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  • DE-68163 Mannheim
  • 12/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-141946)

Neugestaltung des Hanns-Glückstein-Parks


  • Anerkennung

    Perspektive Park

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Karl Hufnagel Architekten, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Der neu gestaltete Glückstein-Park ist eine grüne Oase im dichten, schnell wachsenden Stadtgefüge zwischen Hauptbahnhof und dem Rheinufer. Prägend für den Park ist neben seiner sich verändernden Umgebung und der starken Rahmung aus Bebauung und Gleisanlagen, der Baumbestand. Die vorhanden erhaltenswerten Bäume, mehrheitlich Platanen jedoch auch Ahornarten, Robinen, Eichenarten, Kaiser-Linden, Flügelnuss und Schnurbaum bilden die Basis der dreieckigen Grundform des Parks.
    Die heute undefinierten Ränder werden zum Glückstein-Allee hin mit Hochbauten und privaten Gartenbereich neu gefasst. Die Seiten zu den Windeck- und Lindenhofstraße werden von Sockelmauern, befestigten Wegen und Platzaufweitungen begleitet. Die viergeschossigen Stadtvillen vermitteln zwischen der urbanen Bebauung des Glücksteinareals an der Bahn und den Wohnbauten des Lindenhofs. Mit einer steinerneren Fassade zur Straße hin ausgerichtet, öffnen sie sich mit großzügigen Terrassen und Balkonen zum Park. Auf der Höhe des Werkstattgebäudes und des Lockschuppen wird zwischen den Neubauten eine großzügige ‚Lücke’ gelassen, so dass eine visuelle Verbindung zum Park entsteht. Die geforderten Stellplätze werden in der Tiefgarage über die ganze Länge der Parzelle entlang der Glückstein-Allee untergebracht. Als Kontrast zu den funktional besetzten Randbereichen bleibt die Mitte des Parks als großzügige offene
    Wiesenfläche zum Spielen, Grillen und Entspannen erhalten. Die Ränder und Übergänge werden unterschiedlich gestaltet und bilden gleichzeitig verschiedene Parkbereiche aus. Diese verzahnen sich miteinander und bilden ein Ganzes. Über Wege, Zugänge und Blickbeziehungen werden sie verbunden. Der neu gestaltete Park hebt die gestalterische und ökologische Bedeutung gleichermaßen hervor.

    Für die Bewohner und Besucher wird der neue erleb- und nutzbare Freiraum mit seinen Gärten, der großzügigen offenen Wiesenfläche, dem Spiel- und Aufenthaltsbereiche und dem prächtigen Baumbestand ein wichtiger und vielfältiger Erholungsort. Zwischen den privaten Außenräumen an den Stadtvillen und dem Park sorgt ein breites Staudenband für eine räumliche Trennung. Mit ihrer Vegetation und Kleinräumigkeit bieten sie eine subtile Pufferzone zwischen privatem und öffentlich Raum. Spiel- und Sitzbereiche laden unter locker angeordneten Gruppen aus Bestandsbäumen und Neupflanzungen aus Nussbäumen (Juglans regia), Edelkastanien (Castanea sativa) und Maulbeerbäumen (Morus nigra) zum Verweilen ein. Die feine Veränderung und Stärkung der Topografie in Zusammenhang mit der Vegetation
    verleihen dem Park einen neuen Charme und schaffen neue Blickperspektiven. Verschiedenen Salbei-, Minze- und Lavendelarten, robuste Strauchrosen und Strauchpfingsrosen, Taglilien und Wollziest bereichern durch ihre Farben und feinen Düfte die Gartenbereiche. Durch Auswahl robuster Arten und standortgerechte Platzierung wird auch den Unterhalt in vertretbaren Grenzen gehalten. Die Spielbereiche unterscheiden sich in harte, städtische und weiche ruhigere Zonen. Harte Skater- und Weiche, ruhigere Sandgruben, integrierte Rutschen und Boulplätze ergänzen das Angebot der Freizeitaktivitäten für alle Altersgruppen. Durch die Geometrie der Wege und Mauern entstehen geschützte, intime Bereiche, die vielfaltige Nutzungen fördern. Die weiträumige Wiese, mit den lockeren Baumgruppen, bildet die große grüne Mitte. Die verschiedenen Blickbeziehungen - Aus- und Einblicke - werden durch Bebauungslücke, die Anordnung
    der Bäume und der Topographie inszeniert und verstärkt. Die Sockelmauer aus geschichteten Betonplatten, mit rauer Fugenstruktur, bilden die Terrassen. Ähnlich
    materialisierte Sitzmauer gliedern die Randbereiche des Parks und fassen die Topographie des Parks. Ein Weg aus hellem Asphalt fasst den Rand. Zum Park hin wechselt der Belag zur wassergebundenen Wegedecke. Fallschutzkies bei den Spielgeräten sorgt für die Sicherheit der Nutzer.

