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  • DE-49090 Osnabrück
  • 11/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-137851)

Kaserne an der Landwehrstraße


  • ein 3. Preis

    Perspektive, © BS+ städtebau und architektur GbR

    Stadtplaner
    BS+ städtebau und architektur i.L., Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Torsten Becker

    Mitarbeit
    Kerstin Formhals, Viola Spurk, Prof. Henrike Specht

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Lohaus · Carl · Köhlmos PartGmbB Landschaftsarchitekten · Stadtplaner, Hannover (DE)

    Erläuterungstext
    Konzept
    Allee, Park und Garten:
    ein zentraler, autofreier Grünraum mit vielgestaltigen Wohnquartieren und hohem Freizeitwert

    Die prägenden Grünräume der ehemaligen Kaserne werden zum autofreien Rückgrat des neuen Quartiers entwickelt. In Erinnerung an die langjährige Nutzung bieten die »Park-Allee, der »Englische Garten« und der »englische Landschaftspark« einen hohen Freizeitwert und eine besondere Wohnadresse in der Stadt. Der Eingangsbereich an der Landwehrstraße wird geprägt durch einen kleinen Quartiersplatz sowie den »Englischen Garten« als Quartierspark.

    Nutzungen
    Im Bereich des östlichen Eingangs zum Gebiet befindet sich das Quartierszentrum mit dem Quartiersplatz und einer Konzentration von öffentlichkeitswirksamen Nutzungen und Versorgungseinrichtungen. Unmittelbar am Quartiersplatz gelegen befindet sich die Mobilitätsstation sowie Ladengeschäfte. Südlich des Platzes ist eine soziale Einrichtung in direkter Nähe zur Gedenkstätte sowie die neue Kita vorgesehen. Im Südosten soll ein Nahversorger sowie kleinteiligere Versorgungsangebote entstehen. Im Westen des Gebiets befinden sich im Übergang zum Englischen Park ein Familienzentrum sowie Freizeitnutzungen. Die Wohnquartiere sind beiderseits der »Park-Allee« angeordnet.

    Flexible Baufelder und vielfältige Typologien
    Die Wohnquartiere weisen Baufelder auf, die eine flexible Realisierung unterschiedlicher Wohntypologien ermöglichen. Der Entwurf versteht sich als beispielhafte Darstellung der Kombination von freistehenden Einfamilienhäusern, Doppelhäusern, Reihenhäusern, Stadthäusern sowie Geschosswohnungsbauten. Eine Zonierung sieht im Südwesten schwerpunktmäßig freistehende Einfamilienhäuser vor, während Geschosswohnungsbau im östlichen Bereich vorgesehen sind. Nördlich der »Park-Allee« werden Wohnhöfe ausgebildet, die durch unterschiedliche Gebäudetypen geprägt werden. Den Abschluss nach Norden zur Bahnstrecken hin bildet ein Streifen mit gewerblicher Nutzung in flexibler Parzellierung. Die beiden bestehenden Wohngebäude werden in das Konzept integriert.
    »Park-Allee«
    Der prägende Baumbestand im Bereich der »Park-Allee« wird erhalten und analog zu den parallel verlaufenden Straßenräumen des neuen Quartiers mit Baumreihen aus Blütenbäumen ergänzt. Das markante Baumtor im Übergang zur Landwehrstraße, das die dort vorhandene Kastanienreihe unterbricht, bleibt als Entree in die »Park-Allee« ebenso erhalten wie die Säulenpappelreihen. Sie werden in einen Platz mit Außengastronomieangeboten integriert.

    Englischer Garten
    Der »Englische Garten« knüpft an die englische Tradition kleiner, intensiv gestalteter Parks als zentrale Identifikationsorte von Wohnquartieren an. Exotischer Gehölze, wie Trompetenbaum oder Mammutbaum bleiben erhalten und werden durch weitere malerische Baumpflanzungen ergänzt. Der Garten wird dreiseitig durch typische Englische Staudenrabatten umschlossen, die den gartenhaften Charakter unterstreichen. An zentraler Stelle und in enger Verbindung zum Familienzentrum und zur Kita ist hier eine Spielfläche in die Rasenflächen integriert.

    »Englischer Park«
    Die »Park-Allee« geht im Osten in den »Englischen Park« über. Dieser wird im Übergang zu den westlich angrenzenden Wohnquartieren und im Norden zur Bahn kulissenartig mit Baumpflanzungen gefasst. Die Raumwirkung wird durch eine sanfte Modellierung und durch eine geschwungene Wegeführung unterstützt. Der Kern des »englischen Landschaftsparks« verbleibt als großzügige Wiesenlandschaft, in die die Sportplätze integriert sind.

    Erschließung
    Im südlichen Teil erfolgt die Erschließung der Wohnquartiere über eine lineare Wohnstraße, an die sich nach Norden hin ein Netz aus verkehrsberuhigten Wohnwegen anschließt. Die neue Straßenverbindung parallel zur Landwehrstraße wird im Bereich des Quartierszentrums durch einen Versatz in ihrem Verlauf gebremst und als shared space gestaltet. Das Gebiet wird durch vielfältige Wegebeziehungen mit seiner Umgebung vernetzt. Es werden sowohl bereits bestehende Wegeverbindungen zu umliegenden Quartieren und Landschaftsräumen aufgenommen als auch neue fußläufige Verbindungen geschaffen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der bestehende Grünzug östlich der Landwehrstraße wird über einen Eingangsplatz in seiner Dimension selbstverständlich weitergeführt. Es stellt sich allerdings die Frage, welche Funktion dieser Korridor noch übernehmen kann, außer einer verbindenden Alleefunktion. Der „Englische Garten“ wird baulich richtig gerahmt von öffentlichen Einrichtungen wie Kita, Denkmal und weiteren sozialen Einrichtungen. Ein Supermarkt ergänzt diese Nutzungen an der Zufahrtsstraße an der richtigen, zentralen Stelle.

    Die südlich des Sportplatzes gelegenen Einzelhäuser wirken in ihrer Struktur etwas beliebig. Weiter oben, an der Erschließungsschleife im Nordteil erscheint das Wohnangebot im direkten Gegenüber zur angebotenen Gewerbenutzung als Fremdkörper, weil dieser zusätzlich zwischen Freizeit- und Sportnutzungen eingespannt ist. Die vorgeschlagene Gewerbenutzung im Norden wird positiv bewertet.

    Das Erschließungssystem erscheint im Norden mit der Schleife und den angedockten Wohnhöfen einfach und plausibel, auch wenn die neue Haupterschließung hier direkt zur Landwehrstraße parallel verläuft und über eine lange Strecke keine weitere Grundstückserschließung übernimmt. Die nördlich der Mobilitätsstation vorgesehene Platzfläche mit integrierter Wendemöglichkeit stellt eine gute Detaillösung für die ÖPNV-Anbindung des Gebietes dar.

    Die südliche Quartierserschließung endet stumpf an einem Wendehammer, das Angebot der direkten Nachbarschaft eines Kinderspielplatzes erscheint konfliktbehaftet. Die Orientierung fällt hier schwer. Positiv wird der Vorschlag zur Haupterschließungsstraße direkt vom Kreisverkehr aus anbindend gesehen.