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  • DE-30419 Hannover
  • 03/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-153236)

Stadtteilzentrum und Stöckener Markt


  • 2. Preis

    Blick vom Stöckener Markt zum Stadtteilzentrum, © chora blau Landschaftsarchitektur, ksw architekten + stadtplaner bda dwb

    Landschaftsarchitekten
    chora blau Landschaftsarchitektur, Hannover (DE), Hannover (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Björn Bodem , Dr. Marcus Cordes , Markus Schmidt , Manou Ney

    Mitarbeit
    Nils Kreynhop, Henning Pagels

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Kellner Schleich Wunderling, hannover (DE)
    Energieplaner: H2A - v. Heeren Habibi, Hannover (DE)

    Erläuterungstext
    Prolog
    Im Wechselspiel von Vergangenheit und Zukunft, Bebauung und umgebendem Grün, Individualität und Gemeinwohl, tradiert das neue stadtteilzentrum am Stöckener Markt den genius loci in guter Tradition in einen unverwechselbaren Empfangsort und einen Bleibeort für das Wohnen und Leben in der Gemeinschaft, für Ankommende, Davoneilende, für Wartende und Verweilende,
    wie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Feiernde! Im inklusiven Stadtteil Stöcken.

    Stadtmitte Stöcken - Markt - Bühne - Garten - Hof
    Gerahmt von der weiten Landschaft der Leineaue und den großflächigen Industriearealen am Nordhafen befindet sich im Nordwesten Hannovers der Stadtteil Stöcken. Vordergründig zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt und nachhaltig von den angrenzenden Großbetrieben geprägt, entwickelte sich Stöcken von einem Dorf am Rande der Großstadt zu einem Hafen - und Industrievorort mit einem hohen Grünflächenanteil. Insbesondere der historische Stadtfriedhof als hochwertige und kulturell genutzte Grünanlage prägt das von Baum- und Vegetationsflächen durchzogene, grüne Erscheinungsbild Stöckens. Im Herzen des Stadtteils und nahe des Stadtfriedhofs gelegen befindet sich der Stöckener Markt, der mit seinen Einzelhandels- und Dienstleistungsangeboten als Zentrum des öffentlichen Lebens fungiert. Direkt am Kreuzungspunkt Hogrefestraße Eichsfelder Straße bildet der Marktplatz mit seinen angrenzenden Stadträumen zudem den Eingang zum östlichen Stadtteilbereich um die Eichsfelder Straße. Durch die platzbegrenzenden Bauten aus Einzelhandel, Dienstleistung, Wohn- und Sakralgebäuden und den neu zu errichten Stadtteilzentrum erwächst eine hohe funktionale und gestalterische Anforderung an die Freianlangen. Sie stehen als Vermittler zwischen den Veranstaltungs- und Versammlungsstätten zum einen und den Orten mit zentralen Sozialfunktionen zum anderen. Wertvolle Baumstrukturen verleihen dem gesamten Bereich um den Stöckener Markt bereits heute ein einprägsames und ausdrucksstarkes Äußeres. Dieses vorhandene Potenzial wird aufgegriffen und genutzt, um einen einprägsamen, zusammenhängenden Stadtraum mit klar formulierten Raumtypologien zu entwickeln, der in einen von prachtvollen Platanen umgebenden Marktplatz, einen dem Stadtteilzentrum zugeordneten Vorplatz und einen Stadtteilgarten gegliedert ist.

