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  • DE Flensburg
  • 12/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-4220)

Fördepromenade Sonwik


  • 2. Preis

    Lageplan

    Architekten
    rimpf Architektur & Generalplanung, Eckernförde (DE), Hamburg (DE), Greifswald (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Stefan Rimpf Mitarbeiter: Andreas Gärtner Oliver Christ, Modellbau: Stefan Koerner Sonderfachleute Tragwerk in der Phase II: Norbert Petersen (Büro Frick und Petersen, Flensburg)

    Erläuterungstext
    Phase I:

    Das Sonwik Areal, ein Militärhafen bekommt ein neues Gesicht.

    Aus militärischer Nutzung wird privates Einzelwohnen. Anforderungen an ein Quartier, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Dabei soll bei der Umnutzung das maritime Ambiente des Militärhafens nicht verloren gehen, es möchte eher verstärkt werden - Wohnen am, im und über dem Wasser. Dies soll geschehen ohne die denkmalgeschützte Gebäudekompositio¬n, die in ihrer Gesamtanlage als Kulturdenkmal gilt, zu zerstören sondern sie unterstützen und hervorzuheben.

    Zur Zeit der militärischen Nutzung bildeten die langen Gebäuderiegel, die entlang der Kai¬kante positioniert sind, zusammen mit den an den Kaianlagen liegenden Schiffen gleicher Dimension das Bild des Hafens, spannten dieses räumlich zwischen sich auf. Mit der Aufgabe des Areals als Militärhafen, verloren die Gebäude ihr Gegenüber.
    Der geplante Gebäudekomplex spannt den Hafenraum von Sonwik zusammen mit den Wasserhäusern auf, gibt dem Hafen wieder eine zum offenen Meer hin schützende Kante. Die neue „dritte Dimension“ der bestehenden Mole umschließt zu¬sammen mit dem Winkel der Wasserhäuser und den begleitenden Gebäuderiegeln den neu angelegten Yachthafen. Die Gebäude nehmen vergangene Schiffsdimensionen und die bestehende horizontale Gebäudegliederung auf, erhalten und verstärken die Hafenatmosphäre des neuen Wohnquartiers. Dabei werden bestehende Sichtachsen und Wegebeziehungen durch das An¬heben des neuen Wohnschiffes nicht zerstört, vielmehr wird das neue Zentrum des Sonwik Areals auch für Besucher vom Wasser und entlang der Fördepromenade weithin sichtbar und erlebbar bleiben.

    Der über die Straße und Wasser ragende Riegel ist weithin sichtbar, lässt Sichtachsen von vorhanden Gebäuden bestehen und bildet mit dem von der Kaikante zurückspringenden Rie¬gel einen Platz aus, von dem das Hafenareal in seiner Gänze zu beobachten ist. Es entsteht der zentralen Punkt des Sonwik Areals. Der Besu¬cher wird über eine an ein Schiffsdeck erinnernde Treppen- und Rampen¬anlage auf spielerische Weise auf den höchsten Punkt geführt. An diesem Platz angeordnet sind die Zugänge zu den Wohneinheiten und den neuen Gewerbeflächen, die in einer Kammstruktur auf dem Platz liegen. Unter dem Platz befindet sich die Tiefgarage, die somit auf Ebene der Erchließungsstraße angeordnet ist und sich zusammen mit dem Gewerbeeinheiten in den Hang schiebt. Das über dem Platz liegende Wohnschiff nimmt die Richtung der Mole auf. Die Nord-Süd ausgerichteten Wohnungen haben alle sowohl Blickbeziehungen nach Flensburg, als auch aufs Meer und über den Hafen. Als Besonderheit sind hier die dreigeschossigen, Stadthauswohnungen zu erwähnen, die sowohl über Balkone als auch über Dachterrassen verfügen können. Die Wohnung im zweiten Riegel sind Ost-West ausgerichtet und genießen eine direkte Blickbeziehung über das Hafenareal und das Meer.

    Die verwendeten Materialien sollen die bestehende Farbgebung aufnehmen gleichzeitig an die typischen Materialien des Schiffsbaus erinnern.

    Tiefgarage und Sockel - Sichtbeton
    Sockel- und Platzbelag - Holzbeplankung ähnlich der von Schiffsdecks
    Gewerbeeinheiten - Stahl-Glas Fassadenkonstruktion mit Holzlamellen als Verschattungselemente
    Wohnriegel - Betonfertigteilkonstruktion mit Stahl-Glasfassaden und verschiebbaren Holzelementen als Verschatt- ungselemente

    Ergänzungen Phase II

    Die von uns durchgeführten Überarbeitungen des Entwurfes tragen unter anderem dazu bei, das Gebäude wirtschaftlicher und somit in den Augen der Investoren attraktiver zu machen. Dies geschieht bei gleichzeitiger Beibehaltung der städtebaulichen und hochbaulichen Grundkonzeption.

