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  • 2. Preis

    Blick über den Park von Nord nach Süd

    Landschaftsarchitekten
    gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Die neue grüne Nachbarschaft - Landschaftspark Basdorfer Heide

    Die neu entstandene knapp 17 ha große Freifläche auf dem Gelände der ehemaligen Landespolizeischule des Landes Brandenburg in Basdorf besticht nach dem Rückbau der Bausubstanz durch ihre Weitläufigkeit und landschaftliche Heterogenität. Das Gelände mit seiner wechselhaften Geschichte wird Stück für Stück von der Natur zurück erobert. Bestandsgehölze, Gebüsche, ruderale Wiesen, Halbtrockenrasen und trockene Sandheiden werden von neu angelegten Rasenflächen auf den Abrissstandorten unterbrochen. Diese spezielle Mischung gibt dem Gebiet seinen abwechslungsreichen und wilden Charakter und bildet die Lebensgrundlage für Vögel, Fledermäuse, Kleinsäuger und Insekten.
    Mit dem Konzept des „Landschaftsparks Basdorfer Heide“ soll dieser sehr spezielle Charakter der Landschaft weiter heraus gearbeitet werden und ein neuer grüner Park für die umliegenden Wohnquartiere entstehen. Im Mittelpunkt des Entwicklungskonzeptes steht neben der Förderung von ökologischen Qualitäten, das Naturerlebnis und die Erholung für Anwohner und Besucher. Unterstützt wird dies durch ein breites Aktivitätsangebot für alle Altersstufen.
    Anstatt die Landschaft mit einer neuen Nutzung zu überlagern, fügen sich die Angebote des Landschaftsparks behutsam ein. Dem Vorbild des klassischen Landschaftsparks folgend, liegen Erschließung und Nutzungsangebote unterschiedlich tief unter den Bestandshöhen und sind somit beim Ausblick über die Landschaft nahezu unsichtbar.
    Das Entdecken und Erleben der vielgestaltigen Landschaft und ihrer Bewohner steht somit an erster Stelle.

    Barrierefreie Erschließung
    Ein 3 m breiter Asphaltweg erschließt das Gelände barrierefrei und verbindet die verschiedenen Spiel und Sport Angebote. Der dynamisch geschwungene Weg bildet die zentrale Achse des neuen Parks und wird auch in Zukunft zwischen den langfristig geplanten Baufeldern liegen. Spaziergänger, Rad- und Rollstuhlfahrer können das Gelände ebenso für sich nutzen wie Kinder auf Rollschuhen oder Jogger. Während der Hauptweg die Anbindung von der westlichen Bebauung und von der Tulpenstraße im Norden her ermöglicht, erschließt ein untergeordnetes Wegesystem außerdem weitere Eingange auf der Ostseite und im Süden und ermöglicht dadurch auch eine direkte Durchwegung des Parks. Die 2 m breiten Rasenwege werden durch regelmäßige Mahd offen gehalten und binden sich unauffällig in die Landschaft ein.

    Naturerlebnis
    Im südlichen Teil des Parks befinden sich unter mehreren Hügeln alte Bunker, auf denen über die Jahre ein fast schon verwunschen wirkender Kieferwald gewachsen ist. Ein kleiner Fußweg durchzieht das waldige Gelände und nur wer einen der Hügel erklimmt erlangt Überblick über den ganzen Park. Nördlich an das Waldgebiet anschließend beginnt die heterogene Halboffenlandschaft mit großen Wiesenflächen, einzelnen gärtnerischen Gehölzen der ehemaligen Nutzung, Gebüschen und Kiefern Jungaufwuchs. Ganz im Norden wird die Landschaft immer offener. Große Teile des Geländes sind hier Abrissstandorte auf denen langsam eine weite Wiesenlandschaft entsteht. Abgesehen von einzelnen Baumgruppen, sind erst die Ränder des Gebietes wieder von Gehölzen geprägt. Die Landschaft folgt somit einem Gradienten von waldigen Bereichen im Süden bis hin zu offenen Wiesenbereichen im Norden.

    Als neue Vegetationselemente des Landschaftsparks finden sich Pflanzungen aus Kirsch- und Zierkirscharten in kleinen hainartigen Gruppen an Spiel- und Verweilstandorten. Ihre zarten Blütenwolken charakterisieren den Park vom Frühjahr bis zum Sommer. Sie ermöglichen spätsommerliche Kirschenernte und eine schöne Laubfärbung im Herbst. Ergänzt werden die neuen Blühaspekte der Kirschhaine durch die Aussaat von Wildblumenmischungen auf den weitläufigen Wiesenflächen des Parks. Neben ihren schön anzusehenden rosa-blau-weiß-violetten Farbtupfern, erhöhen die Wildblumenwiesen die biologische Vielfalt der Flächen. Besonders für Schmetterlinge und Vögel als Futterquelle und Lebensraum ausgewählte Arten unterstützen die Möglichkeiten zur Naturbeobachtung im Gebiet. Zwei ausgewählte Saatmischungen mit Arten wie Kosmee (Cosmos bipinnatus), Duftwicke (Lathyrus odoratus), Roter Lein (Linum grandiflorum), Kornblume (Centaurea cyanus) und Samtgras (Lagurus ovatus) blühen von Juni bis zum Frost und unterstützen das jahreszeitliche Erleben der Landschaft.

