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  • DE-88239 Wangen
  • 04/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-149802)

Landesgartenschau Wangen im Allgäu 2024


  • Anerkennung

    Blick von der ERBA-Promenade über die Zeppelinwiese

    Landschaftsarchitekten
    A24 Landschaft, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Steffan Robel

    Mitarbeit
    Jan Grimmek

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: kister scheithauer gross architekten und stadtplaner GmbH, Köln (DE), Leipzig (DE)

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mitarbeiter:
    Jan Grimmek, Marion Guichard, Sara Perovic, Laura Veronese, Yue Guan, Pia Mastrantonio, Matteo Basta


    Wangen ist bekannt für seine malerische historische Altstadt – eine der schönsten Süddeutschlands. Sie ist Ausdruck für Wangens Bedeutung als mittelalterliches Handelszentrum.

    Getrennt von einem imposanten Bahndamm liegt Wangens moderne Vergangenheit:
    Das ERBA-Gelände, ursprünglich ein Satellit außerhalb der Stadt mit eigener Infrastruktur, Stadtteilleben und –bewusstsein. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts prägte die Baumwollspinnerei ERBA die städtebauliche und soziale Struktur der Stadt Wangens maßgeblich.

    Die historische Altstadt und das ERBA-Gelände markieren die zwei gegensätzlichen Pole der Stadtentwicklung Wan-gens.

    Die Stadtgewässer verbinden die beiden Pole über die Bahn hinweg: Der ehemalige industrielle Triebwerkskanal wird zur markanten ERBA-Promenade, die von der Altstadt bis um ERBA-Park führt und das neue Stadteilzentrum auf dem ERBA-Gelände an die Altstadt anbindet.

    Die Obere Argen wird als naturnahes Gewässer erlebbar und zugänglich. Mit dem ERBA- und dem Bürgerpark entste-hen zwei neue Parkanlagen, die von der Besonderheit der Gewässer geprägt sind und die Stadtfragmente zu einer neuen Einheit zusammenfügen.


    Vom Triebwerkskanal zur ERBA Promenade

    Der ehemalige Triebswerkkanal der Baumwollspinnerei ERBA ist ein historisches Industrierelikt dessen Symbolkraft auch heute noch für die Zeit der Baumwollindustrie in Wangen steht. Als Verbindung zwischen Altstadt und ERBA-Gelände erhält der Triebwerkskanal eine neue Bedeutung. Er wird zur ERBA-Promenade.

    Im Abschnitt der Argeninsel liegt der Kanal zunächst nur ca. 50-70 cm über Geländeniveau. Sitzstufen und Holzdecks wandeln den Industriekanal in ein zentrales Aufenthaltsmöbel für die umliegenden Schulen und Freizeiteinrichtungen. Baumreihen mit Quercus begleiten den Kanal und spenden Schatten.
    Ab dem Kanalweg steigt der Kanal an. Ein auskragender Stahlsteg liegt auf der Kanalböschung auf und begleitet den Kanal als 2,5 m breite Promenade — ohne großen Eingriff in die Böschung.
    Im ERBA-Park verbinden Auf- und Abgänge die Promenade mit dem Park und dem neuen Stadteilzentrum im ERBA-Gelände. Parkblicke queren den Kanal und enden in der Böschung. In der markanten Böschung des Kanals entstehen so kleine Aufenthaltsbereiche mit Blick über den ERBA-Park.


    Park an der Hochwasserente — Altstadtpromenade

    Der Park an der Hochwasserente flankiert die Altstadt Wangens. Malerisch verbunden mit filigranen Brücken entsteht mit der Promenade auf der Altstadtseite eine Dopperlpromenade.

    Versetzte Heckenkörper greifen das Motiv der angrenzenden Gärten auf und verleihende der Promenade einen Rücken — der Fokus rückt ganz auf des Wasser.
    Eingestreute Obstgehölze und Staudenstreifen unterstreichen die Gartenatmosphäre der Promenade. In den Hecken-streifen versetze Bänke bieten ruhige Aufenthaltsbereiche mit Blick auf die Argen und die Altstadtkulisse Wangens.


    Bürgerpark mit Argeninsel

    Große Sportflächen bestimmen den Bürgerpark. Eine zentrale Achse gliedert diese und stärkt die Verbindung über die Argen mit dem Sportzentrum. Baumhaine aus Alnus incana gliedern die Achse und bieten schattige Aufenthaltsberei-che für die Zuschauer und Sportler.

