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  • DE-60325 Frankfurt am Main
  • 01/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-145065)

Studierendenhaus auf dem Campus Westend der Goethe-Universität


  • 1. Preis

    Blick von Südwest, © hjp-architekten

    Architekten
    hjp architekten PGmbB _ Prof. Jürgen Hauck, Herbert Osel, Würzburg (DE), Gießen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Bastian Sevilgen, Nikolas Savic, Maximilian Niggl, Tobias Bloh, Prof. Jürgen Hauck

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: HKL Ingenieurgesellschaft mbH, Erfurt (DE)
    Modellbauer: modellwerk weimar | Architekturmodelle, Modellbau, Frässervice, Laserservice, Weimar (DE)

    Preisgeld
    20.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das Studierendenhaus nimmt die Kanten des städtebaulichen Masterplans auf. Im Umfeld werden dabei verschiedene aussenräumliche Qualitäten erzeugt.
Der großräumliche Vorbereich im Süden bildet einen einladenden Platz, der das Gebäude an den Campus anschließt. Im Südwesten liegt die große Caféterrasse. Auf der der Wohnbebauung abgewandten Seite im Norden entsteht eine großflächige aber geschützte Hofsituation, die – auch in Verbindung mit dem Foyer und den anderen Veranstaltungsflächen des Gebäudes – für Veranstaltungen und Partys im Freien genutzt werden kann. Direkt daneben liegt eine kleine Piazetta. Diese ist direkt an die Fahrradwerkstatt und auch an die Hausmeisterwerkstatt angebunden. So bildet sich eine Art Werkhof, wo auch im Freien an Fahrrädern und anderen Dingen geschraubt und gewerkelt werden kann.

    Grundkonzept des Studierendhauses ist es, allen Nutzern und Gästen eine möglichst umfassende Erfahrbarkeit des Gebäudes und seiner lebendigen Funktionen zu ermöglichen. Dafür wurden die Foyers über ein über die Geschosse versetztes Atrium miteinander verbunden, das sich quer durch das Gebäude zieht. An diesem sind alle öffentlichen Funktionen in einem Wechselspiel angeordnet. Neben einer guten Orientierung und einem ständigen Aussenraumbezug, entstehen so auch intern spannende Blickbezüge vom Foyer im Erdgeschoss über den Lernbereich, das Kinofoyer bis zum Saalfoyer im dritten Obergeschoss. Auch funktional gibt es immer wieder Wechselbeziehungen. So zum Beispiel zwischen dem Café und dem Partykeller, die sowohl strikt getrennt, aber auch über die Treppe und den zweigeschossigen Hof zusammen funktionieren können. Alle einzelnen Funktionen entwickeln dabei jeweils eine identitätsstiftende räumliche Eigenständigkeit, welche die jeweiligen Potentiale und Qualitäten steigert.

    Vertikal verlegte Natursteinplatten bekleiden die Fassade, die vertikalen Fugen werden dabei betont. Die charakteristischen großen Öffnungen sind mit breiten Holzlaibungen umrahmt, um eine warme und freundliche Atmosphäre zu erzeugen. In den oberen beiden Bürogeschossen wurden die Fenster stark gerastert und die Rahmen hinter dem Naturstein verborgen.

    Ein auffälliges Gestaltungsmerkmal ist der »Grüne Vorhang«, der sowohl vor der zweigeschossigen Terrasse im Westen, als auch vor der großen Öffnung des Lernsaals im Südosten installiert ist. Pflegeleichte Kletterpflanzen ranken hier an eingespannten Stahlseilen empor. Nicht nur ästhetische Gründe sprechen für diese Konstruktion – vor allem dient sie als natürlicher Sonnenschutz. So ist der Vorhang im Sommer natürlich stärker bewachsen und verschattet die Innenräume, im Winter lichtet er sich und gibt einen größeren Ausblick frei.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebaulich beantworten die Verfasser die kontextuell stark geprägte Bauaufgabe mit einer skulpturalen bauplastischen Haltung. Das Repertoire des architektonischen Maßstabs wird hierbei geschickt und vielschichtig eingesetzt, um den besonderen Baustein „Studierendenhaus“ im Campus Westend zu verorten.

