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  • DE-10969 Berlin
  • 12/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-162250)

Herstellung der städtischen Parkanlage Charlottenstraße 98


  • Teilnahme

    gruppe F

    Landschaftsarchitekten
    gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Florent Crenn, Gerd Kleyhauer, Magdalena Bauer, Gabriele Pütz, Dr. Antje Backhaus, Kendra Busche

    Erläuterungstext
    AUSGANGSSITUATION:
    Ein typisches Merkmal des Berliner Stadtbildes der Nachkriegszeit, das der perforierten Stadtlandschaft mit seinen vielen Leerstellen, ist inzwischen immer schwächer wahrnehmbar.
    Das Grundstück Charlottenstraße 98 ist noch eine dieser Leerstellen.
    Zurzeit erfüllt das Grundstück wenige Funktionen. Es schafft eine Zufahrtsmöglichkeit zur Tiefgarage des Hejduck-Ensembles und dient der Feuerwehr im Einsatzfall zur Überfahrt. Der Nutzungsdruck scheint gering zu sein, denn jegliche Spuren von sonstiger Nutzungsaneignung fehlen. Diese Fläche ist eine vergessene Leerstelle, die im Leben der Anwohner keine Rolle zu spielen scheint.
    Zwei Besonderheiten kennzeichnen das Grundstück: Zum einem seine Lage unmittelbar am vom Architekten John Hejduck entworfenen Gebäudeensemble, das von großer architektonischer Bedeutung ist. Und wenn der Betrachter Richtung Besselpark blickt ,öffnet sich der Stadtraum mit einem ungewöhnlich weiten Panorama und einem fernen Horizont. Diese Qualitäten sollen mit dem Entwurf herausgearbeitet werden.

    ENTWURFSIDEE:
    Leerstelle besetzen - Identität schaffen
    Die neue Identität entsteht durch eine starke Bezugnahme auf die Gebäude des Hejduck-Ensembles. Die Gebäudefluchten finden sich in den Belagswechseln auf der Platzfläche wieder. Die Stützmauern der geneigten Rasenflächen nehmen ebenfalls Gebäudekanten auf. Mit der Form dieser Rasenflächen beziehen wir uns auf die charakteristische Fassadenansicht der Häuser mit ihren zur Gebäudemitte gerichteten Dachflächen. Die geneigten Rasenflächen fassen gleichzeitig den Platz ein und schaffen klare Kanten nach außen. Unerwünschte Transitverkehre werden verhindert.

    Sinnvoll gliedern – Konflikte vermeiden
    Bisher wurde das Grundstück kaum genutzt. Das wird sich in Zukunft ändern. Damit die Bewohner der angrenzenden Häuser dabei möglichst wenig gestört werden, ist der Park in zwei Bereiche gegliedert: Der befestigte Platz entlang der Besselstraße, der sich in die Fläche hinein öffnet und die ruhige Rasenlandschaft im Übergang zur Wohnbebauung. Die Nutzungsintensität nimmt dabei nach Norden hin mehr und mehr ab.

    Aufenthaltsmöglichkeiten schaffen – die Qualität des Innen
    Der Innenraum des Parks bietet zwei Qualitäten. Zum einen den hochwertig gestalteten Stadtplatz. Er wird zur urbanen Keimzelle in einem antiurbanen Umfeld. Er kann mit einer Vielzahl von Aktivitäten und Nutzungen bespielt werden, er kann aber auch die selbstverständlich anmutende Erweiterung des Gehwegbereichs sein, die dem Spaziergänger einen angenehmen kurzen Aufenthalt ermöglicht.
    Zur Wohnbebauung hin bildet die an den Platz angrenzende Rasenlandschaft einen Puffer. Sie ist für die ruhige Erholung konzipiert. Durch die zum Teil geneigten Flächen ist sie z.B. für Ballspiele nicht geeignet, hierfür kann in den Besselpark ausgewichen werden.

    Blicke inszenieren – Die Qualität des Außen
    Die eingangs beschriebenen Besonderheiten des Ortes können vom neuen Park aus erlebt werden. Dem Hejduck-Ensemble wird genügend Raum zur Wirkung gegeben, gleichzeitig wird es durch die an Bezügen reiche Gestaltung des neuen Parksan den Straßenraum angebunden. Die westliche Rasenfläche wendet sich mit ihrer Neigung den Gebäuden zu und lädt zum ausführlichen Betrachten ein.
    Richtung Süden kann vom neuen Platz aus die besondere Silhouette dieses Teils der Stadt mit seiner Weite und Offenheit erlebt werden. Durch die Platzgestaltung werden die Blicke nicht verstellt. Der neue Park wird Teil dieser fließenden Stadtlandschaft.

