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  • DE-88239 Wangen
  • 04/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-149802)

Landesgartenschau Wangen im Allgäu 2024


  • ein 1. Preis

    Perspektive Bürgerpark | lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh | löhle neubauer architekten

    Landschaftsarchitekten
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: löhle.neubauer_architekten BDA pmbb, Augsburg (DE)

    Preisgeld
    27.000 EUR

    Erläuterungstext
    STADTGEWEBE „FIL A FIL“ | Die Wangener Stadtlandschaft besitzt heute schon entlang der Argen ein bandförmiges Pattern urbaner Strukturen – Strukturen, die von Bebauung, Wasser oder Landschaft geprägt sind, Strukturen, die locker gegeneinander versetzt im stadtlandschaftlichen Weichbild treiben.
    Dieses besondere urbane Gewebe bildet die Basis für unser Konzept. Durch gezielte Neubebauung, Akzentuierung der Parklandschaft und spürbare Freistellung der Wasseradern werden diese „urbanen Fäden“ in den ihren originären Themenfeldern Grau / Grün / Blau lesbar geschärft und mit querlaufenden Verbindungskorridoren zu einem engmaschigen Stoff „Fil à Fil“ verwoben. Ein ungewöhnlicher, jedoch ortsangemessen und reizvoll changierender, stark von Grün durchwirkter und vom Wasser geprägter Stadtraum entsteht.


    „SIEDLUNGS - FIL“ | Mit der Adaption der bestehenden Arbeitersiedlung, dem neuen ERBA Mischgebiet und der neuen Gartenstadt werden ergänzend zur Neuausrichtung der Spinnereien drei unterschiedliche städtische Charaktere im Bearbeitungsraum entwickelt.
    Im EBRA-Gelände bildet eine durchgehende Kreativ-Meile Orientierung und Rückgrat der neuen Entwicklung. Im Westen der Spinnerei werden die wenigen bestehenden Relikte der Arbeitersiedlung saniert und durch neue Wohnungsbauten rund um den neuen EBRA Park zeitgemäß ergänzt. Durch die Ausrichtung, und durch Villen-Strukturen, hohen Gartenanteil und engen Park- und Landschaftsbezug entsteht hier im Anklang einer traditionellen Gartenstadt neuer Stadtrand.
    Kraftvoller Mittelpunkt und Verbindungselement bildet der neue Kreativ Campus in den sanierten historischen Industriebauen der Spinnerei. In die Neue Spinnerei werden Veranstaltungssaal, Restaurant und großzügige Gewerberäume integriert. Sie werden durch das neue Gründerzentrum für Kreative Berufe in der alten Spinnerei und den angrenzenden Bauten ergänzt.
    Östliche der Spinnereien entwickelt sich ein flexibles wie dichtes Cluster mit einem Mix aus Gewerbe und Wohnen. Eine offene Baumhalle bildet den respektvollen Abstand zum Werkskanal und gewährleistet ausreichend Raum für die erforderlichen Stellplätze.
    Die Argensiedlung wird als beispielshaft neue Gartenstadt entwickelt. In einem modulhaften System – beispielweise als Holzbau – entwickelt sich in einem lichten Schleier von Blütenbäumen ein enges Geflecht von Wohnen und Freiraum. In dieser verwobenen Melange entstehen Einzelhäusern, Maissonetten und Geschosswohnungen hohem Gartenbezug zwischen Bäumen, Hecken und Dachgärten. Gemeinschaftseinrichtungen und Versorgung finden sich mittig entlang der Grünfuge. Die Grundteilung in drei Hauptcluster erlaubt eine zeitlich gestaffelte Entwicklung.


    „WASSER-FIL“ | Argen und Werkskanal bilden das thematische Rückgrat des Gewebes. Bei beiden wird unter Berücksichtigung der hydraulischen und statischen Belange die Zugänglichkeit verbessert. Durch neue Wege entlang der Ufer und durch beherzte Freistellung strahlt der „gefühlte Wasserbezug“ imagebildend weit in die angrenzenden Flächen.
    Der Werkskanal erhält entlang des Nordufers einen schmalen Steg, der den Südring mit einem filigranen Steg quert und mit Rampen und Stegen im Kreativcampus endet.
    Entlang der Argen werden auf der stadtabgewandten Seite Ufer abgeflacht, geshaped und in einem dynamischen Umfang in die Parklandschaft integriert. Neue Stege verdichten das Wegenetz und lassen den Talraum von allen Seiten aus erlebbar werden.