    Der Argenweg entlang des Ufers verbindet den Bürgerpark mit dem Park an der Hochwasserente sowie unter dem Bahnviadukt hindurch mit der Auwiesensiedlung und dem ERBA-Park.

    Im Bürgerpark ist der naturnahe Wasserlauf der Argen die Hauptattraktion. Das Ufer wird abgeflacht und das Gewäs-ser leicht dynamisiert. Das Gewässer wird aus dem Bürgerpark heraus erlebbar. Einzelne Zugänge führen direkt an das Gewässer und unterstützen die sinnliche Erfahrung des Wassers. Die Obere Argen wird zum prägenden Bestandteil des Bürgerparks. Spielbereiche am Wasser und unter der Brücke schaffen weitere Attraktionen. 40 Wohnmobilstell-plätze und 250 Pkw-Stellplätze werden in die Parkfläche integriert.

    ERBA-Park

    Die zentrale Parkfläche verbindet die angrenzenden Quartiere der ERBA, der Auwiesensiedlung und der Kleingärten. Die Zeppelinwiese mit lockeren Baumgruppen aus Obstgehölzen und naturnahen Auengehölzen unterstreicht die Weite der Flusslandschaft. Eine variierende Wasserkante schafft vielfältige Verbindungen zur Argen. Eine Terrasse öffnet den Blick auf den Prallhang, abgeflachte Rasenböschungen und kleine Buchten leiten zum Wasser. Breite Sitzstufen am Ende des Turbinenplatzes schaffen eine urbane Wasserkante am Übergang zur offenen Landschaft. Ein lichtes Baumdach schafft einen räumlichen Abschluss. Die Parkbühne mit Kiosk bietet einen weiteren attraktiven Baustein auf dem Rundweg durch den Park.
    Die Erweiterung der Auwiesensiedlung schafft eine neue prägnante Parkkante und betont mit einem Quartiersplatz den südlichen Eingang in das Wohnquartier. Die neue Parkkante wird durch öffentliche Nutzungen gestärkt. Gemein-schaftsgärten, Spielplätze, sowie die Vereinsgebäude und Reitanlagen schaffen Treffpunkte für die Bewohner der angrenzenden Wohnsiedlungen. Der höher liegende Triebwerkskanal bildet das Rückgrat des Parks.

    ERBA-Gelände

    Die neuen städtischen Strukturen nehmen den Maßstab des Bestands auf. Es werden Baufelder mit Baublöcken gebil-det, die sich als robuste Struktur erweisen. Büronutzungen und auch vertikal geteilte Wohnhäuser bilden eine neue Silhouette. Sowohl funktional als auch gestalterisch sind die Bausteine sehr flexibel und bilden gleichzeitig eine ei-genständige urbane Gestalt aus. Das Industrieareal wird zu einem Quartier mit allen Funktionen.
    Die Bestandsgebäude der Alten und Neuen Spinnerei werden durch Kultureinrichtungen, offene Ateliers und Werkstät-ten und eine Veranstaltungshalle umgenutzt. Der Lindenhof wird durch einen großen Biergarten unter einem schatti-gen Baumdach ergänzt. Die Gebäude entlang des Kanals werden stärker für Wohnnutzungen mit Blick auf den Park genutzt, Gewerbenutzungen und Büros orientieren sich zum Webereiweg. Eine eingeschossige Tiefgarage nimmt 300 Stellplätze auf.


    Landschaftspark

    Die Wegeachsen durch das ERBA-Quartier setzen sich in die Agrarlandschaft fort und vernetzen so das neue Stadt-quartier mit dem bestehenden Rad- und Wanderwegenetz. Die Felderstruktur wird durch kleine Plätze und Gärten (z. B. Pflück-, Faser- und Leinwandgärten) aufgelockert. Die Kleingärten zwischen Mühlbach und Argen werden durch Wie-sengärten erweitert. Ein Spazierweg entlang der Oberen Argen macht die reizvolle Flussauenlandschaft erlebbar. Baumreihen unterstützen die Felderstruktur und markieren die wichtigen Querverbindungen. Von dem sensibel in die natürliche Topografie des Prallhangs eingepassten Velodrom, kann man den Blick weit über das Tal schweifen lassen.