    Umgang mit dem Bestand:
    Aufgrund der Vorgabe, den Boden flächig auszutauschen, können weder Flächen in ihrem jetzigen Zustand noch Bestandsgehölze erhalten werden.

    Materialien / Pflanzenverwendung:
    Die verwendeten Materialien und Pflanzen sind hochwertig und dauerhaft.
    Auf den befestigten Flächen kommt Basalt-Kleinstein und Granit-Kleinstein zum Einsatz. Deren Oberfläche ist für besseren Gehkomfort gesägt und geflammt. Die Flächen werden voneinander getrennt durch Bänder aus Beton, der farblich auf die Stützmauern abgestimmt ist.
    Die Baumscheiben werden mit Metallband gefasst. Die Mauern zur Einfassung der modellierten Rasenflächen werden aus einem gefärbten Sichtbeton erstellt.
    Bänke und Fahrradständer zitieren die Fassade der beiden Gebäude auf spielerische Weise. Die Fahrradbügel sind aus beschichtetem Flachstahl. Die Bänke werden aus beschichteten Stahlblechen und Holzlatten hergestellt.
    Als Bäume werden mehrstämmige Himalaja-Birken (Betulautilis) vorgeschlagen. Sie zeichnen sich durch eine besonders weiße Rinde und moderate Wuchskraft aus und haben einen leichten und lichten Charakter. 5000 blau blühende Krokusse werden in die Rasenbereiche eingebracht.

    Nachhaltigkeit / Langlebigkeit:
    Die Belagsflächen aus Naturstein haben eine sehr geringe Abnutzung. Im Gegenteil: Die Anmutung wird häufig mit zunehmender Dauer als noch schöner empfunden. Rasenflächen unterliegen bei entsprechender Pflege und Nutzung keiner Abnutzung. Die Bäume (Betula utilis) haben eine im Vergleich mittlere Lebensdauer.

    Pflege / Reinigung:
    Alle Belagsflächen sind mit Reinigungsfahrzeugen erreichbar, Handarbeit ist in nur geringem Maße erforderlich. Das Niederschlagswasser wird in Rasenflächen geleitet oder über Punktentwässerungen in Sickerboxen abgeführt. Im Vergleich zu Linienentwässerung sind Abläufe deutlich weniger reinigungsbedürftig. Mit drei Abfallbehältern ist der Platz sparsam, aber ausreichend ausgestattet.
    Die Rasenflächen werden barrierefrei mit Maschinen erreicht. Die geneigten Rasenflächen lassen Maschineneinsatz problemlos zu.
    Die Sichtbetonmauern haben eine maximale Höhe von 90 cm. Diese sind für Graffiti-Künstler nicht attraktiv, weil die Arbeiten in dieser geringen Höhe nicht ausreichend wahrgenommen werden. Zum Skaten sind die Mauern nicht geeignet, da die angrenzenden Belagsflächen schwer überrollt werden können.

    Inspektion / Wartung / Instandsetzung:
    Die Bäume sind regelmäßig zu inspizieren, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Die Ausstattungselemente benötigen wenig Wartung. Lediglich die Verschraubung an den Bänken wäre regelmäßig zu prüfen.
    Die Banklatten bedürfen je nach Nutzungsintensität ggf. einer Erneuerung. Format und Material entsprechen der bei der so genannten Berlin-Bank verwendeten Latte, die beim Bezirk vorgehalten wird.

    Rückbau:
    Alle Belagsmaterialien können nach Ausbau an anderer Stelle wieder verwendet werden. Nicht weiter zu verwendende Teile können dem Recycling zugeführt werden (Boden, Beton, Stahl).
    Die Baufolgekosten werden im Ergebnis als vergleichsweise gering eingeschätzt.

    Inklusion:
    Die Flächensind so gestaltet, dass den unterschiedlichen Nutzern verschiedene Nutzungen ermöglicht werden. Die Platzfläche ist mit den glatten Oberflächen auch für Menschen mit Behinderungen sehr gut nutzbar. Sie kann stufenfrei durchquert werden. Alle drei Rasenflächen haben barrierefreie Zugänge. Der Großteil der Rasenflächen ist eben gestaltet.

    Kosten:
    Der Kostenrahmen wird eingehalten. Für Unvorhergesehenes werden 5% der Nettobaukosten eingestellt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 21.02.2014, 15:49
Zuletzt aktualisiert 25.02.2014, 11:53
Beitrags-ID 4-81027
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