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  • DE-86753 Möttingen
  • 02/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-147727)

Errichtung eines Bürgerzentrums mit Neugestaltung des Dorfplatzes


  • 2. Preis

    blick richtung nordosten

    Architekten, Stadtplaner
    dv architekten deffner voitländer, Dachau (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dorothea Voitländer , Prof. Konrad Deffner

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten, Stadtplaner: Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE)

    Preisgeld
    12.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Mit dem Neubau des Bürgerzentrums am Dorfplatz wird die Chance ergriffen, den Dorfplatz baulich zu definieren, ihm neue Bedeutung jenseits der bisherigen Verkehrsfunktion zuzumessen, die Platzfläche neu zu gestalten und somit den verlorengegangenen Mittelpunkt des Ortes wieder entstehen zu lassen. Künftig werden hier wieder Feste gefeiert werden.
    Das Gebäude nimmt trotz des großen Raumprogrammes die Maßstäblichkeit der Umgebung auf, in dem es sich auf zwei unterschiedlich große, aber dennoch aneinanderhängende Baukörper verteilt. Mit deren inneren Versatz gelingt eine Raum- und Platzdefinition, die auch den gegenüberliegenden Kirch- und Friedhof mit einbezieht. Mit dem neuen Tor in der südöstlichen Mauer wird auch die Blickbeziehung zur Kirche gestärkt. Die zum Platz hin aufdrehenden Firstlinien der beiden Baukörper fügen sich in die charakteristische Dachlandschaft der zur Dorfstraße giebelständigen Gebäude ein und setzen diese fort.

    Gebäude

    Der Eingang ins neue Bürgerzentrum ergibt sich im Winkel zwischen beiden Baukörpern aus der Mitte des Dorfplatzes heraus. In dieser Fuge sind auch alle weiteren Erschließungsfunktionen des Hauses angeordnet: zweigeschoßiges Foyer,Treppe und Aufzug. Die beiden Bauteile sind dem Geländeverlauf entsprechend im Split Level gegeneinander verschoben. Dadurch entsteht ein abwechslungsreicher Begegnungsraum mit vielfältigen Blickbeziehungen quer durch den Luftraum. Im kleineren, zur Pfarrgasse gelegenen Bauteil, ist die Gemeindeverwaltung und das Pfarramt untergebracht, im größeren Bauteil die gemeinsamen Nutzungen und der Schützenverein, vor allem jedoch der zweigeschoßige Saal. Der Saal öffnet sich im Erdgeschoß zum Dorfplatz. Im Obergeschoß entsteht durch eine eingezogene Galerieebene eine stegartige Situation zwischen Saal und Platz. Der Saal kann verdunkelt werden. Die Freiflächen des bewirtschafteten Versammlungsraums sind Teil des Dorfplatzes, Bürgermeisterzimmer und Trauzimmer haben direkten Blickbezug zum Platz.
    Das ehemalige Rathausgebäude wird erhalten und zu Wohnungen umgenutzt. die nordöstlich anschließende, geplante Wohnbebauung kann daran anknüpfen.

    Freiraum/ Platz

    Durch die städtebauliche Neuordnung rückt die bestehende Platane räumlich in den Mittelpunkt des Dorfplatzes. Um sie herum bilden Bürgerzentrum, Kirchhof(mauer), Kirche und die angrenzenden, giebelständigen Gebäude im Westen und Süden einen zentralen öffentlichen Freiraum für das dörfliche Leben. Unmittelbar unter dem erhaltenen Baum lädt eine Wiesenfläche, als kleiner Anger angelegt, mit einer Sitzbank zum Verweilen ein.
    Die Stellung des Maibaumes unterstreicht diesen Charakter. Ermöglicht wird dies nicht zuletzt durch die Beschränkung der Durchfahrt auf die westliche Seite des Dorfplatzes.

    Platz-Gestaltung

    Der Dorfplatz wird einschließlich der PKW-Überfahrt in die Pfarrgasse mit einem einheitlichen Belag aus Natursteinpflaster belegt. So erfährt auch der Autofahrer einen einheitlichen Platzraum. Eine Pflasterrinne sowie Pflasterzeilen gliedern die Platzfläche trotzdem.

    Gestaltung Ideenteil

    Der Friedhofseingang wird von der Südspitze auf die Südostseite verlegt. Dadurch entsteht eine direkte Beziehung zum Platz. Unmittelbar daneben lädt ein Wandbrunnen zur Erfahrung von Wasser ein. Nach Norden schließt sich eine Fläche für den Kinderspielplatz an. Ein zweiter neuer Eingang in den Friedhof schafft eine direkte Verbindung zwischen Parken und Aussegnungshalle.
    Der Straßenraum der Pfarrgasse wird künftig von einer einseitigen Baumreihe begleitet und ihr Beginn am Dorfplatz markiert. Locker gestellte Bäume sollen auf der anderen Seite der Gasse den Parkplatz beschirmen und beschatten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau:
    Zwei versetzt angeordnete, zweigeschossige Baukörper mit asymetrischen Satteldächern ergänzen die vorhandene giebelständige Bebauung. Die maßstäblichen Baukörper fügen sich gut in die umgebende Bebauung ein. Durch die versetzte Anordnung der Baukörper entstehen zwei Platzwände, die im Zusammenspiel mit der mächtigen Platane einen Platz mit guter Aufenthaltsqualität bilden. Der in allen Teilen behindertengerechte Dorfplatz ist gut mit den geforderten Funktionen bespielbar. Durch die Verlegung der Erschließungsstraße auf die Westseite wird der Dorfplatz in großen Teilen verkehrsfrei ausgebildet.

    Funktion:
    Die Organisation der Grundrisse erscheint logisch und sinnvoll, die gewünschte Flexibilität des Multifunktionsraumes/Schützen und des Versammlungsraumes ist gegeben. Positiv wird die Nutzung von Teilen des Erdgeschosses mit Verwaltungsräumen gesehen, wodurch der erste Kontakt der Bürger mit der Gemeindeverwaltung ermöglicht wird.
    Das Haus wird dadurch nicht nur in den Abendstunden bespielt, sondern rund um die Uhr. Das Haupthaus nimmt die Funktion des Bürgerzentrums mit Gastronomie und Vereinsleben auf. Im westlichen Gebäudeteil sind das Rathaus und die Kirchenverwaltung untergebracht. Durch die vorgeschlagene Split-Level-Anordnung zeichnen die Gebäude geschickt den Geländeverlauf nach. Die Barrierefreiheit wird über einen Durchlader-Aufzug gewährleistet.

    Gestalt:
    Die Fassadenöffnungen sind gut proportioniert, wohl überlegt und für die gestellte Bauaufgabe angemessen und richtig gesetzt.
    Die vorgeschlagene vertikale Lärchenholzverschalung wird im Preisgericht kontrovers diskutiert. Es ist eine ortstypische Ausgestaltung der Fassadenmaterialität anzustreben. Das Gesamterscheinungsbild des Bürgerzentrums sollte der Bedeutung als „Erster Adresse“ gerecht werden.