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  • DE-49090 Osnabrück
  • 11/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-137851)

Kaserne an der Landwehrstraße


  • 2. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Planergruppe GmbH Oberhausen, Essen (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS GmbH, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Leitidee unseres Entwurfs ist die Schaffung eines zentralen Bürgerparks mit wertvollen Baumbeständen und Freiraumelementen. Dicht vernetzt mit den vorhandenen Siedlungsräumen wird der Park zum Identifikations- und Aufenthaltsort von Atter und Eversburg entwickelt. Durch die gute Vernetzung wird der Bürgerpark gleichzeitig zum Trittstein in der Kette der Grünräume des Stadtteils.

    Erschließung und öffentlicher Raum
    Das Erschließungssystem ist hierarchisch abgestuft. Die Haupterschließung schließt an den neuen Kreisverkehr an, wird zwischen den bestehenden Bäumen durchgeführt ohne den wertvollen Baumbestand zu gefährden und wird im Norden zwischen den beiden bestehenden Gebäude-Zeilen durchgeleitet um dann wieder auf die alte Trasse geführt zu werden. Hierdurch kann die heutige Landwehrstraße in Gänze verkehrsberuhigt werden. So entstehen im Norden und Süden baulich gefasste Entreesituationen. Mit der freien aber auf die Baumstandorte rücksichtnehmenden Straßenführung wird die axiale und strenge militärische Ordnung der heutigen räumlichen Situation aufgehoben. Die eindrucksvolle Ost-West-Achse bleibt als befestigte Fuß- und Radweg-Allee erhalten.
    Von der Haupterschließung wird ein „Parkway“ als Ringerschließung um die grüne Mitte geführt. Von hier zweigen die Wohnanliegerstraßen ab, die verkehrsberuhigt als Mischprofil ausgebildet sind und platzartige Aufweitungen an den Kreuzungen bieten. Auch der Straßenbelag signalisiert den Wohncharakter der Straßenräume: Glatte, bespielbare Asphaltflächen werden wie Teppiche in den rauhen, bremsenden Kleinpflasterbelag eingelegt. Diese Maßnahmen tragen zur Reduzierung der Geschwindigkeit bei. Die „grüne“ Gestaltung der Wohnerschließung soll die Aneignung des öffentlichen Raums durch Fußgänger, Kinder, Skater und Radfahrer fördern. Begleitende Hecken und Baumsetzungen konturieren den Straßenraum. Öffentliche Stellplätze sind in den Straßenraum integriert. Die Grundstücke sind so organisiert, dass jede Hausadresse unmittelbar an einer verkehrsberuhigten Anliegerstraße liegt.

    Bürgerpark und Grünvernetzung
    Der Bürgerpark Atter ist ortsbildprägend und ein Raum für Sport, Spiel, Feste und Spaziergänge. Der Anteil öffentliche Grünfläche wurde in der 2. Wettbewerbsphase zugunsten von Nettobaulandflächen verringert ohne den großzügigen Charakter des Bürgerparks einzuschränken. Der „Loop“ verbindet die verschiedenen Funktionen im Park und bietet gleichzeitig eine gefahrlose Rad- und Fußwegeverbindung. Der Bürgerpark inszeniert den großartigen Baumbestand in seiner unterschiedlichen Baumdichte, so dass diverse Raumqualitäten erlebt werden können. Spiel- und Aufenthaltsorte und Fitness-Stationen auf dem Loop und auch die Wasserfläche am Boardinghaus bieten attraktive Angebote für alle Anrainer auch aus der Umgebung.
    Eine Kette von kleinen Grünräumen ausgestattet mit wohnungsnahen Spielangeboten verbindet den Park mit den südwestlich angrenzenden Wohngebieten und dem Leyer Holz. Durch den süd-östlichen Parkbereich wird das Heger Holz mit Rubenbruchsee angebunden. Schräg gegenüber der ehemaligen Einfahrt könnten mit einer neuen Durchwegung auch die östlichen Grünzüge mit dem Park verknüpft werden. Nach Norden wird eine Unterführung der Bahnlinie in Verlängerung der Straße „Am Sportplatz“ vorgeschlagen, was aufgrund des höher liegenden Bahndamms ohne größere Abgrabungen möglich ist.

    Der Bürgerpark ist als extensiver Wiesenpark vorgesehen, der ein- bis zweimal im Jahr gemäht wird. In Abstimmung mit den BürgerInnen Atters könnten zudem unterschiedliche Pflegekonzepte entwickelt werden. Das Beispiel Bürgerpark in Bremen zeigt, wie eine solche Unterhaltung von der bürgerlichen Gemeinschaft organisiert werden kann: Ein nahegelegener landwirtschaftlicher Betrieb übernimmt die Mahd. Schnittgut wird als Futter oder zur energetischen Nutzung verwertet. Der Bereich innerhalb des Loops wird als Allmende (gemeinsame Weide z.B. Ponys, Schafe,…) genutzt. Die bürgerliche Gemeinschaft lässt einen Streifen entlang des Loops mit Blumen zum Selber pflücken einsäen. Durch temporäre Rasuren können Spielwiesen oder auch Festwiesen gemäht werden. Das Unterhaltungskonzept soll zum einen die Identifikation der BürgerInnen mit dem Park stärken, zum anderen für den Freiraum eine langfristige Qualität sichern, die Akzeptanz des Parks steigern und schließlich den Pflegeaufwand bzw. die Unterhaltungskosten minimieren.