    Ein Belag aus ockerfarbenem Granitpflaster befestigt alle Geh- und Verkehrsbereiche bis zur St. Christophoruskirche im Osten und dem Gebäuderiegel im Süden des Bearbeitungsgebietes. Verlegrichtungen, Formate, Borde, Pflasterrinnen und taktile Streifen unterteilen diese Flächen in Verkehrsflächen für den fahrenden und ruhenden Verkehr sowie in Aufenthalts- und Gehbereiche für Fußgänger. Die Eichsfelder Straße wird in ihrer Breite so verringert, dass eine Begegnung von Pkw-, Lkw- und Radverkehr gewährleistet bleibt, die Geschwindigkeit jedoch zudem gedrosselt wird. Durch leichte Aufkantungen, einem Wechsel des Pflasterformats und parallel zur Straße gesetzten Mastleuchten wird der Straßenraum gegliedert und die Gehwege barrierefrei abgesetzt. Die vorhandenen Großbäume werden dabei in die Planung integriert und lediglich punktuell reduziert, um so eine signifikante Raumstruktur zu präzisieren. Orientiert an der Ausrichtung des Marktplatzes und der südlichen Bebauung befinden sich die Pkw-Stellplätze, die als Längsparker über die Eichsfelder Straße bzw. als Senkrechtparker über die Moosbergstraße erschlossen werden. Der Marktplatz wird im Inneren durch seine neue Gestaltung von Barrieren, Höhensprüngen und parkenden Autos befreit und erhält so die universell gestaltete Qualität eines offenen raumes für Märkte und Veranstaltungen, der problemlos auf den Stellplatzbereich erweitert werden kann. Befestigt mit Großformatplatten aus Sichtbeton, die auch für Schwerlastverkehr ausgelegt sind, ist eine Beschickung der Marktstände ohne weiteres möglich. Die Bestandsbäume werden derart in die Neugestaltung eingebunden, dass sich der Platz an das Höhenniveau der umgebenden Flächen anpasst. Lediglich ein bis zwei, sich in das umgebende Gelände einschleifende Stufen bilden einen moderaten Höhenversatz an der Nordostecke des Platzes. Sitzgelegenheiten an der nördlichen Platzkante bieten in direkter Nähe zum Einzelhandel und den gastronomischen Einrichtungen Erholungsmöglichkeiten unter den schattenspendenden Baumkronen. Durch die Anordnung der Leuchtelemente sowie den Ver- und Entsorgungseinrichtungen an den Rändern des Platzes kann der Innenbereich von Ausstattungselementen freigehalten werden und bietet nunmehr mit seiner wohltuend proportionierten Weite einen großzügigen Binnenraum innerhalb der vielfältigen umgebenden Stadtstruktur. An der südwestlichen Platzecke bildet ein Podest aus gesägtem Granitstein ein Pendant zu den Verweilorten im Norden. Das Podest kann von allen Seiten als Sitz- und Liegefläche genutzt werden und schafft so den Übergang zum Entree an der Eichsfelder Straße; es hat ortsprägende Wirkung und vermag zur Adressbildung beizutragen. Ein aus polierten hellsand-farbenen Granitstein hergestellte fulminante Stöckener - Brunnenschale, die großzügige Spende eines weitsichtigen ortsansässigen Weltkonzerns, wird zum Anziehungspunkt und Blickfang nahe der neuen, vom hier ansässigen Geldinstitut clever in Szene gesetzten Stöckener – Stadtloggia und den angrenzenden gastronomischen Einrichtungen. Frei verteilte Sitzgelegenheiten erweitern das kostenlose Aufenthaltsangebot und vermögen sich zudem, im Entree vor den Pkw-Stellplätzen positioniert, zu behaupten. Den Zugang zum neuen Stadtteilzentrum determiniert ein aus großformatigen Granitplatten markierter Vorplatz. Das Plattenformat von 60x40 cm gibt dem gesamten Platzbereich eine einheitliche Struktur, die als Ordnungsprinzip für die Aufenthalts - und Vegetationselemente dient. Mit dem Morgengarten im Nordosten in Kombination mit dem Abendgarten im Südwesten des Gebäudes bildet dieser Platz ein Freiraumensemble, das den unterschiedlichen Ansprüchen des Zentrums gerecht wird und eine flexible Nutzung ermöglicht. In Anlehnung an den grünen Charakter des Stadtteiles wird der Außenraum des Neubaus mit gärtnerischen Elementen wie Ziergehölzen, Pflanzfeldern und hochwertigen Oberflächenbelägen gestaltet. Der Vorplatz wird dabei als Erweiterung des im Gebäude liegenden Saals verstanden. Beide Räume sind über das Foyer direkt miteinander verbunden und können parallel für Veranstaltungen unterschiedlicher Art genutzt werden. Ein modern interpretiertes Ornament aus Granitplatten und Holzinlays markiert den Aufenthaltsbereich unter den vorhandenen Bäumen. An den Randbereichen angelagerte Sitzelemente werden mit Holz verkleidet und schaffen so ein dauerhaftes Angebot an Verweilmöglichkeiten. Die so entstandenen Sitznischen können als Rückzugsorte für das Lesecafé oder als Treffpunkt der Mitarbeiter genutzt werden. Durch die Platzierung der Sitzelemente und die barrierefreie Gestaltung der Oberfläche kann der Platz als Stadtteilbühne für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt und in seiner Größe variiert werden. Eine Präsentationsfläche wird so an der Fassade des Gebäudes vorgehalten, dass eine freie Bestuhlung des gesamten Raumes ermöglicht wird. Ein Stuhllager integriert in das Gebäude befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Präsentationsfläche. Vor der nördlichen Fassade lagern sich als Ergänzung Stellplätze für Fahrräder und der Bücherschrank unter einem Blumenhartriegel an.

