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  • DE-75434 Knittlingen
  • 09/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-138567)

Neubau eines Multifunktionsgebäudes


  • 1. Preis Zuschlag


    Architekten
    wittfoht architekten bda, Prof. Jens Wittfoht, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Jens Wittfoht

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: w+p Landschaften, Berlin (DE), Offenburg (DE), Schiltach (DE)

    Preisgeld
    20.000 EUR

    Erläuterungstext
    situation
    das zukünftige multifunktionsgebäude entsteht im nördlichen bereich der stadt und soll ein „baukulturelles ausrufezeichen in bester knittlinger tradition“ setzen. ziel ist es einen ort zu schaffen, an dem austausch und kommunikation der bevölkerungsgruppen unkompliziert ermöglicht werden können. der neubau, bestehend aus neuer halle und schulerweiterung, liegt in unmittelbarer nachbarschaft zur dr.- johannes – faust - schule und bildet gemeinsam mit dieser ein städtebauliches gesamtensemble.

    stadt und landschaft
    die zentrale idee des entwurfes ist es, dem neuen multifunktionsgebäude eine städtebauliche präsenz zu geben ohne, dass es das in unmittelbarer nähe befindliche wohngebiet „bauerbacher pfad“ belastet. neubau, bestand, freianlagen und landschaft treten in einen direkten dialog miteinander. die freianlagen formen den schulstandort mit multifunktionshalle zu einer zukunftsgewandten campuslandschaft, die sich außenräumlich in den kontext der nachbarschaft einfügt, sich aber auch gleichermaßen durch die bildung einer verbindenden neuen mitte als „kristallisationspunkt“ darstellt. die bebauung definiert eingänge, durchgänge und verbindungen. dadurch entstehen differenzierte freiflächen und räumlich definierte nachbarschaften. die eingänge öffnen sich jeweils mit einem belagsteppich zum öffentlichen raum und formulieren dadurch eine großzügige einladende geste.

    bäume bilden räume
    baumreihen begleiten die verkehrswege, sie bilden ein orientierungsprinzip für die fahrbewegung. diese reihen werden innerhalb der freianlagen auf den parkplätzen und zu den eingängen der schule fortgeführt, dadurch entsteht ein zusammenhängendes netzwerk mit dem stadtgrundriss. einzelbäume wandern als grüne schirme aus dem landschaftsraum in den stadtraum und kennzeichnen als herausragende solitärbäume besondere adressen. kleingehölze gliedern die zwischenräume und schaffen dadurch wohltuende ruhebereiche. die formschnitthecken stellen eine ordnende räumliche trennung von unterschiedlichen nutzungen im außenraum her.

    schul- und sportcampus
    parkplätze, sportanlagen, pausenhof, schulgarten, experimentierwäldchen, naturraum und biotop bilden die bausteine zur anordnung und modellierung einer funktionierenden campuslandschaft. durch besonders geformte ausstattungselemente der möblierung, entstehen unterschiedliche aktions-, ruhe- und verweilbereiche und eine identifikation mit dem schulstandort. die pausenhöfe öffnen sich unmittelbar im gegenüber zu den schulgebäuden. oberflächenbeläge aus asphalt zeichnen ein graphisch bewegtes bild und ermöglichen auch zugleich die beanspruchung durch den reduzierten fahrverkehr.
    das ausgewogene anordnen von befestigten und begrünten flächen schafft insgesamt qualitätsvolle freiräume und vereint zugleich die ambitionierten vorgaben nach ökonomie und ökologie als neuen ort der begegung in knittlingen.