    Trotz weniger großmaßstäblicher Öffnungen in den öffentlichen Bereichen lassen sich die Nutzungen von außen und innen gesehen gut ablesen. Im Erdgeschoss könnten diese Öffnungen in Teilbereichen einladender gestaltet sein, auch der Große Saal bedürfte einer großzügigen Tagesbelichtung. Die Freibereiche sind gut nutzbar und für die gewünschten Zwecke sehr dienlich ausgestattet.

    Hierbei werden alle Erdgeschossflächen rund um das Gebäude aktiviert und gut mit dem durchbindenden Erdgeschossfoyer verknüpft. Die Grundrisse sind handwerklich gut durchgearbeitet und bieten kommunikative Binnenzonen an, die räumlich interessant verknüpfte Bereiche ausbilden.

    Der Aufwand im räumlichen Volumen schlägt sich hierbei allerdings bei der Wirtschaftlichkeit belastend nieder und bedarf einer Abwägung von Aufwand und Raumwirkung. Durch die Anordnung eines weiteren zweigeschossigen Foyers auf der Ebene des Großen Saals im 3.Obergeschoss und insgesamt großzügig dimensionierten Foyer- und Erschließungsflächen bewegt sich der Entwurf im oberen Bereich hinsichtlich des Verkehrsflächenanteils und der Bruttogeschossfläche, allerdings entstehen so Flächen mit großer räumlicher und funktionaler Qualität.

    Durch den hohen Verkehrsflächenanteil in den öffentlichen Geschossebenen (1.-4. OG) wird für die Büronutzung ein Staffelgeschoss erforderlich, wodurch einerseits die Vorgabe hinsichtlich der maximalen Geschossigkeit überschritten wird und die Kubatur sich entsprechend vergrößert. Gleichzeitig präsentiert sich dadurch aber auch das Gebäude signifikant im Campus. Hierdurch bedingt, befindet sich der Entwurf bei den wirtschaftlichen Kennzahlen im oberen Bereich. Die Überschreitung der Geschossigkeit wird vom Preisgericht als nicht problematisch angesehen.

    Die Bürobereiche in den beiden Obergeschossen sind funktional und angemessen in ihrem Nutzungsangebot; das Angebot der nutzbaren Dachterrasse ist gut. Nicht ganz überzeugen können der nicht nachvollziehbare Rückschnitt der Fassade im 5. Obergeschoss und die zu eng getakteten schlitzartigen Fenster.

    Der angebotene vertikale Garten im Bereich der Loggia des Großen Saals braucht zum Überleben noch fachliche „Entwicklungshilfe“, könnte aber bei guter Pflege und Technik (und leicht erhöhten Betriebs- und Wartungskosten) ein belebendes Fassadenelement im grünen Campus darstellen. Dieser Bereich bedarf noch konstruktiver Ertüchtigung.

    Im Hinblick auf den Brandschutz sind die notwendigen Treppenräume überzeugend angeordnet, es fehlt jedoch der zweite bauliche Rettungsweg von der Dachterrasse und aus dem Partykeller

    Die Anforderungen zum Energieeffizienten Bauen in Hessen sind mit dem Entwurf erfüllbar.

    Insgesamt bieten die Verfasser mit der plastisch interessant entwickelten steinernen Großform eine identitätsstiftende eigene Antwort zur gestellten Bauaufgabe, die sich mit ihrer prägnanten Setzung unverwechselbar darstellt.

    Auch aus Sicht der Studierenden ist die innovative Fassadengestaltung in ihrem Interesse, da sie sich deutlich vom restlichen Gesamtensemble abhebt, ohne ihm zu widersprechen. Die Grundrisse sind plausibel und erlauben eine einfache Orientierung, zudem ist das Foyer sehr einladend. Aus diesem Grund erhält der Entwurf von den Studierenden eine Sonderanerkennung in Höhe von 4.500,-- Euro.