loading
  • DE-22848 Norderstedt
  • 08/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-149918)

Wohnen an der Aspelohe


  • Gewinner

    1.Preis: czerner göttsch architekten, © czerner göttsch architekten

    Architekten
    czerner göttsch architekten architektur + stadtplanung, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Tim Kalka, fritz benter

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Wiggenhorn & van den Hövel Landschaftsarchitekten BDLA, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Czerner Göttsch Architekten - Architektur und Stadtplanung
    Wiggenhorn & v.d. Hövel Landschaftsarchitekten

    Generationen - Wohnen an der Aspelohe – Norderstedt
    Barrierefreies Wohnquartier für Jung und Alt

    Städtebau

    Der städtebauliche Maßstab entwickelt sich konsequent von der nördlichen zweigeschossigen Reihenhausbebauung zur südlichen viergeschossigen Bebauung. Mit dem Geschosswohnungsbau wird die Grenze zum Gewerbe definiert. Die eingeschossige Hofwand zwischen Haus 1-3 ergänzt das Schallschutzkonzept des Wohnquartiers nach Süden. Durch sie wird der Parkplatzschall des südlich angrenzenden Gewerbegebäudes vom Wohnen abgeschirmt.
    In der Mitte des Quartiers entsteht als Pendant zum fortgeführten überörtlichen Grünzug der barrierefreie Platz als Zentrum für die Nachbarschaft im Quartier. Er dient als Treffpunkt, zum Informationsaustausch oder einfach zum Spiel. Auf dem Platz wird mit einem „Infopoint“ die gegenseitige Nachbarschaftshilfe, zum Bespiel für Fragen der Kinderbetreuung, der Freizeitgestaltung etc. zusätzlich zu einem Quartiersintranet organisiert.
    Als Teil des Quartiersensembles liegen die bestehenden Nachbarreihenhäuser auf der Nordseite mit direkter Lage am Grünzug. Der Grünzug erfreut somit Jung und Alt, Bestand und Neubau. Die schützenswerten Bestandsbäume im Grünzug werden weitgehend ins Gesamtkonzept integriert, die Fläche hochwertig gestaltet. Einen reizvollen Kontrast bildet am Grünzug die hohe Baumstruktur mit der kleinteiligen Gebäudestruktur. Die Townhouses an der Grenze zum östlichen Gewerbe werden von West erschlossen, individuelle Qualität ist ihre Erhöhung der EG-Bereiche +Terrassen mit Blick auf den Platz. Die dort geplanten Torhäuser an der Ost-Grenze sind durch die West-Orientierung aller Individualräume schallschutzoptimiert im Grundriss geplant. Sie erhalten erhöhte Sockel (1,10m) und Gärten. Grundsätzlich wird der tragfähige Städtebau mit viel Flexibilität vorgeschlagen, dessen individuelle Durcharbeitung das hohe Potentia des Ortes zeigt.

    Stadthäuser, Generationenhäuser - Eigentum förderfähig

    Für alle Reihen/Town- und Generation-Houses (Typ 2-7) gilt: Sie bieten auf max. bis 130qm WFL - also der förderfähigen Größe für Eigentum-komfortable Grundrisse mit 4-4,5-5 Zimmern und sind geeignet, flexibel Wohnen und Arbeiten, z, B. in der Kinderphase, mit Arbeitsraum zu ermöglichen. Das eine Zimmer mehr kann selbstverständlich auch als Hausarbeits. oder Hobbyraum dienen.
    Die Generation-Townhouses (Typ1) bieten 2 abgeschlossene Einheiten pro Haus. Die Nutzung für 2-3 Generationen im Haus, die Vermietbarkeit einer Einheit oder auch die Nutzung für Selbstständige mit Büro im EG und darüber gelegenen Familienwohnung sind realisierbar. Mit einer B-Plan Ausweisung als WA wäre dies zukunftsweisende Thema baurechtlich einfach umsetzbar.
    Der vielfältige Mix plant Diversität ein. Die Möglichkeiten der Umsetzung verschiedenster Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner und ihrer Lebensmodelle ist mit Grundrissbeispielen gezeigt. Die flexible Aufteilung im Inneren der Häuser und die Nutzbarkeiten auf max. 130 qm WFL schaffen bezahlbaren und förderfähigen, ideal nutzbaren Wohnraum als Eigentum für Familien. Dreigeschossig und zweigeschossig organisierte Reihenhäuser wechseln sich ab. Bei den Zweigeschossern gibt es die Möglichkeit des „Roofttop“: Eine Treppe erschließt - mit warmer Konstruktion - die Dachfläche, die so zum großen, sonnigen Dachgarten werden kann. Das Element ist nach Bedarf flexibel einsetzbar: z.B. Typ2, Typ 6,Typ 7. Durch gleiche Achsmasse sind Gebäudetypen flexibel.