    Die Solitäre im Park
    In den Park sind Solitärgebäude integriert, die von gemeinschaftlichem Interesse sind und für die eine Lage im Park von besonderem Interesse ist. Das ehemalige Kasino mit Wohnriegel wird als Jugendherberge mit Fahrradstützpunkt vorgeschlagen, da von hier optimale Wegeverbindungen in alle Himmelsrichtungen bestehen und sich ein Anschluss an das überregionale Fahrradwegenetz anbietet. Im Gebäude des ehemaligen Kasinos werden Cafeteria bzw. eine Radfahrstation untergebracht. Das Wohngebäude wird mit Herbergszimmern ausgestattet. Der Kindergarten ist zentral gelegen und auch aus umliegenden Wohngebieten gut erreichbar. Der innenliegende Hof dient als geschützte Freifläche ohne Zaun. Der äußere, Hecken- gefasste Raum kann als Experimentier- Garten genutzt werden. Das Freizeitangebot im Bürgerpark kann von den Kindergartengruppen gefahrlos, ohne Straßen zu kreuzen, genutzt werden.

    Das Ensemble an der ehemaligen Kasernenpforte wird als Ort der Erinnerung und der Begegnung in den Park integriert. Die historische Einfahrtsituation wird als Ensemble erhalten, wird aber gleichzeitig als Begegnungsort neu interpretiert. Der Erhalt der beiden südlichen Baracken macht die ehemalige Lager-Struktur deutlich, ohne penetrant zu wirken. Hochwertige Restauration/ Café im ehem. Pförtnerhaus, Serviceangebote für neue und alte BürgerInnen (auch aus dem Stadtteil selbst organisiert), Familienfeste, Information und Gedenken sollen an diesem Ort vereint werden. Den Neubeginn signalisiert der zentrale Infopavillon im EG des Geb. 34,
    In Abstimmung mit der Bürgerschaft können hier zunächst die Bestandsgebäude die angedachten Nutzungen übernehmen. Sollte der Bedarf an zusätzlichen, die Gemeinschaft betreffenden Nutzungen steigen, sieht unser Entwurf auf gleicher Fläche erweiterte Nutzungsoption vor. (dargestellt und erläutert im Ausschnittplan M 1:500 und im Plakattext)

    Sport- und Freizeitfeld
    Im nord-westlichen Bereich wird der vorhandene Sportplatz durch sportaffine Nutzungen ergänzt. Gebäude für Umkleiden, Gymnastik oder ein Clubheim bilden den erforderlichen Lärmschutz zur Bahn. Dieser intensiv genutzte Sportbereich ist durch die vorgeschlagene Unterführung der Bahn auch von den nördlichen Siedlungsbereichen aus erreichbar. Südlich des Sportplatzes ist eine kleine Tribüne mit Gabionenwand vorgesehen, welche die Sportnutzung gegenüber der Wohnbebauung im Süden ab puffert. Davor liegt ein Parkplatz mit 90 Stellplätzen, der dem benachbarten Geschosswohnungsbau zugeordnet ist, bei Sport- Veranstaltungen aber genutzt werden kann.

    Gewerbe
    Durch eine bauliche Verdichtung von lärmunempfindlichen Gewerbenutzungen entlang der Bahnlinie im Norden entsteht eine Pufferzone zur Wohnnutzung. Die Gebäudenordseiten sollen dabei auf einer Flucht errichtet werden und durch Lärmschutzwände verbunden werden. Die eigentlich von städtischer Seite vorgesehene Lärmschutzwand und die damit entstehende Einkesselung der Bahnlinie könnte damit entfallen. Jeweils zwei Gewerbegrundstücke an der Bahn und die wohngenutzten Grundstücke am Park gruppieren sich um einen grünen Hof der von dem Parkway aus erschlossen wird. Unterschiedliche Nutzungskombinationen sind mit diesem gemischten Grundmuster möglich.
    Das Polizeigrundstück wird durch Bebauung ummantelt, nach Osten mit dem Vollsortimenter, nach Norden mit Stadthausgrundstücken, die zur Polizei hin Anbauten erhalten sollen, nach Süden und Westen durch Wohnungsbau. Der Anschluss der Polizei an die Notausfahrt ist gewährleistet. Nach Westen schirmt ein Gehölzstreifen die Polizeifläche ab.

