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  • DE-04178 Leipzig
  • 01/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-150644)

Nordufer Zwenkauer See


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten, Architekten
    labor4+, Dresden (DE)

    Verfasser
    Jan Adolph , Florian Alles , Dirk Hamann , Franziska Schieferdecker

    In Zusammenarbeit mit:
    Visualisierer: LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie, Dresden (DE)

    Preisgeld
    17.000 EUR

    Erläuterungstext
    GESAMTKONZEPT:
    Zu Gunsten eines durchgängigen Landschaftsraumes und in Anlehnung an die Geschichte und Struktur der Umgebung vor der Tagebaunutzung werden die intensiven Nutzungen und städtebaulichen Verdichtungen punktuell konzentriert und als kleine „Feriendörfer“ unterschiedlicher Charakteristik in die sukzessiv entstehende Landschaft eingebettet. Dabei nimmt die Größe und Dichte der dörflichen Strukturen vom im Westen gelegenen „Hafendorf“ bis hin zu den östlich in die Landschaft eingestreuten „Eremitenhütten“ ab.

    Erschließung:
    Über eine am nördlichen Waldrand verlaufende Strasse werden die Dörfer und der Campingplatz erschlossen und ausreichende Parkmöglichkeiten angeboten. Das Erholungsgebiet wird darüber hinaus vom Autoverkehr frei gehalten. Der an den bestehenden Rundweg anschließende „Seeweg“ bindet das Entwurfsgebiet regional an die Umgebung an und bietet die Möglichkeit, die Landschaft mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erkunden. Kleine Picknickplätze bieten Rastmöglichkeiten und schöne Ausblicke in die Seenlandschaft. Ein weiterer am Ufer verlaufender „Erlebnisweg“ schwingt sich durch die Uferzonen, spielt mit den vielseitigen räumlichen und landschaftlichen Situationen und eröffnet immer wieder neue Perspektiven auf den Zwenkauer See und die gegenüberliegenden Ufer und Landmarken.

    Topographie:
    Ein besonderer räumlicher und gestalterischer Akzent wird durch die Landschaftsskulptur „ Schöne Aussicht“ gesetzt. Die bestehende Topographie wird dabei durch Stützmauern, Böschungen und einen Aussichtsturm überhöht und durch Rampen und Treppen erschlossen. Terrassen unterschiedlicher Ausrichtung und Höhenniveaus offerieren vielseitige Nutzungsmöglichkeiten.

    TOURISMUSKONZEPT:
    Im Vordergrund der Planungen steht ein sanfter Tourismus welcher den Eingriff in Natur und Landschaft durch gezielte Interventionen so gering wie möglich hält. Am Nordufer Zwenkauer See werden dem Besucher vielseitige Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten angeboten.

    Feriendörfer:
    Die Hotel- und Ferienanlage im „Hafendorf“ bietet mit Restaurants einem Boots- und Fahrradverleih und Einkaufsmöglichkeiten ein dem Ort angemessenes Maß an Urbanität. Die komfortablen Hotelzimmer, Loftwohnungen und Ferienapartments liegen in erster Reihe, nahe dem Wasser mit einem schönen Ausblick auf den Zwenkauer See und direktem Zugang zum Wasser.
    Ein besonderes Erlebnis für Wassersportler bietet das direkt am Wasser gelegene „Seedorf“ mit zahlreichen Ferienwohnungen Aktivhäusern und Hausbooten, einem Boot- und Surfverleih und mehreren Liegeplätzen für Segelboote.
    Wer seine Ferien etwas ruhiger und abgeschiedener im lichten Schattens des Waldes verbringen möchte findet in den Blockhütten des „Walddorfes“ dazu Gelegenheit. Für Camping- und Caravanfreunde steht der direkt benachbarte „Campingplatz“ zur Verfügung. Die 375 Standplätze liegen im Schatten der Bäume nahe dem Badestrand des Zwenkauer Sees.
    Für Selbstversorger und Naturliebhaber bieten die einfachen, abgeschiedenen „Eremitenhütten“ im Osten des Erholungsgebietes ein besonderes Natur-und Aktivurlauberlebnis.