    Geschosswohnungsbau - Miete förderfähig

    Der Wohnungsmix ist mehrgenerationenfähig ausgerichtet für Jung bis Alt - mit Schwerpunkt allerdings für Familien mit Kindern. Alle Geschosswohnungen sind förderfähig gemäß den Wohnraumförderungsrichtlinien der sozialen Wohnraumförderung in Schleswig-Holstein. Der Schallschutz wird baulich durch die Orientierung aller Individualräume nach Ost und West und zudem durch die Ausführung der Südbalkone als Wintergärten eingeplant.

    Nachhaltige Architektur mit zukunftsorientiertem Klinker für das „Waldquartier Aspelohe“

    Die kompakten Neubauten werden als langlebige, wartungsfreie Massivbauten errichtet. Der Sockelbereich aller Erdgeschosse und die schützende Hofwand wird mit einem baumrindenfarbigen dunklen Klinker im Quartier zusammengefasst. Die darüber liegenden Geschosse sind leicht und luftig mit einem hellen Klinker gestaltet. Diese Farbgestaltung nimmt die Themen des Ortes – als Dialog mit dem Waldbestand auf. Ein Waldquartier mit „Waldhäusern“, mit intensiven Begrünungen und langlebigem Charme. Die Dachflächen erhalten eine extensive Begrünung. Die Nutzer haben die Möglichkeit daraus auch intensiv genutzte Dachgärten zu kreieren. Energetisch sollen die Häuser optimiert mit geringem Verbrauch geplant werden. Der Glasflächenanteil ist auf sommerlichen und winterlichen Wärmeschutz ausgerichtet. Solarkollektoren können individuell auf den Dachflächen integriert werden. Ein Eisspeicher (Ökoplan) für das Quartier zur Unterstützung des nachhaltigen, zukunftsweisenden Energie-Konzeptes wird vorgeschlagen und bei Bedarf zentral eingesetzt.


    Die Landschaft

    Das neue Wohnquartier an der Aspelohe soll zum Bestandteil eines innerstädtischen Grünzuges werden. Er verbindet den östlich gelegenen Scharpenmoorpark mit der im Westen liegenden Straße Rugenbarg. Gleichzeitig wird der mittig durch das Quartier geführte Grünzug das bestehende Wohnquartier im Norden mit der städtebaulichen Ergänzung verknüpfen. Weiterhin führt der Grünzug zu einem stadträumlichen Abschluss an das südlich angrenzende Gewerbegebiet. Anknüpfend an die Interpretation des Namens Aspelohe - als eine Zusammensetzung von Pappel (Aspe) und Licht (Lohe) - soll der neue Grünzug als lichter Hain aus bestehenden Buchen und vorsichtiger Ergänzung von Baumgruppen und Einzelbäumen entwickelt werden. Zur Stärkung der langfristig geplanten stadtträumlichen Verbindung wird empfohlen, die Straße im neuen Quartier zu einem Fuß- und Radweg zurückzubauen. Ein Platz, überstellt mit vorhandenen Eichen, wird zum öffentlichen „Spazierplatz an der Aspelohe“ und zum Auftakt der jeweils geplanten öffentlichen Grünzugverbindungen zum Scharpenmoorpark und Rugenbarg. Die vorhandene parkartige Landschaft mit ihren bestehenden Bäumen wird erhalten. Pflegerische Maßnahmen, z. B. durch Herausnahme abgestorbener Nadelgehölze und Freistellung von Solitären mit hoher Lebenserwartung öffnet den bisher in sich geschlossenen Forst zu einem transparenten und offenen einladenden Parkwald mit hoher Aufenthaltsqualität und vielfältigen Nutzungsangeboten. Die im Park liegenden Plätze erhalten besondere Staudenpflanzungen und setzen sich deutlich von dem eher natürlich gehaltenen Grünzug/Park ab.