    „PARK-FIL“ | Von Osten her entwickelt sich schalförmig entlang der Argen eine Abfolge von neuen Parkanlagen, die im EBRA-Park im Westen ihren Abschluss findet.
    Der Argenpark erhält zur Wohnbebauung einen lichten Schleier von Obstbäumen und öffnet sich mit partiellen Absenkungen zum Fluss.
    Die Argeninsel wird von Sport und Spiel dominiert und mit einem Feld naturnahen Wasserlaufs gefasst.
    Der Bürgerpark öffnet sich großzügig über die Sportflächen hinweg. Gereihte Solitärbäume und kompakte Baumgruppen umschreiben Teilräume mit optisch fließenden Übergängen. Großzügig öffnet er sich zur Argen und inszeniert spielerisch die besondere Gewässerdynamik.
    Der EBRA-Park entwickelt sich als extensiver Landschaftspark, der im direkten Umfeld der Spinnereien attraktive Spiel- und Sportangebote ausweist und dann sich fließend in immer größer werdenden Räumen zur angrenzenden Landschaft öffnet.
    Ergänzend zu den größeren Einheiten findet sich mit den Kleingärten, mit der Einbeziehung der Hangwälder, der Bildungslandschaft, den Reitanlagen oder dem sanierten Siedlungsgrün akzentuierende Teilaspekte.
    Ausgehend von der Argenterrasse am Argencenter verbindet eine durchgehende Argenpromenade die unterschiedlichen Parkbereiche und endet in einer großzügigen Geste an der EBRA Terrasse mit weitem Blick in den Landschaftsraum. In den changierenden Aufweitungen der Promenade finden sich akzentuierend Ausstattungen für Aufenthalt und Spiel.


    „SCHAU – FIL “ | Die Gartenschau lagert sich als weiterer „Fil“ über das Gesamtgelände – „Fil à Fil“, wird auch Thema der Schau. Die Argen, der Wandel des ERBA Geländes, der Reiz der landschaftlichen Weite und das ungewöhnliche Wechselspiel des Gewebes zwischen Grau / Blau / Grün werden prägend für das Bild dieser Gartenschau. Neben den beiden eingezäunten Schwerpunkten bilden für die Schau temporär eingestreute paillettenartige Verdichtungen im Gewebe bilden attraktive Trittsteine.
    Entlang eines geschlossenen Rundweges wird das Gesamtgewebe inszeniert. Blütenbänder unterstreichen seinen Verlauf. Eingezäunt werden unter Ausnützung von natürlichen Grenzen und vorhandener Bauten lediglich das ERBA Areal und partiell der Bürgerpark. Vorhandene Strukturen wie beispielsweise die ERBA Hallen werden gezielt mit einbezogen. Temporären Einbauten konzentrieren sich auf diese Teilbereiche, insbesondere auf die zukünftigen Baufelder im ERBA oder auf Felder zukünftiger Sportplätze im Bürgerpark.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit ist geprägt durch eine eigene Formensprache, die interessante Raumfolgen aufweist.

    Im Bereich der Argen wird ein schlüssiges Wegekonzept vorgetragen, das im Wechsel zwischen Platz- und Wegeverbindungen sowie Grünräumen abwechslungsreiche Teilräume schafft. Der Umgang mit dem Gewässer im Bereich des Bürgerparks stellt einen starken Eingriff in ökologische und wasserbautechnische Anforderungen dar. Der Argenraum wird durch die neuen Wiesenrampen künstlich überhöht, leider zulasten des natürlich uferbegleitenden Aueraumes. Die Querungen vom Festplatz bis zum Gehrenberg schaffen großzügige Verbindungen über die Insel hinweg und bilden kommunikative Aufenthaltsorte aus. Mit weiteren Querungen entlang Argen wird sparsam umgegangen, was sich auch wirtschaftlich positiv auswirkt.

    Der Zugang von Lindau in die Stadt ist sensibel gestaltet und greift die bestehenden Raumvernetzungen qualitätsvoll auf. Auch städtebaulich ist die Eingangssituation im ERBA Gelände schlüssig weiter entwickelt. Auf die Erschließung von der Lindauer Straße als auch auf die Bebauung kann verzichtet werden, sie stören den Übergang Stadt/Landschaft. Die Anforderungen des Denkmalschutzes werden durch eine räumliche Aufwertung positiv beachtet. Das zu erhaltende Kesselhaus fehlt jedoch.

    Der Kanal zur Wasserkraftanlage wird als städtebauliche Identität in das Gesamtkonzept integriert. Der Kanalhochweg macht das Wasser erlebbar und schafft eine kurze Verbindung der ERBA zur Altstadt. Die Brückenquerungen von der ERBA aus über die Argen auf das südliche Ufer und die damit möglichen Wegeverbindungen entlang der Argen überzeugen. Die Idee der Gartenstadt im Bereich Auwiesenweg ist interessant aber Richtung Westen zu weit in den Raum eingreifend.

    Der östliche Stadteingang aus Richtung P 14 erfährt eine Aufwertung durch nutzbare Terrassen zum Wasser hin.

    Die Fußballplätze am Gehrenberg sind in ihrer Lage nicht sinnvoll umsetzbar, da in die falsche Rich-tung orientiert.

    Das Gesamtkonzept stellt einen wertvollen Gestaltungsbeitrag dar und überzeugt im Ideenbereich mit seiner Formensprache. In der Umsetzung wird die Arbeit eher kritisch gesehen.