    Flexibilität im Planungsprozess
    Der Bürgerpark mit dem „Loop“-Rundweg sollte möglichst früh als eigenständiges, identitätsstiftendes Element und in einem Zug entwickelt werden, um frühzeitig die Aufenthaltsqualität des Areals auch für die umliegenden Bewohner von Atter erlebbar zu machen. In einer ersten Entwicklungsstufe werden die Baufelder im südlichen Plangebiet entwickelt, die auch ohne Kreisverkehr von der Landwehrstraße erschlossen werden können.
    Im Sinne der gewünschten Nutzungsmischung wird KEINE dezidierte Gliederung von Typologien vorgeschlagen, sondern aufgrund eines Grundmusters von Parzellen können unterschiedliche Szenarien und Mischungsverhältnisse im weiteren Planungsprozess entwickelt werden. Die gezeigte Parzellierung ist daher beispielhaft zu verstehen. Hierbei wurden Geschosswohnhäuser und Stadthäuser am Park, in den Siedlungsbereichen eine Mischung von Einfamilien-, Doppel- und Reihenhausgrundstücken sowie an ausgewählten Stellen Geschosswohnbau vorgehsehen. Eine Differenzierung von Grundstücksgrößen ist durch die Parzellenbreite sowie Lage und Versatz der Erschließungswege gegeben, und kann im Planungsprozess je nach Markterfordernis und Planungszielen verändert werden. Die Gebäudestellung auf den Grundstücken ist variabel so dass optimale Belichtungsmöglichkeiten der jeweiligen Terrassen gegeben sind.

    Energieeinsparung und Nachhaltigkeit
    Von Anfang an sollte ein Projektmanagement mit einer intensiven und qualifizierten Beratung der Neubürger sowie siedlungsbezogenen Umwelt-Wettbewerben angeboten werden. Die baulichen Voraussetzungen für eine effiziente Infrastruktur sind auch auf Grund der zentralen Lage der Ring-Erschließung gegeben. So wäre beispielsweise die Errichtung eines zentralen Blockheizkraftwerkes auf dem Gelände des Polizeistandorts möglich. Bei der Dachform der Neubauten sind die Aspekte Regenrückhaltung und Solarkollektoren zu berücksichtigen. Wir halten daher eine konsequente Flachdachregel mit Begrünung für sinnvoll. Die Dachbegrünung unterstützt die Regenrückhaltung und die Entwicklungen im Solarkollektorbereich lassen den Einsatz horizontaler Paneele als Dachbekleidung zu. Die Dachflächenwässer sollten in erster Linie in unterirdischen Zisternen zur Brauchwassernutzung gesammelt werden. Dies ist auf Grund der Größe der Grundstücke unproblematisch. Überschüssiges Niederschlagswasser wird ebenfalls auf den Privatgrundstücken über unterirdische Rigolen dem Grundwasser zugeführt. Die Strassenwässer werden über unterirdische Staukanäle verzögert in den Kanal abgeleitet.
    Als Alternative zum umweltbelastenden PKW wird quartierbezogenes carsharing, eine e-tankstelle, e-mobil-verleih-Station z.B. im Bereich des Einzelhandels vorgeschlagen. Bushaltestellen bieten weitere Möglichkeiten auf das eigene Auto zu verzichten. Diese Angebote sind im engen Dialog mit der Bürgerschaft und den Akteuren vor Ort zu diskutieren und zu verorten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf basiert auf einer großen grünen Mitte, welche die Verfasser als Bürgerpark Atter deklarieren. Diese großzügige Öffnung zu den umliegenden Quartieren und zur beruhigten Landwehrstraße befreit das ehemalige Kasernengelände aus der ursprünglichen und funktionellen Isolation. Auf fast selbstverständliche Art wird hier ein Freiraum als Projektionsfläche für die jetzige Nachbarschaft und zukünftig neue Bürgerschaft vorgeschlagen. Diesem zugrunde liegt allerdings ein aktives Betreiberkonzept, das sich aus Interessierten, vor Ort ansässigen Bürgern zusammensetzen soll. Das örtliche Funktionieren dieser Konstellation wird aber in Frage gestellt.

    Die städtebauliche Anbindung des Plangebietes mit den westlichen angrenzenden Wohnquartieren wird durch gut artikulierte Freiräume erreicht. Einer positiven Wertung der Solitäre im Park steht eine funktional fragwürdige Nutzung, sprich Jugendherberge, entgegen. Die städtebaulichen Übergänge im Süden und Westen in Form von Einfamilienhäusern stellen einen harmonischen Übergang mit der Umgebung dar. Ebenso stellt sich die ökonomische Entwicklung einer solchen Lösung schwierig dar.

    Die hohe Geschossigkeit der an die „Pocket Parks“ angrenzenden Bebauung wird kritisch gesehen. Auch die Erschließung der Gewerbeflächen im Norden kann nicht überzeugen.

    Der Entwurf verfolgt ein mutiges, konsequentes und dem Ort angemessenes Konzept. Ein Antrag für den Ausschluss wird gestellt.