadurch entstehen pro Bauabschnitt kleinere fertige Nachbarschaften und kleinpunktuelle, zusammenhanglose Einzelbebauungen auf der Fläche.
    Um eine möglichst hohe Qualität der Bebauung zu erhalten, schlagen wir vor, für einzelne Hausgruppenoder Nachbarschaften kleinere Bauträger/Architekten Wettbewerbe durchzuführen. Die Vergabe erfolgt für das beste Produkt. Dadurch wird die Architektenqualität deutlich erhöht und der gestalterische Gesamtzusammenhang kann durch die Jury gesteuert werden.
    Für die Bebauung mit Einzel- oder Doppelhäusern schlagen wir die Einrichtung einer Beratungsjury vor. Dabei erfolgt die Vergabe der Grundstücke nach Vorlage eines Gebäudevorschlags (Vorentwurf), der dieser Jury vorgelegt im Hinblick auf die gestalterische Einfügung in den Kontext beraten wird. Nach Einarbeitung dieser Hinweise erfolgt die Grundstücksvergabe für die Bebauung mit diesem Gebäude. Im Idealfall kann bei großer Nachfrage die Vergabe an den Bewerber mit dem besten Architektenvorschlag erfolgen.
    LA: Sven Andresen Landschaftsarchitekt Lübeck

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebauliche / landschaftliche Einbindung:
    Die Autoren entwickeln eine weitgehend konsequent durchgeformte Grünverbindung zwischen den beiden vorhanden Landschafträumen als zentrale Mitte des neuen Quartiers, die zugleich Durchgangs – und Kommunikationsort für und mit den angrenzenden Wohngebieten darstellt. Die diagonale Anordnung zielt auf die zurückhaltend entwickelte Öffnung zum Lankower See hin. Der eher landschaftlich geformte Grünzug verknüpft sowohl die anschließenden Wohnhöfe als auch deren rückwärtige halböffentliche Gartenräume. Auf einen zentralen Quartierseingang für alle Arten von Verkehrsteilnehmern wird so verzichtet, ebenso auf eine direkte städtebauliche Verknüpfung mit dem Schulkomplex. Dies wird von der Jury eher kritisch gesehen. Die gewählte diagonale Anordnung des Grünzuges bedingt unterschiedlich große Wohnhöfe und erzielt so ohne weitere Regelungen bereits Wahlfreiheiten für die Vermarktung als auch für die Zusammensetzung der späteren Bewohner.
    Erschließung:
    Das Quartier wird je zur Hälfte über den direkten Anschluss an die Gadebuscher Straße zusammen mit der Schule erreicht und zum anderen über eine neue Verbindung an der südlichen Grenze des Kirchengrundstückes. Dabei wird die Eschenstraße mit zur Erschließung der südlichen Wohnhöfe genutzt. Ob dies von den Anwohnern akzeptiert würde und ob das neue Quartier dadurch nicht zusätzlich belastet würde, wird kontrovers diskutiert. Die zweite Anbindung der nördlichen Erschließungsstraße an die Gadebuscher Straße mit der dort vorgeschlagenen Bebauung wird in der Form nicht positiv bewertet. Dagegen wird die Option auf eine rückwärtige Erschließung parallel zur Gadebuscher Straße für sinnvoll erachtet. Die vorgeschlagen Querungsfurten durch den Grünzug für den Serviceverkehr werden zur Vermeidung von Doppelverkehr innerhalb der Wohnhöfe akzeptiert.
    Gebäudetypologie:
    Der Entwurf bietet eine breite Palette systematisch aufbereiteter, variantenreicher Winkelhäusern an, die, in Kombination mit den Wohnhöfen, die vom Auslober gewünschte Vielfalt gut abdecken könnten. Die Qualität der Abstufung der Außenräume von öffentlich bis privat, sowie deren vielfältige und sinnfällige Abgrenzungselemente, werden ausdrücklich gelobt.

    Das Konzept könnte die in Schwerin bereits neu entwickelten Quartiere ähnlicher Art bei der Durchsetzung der vorgeschlagenen Wohnungstypologie durchaus positiv ergänzen. Es lässt sich auch ohne weitere Schwierigkeiten in kleineren Abschnitten verwirklichen, allerdings ist für den südlichen Abschnitt ein Zusammenwirken mit den Anwohnern der Eschenstraße unumgänglich