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  • DE-30159 Hannover
  • 12/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-140817)

Umgestaltung Schmiedestraße - Marstall - Altstadt


  • 2. Preis Ideenteil


    Landschaftsarchitekten
    nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Christoph Schonhoff

    Mitarbeit
    Evelyn König, Franziska Schadzek

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Altstadt Hannovers in ihrer heutigen erlebbaren stadträumlichen Figuration ist nur noch ein Teil des historischen Stadtraumes. Während das Hohe Ufer und der Marstall historisch auch den Rand der Altstadt, an der Stadtmauer liegend, bildeten, war die Schmiedestraße eine zentrale Erschließungsachse. Die Mandelform der ursprünglichen Altstadt reichte weit in den heutigen Citybereich hinein. Durch die fast vollständige Kriegszerstörung und den daraus resultierenden Wiederaufbau hat sich die heutige Form der Altstadt entwickelt, die als räumliches Ensemble nicht erlebbar ist.

    DAS KONZEPT
    Ziel der vorgeschlagenen landschaftsarchitektonischen und verkehrsplanerischen Interventionen ist es, die heutige Altstadt mit ihren Besonderheiten als eigenständigen Stadtbaustein erlebbar zu machen.

    Prägend für die Struktur der Altstadt sind vor allem die Plätze, wie der Platz um die Marktkirche, der Ballhof, der Holzmarkt und der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz. Diese sind in ihrer Gestalt und räumlichen Wirkung sehr unterschiedlich. Sie sollen in ihrer Eigenart erhalten bzw. gestärkt werden und sich somit ihren Charakter bewahren und sich zu Identifikationsorten entwickeln. Die verbindenden Straßen und Gassen der Altstadt werden mit einem Pflaster aus geschnittenem Granit (sandfarben) in Kleinsteinformat und im freien Verband (Passe-Verband) belegt. Somit entsteht ein einheitliches Bild für die linearen Räume der Altstadt. Das neue Altstadtensemble ist geprägt durch ein System aus linearen analog gestalteten Verbindungen, die in ihrer Enge und Weite variieren und hervortretende, eigenständige Plätze.

    Der Marstall nimmt wie das Hohe Ufer eine besondere Rolle im stadträumlichen Kontext der Altstadt ein. Mit dem Umbau des Hohen Ufers und der angrenzenden Neubebauung, als steinerner Balkon zur Stadtlandschaft entlang der Leine, und die Neugestaltung des Marstalls, wird dieser westliche Rand zum signifikanten Antritt in die Altstadt und das Bindeglied an die angrenzenden Stadtteile Calenberger Neustadt, Linden und der Innenstadt bis hin zur Nordstadt.
    Die Schmiedestraße ist eine Fuge zwischen heutiger Altstadt und dem Einkaufsbereich der City. Aufgrund ihrer Bebauung und ihres durch den Wiederaufbau geprägten sehr breiten Straßenprofils, lehnt sich die vorgeschlagene Gestaltung an die Gestaltsprache der City an.

    So entsteht eine eindeutige, raumbildende Figur der Altstadt in Hannover. Die ruhige Gestalt der Straßen und Gassen heben die Plätze mit ihren Eigenarten an Materialität und Raumwirkung hervor. Das Hohe Ufer und der Marstall fungieren als Antritte in die Altstadt und übernehmen vielfältige Funktionen. Die Schmiedestraße, bisher als Barriere wirkend wird zum wichtigen Bindeglied zwischen City und Altstadt. Dies wird am Marstall und am Platz um die Marktkirche deutlich. Die Plätze erstrecken sich auch im Belag über die Schmiedestraße und bilden jeweils einen gestalterischen Brückenschlag in die City.

    DIE SCHMIEDESTRASSE
    Die heutige Schmiedestraße, geprägt durch die breite Fahrgasse, wirkt als Barriere zwischen Altstadt und der City. Durch die vorgeschlagene Intervention wird sie zu einer räumlichen Fuge mit vielfältigen neuen Nutzungsangeboten. Die Fahrspur wird deutlich verringert (6,50 m). Breite Fußgängerbereiche und Flächen vor den Geschäften und Gastronomien bieten Raum für vielfältige Aneignungen. Auf der östlichen Seite, im äußeren Radius des leicht gekrümmten Straßenverlaufs, rhythmisieren Bäume den breiten fußläufigen Boulevard. Auf der der Altstadt zugewandten Seite wird auf Bäume verzichtet, um den Übergang in die ‘steinerne‘ Altstadt zu verdeutlichen. Der Gestaltkanon der Beleuchtung, der Möbel und des Belags lehnt sich an den der Innenstadt an. Im Bereich der Marktkirche, der Brückenschlag zwischen Innenstadt und Altstadt und der zentrale Zugang, wird in der ersten Phase auf einen Umbau verzichtet. Später aber sollte dieser Platz umgebaut werden um die besondere Stellung der Marktkirche und die Eigenarten des Ortes und seine Parzellierung (Bannmeile) auf dem Platz erlebbar zu machen. Er wird durch die neue Gestaltung zu einem zentralen Ort in der gesamten Innenstadt und nimmt auch als Eingang in die Altstadt eine bedeutende Stellung ein.

