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  • DE-22765 Hamburg
  • 09/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-138028)

Park Mitte Altona


  • 3. Preis

    Umladehalle Nord mit Wildem Garten

    Landschaftsarchitekten
    A24 Landschaft, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Steffan Robel

    Mitarbeit
    Jan Grimmek

    Erläuterungstext
    Mitarbeiter:
    Jan Grimmek, Laura Veronese, Laura Thepót, Sara Perovic, Cristina Gutierrez, Yue Guan

    Vom Güterumschlag zur Grünen Mitte

    Ausgedehnte Gleisanlagen dominierten über Jahrzehnte das Zentrum Altonas. Die schrittweise Aufgabe der Bahnflächen ebnet den Weg für eine Neudefinition der Altonaer Mitte:
    Wo bis vor kurzem noch Güter umgeschlagen wurden, prägt zukünftig Grün das Zentrum Altonas. Der Grünzug zwischen Rathaus und Bahnhof findet im neuen Stadtquartier Mitte Altona über den Bahnhof hinaus seine Fortsetzung. Ein lebendiger, urbaner Park bildet hier das neue Stadtteilzentrum. Der Park schlägt eine Brücke zwischen der Vergangenheit als Güterumschlagplatz und den Anforderungen an einen modernen Stadtpark. Relikte aus der Bahnnutzung werden erhalten und in einen neuen Kontext gerückt. Durch ihre Neuprogrammierung werden die historischen Fragmente zu selbstverständlichen Elementen eines modernen Parks.
    Altona erhält einen großzügigen, offenen Park, mit grünem Charakter und breitem generationsübergreifendem Nutzungsangebot, der Altonas Historie als bedeutender Verkehrsknotenpunkt nicht negiert.


    Parkgliederung

    Der Park Neue Mitte Altona gliedert sich in eine weite, offene Parkwiese und einen Rand aus Parkpromenaden mit kleinteiligen Nutzungen.
    Die offene Codierung der zentralen Parkwiese regt eine flexible Nutzung als Spiel-, Liege- oder Bewegungswiese an. Parkpromenaden fassen die Parkwiese und vermitteln zum Quartier Mitte Altona. Als Shared-Space-Flächen nehmen die Parkpromenaden den wohnungsnahen PKW-Verkehr auf, erscheinen aber klar dem Park zu geordnet.

    Der offene Parkeingang zur Harkortstraße ermöglicht Blickbeziehungen über die Parkwiese bis weit in den Park hinein. Der Solitär der ehemaligen Kleiderkasse wird in die Parkpromenade eingebunden und leitet in den Park. Ein Café mit Blick über die Parkwiese ist ein erster Anlaufpunkt. Das restliche Gebäude wird als Kita genutzt. Ein großzügiger Kleinkinderspielplatz greift mit dem „Spielbügel“ das Thema der Aufbewahrungslogistik der Kleiderkasse auf und transformiert es in ein attraktives Spielobjekt. Die Verortung des Spielplatzes zwischen Kita und Café erzeugt räumliche Synergien.

    Die unter Denkmalschutz stehende Stahlkonstruktion der ehemaligen Umladehalle Nord wird als Solitärobjekt freigestellt. Als dominante Raumskulptur wird sie – neben dem Wasserturm- zum visuellen Bezugspunkt des Parks. Genau in den Übergang zwischen Park und Promenade gesetzt, wird die ehemalige Umladehalle Nord zum Hybrid zwischen diesen beiden Ebenen. Dieser Hybridcharakter setzt sich in der Gestaltung fort: partiell erzeugen farbige Holzlamellen mit variierender Dichte auf den Dachflächen ein Spiel aus offenen und überdachten Bereichen, so dass ein Hybrid aus Halle und Freiraum entsteht. Die Nutzung folgt diesem Prinzip. Parknutzungen und Nutzungen der angrenzenden Schule greifen ineinander und verzahnen sich. Multicodierte Flächen ermöglichen hier eine Aneignung durch ein breites Nutzergruppenspektrum.
    Die 8 m breiten, ehemaligen Verladebahnsteige werden erhalten und eingekürzt, so dass sie sich unterschiedlich weit in den Parkraum hinein schieben. Sie dienen als Platzflächen, Aufenthaltsorte, Veranstaltungsflächen für Märkte oder als Bühnenstandorte. Betonsitzobjekte in Form von gestapelten, nachgebildeten Fischkisten stellen in einem eigenständigen Gestaltungselement den Bezug zur ehemaligen Nutzung als Umschlagplatz für Frischfisch her.
    Zwischen die Bahnsteige im ehemaligen Gleisbett schieben sich Spielbereiche wie die Spieltopografie der Spielschienen oder der Schwing- und Kletterparcour mit Sandspielbereich. Kleine Gärten wie der wilde Garten mit Ruderalvegetation oder der Schulgarten stärken die vegetative Verzahnung mit der Wiesenfläche. Das Kleinspielfeld ergänzt die komprimierte, abwechslungsreiche Spiellandschaft in unmittelbarer Schulnähe.


