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  • DE-72072 Tübingen
  • 02/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-152609)

Erweiterungsbau Stadtwerke


  • ein 1. Preis


    Architekten
    Architektur Contor Müller Schlüter, ACMS Architekten GmbH, Wuppertal (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    13.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Bebauung auf dem Grundstück der swt Stadtwerke Tübingen GmbH wird stark von dem 7-geschossigen Solitär des Verwaltungsgebäudes aus dem Jahr 1980 geprägt. Dieser Körper etablierte in der Vergangenheit eine eindeutige Hierarchie der unterschiedlichen Nutzungen an diesem Standort. Die verschiedenen technischen Betriebsgebäude, Druckausgleichs- und Speicherbehälter sind diesem Gebäude eindeutig untergeordnet und als technische Zweckbauten klar ablesbar.

    Mit dem Erweiterungsbau A wurden die Verwaltungsflächen im Jahr 1994 bereits einmal erweitert. Hierzu wurde an ein bestehendes technisches Gebäude ein 5-geschossiger Verwaltungsbau angebaut. Die starke gegliederte Hierarchie wurde so notwendigerweise etwas geschwächt.

    Der Wettbewerbsbeitrag für das neue Erweiterungsgebäude B für die Südwest-
    deutsche Stromhandels GmbH zielt daher auf städtebaulicher Ebene darauf ab, diese ehemals stark prägende eindeutige Nutzungshierarchie wieder herzustellen und schlägt hierzu die Etablierung eines Ensembles aus dem Hauptverwaltungsgebäude, dem bereits realisierten und dem neuen Erweiterungsgebäude vor. Dieses Ensemble stellt den Kopf, den der Verwaltungsbau ehemals gebildet hat wieder her. Die kompakte und klare Formensprache der Erweiterung verleiht dieser die notwendige Kraft und Prägnanz um auch als eigenständiger Baukörper mit individueller Funktion wahrgenommen zu werden. Die Anordnung der drei Baukörper zu einem Ensemble mit einem internen, verbindenden Platz ist mehr als die Summe der Einzelbaukörper.

    Das Thema des Ensembles wird gleichzeitig eine Maßstabsebene tiefer aufgegriffen und zur Strukturierung der Grundrisse des vorgeschlagenen Neubaus genutzt. Auf Geschossebene wurden drei Volumen geschaffen, die einerseits dienende Funktionen, wie Treppenhaus, Aufzug, Installationsschächte, Sanitärräume, etc. aufnehmen und andererseits die Mittelzone zwischen den Büros so strukturieren, dass die Fläche für unterschiedliche Formen der Kommunikation genutzt werden können (Stichwort: „Besprechungsinseln“ aus dem Raumprogramm).
    Wie schon an der Formulierung an der Wettbewerbsaufgabe erkennbar ist, ändert sich der Flächenbedarf von Unternehmen heutzutage immer schneller. Ziel des Wettbewerbsbeitrags ist es daher, nicht Grundrisse zu entwickeln, die eine maßgeschneiderte Lösung auf momentane oder erwartete Organisationsstrukturen darstellen, sondern eine
    generische Struktur zu schaffen, die maximale Flexibilität in der Grundrissgestaltung jetzt aber auch im Verlauf des Lebenszyklus des Gebäudes gewährleistet. Derartige passive Qualitäten von Architektur werden nach Auffassung der Entwurfsverfasser in der aktuellen Diskussion um Nachhaltigkeit im Bauen oft unterbewertet.

    Neben den bereits oben beschriebenen, tragenden und zugleich aussteifenden Volumen im Gebäudekern, wird daher eine sehr stark aufgelöste, tragende Fassade mit einem Stützabstand von 1,4 m entwickelt. Dieses Maß hat sich im modernen Verwaltungsbau als äußerst wirtschaftlich in Bezug auf Flächenverbrauch und Flexibilität für unterschiedliche Bürotypologien bewährt, und dient daher auch als Fassadenraster.
    Die hohe Flexibilität wird unter anderem auch anhand der dargestellten drei Grundrissvarianten von Einzel- bzw. Doppelbüros über Gruppen- und Kombibüros bis zu Großraumbüros deutlich. An jeder Fassadenstütze besteht die Möglichkeit, Trennwände anzuschließen, sodass unterschiedliche Raumbreiten möglich sind. Ebenso können unterschiedliche Raumtiefen realisiert werden, wie sich im Vergleich der Variante Einzel-/Doppelbüro zum normalen Regelgeschossgrundriss zeigt.

