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    Blick auf die Station "Gipfelstürmer und Freischweber", © LA.BAR I Schwarz und Partner

    Landschaftsarchitekten
    LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Schwarz & Partner Landschaftsarchitekten, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Der Basdorfer Wiesenpark

    Das Planungsgebiet erstreckt sich von der Mitte bis zum Südende von Basdorf und ist für alle Einwohner schnell und gut erreichbar. Dadurch hat es das Potential, zu einem zentralen Ort alltäglicher Freizeit- und Erholungsnutzung aller Basdorfer zu werden.

    Freiräume und Naherholung
    Basdorf ist von einem großräumigen Waldgürtel mit einem Netz aus Forstwegen umgeben. Überwiegend streng orthogonal geführt und als Sandwege ausgebildet, sind die Forstwege nicht zu jeder Witterung bequem begehbar und für Menschen mit eingeschränkter Mobilität wenig geeignet. Durch ihre orthogonale Führung und durch das wenig abwechslungsreiche Erscheinungsbild des intensiv bewirtschafteten Forstes ist ihre Erlebnisqualität gering.
    Die Freiräume innerhalb des Dorfes bestehen größtenteils aus privaten Grünflächen, d.h. aus den Gärten der Einfamilien- und Doppelhäuser. Gute Nutzungsangebote für Kinder- und Jugendliche sowie für Sportvereine bieten der Erlebnisspielplatz, ein Sportplatz und die Skateanlage im Norden von Basdorf.

    Bestand des Planungsgebietes (Kern- und Randbereiche)
    Die nicht bebauten Flächen des Gebietes sind gekennzeichnet durch eine offene, ebene Wiesenlandschaft, durchsetzt von Einzelbäumen und Baumgruppen und dem dschungelähnlichen kleinen Wald mit dichterem Baumbestand und kleinen Lichtungen. Prägend sind hier die markanten Hügel über den unterirdischen Bunkeranlagen.
    Besonderheiten der Wiesenlandschaft sind die unterschiedlichen Vegetationsformen (Gräser, artenreiche Kräuterwiesen) sowie der landschaftsparkähnliche Charakter durch den lockeren Baumbestand, der malerische Perspektiven ausbildet.
    Der Wald mit den „Bunkerhügeln“ bildet durch seine kleinteilige und geschlossene Raumwirkung, durch das stark ausgeprägte Relief und durch den dichten Baumbestand mit malerischen alten Baumgestalten einen spannungsvollen Kontrast zu der Wiesenlandschaft und zum angrenzenden Wirtschaftswald.

    LEITLINIEN DES ENTWURFS

    Ausgehend von der Lage, von den bereits vorhandenen Nutzungsangeboten in Basdorf und von den schon existenten Qualitäten der Grünräume innerhalb des Planungsgebietes haben wir folgende Leitlinien als Grundlage unserer Planung festgelegt:

    • Prägenden Bestand (Wiesen, Wald mit Hügeln) erhalten, in ein Gestaltungskonzept integrieren und durch eine behutsame Inszenierung aufwerten, geschütztes Biotop von Nutzungen ausnehmen
    • Vorhandene landschaftsräumliche Qualitäten erlebbar machen
    • Ergänzung des Bestandes durch adäquate Interventionen, weitgehend konzentriert auf die Abrissflächen
    • Offene, vielfältige und flexible Nutzungsmöglichkeiten für alle Bewohner Basdorfs - jung oder alt, gesund oder beeinträchtigt - schaffen

    DER ENTWURF

    Kernbereich

    Der Weg (ist das Ziel)

    Wir konzentrieren unsere Intervention auf ein zentrales Element: den Parkloop.
    Der Parkloop ist ein Rundweg um den Kernbereich des Planungsgebietes. Als „stummer Führer“ erschließt er die bereits existenten schönen Perspektiven der landschaftsparkähnlichen Wiesenlandschaft und das wildromantische Wäldchen.
    Die Wegeführung respektiert den vorhandenen Baumbestand und lenkt an dem vorhandenen Biotop vorbei, ohne es zu zerstören. Sie reagiert auch auf die zukünftige Nutzung der östlichen Randbereiche als Wohngebiete, in dem der Weg deutlich abgerückt von dem Baufeld verläuft.
    Einige wenige untergeordnete Nebenwege, die die Möglichkeit bieten, den Rundweg abzukürzen ergänzen den Parkloop. Der Wald wird durch Pfade behutsam erschlossen. Der Forst im Süden ist über einen Zugang am Waldkorso an den Park angebunden.

    Nutzungsangebote / Funktionen

    Der Parkloop ist nicht nur Weg, sondern auch Spiel- und Sportplatz. Durch seinen Belag aus rötlich eingefärbtem Asphalt ist er nicht nur bei jedem Wetter begehbar, sondern auch befahrbar für Skater und Rollschuhfahrende, für Radelnde und für Personen mit Rollatoren - also für alle, ob mit oder ohne eingeschränkte Mobilität.
    Die Wegebreite variiert, Ausbuchtungen bieten Platz zum Üben bisher noch nicht erlernter Fortbewegungsmöglichkeiten auf Rädern und Rollen, Sitzmöglichkeiten als Rast- und Ruhepunkte sowie einfache Bewegungsangebote für ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen.