    Spielkonzept

    Das Spielangebot verteilt sich auf die gesamte Parkfläche und bildet dezentrale Schwerpunkte. Zusammen mit den weitläufigen Spiel- und Bewegungswiesen und der umlaufenden Promenade aus Asphalt (ideal für sämtliche Rollsportarten) ist der gesamte Park bespielbar. Schwerpunkte bilden der Kleinkinderspielplatz an der KITA sowie die Spielbereiche vor der Schule im Gleisbett. Einzelne Spielobjekte auf der Wiesenfläche ergänzen das vielfältige Angebot für verschiedenste Altersstufen. Ein abgegrenzter KITA-Spielbereich für die Krabbelgruppe ist entlang der Nordseite des Kleiderkassengebäudes vorgelagert.


    Oberflächenentwässerung

    Eine bepflanzte Retentionsmulde entlang der nördlichen Parkkante dient der Oberflächenentwässerung. Die Bodenmodellierung wird als interessante Topografie in die Wiesenfläche integriert. Beim HK 100 verfügt sie über ein maximales Stauvolumen von ca. 1.900 m³. Baumarten für periodisch gestaute Bereiche unterstreichen den eigenständigen Charakter dieses Parkteils. Lockere Baumgruppen aus Alnus glutinosa ‚Imperialis’ und Einzelgehölze aus Liriodendron tulipifera bilden Akzente und schattige Aufenthaltsbereiche.


    Materialien und Bepflanzung

    Die Parkpromenade besteht aus einem homogenen Asphaltbelag, der von Gebäudekante bis Parkkante reicht und einen großzügigen Rahmen bildet. Eine umlaufende 30 cm hohe Betonkante unterstützt die Rahmung und schafft eine Sitzstufe entlang der Parkwiese.

    Umlaufende Baumreihen aus Quercus palustris erzeugen eine durchlässige Raumkante, die den inneren Wiesenbereich klar von der angrenzenden Wohnbebauung trennt. Entlang der südlichen Parkkante stärkt eine doppelte Baumreihe die Verbindung zwischen dem Parkeingang Ost und den markanten Raumstrukturen der Kleiderkasse und der ehemaligen Umladehalle Nord. Kleine Plätze mit Pyrus calleryana ‚Chanticleer’ lockern den Parkrand auf.
    Nach Süden setzen sich aufgelöste Baumreihen aus Robinia pseudoacacia fort.


    Anbindung/ Fortsetzung 2. Parkteil

    Der Park setzt sich nach Süden fort und bildet zusammen mit den rahmenden Parkpromenaden eine markante Gesamtform, die bis an den Bahnhof Altona angrenzt.
    Am Wasserturm bildet ein kleiner Platz sowohl das Gelenk zum südlichen Parkteil als auch zur Freiraumverbindung zu den westlichen Nachbarquartieren. Im schmalen südlichen Parkteil akzentuieren aufgelöste Baumreihen die ehemalige Gleisnutzung. Auftaktplätze vermitteln zwischen Straßen- und Parkraum und bilden klare Eingangsituationen. Die westliche Verbindung setzt den Park mit kleinteiligen Nutzungen wie z.B. Beachball fort.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Park entwickelt sich von den Rändern und der Entwurf folgt einer strengen Gestaltung. Das Thema der Industriebrache in Verbindung mit einem urbanen Charakter des Parks kann überzeugen. Der Entwurf wird jedoch erst mit dem zweiten Bauabschnitt komplett, v.a. auch im Hinblick auf die Retentionsfläche. Die Wegeverbindungen sind noch ausbaufähig und der Kleiderkasse fehlt eine bedarfsgerechte Zufahrt. Die Umnutzung der ehemaligen Umladehalle ist ansprechend gestaltet, jedoch als Mitnutzungsfläche für die Schule nicht voll geeignet. Der angrenzende Bolzplatz liegt nahe der Wohnbebauung und wird daher kritisch gesehen. Der Zuschnitt des erhaltenen Daches kann nicht ganz nachvollzogen werden. Die Bahnsteige hingegen als Podeste in der offenen Rasenfläche bieten spannende Aufenthaltsbereiche und korrespondieren mit den Betoneinfassungen der großen Wiese. Insgesamt wirft dieser Umgang mit den Hallen Fragen nach Herstellungs- und Unterhaltungsaufwand auf. Die Wiese eröffnet Weite, Großzügigkeit und eine vielfältige, individuelle Nutzung. Gleichzeitig gibt es nur wenige Elemente die eine Bespielung und Benutzung anregen. Durch den sparsamen Umgang mit Vegetation und der strengen und die strenge graphische Gestaltung reagiert der Entwurf auf den Städtebau und gibt Sichtverbindungen zu den Gebäuden und auch zur Harkortstraße und zur Bahntrasse frei. Im Umkehrschluss ist der Park dadurch gut einsehbar und bietet eine soziale Kontrolle. Ein Rückzugsort von der Großstadt und eine geborgene Atmosphäre erreicht dieser Entwurf allerdings nicht.