    Dabei sind folgende Optimierungen besonders hervorzuheben:

    1. Absenkung und Umstrukturierung des Tiefgaragenbereiches:

    Durch das Absenken des Tiefgaragenbereiches ergibt sich eine geringere Höhenüberwindung auf den Platz, so dass zum Einen die Rampenanlage kleiner und übersichtlicher wird, zum Anderen die Gewerbeeinheiten um 4m weiter an die Platzkante rücken können und noch früher für den Besucher sichtbar werden. Zusätzlich wird die Einfügung einer zweiten Tiefgaragenebene mit direkter Zufahrt möglich. Zusammen mit der Umstrukturierung der Stellplatzanordnung ist eine Anknüpfung sämtlicher Kerne des Querriegels an die Tiefgarage möglich. Somit besitzen jetzt 80% der Wohnungen einen direkten Tiefgaragenzugang. Durch die Optimierung der Tiefgarage (jetzt 139 Stellplätze) können zu den verlangten 1,5 Plätzen pro Wohneinheit noch weitere 25 Plätze für die freie Nutzung angeboten werden.

    2. Einführung eines Erschließungsganges im Wohnsteg auf der 11,50m Ebene:

    Durch die Einführung dieses Erschließungsganges erhalten die Bewohner der Wohnungen, deren Treppenhäuser nicht direkt in die Tiefgarage führen (20% der Einheiten), die Möglichkeit bei schlechtem Wetter trockenen Fußes in ihre Wohnungen zu gelangen. Dabei beträgt die maximale Weglänge nur 85m. Zudem bietet der Weg einen attraktiven Ausblick über den Segelhafen, den Fördeausgang und das Meer (siehe Perspektive Blatt 6).

    3. Aufstockung des Querriegels und des Wohnsteges um Deckswohnungen:

    Durch die Optimierung des Riegelquerschnittes – Verringerung des Unterschnittes - wird der Schattenwurf verringert. Gleichzeitig können 8 weitere Deckswohnungen entstehen, bei einer effektiven Erhöhung des Riegels um nur 1,5m. Da es sich um Staffelwohnungen handelt erhöht sich der effektive Schattenwurf in den Kernzeiten nicht.
    Bei dem Querriegel führt die Kombination aus Absenkung der Tiefgarage, Aufstockung um zwei weitere Wohngeschosse und die Querschnitts-änderung zur Erhöhung der Wohnfläche bei Beibehaltung des städtebaulichen und hochbaulichen Konzeptes.

    4. Vereinfachung des Tragsystems des Wohnsteges:

    Durch das Gleichstellen sämtlicher Achsabstände zwischen allen Hauptstützpaaren wird das System vereinfacht, sowohl aus statischer Sicht, als auch aus bautechnischer Sicht (Vorfertigung). Zudem erhält man wirtschaftlichere Spannweiten und entgeht Gründungsschwierigkeiten im Kaimauerbereich.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die mutige städtebaulich-funktionale Neuinterpretation im Gelenkpunkt des Marineareals könnte aus Sicht der Jury ein Weg sein, die bislang erfolgte Konversionsmaßnahme fortzuführen. Der über Gelände und Was-ser geführte Wohnriegel in Richtung der Blücher-Brücke mit quer liegender, landseitiger Ergänzung biedert sich nicht den überkommenen historisch bedeutsamen Baustrukturen an, sondern prägt eine neue, zu-kunftsweisende und durchaus auch gewöhnungsbedürftige Struktur für Wohnen und Gewerbe.

    Der Wasser- und Hafenbezug ist als Standort-Qualität in überraschender Weise genutzt. Die dadurch erzielte Untergliederung der Förde-Wasserkante wie auch das Fortbestehen oder Unterbrechen vorhandener Sicht-beziehungen durch den aufgeständerten, 3-geschossigen Wohnriegel wurde kontrovers diskutiert.

    Der landseitige Querriegel mit Untergeschoss und Terrassenanlage bildet einen gut proportionierten Vorplatz zur Förde und nimmt die Erschließungs- und Ergänzungsfunktionen geschickt auf. Er fasst den Straßenraum zur Swinemünder Straße in geeigneter Weise.

    Die 3-Geschossigkeit des hoch geführten „Wohnstegs“ erlaubt vielfältige Grundrissgestaltungen über und durch die Geschosse und führt zu qualitativen, einzigartigen Wohn- und Nutzungsangeboten und ergänzt die Wasserhäuser in besonderer Weise mit Alleinstellungsmerkmalen für Sonwik.

    Der vorgeschlagene Materialkanon für Gebäude und Außenanlagen mit Beton, Stahl und Glas setzt sich wohltuend von der überkommenen Reihung der Backsteinbauten des Bestandes ab.

    Eine wirtschaftliche Realisierung dieses Projektes erscheint einem Teil des Preisgerichts durch die Qualität der neuen Nutzungsangebote und die mit dem Gesamtkonzept verbundene mögliche Image-Aufwertung des Standortes möglich, während der andere Teil des Preisgerichts hierin weder ein angemessenes Angebot für die in SONWIK ansässige Klientel, noch die Erstellungskosten in einem vertretbaren Rahmen gesichert sieht.

    Die starken, einfachen Konzeptstrukturen des Entwurfs können eine Bereicherung für Flensburg sein und die Ausrichtung auf die Förde weiter neu qualifizieren.

    Planungsrechtlich müsste zur Realisierung ein Bauleitplanverfahren durchgeführt werden.


INFO-BOX

Angelegt am
Zuletzt aktualisiert 14.06.2013, 10:51
Beitrags-ID 4-7552
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