    Ergänzt wird der Parkloop durch angelagerte Stationen. In ihrer Gesamtheit ergeben sie einen Spiel- und Sportparcours für alle Generationen.
    Jede Station hat ihr eigenes Thema d.h. ihr spezifisches Nutzungsangebot durch bestimmte Ausstattungselemente. Den Auftakt bildet das „Rollenspiel“ mit einer Boulefläche am nördlichen Ende des Kernbereichs. Als Platz für ein Gruppenspiel ist dies ein guter und schnell erreichbarer Ort im Park. In unmittelbarer Nähe und dicht an den zukünftigen Wohngebieten liegt das einzige Feld, das ausschließlich nur einer Nutzergruppe zugeordnet ist: der Kleinkinderspielplatz „Grashüpfer“.
    Der alte Schornstein des ehemaligen Heizkraftwerks soll als Spur der Vergangenheit und als Landmarke erhalten bleiben. Umgerüstet zum Kletterturm mit Aussichtsplattform, ergänzt durch weitere Klettermöglichkeiten und eine Seilbahn markiert er die Station „Gipfelstürmer und Freischweber“. (Sollte der Turm nicht erhalten werden können, soll eine neue, vertikale „Kletternadel“ angelegt werden).
    Fünf weitere Stationen entlang des Weges laden zum Trainieren und Spielen ein. In der „Kraftmeierei“ kann man seine Kräfte erproben und stärken. Der „Balanceakt“ auf Balken und Seilen gelingt, wenn man einen guten Gleichgewichtssinn hat. „Beinfreiheit“ ermöglichen Trampoline und Hüpfgeräte durch einen kurzen Moment des Schwebens.
    Die Station „Gangart“ lädt zum anderen Gehen ein – Koordination und Gleichgewicht werden hier spielerisch trainiert. Ein ähnliches Erlebnis bieten die Bunkerhügel, die von kleinen Pfaden erschlossen werden. Sie folgen den Spuren der vergangenen Nutzung, führen über eine vergessene Treppe auf einen Hügel ins Nichts, zwängen sich zwischen zwei dicht stehenden Bäumen hindurch oder steigen steil bergan, um dann über eine Seilbrücke zum nächsten Hügel zu führen. So erfordern sie Kondition und Geschicklichkeit, ermöglichen dabei aber auch die Entdeckung der Waldnatur.
    Ein neuer Hügel im Süden, zum Rodeln geeignet und topografisch eine Erweiterung der Bunkerhügel, ist Standort der „Himmelsschaukeln“. Mit Blick in Richtung Sonnenuntergang sind sie eine weithin sichtbare Landmarke als Gegenpol zum alten Schornstein.

    Zusätzlich zu den aktiven Nutzungsmöglichkeiten wird das Gebiet durch ein den Bestand ergänzendes Bepflanzungskonzept ästhetisch aufgewertet. Im Gegensatz zum Spaziergang im Kiefernforst bietet der Spaziergang im Wiesenpark unterschiedliche Vegetationsbilder, die sich im Lauf der Jahreszeiten ändern. So ist der Gang durch den Basdorfer Wiesenpark immer wieder attraktiv.

    Vegetation und geschütztes Biotop

    Der Vegetationsbestand bleibt in Gänze erhalten. Nur im Wald werden dort, wo es die Verkehrssicherheit erfordert, Schnitt- und Rodungsmaßnahmen durchgeführt und die Strauchschicht entlang des Weges durch Auslichten in eine geordnete Form gebracht. Behutsame Ergänzungen in Form von standortgerechten Farnen und Gräsern transformieren die Waldvegetation wegebegleitend in einen naturnahen Waldgarten.

    Baumreihen fassen den Kernbereich ein. Sie markieren die Grenzen der zukünftigen Bebauung und werden dann, wenn diese umgesetzt wird, ihre raumbildende Kraft bereits voll entfalten. Im Westen, zum zukünftigen Gewerbegebiet hin, werden als passende Ergänzung des Bestandes Birken gepflanzt. Im Osten, an den Rändern der zukünftigen Gärten, stehen verschiedene Obstbäume als Reminiszenz an die früher üblichen dörflichen Streuobstwiesen am Siedlungsrand und als Übergang zu den Gärten.

    Auf den freien Flächen bleiben die bereits vorhandenen Gräser- und Wiesenflächen erhalten. Ergänzt werden sie durch die Anlage artenreicher und standortgerechter Blumen- und Kräuterwiesen auf den Abrissflächen.

    Aktiv nutzbares Grün in Form von Sport- und Spielrasenflächen legen wir als Rahmen um die Spiel- und Sportstationen. Vielfältig und offen nutzbar sind sie eine Ergänzungen der Aktivflächen mit ihren konkreten Nutzungsangeboten und bieten Platz zum Lagern oder für ein Picknick. Einige neugepflanzte Bäume spenden Schatten und markieren die Stationen.


