loading
  • DE-82256 Fürstenfeldbruck
  • 12/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-148238)

Geschwister-Scholl-Platz


  • 2. Preis


    Stadtplaner
    Büro für Städtebau und Architektur Dr. Holl, Würzburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Künstler: matthias braun, Würzburg (DE)
    Lichtplaner: licht|raum|stadt planung gmbh, Wuppertal (DE), Karlsruhe (DE)

    Erläuterungstext
    Eine Baumreihe aus Burgenahornen (Acer monspessulanum) führt in den Platz hinein. Schattenspendende, mehrstämmige Felsenbirnen (z.B. Amelanchier lamarckii Freya) in Pflanztrögen und bequeme Sitzmöbel bilden Sitzinseln, die sich um den quadratischen Platzraum gruppieren. Den Sitzgruppen zugeordnet sind Spielgeräte und im östlichen Bereich ein Wasserspiel. Auch ein in den Boden eingelassenes Schachbrett mit abschließbarer Kiste für die Figuren ist denkbar. Die Mitte des Platzraumes wird für Aktivität aller Art (Märkte, Feste, Versammlungen) freigehalten.
    Eine keilförmige Bodenfläche aus grauschwarzem Asphalt nimmt die Flugblätter der Geschwister Scholl auf. Auf hinterleuchteten Glasplatten ist der Text der Flugblätter zu lesen. Der öffentliche Raum wird hier zu dem gewünschten Freiluft-Geschichtsunterricht.
    Die Fahrradständer könnten in pollerartige Ständer aufgelöst werden, die auch bei Bedarf abbaubar sind. Am südlichen Ausgang des Platzes empfehlen wir eine Litfaßsäule zu stellen, die auch auf das Kinocenter hinweist.

    Im Ideenteil wird empfohlen, die Tiefgaragenabfahrt umzubauen. Bedruckte Glaswände schaffen Transparenz und Durchblick. Gleiches gilt für die Abgänge zur Tiefgarage, sowie den Abgang in die Unterführung. Deren beleuchtete Brüstungen aus Glas schaffen eine freundliche und einladende Atmosphäre.

    Die Geschwister Hans und Sophie Scholl sind die bekanntesten Vertreter der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Die Mitglieder der Weißen Rose verfassten, druckten und verteilten insgesamt sechs Flugblätter, in denen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde.
    Stellvertretend für die Geschwister Scholl werden die insgesamt 11 Seiten der Flugblätter symbolisch auf einer Asphaltfläche in der Mitte des Platzes verteilt. Die vergrößerten Flugblätter befinden sich unter einer begehbaren Glasplatte einer Bodeneinbauleuchte und werden nachts hinterleuchtet.

    Der Platzbereich und die Wegeräume werden durch ein flexibles Leuchtensystem mit unterschiedlichen LED-basierten Strahleroptiken ausgeleuchtet. Das System ermöglicht sowohl differenzierte und spannungsreiche Lichtszenen im Platzbereich als auch eine DIN-konforme Ausleuchtung der Wegeflächen. Projektoren bilden Licht- und Schattenmuster auf dem Platzbereich ab und Unterstützen bei der Vermittlung der Identität des Ortes. Die Einschnitte der TG-Abgänge werden zu Lichtinseln in der Platzfläche durch gezielte Reflexionen des funktionalen Lichten in den Abgängen an den vertikalen Flächen. In die Handläufe integrierte LED-Leuchten sorgen für eine komfortable Ausleuchtung der Wege durch die Bahnunterführung als auch der Treppenabgänge zur TG.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Entwurfsidee
    Die Arbeit stellt die historische Situation der Flugblatt-Aktion der Geschwister Scholl in den Mittelpunkt sowohl in gedanklicher wie auch in räumlicher Hinsicht. Der Gestaltungsvorschlag gibt im gewissen Sinne dem Platz seinen Namen zurück.

    Gestaltung
    Der bisherige Charakter des Platzes (ohne die mittlerweile entfernten Bunkeraufbauten) wird als Qualität gesehen und durch das „Flugblattfeld“ verstärkt und weiterentwickelt. Die in den Boden eingelassenen Flugblatttexte erfordern eine sehr zurückhaltende Gestaltung des Platzes. Es wird mit den vorhandenen Möblierungs- und Pflanzelementen gearbeitet. Hierbei erhält die Ostseite des Platzes mit den gleichen Möblierungselementen eine neue räumliche Fassung. Hervorgehoben werden die wenigen ergänzenden neuen Elemente wie der bodengleich ausgeführte Springbrunnen an der Seite des Platzzentrums sowie das auch bodengleiche Schachspielfeld. Beides setzt statt auf weitere Möblierung auf eine aktive Belebung und Benutzung des Platzes durch die Bürger.

    Die bisherige Funktionalität, z.B. hinsichtlich des Marktgeschehens und temporärer Veranstaltungen, ist weiterhin gewährleistet.
    Die Arbeit schlägt ein echtes Lichtkonzept vor in dem differenzierte Zonen und Lichträume angeboten werden. Im Rahmen der zurückhaltenden Formensprache der Arbeit werden die hinterleuchteten Flugblatttexte nachts ihre besondere schwerpunktsetzende Wirkung entfalten können. Auch die Treppenabgänge ins Untergeschoss treten durch eine neue Beleuchtung und Gestaltung der Seitenwände ins Licht.

    Kommunikationsraum
    Die Arbeit ermöglicht sowohl die individuelle „Kommunikation“ mit den historischen Texten, gibt aber auch den zwischenmenschlichen Begegnungen genügend Raum. Die Geschwister Scholl haben über die Schrift kommuniziert, so kamen Gedanken in die Welt. Der Platz und die Litfaßsäule thematisieren den Zusammenhang zwischen der Schrift als Medium und der demokratischen Öffentlichkeit.

    Wirtschaftlichkeit / Folgekosten
    Die in den Boden eingelassenen Glasflächen werden mittelfristig Gebrauchsspuren aufweisen und einen begrenzten Erneuerungsaufwand verursachen. Folgekosten bewegen sich im vorgegebenen Rahmen.