loading
  • DE-71686 Remseck am Neckar
  • 03/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-147369)

Neue Mitte — Rathaus • Bürgersaal • Bibliothek


  • 1. Preis

    Bibliothek

    Architekten
    o5 architekten bda - raab hafke lang, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: KuBuS Freiraumplanung GmbH & Co. KG, Wetzlar (DE), Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Projektteam
    Ruben Lang, Isabelle von Keitz, Claudia Rothe, Marcel Balsen, Cansu Önel, Conny Römer, Melanie Nathan, Marina Hokari

    Die neue Stadtmitte
    Das aus dem Ideenwettbewerb hervorgegangene Konzept der „Neuen Mitte“ sieht eine Gliederung der Flächen des alten Kieswerkes in einen Wohn- und Geschäftsbereich sowie den neu zu entwickelnden Verwaltungsbereich auf der Landzunge „Hechtkopf“ an der Einmündung der Rems in den Neckar vor. Mit den geplanten Stadtbausteinen Rathaus, Bürgersaal und Bibliothek erfährt die Stadt Remseck am Neckar die einmalige Chance einen gemeinsamen Identität stiftenden Ort der Begegnung für ihre Bürger zu schaffen.
    Der neue Rathausplatz bildet den Ausgangspunkt für den im Ideenwettbewerb angelegten, parallel zum Neckar verlaufenden Geschäftsboulevard. Um den Rathausplatz gruppieren sich die neuen Gebäude und bilden durch ihre städtebauliche Setzung den Rahmen für die multifunktional nutzbare Neue Mitte. Eindeutige Blick- und Wegeverbindungen stellen einen räumlichen Bezug zu den sich in unmittelbarer Nähe befindenden Ufern des Neckars und der Rems her. Äußere Gebäudekanten und –fluchten werden von der Wohnüberbauung auf dem Gelände des alten Kieswerkes übernommen, sodass der gesamte neue Stadtteil stadträumlich zu einer Einheit verschmilzt.

    Freiraumplanung
    Das Freiraumkonzept sieht die Einbettung des neuen Gebäudeensembles in die vorhandenen Uferbereiche vor. Die grüne Kante soll durch behutsame Eingriffe in den wertvollen Baumbestand gestärkt werden. An zwei städtebaulich und freiraumplanerisch folgerichtigen Stellen wird über wohl dimensionierte Treppen- und Sitzstufenanlagen eine zusätzliche Aufenthaltsqualität an den Ufern des Neckars und der Rems geschaffen. Ein Rundweg an der Uferkante bis zur Landspitze im Mündungsgebiet bietet die Möglichkeit, diesen besonderen Flussraum unmittelbar zu erfahren.

    Mittels eines durchgängigen einheitlichen Platzbelages werden die Stadträume des neuen Geschäftsboulevards und des Rathausplatzes über die in Zukunft in diesem Bereich verkehrsberuhigte Remstalstraße miteinander verknüpft. Das Freiraum- und Verkehrskonzept kommt somit dem Wunsch nach Bevorzugung nachhaltiger, umweltschonender, sozial verträglicher und unfallarmer Fortbewegungsarten wie zu Fuß gehen, Radfahren und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel nach.
    Lineare Stadtmöbel rahmen den neuen Rathausplatz und laden zum Verweilen ein. Als gliederndes Element und Ausdruck der Neuen Mitte Remseck erhält der neue Rathausplatz ein prägendes Wasserbecken. In Zusammenspiel mit der Schatten spendenden Linde markiert dieser neue Treffpunkt einen Ort der Begegnung und des geselligen Beisammenseins und wirkt darüber hinaus Identität stiftend für die Bürger der
    Stadt Remseck am Neckar.

