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  • DE-88142 Wasserburg (Bodensee)
  • 02/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-151256)

Halbinsel, Halbinselstraße und Seeuferzone Ost


  • Ankauf

    Perspektive 1

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: KELLER HUBACHER ARCHITEKTEN, Herisau (CH)

    Preisgeld
    2.500 EUR

    Erläuterungstext
    Die geografische Lage am Bodensee mit Voralpen- / Alpenblick und die wechselhafte Geschichte über Jahrhunderte hinweg spielen bei den vorliegenden städtebaulichen und freiraumplanerischen Überlegungen zur Halbinsel eine wichtige Rolle. Die Neugestaltung des landschaftlich geprägten Raumes orientiert sich zum See und regiert auf die Topographie und die ehemalige Insellage. Die unterschiedlichen öffentlichen Plätze am See nehmen die bereits vorhandenen Qualitäten und Charakteristiken des Ortes auf und stärken diese. Zwischen der fast mittig liegenden Haupterschließung der Halbinselstraße und dem Seeufer entsteht eine spannende Wechselbeziehung.
    Durch die Neugestaltung der Halbinselstraße werden unter Einbezug der Vorgärten und -plätzen die historischen Raumstrukturen betont. Der heutige Straßenraum (Tempo 30er-Zone) wird aufgewertet und die fußläufigen Verbindungen zum See hervorgehoben. Der Langsamverkehr (Fußgänger und Radfahrer) wird bevorzugt. Die Aufwertung der heute eher vernachlässigten und verstellten Seeseite gibt dem öffentlichen Raum neuen Charme, Großzügigkeit und Ruhe. Die Geometrie der Halbinselstraße mit ihrer wechselnden Richtung und ihrem Rhythmus wird aufgenommen und die Fußgängerperspektive gestärkt. Der ländliche Charakter wird durch die Neugestaltung betont. Der Baumbestand wird verjüngt und mit grosskronigen Laubbäumen wie Sommerlinden (Tilia platyphylla), Schwarznuss-Bäumen (Juglans nigra), Schnurbäumen (Sophora japonica ‚Regent’) und am Wasser mit Trauerweiden (Salix alba ‚Tristis’) ergänzt. Sie schaffen differenzierte Räume und sorgen mit ihrem lichten Schatten für eine angenehme Atmosphäre. Die lockere Anordnung stärkt die ehemalige Insellage in dem der Übergang zwischen Insel und Festland baumfrei bleibt. Im Bereich der Habinselstraße verhilft die Baumsetzung zur Verlangsamung des Raumes und zu höherer Aufenthaltsqualität.
    Die neue Promenade mit den beiden öffentlichen Platzflächen an den beiden Enden, wird mit einer Kante begrenzt, die leicht tiefer liegende (zw. 20 – 90 cm Höhenunterschied) offene Flachuferzone bleibt so erhalten. Die beiden Plätze am See sowie die Verbindungswege zwischen Halbinselstraße und See werden mit einem hellen Ortbetonbelag befestigt. Er bildet mit seiner ruhigen Oberfläche einen Kontrast zum vorhandenen bunten Kleinsteinpflaster.
    Jeder einzelne Ort/Platz direkt am See hat seinen eigenen Charakter welcher durch die Neugestaltung betont wird: so bildet der nördliche grüne Platz beim Abzweig Mooslachenstraße im Übergang zum Landschaftsschutzgebiet Wasserburger Bucht auf seiner ganzen Breite einen weichen Übergang zum flachen Seeufer, oder der westliche grüne Platz beim Benefiziatenhaus ist eher introvertiert. In der Brüstungsmauer bietet hier nur eine kleine Lücke mit schmaler Treppe einen direkten Zugang zum Wasser. Die Parkwiese verschafft Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten, ihre modellierte Oberfläche prädestiniert sie außerdem als Ort für Konzertveranstaltungen. Im Rahmen der Aufwertung der Verbindungen zwischen Halbinselstraße und Seeufer wird auch die Zugänglichkeit zum Bodendenkmal verbessert.
    Kleinbauten wie der Kioskneubau werden in die Gesamtkonzeption integriert. Das ehemalige Badehaus wird saniert und nach Möglichkeit der Öffentlichkeit zu Verfügung gestellt. Im Hafen werden die Bootsplätze neu organisiert. Einzelne Neupflanzungen im Gamswiesen-Park und ein neuer Steg werten den südöstlichsten Uferbereich auf.
    Einheitlich gestaltete Sitzbänke aus Holz bieten Aufenthalt. Sie bestehen aus einem Metallrohrgestell mit Holzlammelen als Sitzfläche. In ihrer Form lehnen sich an die vorhandenen Sitzbänke im Bereich der Schiffsstation an. Durch die zeitlose Form und Materialität erzeugen die Möbel eine angenehme Atmosphäre und laden zum Verweilen ein. Ein neues feines Metallgeländer sicherte den Schiffssteg und begrenzt den östlichen Platz der Promenade. Je ein Info-Point am Anfang und Ende der Promenade wird in das Geländer integriert. Einfache Metallbügel sichern die 50 Fahrradstellplätze im Bereich der Halbinselstraße auf der Halbinsel.
    Die Ausstattungselemente werden zu wichtigen Merkzeichen von Wasserburg. Ihre einheitliche Typologie dient als Orientierungspunkt, fungiert als Bindeglied zwischen den Räumen und wird zum Portfolio des Ortes.
    Die Beleuchtung unterstützt die Orientierung und ist bestimmend für die gefühlte Atmosphäre. Die einheitlich gestalteten Mastleuchten mit geringer Lichtpunkthöhe, sind mit einem direkt nach unten strahlendem Lichtkopf mit LED-Technik ausgestattet. Lichtfarbe warmweiß, 3000k, Farbwiedergabe-index mindestens 90%. Die Leuchten sind blendfrei und erfüllen alle Kriterien zur Vermeidung von Lichtverschmutzung und Insektensterben. Das Lichtsystem ist ausgeblendet, die Eigenleuchtdichte des Leuchtkörpers ist jedoch so ausgelegt, dass die für Wasserburg wichtige Fernwirkung erzielt wird. Am Steg wird die Beleuchtung in den Handlauf integriert um optimale Bedingungen für das genießen der Aussicht am Tag und in den Abendstunden zu gewährleisten. Bei den Wegen werden einzelne Betonplatten mit einer Aufkantung zur Integration eines linearen Lichtelementes versehen. Handlauf und Wegelicht sind auch mit LED-Technik, mit gleicher Lichtfarbe wie die Mastleuchten ausgestattet. Das Lichtkonzept nimmt die Grundidee und Geometrie der Promenade, Plätze und Wege auf. Die Leuchten erhellen den öffentlichen Raum und lassen ihn auch nachts zum sicheren Ort werden.

