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  • DE-88048 Friedrichshafen
  • 12/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-145782)

Neubau des Frei- und Seebades Fischbach


  • 1. Preis

    Eingang, © Architecture2Brain

    Landschaftsarchitekten
    Henne Korn Landschaftsarchitekten PartGmbB, Freiburg im Breisgau (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Sacker Architekten GmbH, Freiburg im Breisgau (DE)
    Visualisierer: ARCHITECTURE2BRAIN - architekturdarstellungen, Berlin (DE), Augsburg (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau und Konzept
    Grundidee des Entwurfes ist es, die Ausrichtung des Seebades auf den Bodensee in den Vordergrund zu stellen und zu stärken. Demzufolge wird das Gebäude im Norden des Geländes platziert und alle Hauptfunktionsbereiche sowie Freibecken konsequent nach Süden in Richtung des Bodensees ausgerichtet. Die Beckenlandschaft ist kompakt an den Baukörper angelagert. Dadurch entsteht eine großzügige Liegewiese, die sich durch Blickbezüge mit dem See verbindet. Die klare Geometrie des Baukörpers steht in einem spannungsvollen Kontrast mit dem Biotop Seehag und der Uferlinie des Bodensees. Der schlichte Baukörper bildet das räumliche Rückgrat und das verbindende Element der Freibereiche. Das eingeschossige Gebäude fügt sich subtil in die Höhenentwicklung des Geländes ein. Von der Zeppelinstraße aus betrachtet lässt das begrünte Dach das Seebad mit dem Landschaftsraum verschmelzen. Das Gebäude führt die Flucht der Wohnbebauung aus der angrenzenden Fildenstraße fort und ergänzt die vorhandene städtebauliche Struktur. Der Hauptzugang zum Freibad befindet sich auf einer direkten Sichtachse zum Bodensee. Die Überdachung rahmt den Blick und inszeniert den Seebezug. Die Erschließung des Bades erfolgt für Kraftfahrzeuge von Norden über die Zeppelinstraße. Fußgänger und Radfahrer können das Bad auch über die Strandbadstraße erreichen. Dementsprechend werden die jeweiligen Stellplätze nachgewiesen. Kfz-Parkplätze im Osten und Norden des Bades; Fahrradabstellplätze in unmittelbarer Nähe des Haupteingangs im Westen. Die Anordnung der Becken ergibt eine klare Zonierung der Freibereiche. Im Anschluss an die Wohnbebauung im Westen befindet sich ein ruhiger Bereich mit Thermal- und Sportbecken. Östlich davon folgen das Nichtschwimmerbecken, der Planschbereich sowie die Sportnutzungen. Das Thermalbecken wird in den Gebäudeumriss integriert und erhält dadurch, entsprechend seiner Sonderstellung als Alleinstellungsmerkmal des Seebades, einen eigenständigen, ruhigen Charakter. Die dem Becken zugeordneten Umgänge werden durch die überdachten Bereiche geschützt und aufgewertet. Thermal- und Schwimmerbecken befinden sich in direkter räumlicher Zuordnung zur Wärmehalle. Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken liegen südorientiert und unverschattet vor dem Gebäude. Sitz- und Liegestufen fassen diesen Bereich zusammen und sorgen für eine hohe Aufenthaltsqualität.

    Grundriss und Funktion
    Die verschiedenen Funktionsbereiche des Seebades sind unter einem verbindenden Dach in drei linear angeordneten Baukörpern organisiert. Die Dienstwohnung orientiert sich zur vorhanden Wohnbebauung im Westen und wird über die Strandbadstraße erschlossen. Der Zugang in das Bad und in die Wärmehalle befindet sich im mittleren Baukörper. Die Gastronomie, die Verwaltung sowie die Duschen und Umkleiden der Wärmehalle grenzen direkt an das Foyer. Die Zugangskontrolle und der Kiosk sind als Funktionseinheit organisiert. In Schwachlastzeiten ist es dadurch möglich den Ticketverkauf und die Essensausgabe mit einer Person zu betreiben. Die Sommerumkleiden des Freibades sind jenseits des Badzugangs im dritten Baukörper zusammen mit Duschen und Spinden organisiert. Die nötigen Technikflächen und die Energiezentrale sind im Untergeschoss unter den Sommerumkleiden nachgewiesen. Die Andienung erfolgt über die Parkplatzzufahrt. Die zentrale Anordnung des Technikbereiches zwischen den Becken sorgt für kurze Leitungslängen.

    Struktur und Fassade
    Die primäre Tragstrukur des Gebäudes besteht aus einem Stützen-Platten-System in Ortbeton. Der Raumabschluss der Gebäude erfolgt mit vorgefertigten holzverschalten Ständerwänden. Im Bereich des Thermalbeckens wir die Holzwand zu einer horizontalen Lamellenstruktur aufgelöst. Die großzügige Verglasung des Kiosks und der Wärmehalle sitzt hinter der Stützenebene zurück und bildet einen überdachten, witterungsgeschützten Raum. Der Wechsel von offen und geschlossen, Holz und Beton, Vertikalen und Senkrechten, gliedert den Baukörper und macht die Funktionsbereiche ablesbar. Die hölzerne Materialität ist eine Referenz an die klassischen See- und Freibäder.