    Phasierung
    Das neue Rathaus wird neben dem Bestandsbau errichtet. Dieser wird nach dem Umzug rückgebaut und durch den Bürgersaal und die Bibliothek ersetzt.
    Den Auftakt des neuen Ensembles und zugleich den ersten Bauabschnitt bildet das neue Rathaus. Während der Bauphase bleibt das Bestandsgebäude unberührt und kann über die bestehende Zuwegung erreicht sowie angedient werden. Im Zuge dieser Bauphase wird ebenfalls der erste Bauabschnitt der Tiefgarage als Untergeschoss des neuen Rathauses realisiert. In diesem Schritt entstehen 65 Stellplätze.
    Nachdem das Bestandsgebäude rückgebaut wird, kann das Geländeniveau vollständig neu modelliert und auf die zukünftigen Bedingungen angepasst werden. Mit dem zweiten Bauabschnitt wird das Bürgersaalgebäude samt Tiefgaragenerweiterung realisiert. Durch die Ausrichtung der Gebäude auf ein gemeinsames Grundraster kann die neue Großtiefgarage effizient und optimal ausgenutzt werden, sodass nach dieser Bauphase 119 Stellplätze (inklusive drei Behindertenstellplätze) nachgewiesen werden können.
    Der neue städtische Außenraum wird in dieser Phase auch ohne den dritten Stadtbaustein bereits komplett hergestellt. Als Verweis auf die noch zu realisierende Bibliothek wird eine wassergebundene Grantfläche mit denselben Kantenlängen auf geplanter Position erstellt. Ein auf dieser Fläche gepflanzter kleiner Hain bildet auch räumlich das Volumen der geplanten Bibliothek ab. Der in das Stadtmobiliar integrierte, öffentliche Bücherschrank deutet die spätere Nutzung an und lädt zum Verweilen und Schmökern unter dem Schatten
    spendenden Blätterdach ein.

    Entwurfskonzept
    Das Ordnungsprinzip der Grundrisse zwischen „offenen“ und „geschlossenen“ Bereichen leitet sich direkt von der jeweiligen Nutzung ab. Während im Erdgeschoss die massiven Volumen die dienenden Funktionen (Bsp. Bürgersaal: Großküche, Lagerräume, Umkleiden, sowie Bühne und Bühnentechnik etc.) beherbergen, befinden sich Nutzungen mit starkem Außenbezug in den sich dazwischen aufspannenden offenen Bereichen (Eingangsbereiche, Foyers, Casino und Saal). Diese Grundrissgliederung ermöglicht ein hohes Maß an Transparenz und verbindet strukturell sowie visuell die unterschiedlichen Außenräume der verschiedenen Gebäudeseiten. Ein Durchwirken und Verschränken der unterschiedlichen Außenraumqualitäten wird hierdurch gestärkt.
    Dieses konsequent in die Fassadengliederung überführte Gestaltungsprinzip erzeugt eine Gebäudeskulptur, die sich Gestalt prägend und Identität stiftend für die Neue Mitte Remseck auswirkt. Große Einschnitte markieren die Eingangsbereiche, die zweigeschossigen Arkaden
    bilden fließende Übergangsbereiche zwischen innen und außen und laden zum Verweilen ein.

    Rathaus
    Der im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss durchgesteckte zweigeschossige Foyerraum verbindet die Fellbacher Straße mit dem neuen Rathausplatz. An dieser Stelle führt eine repräsentative Treppe durch Lufträume bis in das letzte Obergeschoss und bietet damit einen effizienten und attraktiven innenräumlichen „Shortcut“, der die vertikale Kommunikation über Geschosse hinweg fördert. Dieser Luftraum wird durch ein großzügiges Oberlicht mit Tageslicht versorgt.
    Als Dreibund organisiert, nimmt die Mittelschiene in den Obergeschossen alle dienenden Funktionen auf. Die Dezernate werden parallel über die Ebenen mit je einem Fachbereich pro Geschoss organisiert um eine gute Orientierbarkeit und größtmögliche Synergien zu erreichen. Die Besprechungsräume befinden sich an den Stirnseiten. Aufweitungen nach Norden und Süden fungieren als Aufenthalts- und Wartezonen. Diese Bereiche öffnen sich großzügig und bringen dadurch viel Tageslicht in das Gebäudeinnere. Als Sonderbereich im
    Rathaus erhält das Standesamt mit Trauzimmer eine repräsentative Lage im Gebäude mit Traubalkon Richtung Rathausplatz.

