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  • DE-38446 Wolfsburg
  • 03/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-148565)

Feuer- und Rettungswache


  • ein 2. Preis

    Modellfoto

    Architekten
    struhk architekten, Braunschweig (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Bernd Paliga-Könneke , Sven Eggers

    Mitarbeit
    Julian Hartwig, Jochen Goede

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: DREWES + SPETH Beratende Ingenieure im Bauwesen Partnerschaftsgesellschaft mbB, Hannover (DE)
    Landschaftsarchitekten: nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE)
    Energieplaner: Prof. Dr.-Ing. Lars Kühl, Wolfenbüttel (DE)

    Erläuterungstext
    Erläuterungsbericht

    1. Städtebau und Entwurfsidee
    Die Umsetzung des ambitionierten Programms für die Feuer- und Rettungswache Wolfsburg verlangt nach einer funktionalen, aber auch identitätsstiftenden baulichen Gestalt, welche die Vielfalt, aber auch die Einheit der drei Institutionen Feuerwache, Feuerwehrtechnisches Zentrum und Rettungswache gleichermaßen abbildet.

    Städtebauliche Ziele werden umgesetzt durch:
    • Setzung eines Hochpunkts (Schlauchturm), der die Stadteinfahrt markiert und der die Zufahrt zum neuen Wohngebiet „Alte Baumschule“ unverwechselbar macht
    • eine maßstäbliche differenzierte „Hofhaus – Architektur“, die einerseits eine „harte Raumkante“ zur Dieselstraße bildet, diese aufwertet und andererseits den Altbestand mit dem Neubau durch seine raumbildenden Höfe zu einer Einheit zusammenzieht
    • Arkaden mit Haupteingang schaffen ein Gesicht zur Stadt.

    Diese Situation wird mit seinen schützenden Höfen thematisiert.
    Die der Öffentlichkeit zugängigen stadtbezogenen Nutzungen orientieren sich zu den öffentlichen Räumen, während die abgesicherten und Privaten Aufenthaltsbereichen für Ruhe und Rekreation sich um die Höfe legen.
    Es entsteht eine räumlich spannende soziokulturelle Vernetzung zwischen Feuer- und Rettungswache, Leitstelle und weiteren Funktionsdiensten und dem Quartier.

    Kennzeichnend für die Feuer- und Rettungswache Wolfsburg sind:
    • die technisch-funktionalen Aspekte, ökologisch-wirtschaftlich ausgerichtetes Bauen, Nachhaltigkeit
    • Bildung eines Ensembles, das mit seinen Höfen die Ein- und Ausfahrten der Alarmfahrzeuge signifikant darstellt
    • Eine Baukörperkonzeption, die sich aus den einzelnen Funktionsbereichen definiert, die sinnvoll einander zugeordnet sind: aktive Funktionsbereiche der Fahrzeughallen und Werkstätten im EG, Verwaltung, Wohn-, Ruhe- und Rekreationsräume und abgesicherte Bereiche in den Obergeschossen
    • Die Leitstelle, die aus Sicherheitsgründen sich in den Werkstatthof orientiert, trotzdem von der Dieselstraße wahrnehmbar ist
    • Eine Nebenraumschale, die den Funktionen mit hohen Sicherheitsanforderungen dient und den Außenlärm von der Dieselstraße abschirmt
    • Gestaltqualität: Signifikanz von äußerer Erscheinung und innerer Organisation des Baukörpers in allen drei Gebäudeteilen mit deutlichen Eingangssituationen und einer guten Ver- und Entsorgung an der Werk- und Servicestraße mit separatem Müllsammelstelle
    • Sicherheitsbereiche zusammenhängend ohne Durchlaufzonen von der Öffentlichkeit
    • Synergieeffekt durch funktionale Anordnung
    • Bildung eines kompakten, funktionalen und signifikanten Baukörpers, in dem die Rettungswache auch als autarke Funktionseinheit (Realteilung) sich darstellen kann.