    Das Biotop wird durch die Führung des Parkloop am Biotop vorbei und die Anlage der Stationen als Attraktionspunkte von einer direkten Nutzung ausgenommen. Als Landschaftsperspektive bleibt es Teil des Parks.

    Umsetzung, Nachhaltigkeit, Lebenszykluskosten

    Unser Entwurf kann sehr gut phasenweise umgesetzt werden. Die Anlage des Weges sowie die Anlage der Wiesen auf den Abrissflächen und die Pflege des vorhandenen Vegetationsbestandes initialisiert die weitere Entwicklung. Durch die Dezentralisierung der konkreten Nutzungsangebote kann sie in Schritten erfolgen. Eine hohe Flexibilität, die die Integration aktuell noch nicht bekannter Anforderungen ermöglicht, ist dadurch gegeben.

    Unsere gestalterischen Interventionen erweitern den öffentlich nutzbaren Freiraum Basdorfs um neue Komponenten und schaffen neue Treffpunkte. Die Extensivwiesen sind eine ökologisch wertvolle Bereicherung des Standorts. Der größte Teil des Parks ist extensiv zu pflegen und minimiert so die Kosten für die Unterhaltung. Das anfallende Regenwasser wird vor Ort versickert. Bewässerungsanlagen sind nicht vorgesehen. Die verwendeten Flächenbeläge (Asphalt, Beton, Wassergebundene Beläge) haben ein hohes Wiederverwendungs- und Recyclingpotenzial. Bis auf die Himmelstreppen sind alle Stationen barrierefrei zu erreichen. An allen Stationen sind sonnige und schattige Sitzmöglichkeiten sowie Fahrradstellplätze vorgesehen. Sowohl sozial, ökologisch und ökonomisch ist die Nachhaltigkeit gegeben.


    Randbereiche

    Die großflächigen Randbereiche betrachten wir generell als Möglichkeitsräume, für die eine konkrete Zwischennutzung erst dann festgelegt werden kann, wenn sich eine realistische Nutzungsperspektive und ein Träger dieser Nutzung bietet. Ein Beteiligungsverfahren kann ein Weg sein, aus einer Vielzahl denkbarer Nutzungen - von der Anlage eines Graffitiparks mit den alten Mauerscheiben bis hin zum Selbstpflückerfeld, zur Schafweide, zum BMX-Trail, zur Kurzumtriebsplantage usw. - eine tragfähige Lösung herauszufiltern.

    Für den westlichen Randbereich könnte der Polizeisportverein, der sein neues Trainingszentrum in der alten Aula einrichtet, ein Ankerpunkt sein. Aus diesem Grunde haben wir den westlichen Randbereich für die Anlage von Sportfeldern, einem Rasenspielfeld, Beachvolleyball und weiteren Spielfeldern vorgeschlagen. Die südlich an die Sportfelder angrenzende bereits bestehende Wiesen- und Waldlandschaft wird als Ergänzung des Kernbereichs lediglich durch Pflegemaßnahmen aufgewertet.

    Der östliche Randbereich wird bis auf Weiteres als „Vorgarten“ des Parks ausgebildet. Auf den Abrissflächen werden standortgerechte, artenreiche und pflegearme Blumen- und Kräuterwiesen angelegt. Einzelne Gehölzgruppen aus pflegearmen und als Relikt der alten Freiraumgestaltung im Gelände bereits vorhandenen Rhus typhina (Essigbaum) gliedern die langgestreckte Fläche im Norden. Rhus typhina ist eine Gehölzart, die keinen Baumschutz genießt, aber einen malerischen Wuchs und eine sehr schöne Laubfärbung hat.
    Ein angemessener und prägnanter Auftakt der Parklandschaft im Norden ist eine Fläche, die mit der Staudenmischung „Silbersommer“ und kleinen Gruppen aus immergrünen Sträuchern bepflanzt ist. Diese speziell für die Verwendung im öffentlichen Raum konzipierte, extrem pflegearme „Fertigstaudenmischung“ bietet unterschiedliche Blühaspekte über die ganze Vegetationsperiode hinweg.

    Die wesentliche Funktion der Randbereiche ist es, die Erschließung des neuen Parks zu ermöglichen.
    Im östlichen Randbereich führen Wege in Verlängerung der Astern- und Maiglöckchenstraße in den Park. Am Nordende verbindet ein Querweg die östliche Siedlung mit der neuen Planstrasse. Drei Wege führen durch den westlichen Randbereich zum Park. Der Wald im Süden des westlichen Randbereichs wird an das Netz der Pfade angeschlossen, das den Wald des Kernbereichs erschließt.

    Mitarbeiter: Christiane Schwarz, Rüdiger Amend, Fabian Roßmanith, Conrad von Schröder

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 18.09.2013, 11:02
Zuletzt aktualisiert 26.09.2013, 17:35
Beitrags-ID 4-73710
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