    Die Größe der Mittelzone verändert sich hierbei, was allerdings auch folgerichtig ist, da z.B. in klassischen Zellenbürostrukturen deutlich mehr gemeinschaftlich genutzte Flächen für Kommunikation erforderlich sind.

    Die Größe von ca. 375 m² je Ebene ermöglicht es dabei jedes Geschoss ohne aufwändige Abtrennungen oder notwendige Flure, als jeweils einen Brandabschnitt völlig flexibel und ohne Einschränkungen z.B. hinsichtlich zulässiger Brandlasten. zu nutzen. Der zweite Rettungsweg wird dabei über das auf unterschiedlichen Seiten mögliche Anleitern durch die Feuerwehr sichergestellt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Bau mit quadratischer Grundfläche und ausgewogenen Proportionen ergänzt den Gebäudebestand in angenehmer Weise, indem er sich in den hinteren Teil des Grundstückes platziert und in der Höhe deutlich unter dem Verwaltungsgebäude bleibt.
    Er schiebt sich im hinteren Teil des Grundstücks in Richtung des Wärmespeichers, wodurch die Parkplätze vollständig erhalten bleiben. Gleichzeitig gelingt es dem Entwurf einen ausreichend großen Innenhof auszubilden. Der Verbindungsgang vom Verwaltungsgebäude bildet die Abgrenzung des Innenhofs in Richtung der Parkplätze und gibt diesem dadurch die notwendige Diskretion. Das Gebäude schneidet auf der Westseite in das Gelände ein und entwickelt soweit erkennbar eine Nut zwischen Gebäude und höher gelegenen Parkplätzen. Da das Erdgeschoss an dieser Stelle vollständig verglast erscheint, ist hier zu überprüfen, welche Geländeanpassungen vorzunehmen sind.
    Der Zugang vom Parkplatz für Mitarbeiter erfolgt durch den Verbindungsgang. Dort besteht auch eine Durchgangsmöglichkeit zum Erweiterungsbau A, der damit in das Ensemble einbezogen wird.

    Das Gebäude erscheint als schwebender Würfel, da das Erdgeschoss als verglastes Sockelgeschoss dient. Diese Verglasung setzt der Entwurf im Verbindungsgang fort. Der Verbindungsgang erscheint dadurch nicht als Fremdkörper, sondern bildet eine logische Fortsetzung. Dieser Eindruck wird durch die dem Verbin-dungsgang angegliederten Büros unterstützt.
    Der Fensteranteil der Fassaden beträgt ca. 60 %, eine Brüstung ist vorhanden. Durch die Schiebeklappläden aus Streckmetall bietet die Fassade für den Betrachter eine immer wieder andere Struktur im Wechsel zwischen Glas- und Metallflächen. Obwohl der Baukörper sich selbst zurücknimmt wirkt er durch die Fas-sadengestaltung dynamisch und innovativ. Der Ausgang aus dem Verwaltungsgebäude ist über zwei rechte Winkel nicht optimal, aber aufgrund der bestehenden Verhältnisse im Verwaltungsgebäude akzeptabel.

    Durch die Aufteilung der Neben- und Erschließungsflächen (WC/Treppe) in drei Kerne, ergeben sich im Innenbereich der Geschosse unterschiedlich große Flächen, die variabel nutzbar sind.

    Der Entwurf erfüllt die Anforderungen an die geforderten Flächen in bester Weise, sowohl Baufläche wie auch Konstruktion-, Sozial- , Sanitär- und Serviceflächen. Lediglich die Flächen für Technikzentrale und Schacht erscheint mit weniger als 50 % der geforderten Fläche deutlich zu gering. Die Büroflächen sind variabel nutzbar, selbst Einzelbüros wirken nicht beengt.

    Bei einer Bürofläche von 1.440 m² und einem BRI von 11.000 m³ gehört der Entwurf mit zu den wirtschaftlichsten des Wettbewerbs.