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  • DE Kassel
  • 05/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-4529)

Platz am KulturBahnhof


  • Ankauf

    Plakat 1

    Landschaftsarchitekten
    RIEHL BAUERMANN Landschaftsarchitekten, Kassel (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Alexander Gössel, Prof. Wigbert Riehl, Dipl.-Ing. Alexander Gössel, Dipl.-Ing. Patricia Kuhr

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: HHS Planer + Architekten AG HEGGER - HEGGER - SCHLEIFF, Kassel (DE)
    Landschaftsarchitekten: LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung, Kranzberg (DE)

    Erläuterungstext
    Die öffentlichen Bereiche inner- und außerhalb des ehemaligen Hauptbahnhofs lassen sich heute nicht mehr als separate und den jeweiligen historischen Funktionen zugeordnete Räume begreifen. Ihre Orientierung entwickelt sich nicht mehr aus einer dem Verkehr zugeordneten linearen Logik.
    Vielmehr handelt es sich heute um einen großen urbanen Komplex im Kasseler Zentrum, dessen heutige, vor allem kulturelle Ausrichtung eine kontinuierliche und zusammenhängende Funktionalität, Gestalt und Materialität verlangt: es ist ein multizentraler und –funktionaler Raum geworden.
    Die Geschichte der Anlage hat heute eine fast ausschließlich Identitätsstiftende Rolle.

    Der vorliegende Entwurf versteht sich als Interpretation und konsequente Herausarbeitung der neuen räumlichen Logik, in der die heutigen, teils wechselnden funktionalen Anforderungen flexibel und flächendeckend ihren Platz finden.
    Der Komplexität existierender Gestaltungselemente und Dominanz moderner Werbe- und Architektursprachen wird ein minimalistischer Ansatz entgegengesetzt. Seine Gestaltungsmittel entwickeln sich jedoch aus historisch bestehenden Ordnungssystemen, bzw. der Transformation der historischen Materialien.

    Ziel ist es ferner Alleinstellungsmerkmale zu finden, die einen deutlichen Merk- und Werbeeffekt ermöglichen.

    Basis
    Ein großzügiger, offener Platz, der inhaltlich bereits mit dem historischen Querbahnsteig beginnt und sich über die zentrale Halle, sowie die nördliche und südliche Flanke des Komplexes fortsetzt, öffnet sich nach Osten zu den Achsen der Stadt.

    Die bestehende Topographie wird bewusst beibehalten – Terrassierungen klar vermieden. So erstreckt sich der Platz über die Gesamtheit des Raumes und kann auch positiv auf die gegenüberliegenden Fassaden wirken. Auch die Stadtachsen der Werner-Hilpert- und Kurfürstenstraße bleiben so positiv erlebbar.

    Der Himmelsstürmer wird als zentraler Dreh- und Angelpunkt gestärkt und notwendige Einbauten, wie z.B. neue Pavillons, in ihrer räumlichen Wirkung zurückgenommen.
    Eine lange, geschwungene Bank erweitert die Nutzungsmöglichkeiten bis an die Ränder des Platzes und zur umgebauten Bürgermeister-Brunner Straße.

    Filter
    Als neues Element rahmt ein räumlicher Filter aus locker gestellten Bäumen den Komplex des Kulturbahnhofs – die Unruhe durch das rege Verkehrsaufkommen, aber auch die heterogene, angrenzende Bebauung wird durch einen Schleier feinfiedriger Blätter von Schnurbäumen beruhigt.

    Innerhalb des Baumschleiers können alle Einbauten, wie die drei Pavillons, Telefonzellen, Beleuchtung und Bushaltestellen mühelos und selbstverständlich integriert werden.

    Materialität
    Befestigt ist der Platz mit dunkel eingefärbten, großformatigen Ortbetonplatten. Diese entsprechen dem etwas schroffen und rauen Charakter des Bahnhofs. Sie stehen in keiner Tradition eines Natursteins, und verhalten sich neutral gegenüber den vielfältigen Bespielungen, die hier zukünftig das Zentrum des kulturellen Lebens in Kassel beleben werden.
    Die Ortbetonplatten verlaufen in ihrem Fugenbild in Verlängerung der Gleise und orientieren den Besucher sowohl in aktuellen, als auch historischen Bezugsystemen.

    Licht
    Lichtlinien in Verlängerung der Gleise lassen den Bahnhof in den städtischen Raum hineinfließen und betonen im Zusammenspiel mit den Fugen der Ortbetonplatten die neue Ausrichtung. Sie transformieren den Raum nachts in eine effektvolle Bühne, für ausnahmslos alle Aktivitäten

    Zur Gewährleistung einer Grundbeleuchtung könnten Mastleuchten, wie alle anderen Einbauten, im Baumschleier entlang der geschwungenen Bank integriert werden. Sie können bei Dunkelheit gleich mehrere Aufgaben erfüllen. Sie betonen den Baumschleier und damit die Kante der zentralen Platzfläche. Sie erhellen den Raum innerhalb des Baumschleiers und ermöglichen hier einen angstfreien und einsehbaren Aufenthalt . Sie beleuchten ein weiteres Gestaltungs- und Nutzungselement – die Bank – und heben sie hervor.