    Die eigenständige und repräsentative Neugestaltung der Halbinsel Wasserburg ermöglicht neu großzügige Ausblicke und eine angenehme Koexistenz der vielfältigen Nutzungsansprüche von Bewegung und Aufenthalt am See. Die fußläufigen Verbindungen zum See werden für BewohnerInnen und BesucherInnen attraktiver und barrierefrei. Der See ist nun wieder besser sichtbar und mit allen Sinnen erfahrbar.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeichnet sich durch ein klares städtebauliches Ordnungskonzept aus. Die Wegeverbindungen von der Halbinselstraße sind klar auf die Seeuferpromenade ausgerichtet und zeichnen sich als in hellem Ortbetonbelag ausgeführte Spuren ab. Die Halbinselstraße ist in einem durchgängigen Kleinsteinpflasterbelag vorgesehen und erscheint unangemessen.
    Eine Zonierung des Straßenraumes wird ebenso vermisst wie Maßnahmen mit verkehrsberuhigender Wirkung.
    Die Uferpromenade wird umfassend neu gestaltet und in ihrer Ausprägung deutlich verändert. Besonders zu würdigen ist die großzügige Geste, mit der die Hafenbucht eine neue Fassung erhält. Wenngleich diese Geste formal besticht scheint dieser gestalterische Ansatz dem Ort nicht angemessen. An den Endpunkten schlagen die Verfasser mehrere in den Bodensee reichende Plattformen vor, die markante und attraktive Aussichtspunkte bilden. Die Uferpromenade ist ruhig gestaltet und überzeugt durch die Sichtbeziehungen. Der Zugang zum Bodensee wird auf wenige markante Punkte im gesamten Planungsbereich konzentriert.
    Allerdings wird die Zugänglichkeit zur Treibholzentnahme im Hafenbereich dadurch stark eingeschränkt und kritisch gesehen. Die Festwiese wird durch eine Neuordnung der Stellplätze entlang der südlichen Halbinselstraße deutlich aufgewertet und dadurch in ihrer Großzügigkeit erweitert.
    Einzelne Baumpflanzungen strukturieren die Fläche in angemessener Weise. Inwieweit die reduzierten Stellplätze der Gemeinde noch entsprechen wird zu diskutieren sein.
    Der von den Verfassern angedachte Neubau einer Molenalange trägt zur Klarheit der Uferpromenade bei. Aus wasserbautechnischer Sicht wird das Strömungsverhalten im Hafenbereich kritisch gesehen und daher zu prüfen sein. Weiter erscheint eine Realisierung aus eigentumsrechtlichen und wirtschaftlichen Gründen schwer darstellbar.
    Insgesamt beinhaltet die Arbeit interessante Lösungsansätze, allerdings erscheinen die dafür erforderlichen Maßnahmen als sehr anspruchsvoll.