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  • 2. Preis

    Gesamtplan

    Landschaftsarchitekten
    DÄRR LANDSCHAFTSARCHITEKTEN, Halle/Saale (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ACM Architektencontor Magdeburg AG, Magdeburg (DE)
    Architekten: Legro, Magdeburg (DE)

    Erläuterungstext


    Das Plangebiet weist ein Defizit an Grünflächen bzw. Freiflächen mit hoher Aufenthaltsqualität auf. Da die Querung in Ost-West-Richtung an St. Sebastian vorbei über die Max-Josef-Metzger-Straße zur Otto-von-Guericke-Straße eine wichtige, touristisch genutzte Fußgängerverbindung darstellt, wurde versucht, diese im Gegensatz zur Steinernen Leiterstraße konsequent mit landschaftsarchitektonischen Mitteln aufzuwerten. Der Auftakt am Breiten Weg berücksichtigt die geplanten Gebäude des Diozösanmuseums und des Café und nimmt den Gedanken der Verklammerung der beiden Gebäude auf. Das Band zwischen den beiden Gebäuden aus großformatigen Sandsteinplatten erhält durch Wasserlinien und Sitzwürfel eine Gliederung parallel zum Breiten Weg. Die Wasserlinien, die sich aus einer Reihe einzelner Strahlen zusammen setzen, lassen ständig unterschiedlich hohe Wasserwände entstehen, die eine Höhe von bis zu 1,20 m erreichen können. Per Zufallsgenerator gesteuert, entsteht ein sich ständig veränderndes Wasserbild, dessen Geräusch von dem der Straße ablenkt. Wenn eines Tages die als Platzhalter fungierenden hohen Gräserwürfel den Gebäuden gewichen sind, bleibt zwischen den Wasserbändern genügend Platz, auch die Tische und Stühle der Gastronomie auf dieser Fläche unterzubringen. Der alte Straßenraum um St. Sebastian hat mit Kirche und angrenzender Bebauung eine räumliche Qualität, die an Magdeburgs meist freigestellten Kirchen selten zu finden ist. Daher wird vorgeschlagen, mit geringen Korrekturen den Straßenraum bezüglich Ausformung, Bordanlagen und Pflastermaterial im alten Erscheinungsbild neu herzustellen. Vor dem Chor von St. Sebastian werden Bäume entnommen und Rasenflächen zwischen Sandsteinband und Chor eingefügt. Parallel zur der südlich zur Kirche gelegenen Max-Josef-Metzger-Straße schirmen gestaffelte Heckenelemente die Parkstellflächen ab, lassen jedoch von außen Durchblicke auf den Chor der Kirche zu. Die geschnittenen Hecken, in Breite und Höhe gleich, bestehen aus Carpinus betulus, Cornus mas und Crataegus prunifolia und lassen so verschiedene Strukturen, Blühaspekte und Herbstfärbungen entstehen. Der sich anschließende, von alten Kastanien überschattete Platz bietet eine selten gewordene, vor allem an heißen Sommertagen gewünschte Qualität. Sitzdecks, die die Kastanien zum Teil umfassen, bieten unterschiedliche Möglichkeiten des Sitzens bis hin zum Liegen. Da als Nutzer sicherlich zahlreiche Eltern mit kleinen Kindern und Kinderwagen in Frage kommen, die nach dem Abholen ihrer Sprösslinge aus der Kita den kühlen Schatten suchen, um noch etwas gemeinsam miteinander zu schwatzen, stellt dieser einfache Eingriff eine wesentliche Erhöhung der Aufenthaltsqualität dar, zumal das Arbeiten mit gärtnerischen Mitteln unter den Kastanien fehl am Platz wäre. Unter den Sitzdecks werden die Baumscheiben entsprechend vergrößert.
    Nach Prüfung der Rentabilität und Abstandnahme von der Tiefgarage in der Max-Josef-Metzger-Straße, zwischen Zufahrt Justizzentrum und Otto-von-Guericke-Straße, wurde die Fläche von den derzeitigen Parkstellflächen befreit und zu einem Teil der Ost-West-Grünverbindung umgestaltet. Parallel zur nördlichen Wohnbebauung begrenzt ein vorgelagertes Gräserband aus Miscanthus den Raum. Ein Rasenspiegel senkt sich von Süd nach Nord ca. 30 cm ab und wird durch Sitzstufen aufgefangen. An der Südseite des Rasenbandes durchbrechen mittig überhöhte und einheitlich mit Rosen bepflanzte Flächen die Stringenz der Anlage. Hoch angeschnittene Robinien, die aus den Rosenhügeln ragen, erzeugen einen lichten Schatten. Drehstühle, zwischen den Rosen gruppiert, bieten die Möglichkeit des Sitzens, einzeln oder in Gruppen, einander zu- oder abgewandt.
    Die Dachbegrünung über der Tiefgarage im Hof gibt den Anwohnern ihren Freiraum zurück. Die Begrünung mit Kletterpflanzen schafft einen grünen Hintergrund, vor denen überhöhte ellipsenförmige Inseln, bepflanzt mit Birken, Felsenbirnen und Gräsern, eingeordnet sind. Die Spielfläche und Sitzgelegenheiten schaffen die Möglichkeit, möglichst lange die Sonne im Hof zu genießen.
    Unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung werden die Verkehrsführung und die Querschnittsaufteilung in Fahrzeug- und Fußgängerverkehr mittels Bordanlage beibehalten.
    Dabei wird die Straßenlinienführung ohne grundlegende Änderung des Ist-Zustandes und unter Beachtung der maßgeblichen fahrgeometrischen Gesichtspunkte optimiert.