    Bank
    Eine geschwungene Bank bildet zusätzlich zum Baumschleier eine Kante des Platzes. Bei Tage kann man hier im Schatten der Bäume und bei Dunkelheit im sanften Schein der Leuchten, das Treiben sowohl auf dem Platz als auch in der entgegengesetzten Richtung beobachten.
    Ca. 1-1,5 m lange Wasserrinnen sind in die Enden der Bänke integriert. Das stetig plätschernde Wasser nimmt dem Lärm der Straße seine Dominanz, Hektik und Geschwindigkeit. Natürlich muss es nicht nur beim Lauschen bleiben ...

    Pavillons
    Die Grundrissformen der Körper gewährleisten ausschließlich Vorderseiten und bieten durch die raumhohe Verglasung ausreichend und gut nutzbare Präsentationsflächen. Die Geometrie der Pavillone ermöglicht weiche Übergänge von Zwischenraum und Weite des Platzes. Nachts sind die Pavillons illuminiert und werden Teil der Lichtinstallation.

    Mobilität
    Poller grenzen die notwendigen Kurzparkplätze im Norden des Platzes ab. Die neue Größe erlaubt es den Blick auf die Achse der Werner-Hilpert Straße zu öffnen.
    Die Anordnung der Stellplätze wird der neuen Platzausrichtung untergeordnet. Die weißen Markierungen werden bewusst als betonende Gestaltungselemente eingesetzt.

    Ankommende Reisende, oder Besucher des Kulturbahnhofs können Ihren weiteren Weg durch Kassel auch mit dem Taxi fortsetzen. Hierzu stehen an der Stützmauer im Süden des Platzes fünf Stellplätze entlang der Fahrbahn der Überlandbusse zur Verfügung.

    Die 70 Fahrradparker werden in der Nähe des südlichen Bahnhofseingang vor dem Gebäude platziert. Eine in Verlängerung des südlichen Bahnhofsturms endende Überdachung könnte hier installiert werden, ohne dass diese als gesondertes Bauwerk übermäßig hervorsticht.

    Für die Busse wurde das in der Auslobung genannte Konzept 2c gewählt. Die Vorgaben bezüglich der Haltestellen wurden den dortigen Angaben entnommen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser weisen dem Himmelsstürmer die zentrale Bedeutung als identitätsprägender „Angelpunkt“ des Platzes zu.
    Die verschiedenen Nutzungszonen werden selbstverständliche wirkend in eine ruhige Gesamtkomposition eingebunden. Dem offnen Platzraum um die Skulptur für größere
    Veranstaltungen wird eine dichtere Struktur aus lockeren Baumgruppen, unterbrochen durch Sichtachsen in die City, gegenübergestellt. Diese Teilräume unter den Bäumen, ergänzt durch Pavillons und Sitzelemente, schaffen attraktiv nutzbare „Alltagsräume“ und schaffen zudem angenehme Aufenthaltsräume, für die Wartenden an den Haltestellen. Diese Qualität scheint aber durch einige Bäume, die auf dem Bunker vorgeschlagen wurden in Frage gestellt. So sehr die Nutzungsqualität der Baumgruppen betont wird, so kritisch wird dem gegenüber die optische Verkleinerung des Platzes durch diese Baumgruppen gesehen. Die langen Sitzelemente beeinträchtigen teilweise die Durchlässigkeit des Platzes. Die den Parkplatz begrenzenden Poller stören und stehen im Kontrast zu dem ansonsten positiven Material- und Ausstattungskonzept. Die Pavillons überzeugen. Die Verwendung großformatiger Platten erscheint bei der Gefällesituation des Platzes schwierig. Der heutige Niveauversprung zwischen Bahnhof und Platz wird beibehalten, aber gestalterisch aufgewertet. Der Entfall der Rampe im östlichen Bereich des Zugangs führt aber zu unzumutbar langen Wegen für mobilitätseingeschränkte Bürger.
    Das Lichtkonzept überzeugt. Die vorgeschlagenen Lichtlinien, als Weiterführung der Bahn in die Innenstadt, überzeugen nicht (Kopfbahnhof!).
    Die Erstellungskosten liegen im Rahmen. Hinsichtlich der Unterhaltungskosten ist bei den vorgeschlagenen Wasserelementen an den Bänken der wirtschaftliche Aufwand im Verhältnis zum gestalterischen Mehrwert zu prüfen.
    Die Arbeit besticht durch ihre ruhige Gesamtkonzeption. Sie verzichtet zu Gunsten der Inwertsetzung des Himmelsstürmers leider auf eine herausragendere, innovativere Platzgestaltung.