    gebaute natürlichkeit
    unterschiedliche städtebaulich- architektonische aspekte werden aufgegriffen und dienen als grundlage für ein homogenes räumliches ensemble.
    der bestehende parkplatz wird zu gunsten der direkten schulanbindung nach norden verlegt. an stelle des parkplatzes tritt eine gemeinsame platzfläche die sowohl auftakt als auch entrée für das neue gebäudeensemble darstellt. die friedenstraße wird an dieser stelle verkehrsberuhigt und als „shared space“ genutzt. der individualverkehr als auch der anlieferverkehr werden, soweit möglich, vorher abgefangen. durch diese maßnahme wird die gemeinsame platzfläche zwischen schule und erweiterung weitestgehend frei vom verkehr gehalten und die kinder und jugendlichen können sich risikolos bewegen.
    das neubauensemble, bestehend aus halle und schulerweiterung nutzt die vorhandene topographie. große teile der gebäudemasse verbergen sich im hang. die zwei funktionsbereiche (halle / schule) bleiben klar ablesbar. durch ihre parallel versetzte lage zum hang, schaffen sie gut proportionierte außenbereiche wie z.b. den zentralen eingangsplatz, oder die außenspielflächen auf der oberen ebene.
    die oberflächenstrukturen und texturen sind dabei mehr als gebaute fassaden - sie sind ausdruck eines zeitgeistes, der rücksichtnahme und verantwortung gegenüber den lebenswichtigen naturgütern wie z. b. boden und wasser. die sport- und spielflächen sind mit wasserdurchlässigen belägen ausgestattet. dies gilt ebenfalls für die befestigten wege, die mit einem durchlässigen splittbeton versehen werden. zusätzlich anfallendes oberflächenwasser von den dachflächen wird in den natürlichen kreislauf zugeführt. insgesamt entsteht durch dieses zusammenspiel von natur und architektur eine attraktive gesamtanlage mit besonderer signifikanz.

    gedanken zum haus
    die aufgabe besteht in der entwicklung einer gebäudetypologie, die geeignet ist, ein soziales, kulturelles und gemeinschaftliches lebensgefühl zu vermitteln. es soll ein haus entstehen, das über die funktional sinnvolle ordnung der bereiche hinaus etwas erzählen kann, von einer anderen art des zusammenlebens und lernens. es soll raum bieten für die individuelle entfaltung von kindern, jugendlichen und erwachsenen und zugleich ein ort der gemeinschaft sein. ein ort, der die phantasie beflügelt und die kommunikation fördert und anregt.
    neben der besonderen bedeutung des ortes ist es vor allem auch die interaktion von mensch – licht – raum – materie, die die wirkung des neuen multifunktionsgebäudes bestimmen wird. einfache und wenige materialien (beton, glas, holz,…) bestimmen die raumwirkung.

    der neubau ist als kompaktes und klar gegliedertes ensemble geplant. seine zwei gebäudeteile (halle / schule) sind über ein gemeinsames foyer miteinander verbunden. dies ermöglicht auch alle gewünschten multifunktionalen verknüpfungen und erleichtert die orientierung.
    die neue halle ist als „haus im haus“ konzipiert. über einen zum platz hin orientierten wandelgang gelangt man in den inneren hallenbereich. dieser kann sowohl für kulturelle als auch für sportliche veranstaltungen genutzt werden. seine wertigen und z.t. akustisch aktivierten holzoberflächen schaffen eine angenehme räumliche atmosphäre. für aufbauarbeiten und veranstaltungen kann die halle direkt vom platz aus erreicht und angedient werden. wird sie als sporthalle genutzt, gelangt man auch über die obere ebene in die halle. hier liegt ein zweiter eingang, den man sowohl vom schultrakt aus, als auch direkt vom parkplatz aus erreichen kann. auf der dieser ebene befinden sich die sammelumkleideräume, die duschen und ein umgang, der auch als zuschauerbereich bei sportveranstaltungen genutzt werden kann. licht bekommt die halle über drei große oberlichter und die zum teil lichtdurchlässige außenhaut.
    der schultrakt befindet sich ebenfalls auf der oberen ebene und liegt parallel zur parkstraße. über einen separaten ausgang erreichen die schüler die zum landschaftsraum hin orientierten außenspielflächen. auf dieser ebene befinden sich die klassenräume und ihre zugehörigen nebennutzflächen. über eine interne treppe und einen aufzug ist der schultrakt mit dem zentralen foyer und der ebenfalls im erdgeschoß liegenden mensa verknüpft. die mensa ist sowohl zum foyer und im weiteren zur halle hin angebunden, als auch direkt zum platz hin geöffnet.
    ein im erdgeschoß befindlicher umgang dient der anlieferung und verbindet sämtliche bereiche miteinander. der gymnastikraum und der vereinsraum werden über einen seperaten innenhof belichtet und belüftet.
    technikräume und nebennutzflächen sind sowohl der halle, als auch dem foyer und der mensa direkt zugeordnet.

