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  • DE-12101 Berlin
  • 09/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-131199)

IGA Berlin 2017


  • Anerkennung


    Landschaftsarchitekten
    plancontext gmbh landschaftsarchitektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Christian Loderer , Uwe Brzezek

    Mitarbeit
    Thorsten Zellmann, Enrico Kliem, Slava Makaev

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: Konstruktionsgruppe Bauen AG, Kempten/Allgäu (DE)
    Architekten: GATE Gussmann Atelier, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Präambel

    Laut einer aktuellen Studie wird Berlin vor allem als „cool, trendy, spontan, ungezwungen, abwechslungsreich, multikulturell und weltoffen“ gesehen. Die Internationale Gartenausstellung greift dieses positive Image auf und trägt neue Impulse bei. Dadurch kann sich Berlin erstmalig umfassend als grüne und zukunftsorientierte Metropole präsentieren.
    Die auf dem Austragungsgelände vorhandenen Gegensätze sind typisch für Berlin und stellen ein großes Potential dar. Sie machen die IGA spannend und einzigartig und werden entsprechend inszeniert: Die urbane Großsiedlung steht im Kontrast zur naturnahen Wuhlelandschaft, die traditionelle Gartenkunst steht experimentellen Ansätzen des „urban gardening“ und „native landscaping“ gegenüber, das Tal der Wuhleniederung mit seinen teils steilen Kanten zur Hochfläche des Barnim wird überragt durch die Anhöhen des Kienbergs und des Friedensparks und bietet immer wieder großartige Ausblicke.

    Flächenkonzept

    Parkerlebnislandschaft
    Mit der IGA können wichtige Bausteine der „Strategie Stadtlandschaft“ verwirklicht werden. Es entsteht eine „Parkerlebnislandschaft“ der Zukunft, die sich speziell mit der Gestaltung und Entwicklung der Peripherie einer Metropole auseinandersetzt. Dieser neue Parktypus vereint die intensiv gestaltete Gartenkunst mit der künstlich geschaffenen Landschaft des Kienbergs und der vielgestaltigen Naturlandschaft des Wuhletals zu einer weitläufigen, zusammenhängenden Erlebnislandschaft.

    Gartenband
    Den Gärten der Welt wird ein starkes und kontrastreiches Gartenband aus experimentellen und innovativen Gärten entgegen gesetzt. Es zieht sich im Norden vom Wiesenpark bis zum Auftakt Hellersdorf und bildet eine thematische und konzeptionelle Klammer. Darin wird das weite Spektrum urbaner Lebenskultur und neuer gesellschaftlicher Trends gezeigt, das die besondere Qualität Berlins ausmacht: die Do-it-Yourself-Kultur, die Internationalität, die Verknüpfung von urbanen und ländlichen Lebensstilen sowie eine veränderte Mobilität.
    Neben dem eintrittspflichtigen Bereich „Gärten der Welt“ und Kienberg soll auf dem Wiesenpark ein offener, frei zugänglicher Bereich entstehen. Diese „IGA für alle“ beinhaltet das Internationale Schulgartenzentrum und den Bereich der „Gartenpiraten“ mit Bürgerbeteiligungs- und Mitmachprojekten. Die große Festwiese mit offener Bühne soll für einen Sommer lang zum angesagten Treffpunkt werden und die berühmte Berliner Freiluftkultur vermitteln.
    Innerhalb des Geländes der „Gärten der Welt“ fördern die Themengärten der „Gartenkulturen“ den Dialog zwischen den Generationen und Kulturen, das Gartenfestival „The Berlin Fringe“ zeigt über die IGA hinaus wechselnde künstlerische und kreative Beiträge zur Gartenkultur. Die Gärten der „Wasserwelt“ und die „Vielfaltsgärten“ bilden die thematische Überleitung zu den Bereichen der Stadtnatur. Den künstlerischen Abschluss bildet der Friedensgarten am Auftakt Hellersdorf.

    Stadtnatur
    Dem intensiv gestalteten Gartenband steht mit dem Wuhletal und dem Kienberg eine vielfältige urbane Natur gegenüber. Die Aufenthaltsqualität und ökologische Qualität dieser Bereiche werden durch die geplanten Maßnahmen nachhaltig verbessert.
    Unter dem Motto „Natur erleben“ soll beispielhaft dargestellt werden, wie moderner aktiver und interaktiver Naturschutz mit attraktiven Angeboten zur Erholungsnutzung in Einklang gebracht werden können. Innovative Konzepte des „native landscaping“ zeigen zeitgemäße Ansätze für Pflanzungen im öffentlichen Raum. Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten mit heimischen Arten sind in der Regel dauerhafter und pflegeleichter, und damit kostengünstiger als bisherige Begrünungskonzepte. Prärieartige, großflächige Pflanzungen, Schilf- und Wasserpflanzungen zur Gewässerreinigung, trockene Hochstaudenflure sowie eine ökologische Waldentwicklung sind die wichtigsten Stichworte.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit versucht eine Parklandschaft zu entwickeln, indem der Wiesenpark und die Gärten der Welt durch ein kontrastreiches Gartenband untereinander verbunden werden. Kienberg und Wuhletal werden im Sinne urbaner Natur zurückhaltend entwickelt.
    Die Einfügung in das Stadtquartier ist unspektakulär. Das Ziel, eine Ost-West- Wegeachse zu entwickeln, die zukünftig die beiden Stadtteile Marzahn und Hellersdorf attraktiv verbinden soll, wird durch die ungenügende gestalterische Ausprägung nicht erreicht.

    Die wichtigsten Gestaltungselemente der Arbeit sind drei unterschiedlich große, bumerangförmige Pflanzflächen an zentralen Orten. Sie bilden eine plangrafische Struktur, die den Zusammenhalt der Räume bewirken soll. Allerdings ist die Wirkung nicht ausreichend stark, um die Verbindung der Teilräume überzeugend herzustellen. Die eingefügten Präriegrasflächen werden von Wegen begleitet, die nicht angemessen dimensioniert sind. Die Detaillierungsbereiche Wasserwelten, Gartenfestival und Spielplatz sind ebenfalls nicht detailliert genug durchgearbeitet, so dass ihre qualitativen Werte nicht erkennbar sind. Insbesondere besteht keine schlüssige Verbindung zwischen dem Renaissance-Garten und dem angrenzenden „Berlin Fringe“.
    Die Gruppierung von Seilbahnstationen, Turm und Panoramacafé auf dem Kienberg ist interessant. Es wird jedoch bezweifelt, dass das raumgreifende Gesamtensemble langfristig, gerade auch nach der IGA ausreichende Attraktivität bietet und wirtschaftlich betrieben werden kann. Die Wuhlebrücke ist schlicht. Sie formuliert über ein Portal den östlichen Eingang. Die proportionalen Verhältnisse von Pfeiler zu Brückenkörper erscheinen fragwürdig. Die gestalterische Intention bleibt vage. Das IGA-Band am Blumberger Damm bis zum Auftakt Hellersdorf ist nicht ausreichend ausformuliert und lässt deshalb Fragen offen. Die Ergänzung des IGA-Bandes im Wiesenpark greift zeitgemäße Themen auf und öffnet sich damit im Sinne des Anspruchs „umsonst und draußen“.

    Zusammenfassend zeigt die Arbeit gute Ansätze, die leider nicht überzeugend ausformuliert und dargestellt sind.


INFO-BOX

Angelegt am 10.09.2013, 17:40
Zuletzt aktualisiert 13.09.2013, 16:55
Beitrags-ID 4-73397
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