    Der Stadtteilgarten liegt vor den Verwaltungs- und Gruppenräumen im südwestlichen Bereich des Stadtteilzentrums und schirmt diese so vor den Blicken der Wartenden an der Straßenbahnhaltestelle ab - optische Diskretion. Der Garten greift die Struktur des Vorplatzes auf und wird mit geometrischen Heckenkörpern, abwechslungsreichen Gräserpflanzungen und einem reichhaltig blühenden Blumenhartriegel geschmückt. Die Pflanzungen lagern sich an zwei mit Holz verkleidete Hochbeete an, die von den Kultureinrichtungen genutzt und individuell bepflanzt werden können. Umgeben werden die Pflanzfelder von einer unversiegelten Fläche aus anthrazitfarbenen Granitsplitt. Ein Lager an der südwestecke des Gartens bietet Abstellmöglichkeiten für Gartengeräte und ähnliches. Analog zu dem Stadtraum um den Marktplatz werden die direkt an das Zentrum anschließenden Flächen mit einem Belag aus ockerfarbenen Granitpflaster befestigt. Die Verwendung von rechteckigen Formaten schafft ein abwechslungsreiches aber zugleich ruhiges und gerichtetes Bild. Die beiden Behindertenstellplätze, die Fahrradüberdachung für 16 Fahrradstellplätze und der Anlieferbereich befinden sich ebenfalls auf dieser Natursteinfläche, die über die Osterwalder Wende erschlossen wird. Um den gebäudenahen Bereich von den funktionalen Erschließungsflächen abzugrenzen, werden die Zufahrten, die angrenzenden Verkehrsflächen sowie die neu strukturierte Spielplatzfläche mit einem veredelten Betonsteinpflaster befestigt. Direkt am Nebeneingang vom leckerhaus gelegen greift der Spielplatz die Struktur des Freiraumensembles am Stadtteilzentrum auf und bietet so Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zugleich einen Ort zum Spielen, Treffen und Verweilen. Bäume und Heckenpflanzungen schirmen den offenen Spielbereich von dem Stadtteilzentrum und den Verkehrsflächen ab. In dem heterogenen und vielfältig genutzten Stadtraum um den Stöckener Markt entsteht mit dem neuen Stadtteilzentrum ein Anziehungspunkt, der den Ausgangspunkt für eine zusammenhängende und ganzheitliche Entwicklung bildet. Bei der Gestaltung wird besonderer Wert auf die Integration von vorhandenen Potenzialen gelegt, um so eine frühzeitige Akzeptanz in der Bevölkerung zu erlangen und dem neuen Zentrum Stöckens ein dauerhaft hochwertiges Gesicht zu verleihen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf zeichnet sich durch einen flachen, rechteckigen Baukörper aus, der mit dem Saal als kubische Überhöhung ein markantes Zeichen zum Stöckener Markt setzt.

    Der Vorschlag der abgesenkten Marktplatzfläche wird hinsichtlich einer Nutzbarkeit für den Markt kritisch bewertet. Die Erhaltung der Bestandsbäume scheint durch diese Maßnahme zweifelhaft. Die Anordnung der Stellplätze ist nicht nachvollziehbar.

    In die großzügige rechteckige Grundrissform werden zwei Atrien eingeschlossen: ein großzügiges Atrium als Vorbereich zum Markt und ein weiteres kleines Atrium als Pufferzone zum Hochbahnsteig.

    Mit der baulichen Fassung des großen Atriums wird das Stadtteilzentrum räumlich an den Marktplatz herangeführt, was als sehr positiv gewertet wird. Das Atrium bietet vielfältige Möglichkeiten der Bespielung und somit ein gutes Angebot für eine Außennutzung, obgleich die Kontrollierbarkeit des Freiraumes in Bezug auf Sauberkeit und Sicherheit als kritisch angesehen wird. Das kleine Atrium im Süden des Gebäudes ermöglicht eine ungestörte Orientierung der Gruppenräume Richtung Hogrefestraße.

    Das Material der Betonfertigteile und die warmen Innenmaterialen erzeugen eine angenehme Grundstimmung. Der Wechsel des Materials im Bereich der Saalüberhöhung bildet eine angenehme Auflockerung und strukturiert den Baukörper.

    Der Haupteingang an der nördlichen Stirnseite wird als kritisch angesehen, da hierdurch der Stadtteilladen erste Anlaufstelle für die Besucher wird und unnötig lange Wege im Inneren des Gebäudes entstehen.

    Der Saal ist gut proportioniert und kann zum Atrium geöffnet werden. Eine separate Nutzung des Stadtteilladens wird aufgrund der weit entfernten WC-Anlage als kritisch betrachtet. Der Bereich des Leckerhauses ist generell plausibel angeordnet, in seiner Binnenstruktur aber noch nicht optimal. Generell ist die Grundrissorganisation jedoch klar und sinnvoll. Die Anbindung an den Hochbahnsteig wird als interessanter Impuls gesehen.

    Der Entwurf überschreitet mit dem Lager und den Arkaden die Baugrenze, was eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes erfordern würde.

    Die Baukosten liegen im mittleren Bereich, jedoch geringfügig über der gesetzten Grenze.
    Die Kostenansätze für die Atrien wurden hierbei noch nicht berücksichtigt. Der Passivhausstandard ist nach Einschätzung der Vorprüfung noch nicht erreicht.

    Insgesamt wird der Entwurf in seinem Ausdruck als angemessen für den Ort angesehen und
    besticht durch die qualitativ hochwertige Raumgliederung und Verzahnung von Außen- und
    Innenräumen.