    Außenanlagen
    Im Entwurfskonzept wurden die Außenanlagen sehr kompakt und ökonomisch organisiert. Die Becken schließen mit entsprechenden Beckenumgängen, Liegestufen und befestigten Aufenthaltsbereichen direkt an den Gebäudebaukörper an. Damit bleibt Platz für eine großzügige Liegewiese Richtung See. Die nach Osten anschließenden Grünflächen bleiben erhalten und werden durch kleine Eingriffe aufgewertet und räumlich in das Konzept eingebunden. Gestaltungsschwerpunkte befinden sich in den Randbereichen und ordnen sich der grundlegenden Gliederung des Geländes unter: ruhigere Bereiche, wie Dampfgarten im Westen, Spiel und Sport im Osten. Verbunden werden alle Bereiche durch ein gestalterisches Element, das sich als "Der Blaue Pfad" durch das Bad schlängelt. Durch die großzügige Gestaltung der Liegewiesen kann der Seehag von Nutzungen freigehalten werden. Er ist durch eine attraktive Einfassung mit dem "Leitband" vor dem Betreten geschützt. Hier können interessante künstlerische Aspekte mit Information über den ökologischen Wert des Seehags verbunden werden. Der Zugang zum Seeufer erfolgt an den bereits vorhandenen offenen Stellen im Seehag.
    Das Seeufer bleibt unverändert. Um den Nutzungsdruck am Ufer zu vermindern, wird eine vorgelagerte Schwimmplattform im See angeboten. Das Badgelände ist komplett eingezäunt, seeseitig verläuft der Zaun nördlich entlang des Winterwegs. Bei Freibadnutzung werden die Durchgänge zwischen Freibad und See geöffnet, dafür der Winterweg abgesperrt, wodurch wiederum der Seehag geschützt wird. Im Winter ist eine großzügige Wegeführung entlang des Bads möglich.

    Parkplätze
    Die Parkplätze bleiben im Wesentlichen erhalten, jedoch sind sie mit neuer Zu- und Abfahrt besser mit der Zeppelinstraße verknüpft. Die bestehenden Stellplätze können mit wasserdurchlässiger Oberfläche umgebaut werden. Nach Süden wird der bestehende Parkplatz ergänzt, in Nähe des Eingangs werden Parkplätze für Behinderte oder Familien zur Verfügung gestellt. Vom Kfz-Verkehr ungestört ist der Badeingang mit Fuß- und Radwegen erreichbar.

    Energiekonzept
    Das Freibad Fischbach ist als Sommerbad konzipiert. Das Thermalbecken wird aus einer Thermalbohrung gespeist, die Wasser mit einer Temperatur von 34-35°C liefert. Bei einer Beheizung der Becken wird für eine angenommene Betriebszeit von April bis Ende September ein Wärmebedarf von 750 MWh abgeschätzt. Für den Betrieb der Becken ist eine elektrische Leistung von ca. 30 kW erforderlich. Für die Wärmeversorgung wird eine Solarabsorberanlage mit einer Fläche von 800 m² vorgeschlagen. Diese deckt rund 2/3 des Wärmebedarfs. Ergänzt wird die Anlage durch ein Blockheizkraftwerk, das auf den Strombedarf mit einer Leistung von ca. 30 kWel. ausgelegt wird. Die Abwärme des BHKW wird vorrangig für die Bereitung von Duschwarmwasser auf hohem Temperaturniveau verwendet, vorhandene Überschüsse werden für die Beckenwassererwärmung genützt. Für Lastspitzen wird ein zusätzlicher Kessel vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf konzentriert die baulichen Anlagen konsequent auf den nordwestlichen Teil des Areals und schafft damit einen durchgängigen und großzügigen Grünbereich zum See. Die Haupterschließung ist sowohl von der Strandbadstraße als auch vom Parkplatzbereich aus gut gelöst. Die Position der Fahrräder am Haupteingang mit getrennter Fußwegführung entlang des Sommerwegs, über den auch der Parkplatzbereich erschlossen wird, ist gelungen. Über die großzügige und offene Eingangssituation wird ein direkter Blickbezug zum See hergestellt. Die Zugangsorganisation ist klar strukturiert, mit Kasse, Kiosk und Sitzbereich. Die Zuordnungen und Wegebeziehungen innerhalb der Funktionsbereiche sind klar. Die Wärmehalle ist von den Becken aus auf kurzem Weg erreichbar und hat eine gute Beziehung zum Freiraum. Der in Form eines Atriums angeordnete Thermalbereich bietet eine eigenständige, vom übrigen Bad abgesetzte und ruhige Zone, die der beabsichtigten Funktion entspricht. Der östlich separat angeordnete lärmintensive Kinderbereich ist von den restlichen Becken klar getrennt und bietet damit wenig Konfliktpotential. Auf Ausschwimmkanäle wurde vor dem Hintergrund des baulich integrierten Thermalbeckens verzichtet. Das Angebot einer durchgehenden Kollonade, als Verkehrs-, Schutz- und Aufenthaltszone, wird positiv bewertet. Die mit einer Holzverschalung geschlossenen Wandflächen bilden einen angenehmen Kontrast zu den südseitig angeordneten Glasflächen und den offenen Kolonnaden. Zusammenfassend betrachtet stellt der Entwurf sowohl in städtebaulicher als auch in architektonischer Hinsicht einen herausragenden Beitrag mit optimalen Entwicklungspotential dar und fügt sich mit seiner Eingeschossigkeit wohltuend in den sensiblen Landschaftsbereich ein, was durch die Dachbegrünung noch zusätzlich unterstützt wird.