    LANDSCHAFTSKONZEPT:
    Das Leitbild für die Renaturierung des Nordufers des Zwenkauer Sees orientiert sich an der zu erwartenden potentiellen natürlichen Vegetation. Im Nördlichen Bereich soll im Anschluss an den Leipziger Auwald ein artenreicher ökologischer Waldumbau durch Aufforstung unter Berücksichtigung der zu erwartenden Standortverhältnisse initiiert werden. Dabei werden überwiegend Klimaxbaumarten, wie Stieleichen und Hainbuchen unter Beimischung von Pionierbaumarten verwendet.
    Die südlich daran anschließenden Sukzessionsflächen werden der natürlichen Wiederbesiedelung ohne größere Eingriffe überlassen. Zur Beschleunigung der Sukzession werden lediglich Boden verbessernde Maßnahmen und erosions- mindernde Initialplanzungen vorgesehen.
    Die ersten Initialplanzungen werden im Bereich der Dörfer des Campingplatzes und des Seeweges gesetzt um die Landschaft zu strukturieren, die Landschaftsräume zu zonieren und die „Erholungsorte“ frühzeitig in die Landschaft einzubetten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das städtebauliche Gesamtkonzept orientiert sich an der historischen Entwicklung des Gebietes vor dem gravierenderen Eingriff der Braunkohlenbergbaus. In die Landschaft integriert werden verschiedene "Dörfer", die unterschiedliche Ausprägungen haben. Als zentraler Bereich stellt sich das Hafendorf dar, das mit seiner Infrastruktur, wie Hotel, Markt und Restaurant einen gelungenen Auftakt der Feriensiedlung darstellt.

    Das Seedorf konzentriert sich richtigerweise auf Angebote zum Thema Wassersport. Dagegen setzt das Walddorf auf Abgeschiedenheit unter hohen Baumwipfeln. Im Eremitendorf finden Naturliebhaber ihren Ort.

    Damit wird erreicht, dass der Verkehr, der aus der nordwestlichen Richtung in das Gebiet geleitet wird nach Osten immer mehr abnimmt. Gleichzeitig kann der phasenhafte Aufbau des Gebietes wirtschaftlich optimal vonstatten gehen.

    Nach Aussage der Verfasser wird die komplette Erschließung des Gebietes durch die nördlich am Waldrand laufende Straße abgedeckt. Dieses ist zwar für den Landschaftsbau durchaus positiv, stellt allerdings in der Umsetzung eine problematische Situation dar. Zumindest zur An- und Abreise und zur Belieferung der Cafés erscheint eine Erschließung der Ferienhäuser unabdingbar. Des Weiteren wird eine Erschließung für den ÖPNV \ Schuttlebus als notwendig erachtet.

    In der Landschaftskonzeption wird von einem Maximum an Waldflächen mit heimischen Bäumen ausgegangen, das sich im Uferbereich durch unterschiedlich gegliederte Heideflächen und Strände ergänzt. Diesen Fakt hat die Jury als sehr positiv bewertet.

    Das Netz der Fuß und Radwege sichert eine gute Erschließung innerhalb des Landschaftsraumes.

    Kritisch wird die Qualität der städtebauliche Ausformulierung der "Dörfer" gesehen. Wenn man sich an einer derartigen Struktur orientiert, sollte dies in der Erschließung und Baumasse auch ablesbar sein. Elemente, wie ein "Dorfplatz" oder Markt sind schwer ablesbar. Doppelerschließungen sind auf jeden Fall zu vermeiden.

    Insgesamt kann man darstellen, dass die Konzeption einen sehr positiven Beitrag für die Entwicklung des Gebietes darstellt und eine gute Grundlage für eine Umsetzung bildet.