    2. Erschließung und Funktion
    • Haupterschließung von der Dieselstraße im Schwerpunkt der Feuer- und Rettungswache
    • übersichtliche Trennung von Fußgänger- und Fahrverkehr, von Ver- und Entsorgung
    • innere Erschließung und Kommunikation
    • Zusammenfassung aller Nutzungsbereiche in einem kompakten Baukörper, alles unter einem Dach mit kurzen Wegen (horizontal und vertikal) und guter Orientierung
    • Erdgeschoss mit aktiven Funktionen: Alarmfahrzeuge, Funktionsdienste, Werkstätten
    • Obergeschosse mit Verwaltung, Ruhebereichen, Kantine, Sport und abgesicherten Funktionen
    • Eingangsbereich und innere Erschließung in den Geschossen sind unmittelbar erfassbar
    • Geschossverbindende Innentreppen, Räume, Plätze als informelle Orte für das direkte Gespräch.
    • Das Parken für die Mitarbeiter erfolgt über den Amselweg. Von den Parkplätzen werden die einzelnen Funktionsbereiche von Süden auf kurzem Weg erschlossen.

    Diese Differenzierung zwischen Sockel und Obergeschossen ist nicht nur organisatorisch sinnfällig, sondern sie spiegelt auch die konstruktiven und klimatisch unterschiedlichen Bedingungen der unterschiedlichen Raumnutzungen wieder.
    Die Ver- und Entsorgung erfolgt über einen Werkstattstraße auf der Südseite der Höfe. Aufzüge sorgen für die barrierefreie Verbindung der 4 Ebenen.
    Die Kompaktheit der Feuer- und Rettungswache erfüllt eine hohe Wirtschaftlichkeit und lässt auch in der Zukunft unterschiedliche Konzepte zu.

    3. Konstruktion
    • Grundlage: elementierte, seriell zu fertigende Bauteile mit einheitlichem Raster
    • Das Bauwerk wird in Massivbauweise geplant
    • Tragwerk der Erdgeschossdecke der Fahrzeughallen im: einachzig gespannte Stahlbetondecke auf Stahlbetonunterzügen im Abstand von 4,5 m, H = 1,1 m
    • OG: Flachdeckenkonstruktion, deren Innenstützen auf den Hauptträger des EG ’s lagern
    • Bauwerksausteifung: erfolgt über die Erschließungskerne
    • Gebäudefugen: Die Abstände sind nicht größer als 45 m
    • Gründung: ist eine Flachgründung mit Einzel- und Streifenfundamenten vorgesehen.

    4. Fassaden / Material / Schallschutz und Akustik
    Im Innenraum dominieren helle und farbige Oberflächen (Orientierung) die im Kontrast zu natürlichen Materialien mit haptisch und optisch angenehmen Oberflächen stehen.
    Zum Einsatz kommen:
    • Durchgefärbter Beton / Ziegel zur Stadt (steinerne Welt)
    • Holz- / Alufassade (Fensterbänder)
    • Sonnen- und Blendschutz und Aluminiumjalousien mit Lichtlenkung
    • Sichtbetondecken mit heller Oberfläche
    • Deckensegel mit integrierten Schallabsorber
    • Parkett- , Linoleum-, Textilböden
    • Textile Vorhänge zur Verbesserung des akustischen Komforts
    • Bewusster Einsatz von Farbe (Orientierung)
    • Materialwahl unter Berücksichtigung hoher Dauerhaftigkeit und Wartungsarmut, Berücksichtigung von Ökobilanzdaten und Wiederverwertbarkeit, Vermeidung von Risikostoffen, haptisch und optisch angenehme Oberflächen, ggf. Einsatz von Nanotechnologie in der Behandlung von Oberflächen
    • Fassaden zur Dieselstraße sind als Schallschutzfassade ausgebildet
    • Im Innenraum wird die akustische Behaglichkeit durch Schallabsorber in Deckensegel, Möbel, Wänden erreicht.

    5. Außenraum
    Die Freiflächen werden wie folgt thematisiert:
    • der Eingangsbereich als kleiner Quartiersplatz mit Besucherparkplätzen.
    • die 3 Höfe (Alarm-, Werkstatt- und Bestandshof) als geschützte Räume der Feuer- und Rettungswache, wobei die Sicherheitsanforderungen gut umsetzbar sind
    • die Werkstattstraße dient der Ver- und Entsorgung und dem Service
    • Atrien mit Terrassen als Orte für Ruhe, Aufenthalt und visuellem Komfort
    • Sportflächen zur Rekreation auf den Dächern der Parkebene.
    • Zur Dieselstraße wird eine klare Kante in Form einer Baumreihe ausformuliert. Dies gibt dem Grundstück zusätzlichen Halt und bietet visuellen wie akustischen Schutz
    • Zum zukünftigen Wohngebiet „Alte Baumschule“ wird ein Puffer- und Grünstreifen mit Fuß- und Radweg den nötigen Abstand zum Wohnen vorgeschlagen.
    Die Sicherung zum öffentlichen Raum folgt dort, wo sie das Gebäude nicht selbst übernimmt.