    tragen und lasten:
    ziel des entwurfs für das tragwerk ist es, auch hier mit der konstruktion und der materialwahl den zusammenhang zur nutzung herzustellen. die halle ist als „haus im haus“ konzipiert, d.h. der innere korpus wird als reine holzkonstruktion entwickelt. die notwendigen spannweiten werden auf die geforderten 18m i.l. reduziert. eine leichte stahl-glaskonstruktion legt sich als außenhülle und pufferzone über den “nukleus“ halle.
    die im erdreich befindlichen bereiche werden aus stahlbeton decken und wänden hergestellt. nichttragende wände werden aus mauerwerk erstellt. die so geschaffenen speichermassen werden konsequent genutzt.
    auch der schultrakt wird als massivbau ausgeführt. die große, weitestgehend stützenfreie auskragung über der mensa wird durch die trägerwirkung des schultraktes erreicht. gleichzeitig können die fassade bzw. alle außenwände, die im erdgeschoss den nicht tragenden raumabschluss darstellen, einheitlich in holz, bzw. glas hergestellt werden. die eingestellten fassadenelemente im obergeschoß folgen dieser philosophie.
    die aussteifung erfolgt über das treppenhaus und den aufzugskern.
    so ist das tragwerk insgesamt in der lage, sich mit material und form an die funktionen des hauses anzupassen.



    ökologie und nachhaltigkeit
    der kompakte, z. t. eingegrabene baukörper sowie die optimierung des baulichen wärmeschutzes der gebäudehülle in passivhaus- standard, ermöglichen, zusammen mit einer effizienten anlagentechnik, die unterschreitung der geltenden enev 2009 um mind. 20%. durch die ausführung einer dichten gebäudehülle wird der durch infiltration verursachte luftwechsel minimiert. die vorhandenen glasflächen
    (3-fach wärmeschutzverglasung) erlauben, durch minimierung der verglasungsanteile im norden und maximierung der verglasungsanteile im süden, eine konsequente ausnutzung des tageslichts und solarer wärmegewinne.
    die vier fassadenseiten werden als hochwertige holz/glasfassade (3-fach verglasung) vorgesehen.
    durch die geplante fassadenkonstruktion sind sehr gute voraussetzungen für den hohen tageslichteintrag in die raumtiefe gegeben.

    die halle wird in thermische zonen aufgeteilt:
    - die peripherie / pufferzone - nebennutzflächen, erschließungsbereiche, wc- anlagen
    - die innenzone (nukleus) - multifunktionshalle

    die aktivierung interner speichermassen (schwere innenbauteile z. b. im bereich der decke zwischen eg und og) schaffen im sommer wie im winter ein behagliches, gesundes (natürliches) raumklima (dämpfung von temperaturspitzen). der außenliegende sonnenschutz minimiert den solaren wärmeeintrag im sommer bei gleichzeitigem erhalt des außenbezugs und der natürlichen raumbelichtung. eine zusätzliche verschattung im sommer ergibt sich durch die stellung der vegetation im süden.
    es gibt einen kontrollierten luftaustausch mit hocheffizienter wärmerückgewinnung. sämtliche räume können über fenster zusätzlich natürlich be- und entlüftet werden.
    die frischluft wird mittels eines puit canadien (erdkanal) im winter und im sommer vorkonditioniert. im bereich der fenster befinden sich statische heizflächen für die individuelle steuerung. im bereich der gruppen- und aufenthaltsräume kommt eine fußbodenheizung (optimaler thermischer komfort durch strahlungsheizung, allergikerfreundlich durch minimierung von luftbewegungen und staubaufwirbelungen, energetisch günstig durch niedrige vor-/rücklauftemperaturen) zum einsatz.
    unterstützt wird die heiz- und warmwasseranlage durch heizwasserkollektoren auf dem hallendach. durch sie kann der warmwasserbedarf in teilen gedeckt werden.
    die wasserversorgung im bereich der außenanlagen wird über eine regenwasserzisterne gewährleistet.

    die hlse- technikzentralen sind im eg und 2.og angeordnet. die anbindung der installationstrassen erfolgt unter der decke bis zu den einzelnen steigepunkten. hierdurch werden kurze, wirtschaftliche anbindungswege gewährleistet. die vertikalen installationsschächte sind gut zugänglich und flexibel nutzbar.

    fazit
    so kommen alle nutzergruppen unter „einem dach“ zusammen.
    unser entwurf verkörpert in seiner anlage – vom grundriss bis in die einzelnen gegenstände hinein – die idee der formalen einfachheit in raumgestaltung und material.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.