    Die Grundmaße für Verkehrsräume für Richtungs- und Begegnungsverkehr wurden wie folgt ermittelt:
    - Richtungsverkehr mit einer Fahrbahnbreite von 3,50 m ist ausreichend für den Raumbedarf von LKW und Feuerwehr,
    - die Fahrbahnbreite von 5,50 m ermöglicht den Begegnungsfall bei verminderter Geschwindigkeit (Tempo 30) von LKW/LKW.

    Mit der Zielstellung der Verkehrsberuhigung zwischen der St. Sebastian Kirche und dem Roncallihaus (Kindergarten), Verbesserung des Verkehrsabflusses nach Dienstende in der Justizbehörde, Optimierung des Anliegerverkehrs zur Erreichung der Quartiere und der Möglichkeit der Schaffung von Park- und Stellflächen durch die Reduzierung der Fahrbahnbreite auf 3,50 m wurde im mittleren und östlichen Abschnitt der Max-Josef-Metzger-Straße ein Richtungsverkehr vorgesehen und der Ostabschnitt zum Breiten Weg als Ausfahrt geöffnet. Zur Optimierung der Verkehrsraumbreiten mit dem Ziel der Schaffung von Stell- und Parkflächen wurden
    - Kurzzeitparkplätze entlang des Kindergartens mit einer Einstelltiefe für Längsparken von 2,50 m für bequemes Ein- und Aussteigen;
    - Stellplätze vor dem Roncallihaus für den Park- und Lieferverkehr;
    - Längsparker entlang des Südabschnittes der Max-Josef-Metzger-Straße unter Berücksichtigung der Grundstückszufahrten und Schräg- und Längsparkmöglichkeiten im Ostabschnitt der Max-Josef-Metzger Straße für Anwohner und Besucher der St. Sebastian Kirche
    angeordnet.

    Im Verkehrsraum südlich der Zufahrt zum Justizzentrum werden Pflaster und Bordanlagen aus Naturstein verwendet. Dabei werden im östlichen Teil der Max-Josef-Metzger-Straßen die wiederverwendbaren Asphaltplatten geborgen und zur Parkflächenmarkierung wiederverwendet. Im nördlichen Teil der Max-Josef-Metzger-Straße werden von der Verwendung der Bordanlagen aus Naturstein die Fahrbahnen asphaltiert und die Gehwege mit Betonplatten mit Natursteinvorsatz (Magdeburger Platte) versehen. Das Asphaltieren des Fahrbahnbereiches in der Hauptzufahrt zum Parkhaus bzw. zum Justizgebäude dient der Verminderung der Rollgeräusche aufgrund der hohen Frequentierung.