    Feine Grünton-Nuancen prägen den Park im Frühling und im Sommer; im Herbst dominieren ihn die bunten Farben der Blätter. Die Rasen- und Wiesenfläche wird im Frühling zum bunten Wechselspiel der Farben: Eine Vielzahl von Geophyten wie Schneeglöcklein, Blausterne, Crocusse und Wildtulpen sprießen durch den sonst
    noch kargen Frühlingsboden. Zudem ist es je nach Nutzungsdichte vorstellbar, dass einige Bereiche der Rasen- / Wiesenfläche extensiver gepflegt werden und sich zu höherwachsenden, artenreicheren Blumenwiesen entwickeln können.
    Die Ausstattungselemente wie Papierkörbe, Trinkbrunnen und Spielgeräte sind schlicht gestaltet und bestehen aus robusten Materialien wie Stahl und Beton. Holzauflagen auf den Mauern bieten ausreichend Sitzmöglichkeiten und sorgen für Sitzkomfort.

    Mastleuchten erhellen die Wege und Plätze und lassen den Park auch nachts zum sicheren Ort werden. Das Licht ist bestimmend für die gefühlte Atmosphäre. Blendfreie Leuchten, die gezielt die architektonischen und räumlichen Interventionen begleiten und ihrer Funktion entsprechend aufhellen, sorgen für gute Orientierung und selbstverständliche Erscheinung. Die Beleuchtung erfolgt mittels Mastleuchten. Die moderne Lichttechnik, die zum Einsatz kommt, charakterisiert sich durch sehr hohe Wirtschaftlichkeit und verursacht kaum Lichtverschmutzung. Die Leuchten tragen zusammen mit dem von dem hellen Boden reflektierten Licht in den Abend- und Nachtstunden zu einer angenehmen Atmosphäre bei.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeichnet sich durch ihren ruhigen, unprätentiösen Umgang mit dem Bestand des Glückstein-Parks sowie einen angemessenen Anwendung von Gestaltungselementen aus. Das Vorziehen des Parks an die Glückstein-Allee im Bereich des Lokschuppens / Werkstattgebäude betont diese städtebauliche Sondersituation und schafft den erwünschten Blickbezug vom Park.

    Die Zonierung „Privatgrün – Staudenband – öffentliches Grün“ ist nachvollziehbar und gelungen. Kritisch im Hinblick auf ihre Lage und eine sinnhafte Nutzung werden die straßenbegleitenden Platzflächen und der Spielbereich gesehen.

    Die Wohnbebauung hält die mögliche Bautiefe von 20 m. In der Aufteilung der Grundstücke wäre mehr Bezug zur gegenüberliegenden Bebauung wünschenswert. Städtebaulich ungelöst sind die Ecksituationen an der Glückstein-Allee. Die niveaugleiche Erschließung des Erdgeschosses an der Glückstein-Allee wird positiv gesehen.

    Die vorgeschlagenen Wohnungsgrundrisse haben wenig räumliche Qualitäten und funktionieren zum Teil nicht im Hinblick auf Erschließung und Wohnungsgrößen.