    Bürgersaal
    Der eingeschossige Bürgersaal zeichnet sich durch ein Höchstmaß an Flexibilität und Schaltbarkeit aus. Eine Funktionsschiene dient als trennendes und verbindendes Element zwischen dem Foyer-/Casino-Bereich und dem flexibel teilbarem Saal. Das Casino ist ebenfalls dem Foyer zuschaltbar konzipiert, sodass sich die Foyerfläche bei Großveranstaltungen um die Hälfte ihrer Fläche erweitern lässt.
    Der Richtung Rathaus sich befindende Kern nimmt dienende Funktionen wie Lager, Personalräume sowie die Großküche auf. Die Großküche ist so angeordnet und intern strukturiert, dass sie sowohl den Saal als auch das Casino andienen kann.
    Der Bühnenbereich befindet sich stirnseitig im Kern Richtung Neckar. Als Besonderheit kann sich die Bühne über Faltschiebeelemente in der Außenfassade auch nach außen öffnen, sodass während der Schönwetterperiode die Uferpromenade bespielt werden kann.

    Bibliothek
    Die Bibliothek beherbergt im Erdgeschoss Seminarräume und den großen Versammlungsraum. Diese dem Medienbereich II zugeordneten Räume können getrennt von der Bibliothek genutzt werden. Der Eingangsbereich sowie die Verbuchungs-, Markt- und Stöberzone steckt sich als Raumkontinuum sowohl in Nord-Süd-Richtung als auch über die Vertikale durch das gesamte Gebäude. In den Obergeschossen befindet sich die Welt der Bücher. Die Aufenthalts-, Studier- und Lesebereiche gruppieren sich um diesen mehrgeschossigen Luftraum, der Tageslicht über ein Oberlicht in das Gebäudeinnere bringt.

    Gestaltung und Materialität
    Um die Bedeutung der Neuen Mitte innerhalb der Stadt Remseck am Neckar zu betonen, erfährt das Gebäudeensemble über die Natursteinfassaden seine hohe Wertigkeit. Durch das leichte Verschieben der horizontalen Deckenpakete wird ein Relief erzeugt, dass der Natursteinfassade zusätzlich Tiefe verleiht. Diese vertikale Gliederung eint die Gebäude optisch und verleiht ihnen einen unverwechselbaren, eigenständigen Charakter. Als Fassadenmaterial ist ein in Baden-Württemberg abgebauter Naturstein (beispielsweise Travertin) angedacht.
    Die zweigeschossigen Foyerbereiche erhalten großzügige Öffnungen mit einem doppelten Fassadenraster. Ein- und Zugänge werden durch Raum hohe Holztüren markiert. Der Innenraum ist geprägt von der Klarheit und Einfachheit der verwendeten Materialien. Das konzeptionelle Ordnungsprinzip des Entwurfs wird zugunsten der einfachen Orientierbarkeit bis in die Materialität der Innenraumoberflächen geführt. Oberlichtöffnungen bringen über interne Lufträume viel Sonnenlicht bis in die Foyerbereiche.

    Tragwerksbeschreibung
    Ziel des Tragwerkentwurfs ist es, ein wirtschaftliches Tragsystem zu entwickeln, das auf die architektonische Idee abgestimmt ist. Das entwickelte Tragwerk ist das Ergebnis eines integralen Planungsprozesses zwischen Architektur, Tragwerk und Haustechnik. Das Primärtragsystem wird aus Betonfertigteilen hergestellt. Dies stellt auf der einen Seite eine kostengünstige und zeitsparende Rohbauerstellung dar und gewährleistet auf der anderen Seite ein hohes Maß an Qualität und Genauigkeit. Die massiv ausgebildeten Bereiche übernehmen die Aussteifung der Gesamtkonstruktion. Alle weiteren Raum bildenden Elemente werden als leichter Innenausbau konstruiert.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.