    Tiefgarage – Parkhaus
    Die Tiefgarage nutzt den vorhandenen Quartiersinnenraum bis auf einen 5 m Abstand zu den Gebäuden vollständig aus. Ein möglicher Anschluss an die Treppenhäuser der Wohnbauten könnte optional realisiert werden. Somit können hier 113 Stellplätze für die Anwohner bzw. umliegenden Mieter (Wohnung + Gewerbe) erstellt werden. Das Parkhaus bleibt im Rahmen des oberirdischen Baufeldes und lässt somit den Quartiersinnenhof für eine wohnungsnahe Freiraumgestaltung offen.
    Das Parkhaus ist für das Justizzentrum bestimmt. In den 3 Ebenen besteht die Möglichkeit, je nach Ebene eine Nutzerdifferenzierung darzustellen, z.B. Langzeitparker – Angestellte des Justizzentrums in Ebene 3 (42 Stellplätze). Auch hier ist die Option möglich, einen Übergang in das gegenüberliegende Justizzentrum zu schaffen. Ebene 1 und 2 könnten den Besuchern des Justizzentrums vorbehalten bleiben (75 Stellplätze).
    Beide Garagen haben getrennte Zufahrten, somit kommt es zu keiner unkontrollierten Durchmischung von Nutzerströmen. Des Weiteren bietet diese Trennung der Garagen Vorteile in der Betreibung/Verwaltung beider Objekte. Selbst wenn eine Realisierung beider Garagen nicht zeitgleich gegeben scheint, könnte das Parkhaus gebaut werden. Eine reduzierte Tiefgaragenlösung wäre dann immer noch realisierbar (ca. 50 Stellplätze).

    Parkhaus – Gestaltung/Konstruktion
    Das Parkhaus ist eine Stahlverbundkonstruktion mit Betonfertigteildecken. Die Fassade strukturiert sich durch geschlossene Holz-Polymertafeln (Parklex o.ä.) und Feldern aus Metallgewebe. Die Holz-Polymertafeln sind hochverdichtete Schichtholztafeln mit Holzkern, welche mit heißgehärteten Harzen unter Hochdruck miteinander verpresst werden und somit eine dauerhafte und widerstandsfähige, lichtresistente Außenverkleidung darstellen. Diese Fassadenelemente sind wartungsfrei. Das Metallgewebe (luftoffen) gewährleistet die notwendige natürliche Querlüftung des Parkhauses. Auf mechanische Be- und Entlüftung kann daher gänzlich verzichtet werden. Das Dach wird begrünt. Damit wird zusätzliche Vegetationsfläche in mitten der Stadt geschaffen, die sowohl die Aufsicht von den angrenzenden Gebäude verbessert als auch das Stadtklima und die Regenwasserrückhaltung positiv beeinflusst.

    Die Anzahl der Stellplätze in der Tiefgarage und dem Parkhaus beträgt:
    Tiefgarage: 113 in 1 Ebene
    Parkhaus 117 in 3 Ebenen
    Summe Stellplätze in Garagen 220

    Als Bruttobausummen inklusive Nebenkosten wurden für die Tiefgarage 1,79 Millionen Euro und für das Parkhaus 2,2 Millionen Euro ermittelt. Diese ca. 3,99 Millionen Euro ergeben ca. 18.140 Euro pro Stellplatz.
    Die Anlage einer Tiefgarage unter der Max-Josef-Metzger-Straße, zwischen Zufahrt Justizzentrum und Otto-von-Guericke-Straße, wurde geplant und die dazugehörigen Kosten ermittelt. Dabei entstanden Gesamtkosten brutto inklusive Nebenkosten von 929.000 Euro. Bei einer maximalen Zahl von 44 Stellplätzen ergaben sich Bruttobaukosten von 21.100 Euro pro Stellplatz. Daher wurde diese Variante als unwirtschaftlich verworfen und die oben dargestellte Kombination von Parkhaus und Tiefgarage im Hof gewählt. Außerdem würde mit dieser Lösung nur eine Baumaßnahme durchzuführen sein. Auch die Verbindung mit der Tiefgarage des Roncallihauses wurde durchdacht, aber aus rechtlichen Gründen verworfen.

    Neben diesen im Parkhaus und Tiefgarage genannten Stellplatzzahlen wurden im öffentlichen Straßenraum des Bearbeitungsgebietes 68 Stellplätze geschaffen. Daraus entsteht eine Gesamtzahl von 288 Stellplätzen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.