    6. „Lebensraum Feuer- und Rettungswache“
    Der „Lebensraum FRW“ ist maßstäblich, licht durchflutet, in die Innenhöfe orientiert und unterstreicht das „Wir-Gefühl“. Die Anordnung der Funktionsbereiche fördern die sozialen Prozesse, bieten ein hohes Maß an Flexibilität und ermöglichen sowohl konzentriertes als auch kommunikatives, individuelles als auch gemeinschaftliches Arbeiten. Ein hoher visueller-, akustischer-, thermisch Komfort ist gegeben und fördert die Behaglichkeit!
    Die Feuer- und Rettungswache ist ein räumlich spannender Ort mit interessanten Ein- und Ausblicken, der viele Aktivitäten zulässt und wo auch quartiersübergreifend Veranstaltungen stattfinden können.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Grundsätzlich ist der Entwurf ein interessanter Beitrag, der städtebaulich ein markantes, angemessen selbstbewusstes Gebäude entwickelt und über eine klare Struktur und Gliederung verfügt.

    Die Gesamtanlage ist als Zwei-Hof-Anlage strukturiert, die insgesamt gute Funktionsabläufe ermöglichen kann. Die lange Fassade zur Dieselstraße wird geschickt durch einen Gebäudeversatz in den Obergeschossen gebrochen.

    Die Betonung der Einmündung Amselweg erfolgt mit dem etwas zurückgelagerten und als städtebaulichen Akzent ausgebildeten Schlauchturm. Diese Einmündung an der Ecke Amselweg wird zudem durch eine Aufweitung städtebaulich aufgewertet, jedoch ist die Fassadengliederung hier zurückweisend und der Gebäuderiegel entlang des Amselweges als Einfahrt zum Wohngebiet etwas wuchtig geraten. Generell zeigt der Entwurf jedoch eine wohltuend ruhige und unaufgeregte Fassadengestaltung.

    Im Inneren zeichnet sich der Entwurf durch gute Organisation der Alarmwege und der Rettungswache sowie eine übersichtliche klare Grundrissstrukturierung aus. Überzeugend sind außerdem die Verortung und Größe der Zu-, Ab- und Ausfahrten. Kritisch gesehen wird die leichte Zergliederung und Flächenausdehnung der Feuerwehrtechnischen Zentrale, die eventuell zu internen Störungen führen kann (so liegen z.B. die Büro und Werkstätten getrennt. Auch die Organisationsabläufe und Auffindbarkeit des Externen Service sind optimierungsbedürftig. Das Preisgericht ist der Auffassung, dass die Idee das Tauchbecken öffentlichkeitswirksam in den Eingangsbereich zu legen, funktional nicht überzeugt und große räumliche Entfernung zur Wasserrettung zur Folge hat.

    Darüber hinaus wird der Standort der Warenannahme ungünstig im Verkehrsengpass platziert.

    Die Position der Leitstelle innerhalb der Gesamtorganisation ist gut, die interne Organisation der Leitstelle jedoch unzureichend. Die sehr gute Alarmwegeorganisation und die klare Grundrissstrukturierung lassen die Organisationsabläufe jedoch insgesamt optimierbar erscheinen.

    Der Entwurf ermöglicht eine gute Realisierbarkeit in zwei Bauabschnitten. Die Verfasser schlagen Niedrigstenergiehausstandard vor, dessen Umsetzung nachvollziehbar dargestellt ist. Der bauökologische Standard ist hoch. Der Entwurf liegt bei den wirtschaftlichen Kenndaten im guten Durchschnitt.

    Insgesamt zeigt der Entwurf ein gute städtebauliche Lösung mit einem gut proportionierten Gebäudeensemble.