    DER MARSTALL
    Der Marstall am Nordrand der Altstadt, liegt in einem heterogenen Umfeld. Er ist das Bindeglied zwischen dem Hohen Ufer und der Leine, dem ‘Rotlichtviertel‘, dem Geschäftsbereich der City und dem Wohnquartier an der Kreuzkirche.
    Zurzeit vom ruhenden Kraftverkehr geprägt, hat er keine Aufenthaltsqualität. Seiner historischen Bedeutung folgend, übernimmt der Marstall mit der vorgeschlagenen Neugestaltung vielfältige Aufgaben im Stadtgefüge Hannovers. Durch einen einheitlichen Platzbelag und die verkehrliche Neuordnung wird er als ein zentraler offener Platzraum wieder erlebbar.

    Im Norden nimmt eine 6 m breite Fahrspur aus hellem Betonasphalt den Fahrverkehr auf, begleitet von einem bis zu 4 m breiten Fußgängerbereich wird dieser großzügige Bereich wieder erlebbares Element des lavesschen Achsensystems. Er wird zur optischen Verlängerung der Schillerstraße; führt den Blick entlang der Neubebauung bis hin zur Clemenskirche und verbindet so den Marstall mit den Fußgängerbereichen der Innenstadt.

    Südlich der Fahrspur befinden sich 68 Pkw-Stellplätze, die so rhythmisiert angeordnet sind, dass der vorhandene Baumbestand erhalten werden kann und sich Zwischenräume bilden, die die Nord-Süd-Querung des Platzes erlauben. Der innere Platzbereich aus länglichen, schmalen, farblich changierenden Betonwerkstein, das Stadtparkett, interpretiert in seiner Form die historischen Freiflächen/Pferdebahnen des Marstalls. Farblich sensibel eingefügt, lässt sich auch der Verlauf der alten Stadtmauer ablesen. Es entsteht ein Ort für vielfältige Nutzungen er bietet Raum für Kinderspiel, Stadtteilfeste oder Konzerte. Tanzende Leuchten prägen den Ort und wirken durch ihre Gestalt wie Lichtkugeln zwischen den Bäumen, die den Platz auch abends zu einem besonderen Ort werden lassen.

    Die tanzenden Leuchten sind in ihrer Intensität regulierbar und können die unterschiedlichen Bereiche angemessen illuminieren. So kann der Übergang in die City und zum angrenzenden Steintorviertel stärker beleuchtet werden als die Bereiche, die sich zur angrenzenden Wohnbebauung orientieren.
    Durch die Bestandsbäume räumlich geprägt, öffnet sich der Platz zur Altstadt und wird so für die Bewohner des Kreuzkirchenviertels und der gesamten Altstadt zum neuen Freiraum.

    Auf der Südseite des Platzes ergibt sich durch die neue Verkehrsführung und Gestaltung eine wichtige Spur für den Rad- und Fußgängerverkehr, die auch Anlieferverkehr- und Anliegerverkehr aufnehmen kann. Im östlichen Bereich des Platzes bindet sie an die City an. Hier befindet sich unter den Bäumen (Bestandsbäume und 2 Ergänzungen) der große ‘Fahrrad-Wartesaal‘. Durch die neue Bebauung und die angrenzende Gastronomie wird der Platz abends belebt. Die Lichtintensität der tanzenden Leuchte ist hier nun stärker als auf den anderen Platzbereichen, so dass sich hier die abendlichen Nutzungen orientieren, während im Bereich der Wohnbebauung das Leben auf dem Platz zur Ruhe kommt.

    Insgesamt entsteht ein Platz, der die Besonderheit des Umfeldes aufnehmen kann und das Miteinander thematisiert. Er ist ein Quartiersplatz im Altstadtgefüge, aber auch ein zentraler Ort der Innenstadt. Durch seine Materialität, das Stadtparkett, und Ausstattung, die Eigenarten der alten Bäume und Ihrer Stellungen und durch die tanzenden Leuchten wird er zu einem unverwechselbaren Ort.
    Die Altstadt Hannovers wird durch die Neugestaltung der Schmiedestraße, des Marstalls und des Hohen Ufers das wichtige Bindeglied zwischen den angrenzenden Stadtteilen und der City mit ihren Geschäftslagen. Ihre heutige äußere Form wird deutlich, die Antrittsräume und Übergangsfugen bilden charakteristische, spannende Orte im Gesamtstadtgefüge. Im Inneren der Altstadt werden die Eigenarten und Besonderheiten der Plätze gestärkt, die Gassen bilden einen ruhigen Passepartout, der die Figuration der Altstadt betont, es entsteht ein eigenständiger lebenswerter Stadtbaustein mit vielen Angeboten für die Altstadt typischen Nutzungen und für das innerstädtische Wohnen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.