    Der private Garten

    Die privaten Gartenzonen werden von den Parkzonen des Grünzuges durch Hecken abgegrenzt und strukturiert. Einzelbäume in den Gärten verbinden sich räumlich mit denen des Parks.

    Der Gemeinschaftsgarten

    Innerhalb des Quartiers wird ein zentraler Quartiersplatz geschaffen. Spielangebote, Bänke und eine Boulespielfläche können von allen genutzt werden und können zur Gemeinschaftsbildung im Quartier beitragen. Die Flächen werden soweit möglich mit Blüten-Gehölzen und strukturierenden Staudenbändern begrünt. Unterschiedliche Grüntöne bei den gewählten Blattpflanzen stärken die kontrastierenden Effekte von Licht und Schatten. Für diesen Landschaftsraum sind passend zum Straßennamen die Aspe, Populus tremula in seiner Naturform sowie als Säulenform Populus temulus ‚Erecta‘ sinnvolle Ergänzungen. Akzentuiert eingesetzt, erweitern diese Gehölze den landschaftlich geprägten Parkraum und verknüpfen private Gartenzonen mit dem angrenzenden Park. In besonnten Bereichen werden dauerblühende Rosen ergänzt.

    Die Wege und Terrassen

    Sämtliche Hauszugänge und Terrassen werden schwellenfrei erreicht. Die Terrassen der Erdgeschosswohnungen und die Hauszuwegungen sind aus zwei verschiedenen sandfarbenen Betonwerksteinen gestaltet. Der Spielhof und der private Wohnweg werden aus sandfarbenen großformatigen Betonwerksteinplatten hergestellt.

    Das Regenwasser

    Das Regenwasser der Dachflächen wird über Rigolen versickert. Das Niederschlagswasser der befahrbaren Verkehrsflächen wird über belebte Bodenzonen in Mulden-Rigolensystemen zur Versickerung gebracht bzw. über Rinnen mit integrierter Vorreinigung den Rigolen zugeführt. Die Voraussetzung eines versickerungsfähigen Untergrundes und ein ausreichender Mindestabstand zum Grundwasser sind gegeben. Für den Rückstau werden in den nicht mit Bäumen überstellten Zwischenräumen ausreichende Speicherrigolen vorgesehen.

    Folgende Maßnahmen sind geplant:

    Schritt 1: Reduzierung der abflusswirksamen Flächen um 50 %
    Maßnahmen: begrünte Dachflächen, Substrat > 10cm,
    Wege aus durchlässigem haufwerksporigem Pflaster
    Schritt 2: Regenentwässerung durch Versickerung
    Maßnahmen: Versickerung RW der Dachflächen über Festkörper-Rigolen
    Versickerung RW der Wege über begrünte Versickerungsmulden an den
    Verkehrsflächen

    Schritt 3: Regenrückhaltung durch Anstau (Überflutungsnachweis bei 30-, bzw. 100-
    jährigem Regenereignis)
    Maßnahmen: Rückstau in Muldensysteme innerhalb der Gemeinschafts-
    Grünflächen


    Czerner Göttsch Architekten - Architektur und Stadtplanung
    Wiggenhorn & v.d. Hövel Landschaftsarchitekten

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Beurteilung der Arbeit von Czerner Göttsch Architekten

    Der harmonische Entwurf überzeugt durch eine klare städtebauliche Strukturierung und Orientierung. Viele Anforderungen der Auslobung wurden aufgenommen und geeignete Lösungen entwickelt. Der Grünzug mit integrierter Wegeverbindung und mehreren Übergangsmöglichkeiten nach Osten ist prägnant und überzeugend. Charakteristisch ist auch der zentrale Quartiersplatz, der die Nachbarschaft im Quartier fördert. Insgesamt fügt sich das neue Quartier gut in den Bestand ein. Eine besondere Qualität des Entwurfs liegt in den Anpassungsspielräumen und Möglichkeiten zur Modifizierung der Gestaltung, ohne dass die Vorzüge und Charakteristika des Entwurfs eingeschränkt werden. Weiterhin wird das vielfältige Wohnraumangebot, die interessanten Grundrisse und das schlüssige Verkehrskonzept, welches den PKW-Verkehr größtenteils aus dem Quartier heraushält, positiv bewertet.


INFO-BOX

Angelegt am 17.09.2013, 16:43
Zuletzt aktualisiert 28.06.2017, 10:00
Beitrags-ID 4-73699
Seitenaufrufe 1059