    Vielseitige Nutzungsangebote
    Eingefasst von den großzügigen Schwüngen des zentralen Hauptwegs verbinden die unterschiedlichen Nutzungsangebote den Weg mit der angrenzenden Landschaft. Bis zu 1,5m tief graben sich die Inseln mit den neuen Spiel- und Sport Angeboten in die Landschaft ein. Markiert werden die neu gestalteten Parkbereiche durch kleine Kirschhaine und kurz gemähte Rasenflächen.
    An der Grenze des südlichen Waldbereiches befindet sich ein Spielplatz für 6-12 jährige. Eine große Holzbrücke verbindet die Kuppen zweier Bunkerhügel und integriert die spannende Topographie des Ortes in das Spiel. Die Holzbrücke als zentrales Spielelement bietet verschiedenste Auf- und Abgänge, Netze, Rutschen, Schaukeln und Hangelangebote. Auf dem höchsten Punkt des östlichen Bunkerhügels schließt sich außerdem ein Aussichtpunkt an, von dem aus der gesamte Park in nördliche Richtung zu überblicken ist. Vom westlichen Bunkerhügel führt eine Seilbahn hinab in den tiefer gelegten Spielbereich. Im Fallschutz aus Holzschnitzeln finden sich ergänzende Spielangebote wie Wippen, Balancierstäbe und Schaukeln. Wie im gesamten Park werden auch hier die Bestandsbäume weitgehend erhalten. Versehen mit Rundbänken werden sie zu Ruhe- und Beobachtungsorten im Spielplatz.
    Weiter nördlich entlang des Hauptweges schließt sich als nächstes Nutzungsangebot die Boule Anlage an. Über Sitzstufen führt das Gelände circa 1m zu zwei Boule Spielflächen hinab. Spieler und Publikum können auf den Sitzstufen oder auf den westlich aufgestellten Bänken verweilen und beim Spiel zuschauen. Auch hier begrenzen die neu gepflanzten Kirschbäume das Areal zur umgebenden Landschaft.
    Im nördlichen Teil des Parks befindet sich der Spielbereich für kleine Kinder bis zu 6 Jahren. Über Rampenwege oder eine Treppenanlage aus Platten des Abrissmaterials der alten Gebäude, führt der Weg hinab zur Spielfläche. Auf der gemähten Rasenfläche finden sich Picknicktische und kleine Spielhäuschen aus Weidengeflecht. Im Sandspielbereich gibt es unterschiedlichste Kleinkinder Spielangebote zum Balancieren, Wippen und Schaukeln.
    Folgt man dem weiteren Verlauf des geschwungenen Hauptweges steigt die Landschaft auf der rechten Seite zu einem Hügel an. Durch die weitere Erhöhung der Bestandshöhen, die zurzeit ca. 2m über dem Gelände liegen, wird ein weiterer Aussichtspunkt geschaffen. Ähnlich zur Treppenanlage im Kleinkinderspielbereich führen Treppenstufen aus Abrissmaterialien den Hügel hinauf zu einem großzügigen Holzdeck. Von hier lässt sich der gesamte Park überblicken, die Natur beobachten oder einfach nur die Zeit mit Freunden genießen. Im Winter eignet sich der neue geschaffene Hügel wunderbar als Rodelbahn.
    Als weitere Angebote für Jugendliche finden sich außerdem eine glatt gemähte Rasenfläche mit Toren als Naturbolzplatz ganz im Norden des Parks sowie die Möglichkeit im nordöstlichen Teil des Parks eine BMX Bahn einzurichten.
    Wer einfach nur ruhig spazieren gehen und die Natur beobachten möchte, findet im ganzen Park verteilt einzelne Bankstandorte mit in die Bank eingelassenen Informationen zur örtlichen Flora und Fauna oder ggf. zur Geschichte des Ortes. Aus Coretenstahl geschnittene Schilder markieren diese Standorte.

    Pflege
    Neben der konsequenten Förderung der trockenen Sandheiden steht der Erhalt und die Entwicklung der Qualitäten der Halboffenlandschaft im Fokus der langfristigen Parkpflege. Um dies möglichst kostengünstig zu erreichen gibt es zwei Pflegeoptionen.

    Option 1: Beweidung mit Heidschnucken
    Mit einer Herde á circa 12 Tieren könnte der gesamte Park über das ganze Jahr hinweg im Rotationsprinzip (über zwei Wochen auf 1 ha Fläche) beweidet werden. Neben der besonderen Attraktion die die Schafherden für die Besucher des Parks darstellen würden, wäre so eine ökologisch sinnvolle, extensive Pflege gewährleistet.

    Option 2: Mahd
    Alternativ könnte die Pflege der Wiesenflächen auch durch einjährige Mahd erfolgen. Dabei ist eine Mahdgutübertragung auf die, durch den Abriss neu entstandenen Freiflächen für eine homogene Wiesenentwicklung sinnvoll. Die neu angepflanzten Wildblumenwiesen werden sich so auch langfristig im Park etablieren. Bei maschineller Mahd, sollten die Heideflächen nur im 8jährigen Turnus gemäht werde. Besonders hier ist eine Mahdgutübertragung sinnvoll um die Ausbreitung der Heideflächen weiter zu fördern.

    Bei beiden Optionen sollten die untergeordneten Wege, die Picknickflächen und der Bolzplatz achtmal im Jahr gemäht werden um bespiel- und begehbare Rasenflächen zu erhalten.
    Der Baumbestand sollte besonders im ersten Jahr und anschließend nach Bedarf ausgelichtet und gepflegt werden. Dies betrifft insbesondere die Heideflächen die bereits erheblichen Kiefernjungaufwuchs aufweisen und Schnittmaßnahmen zur Verkehrssicherungspflicht an Spielplätzen und entlang der Hauptwege.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    2. Preis


INFO-BOX

Angelegt am 18.09.2013, 11:30
Zuletzt aktualisiert 25.09.2013, 16:30
Beitrags-ID 4-73715
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