    Ausstellungskonzept

    Der Ausstellungsschwerpunkt liegt im ERBA-Gelände und Bürgerpark sowie der Spitze der Argeninsel. Verbindungen in den Landschaftspark, zur Oberen Argen sowie in die historische Altstadt binden die gesamte Stadt in die Gartenschau ein.
    Das Hauptveranstaltungsgelände befindet sich auf dem ERBA-Gelände. Ein großzügiger Eingangsplatz erschließt das Gelände. Wichtige Attraktionen wie Blumenhalle und Gärtnermarkt sowie gastronomische und kulturelle Einrichtungen grenzen an den Platz. Östlich des Platzes, innerhalb des neu entstehenden Stadtquartiers, werden Flächen temporär für die Hauptveranstaltungsbereiche mit Gastronomie und die Veranstaltungsbühne genutzt. Westlich konzentrieren sich Themengärten mit engem Bezug zur industriellen Vergangenheit und zur angrenzenden Kulturlandschaft. In Ver-längerung der Kleingärten schließen sich Wiesengärten und Orte zum Naturerlebnis an. Die Zeppelinwiese wird mit einem Blütenrand gerahmt und durch fliegende Zeppeline inszeniert. An den Rundweg um die zentrale Parkfläche grenzen diverse Themengärten wie Leinwandgärten und Kletterspindeln an.
    Über die ERBA-Promenade werden die Besucher zum Ausstellungsschwerpunkt Argeninsel und Bürgerpark geleitet. Dieser ist stärker durch die Nachbarschaft zur Altstadt und zu den Sport- und Schularealen geprägt. Hier entstehen Flächen für Trendsportarten, Kinderspiel und Jugendfreizeitaktivitäten. Ein Wasserspielplatz und die Fischtreppe betonen die Inselspitze am Zusammenfluss von Argen und Triebwerkskanal. Argenbuchten ermöglichen den engen Kontakt zum Wasser. Dieser Gartenschauteil grenzt direkt an die historische Altstadt und kann über zwei Stadtein-gänge erreicht werden. Ein dritter Eingang ist mit den Stellplätzen südlich des Bürgerparks verbunden.

    Entlang der Wasserläufe der Oberen Argen und des ehemaligen Triebwerkskanals entstehen Ausstellungsbereiche, die auf vielfältige Weise sowohl die industrielle Vergangenheit Wangens widerspiegeln als auch als die zukünftige städti-sche und touristische Entwicklung Wangens als Stadt im Allgäu aufzeigen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Als Leitidee wird die Schaffung eines durchgehenden grünen Bandes entlang der Argen mit einem großen gestalterischen Potenzial. Die Aufweitung und Erlebbarkeit der Uferzonen wird zum tragenden Gedanken. Dieses Thema wird bis zur Eisenbahnbrücke konsequent durchgehalten in Ergänzung der flussbegleitenden städtischen Nutzungen (Altstadt, Schulen und Sport/Freizeit).

    Auf der Westseite der Bahnlinie trennen sich die Wege entlang der natürlich belassenen Argen und des linearen Kanals.

    Der Verlauf des grünen Bandes wird durch senkrecht angeordnete Erschließungsspangen (Argeninsel, Turbinenplatz und Verlängerung der Rudolf-Steiner-Straße) ergänzt, die die jeweils angrenzenden Nutzungen (Schulen/Innenstadt und Wohngebiet Berger Höhe/Waldorfschule) an den Grünraum anbinden. Die Grundidee des Grünraums wird durch die nachvollziehbare Anordnung der Bereiche Sport und Freizeit, Festplatz und Parkierungsflächen unterstützt.

    Die städtebauliche Neuordnung westlich des Bahndamms sieht eine sehr sparsame bauliche Ergänzung der Auwiesensiedlung vor, deren baulicher Rand im Westen durch die Vereinsgebäude unzureichend ausgebildet wird. Die Kfz-Erschließung ist in diesem Bereich sehr aufwändig (Doppelerschließung mit beidseitiger Parkierung).

    Die Neubebauung des ERBA-Geländes nimmt die Struktur des historischen Bestands auf. Es werden gegeneinander versetzte Baublocks vorgeschlagen, die zum einen die Durchlässigkeit des Gebiets nach Norden ermöglichen und Freiräume schaffen. Im Westen wird die Arbeitersiedlung durch unmaßstäbliche Neubauten ersetzt.

    Der Park an der Hochwasserente verspricht hohe Qualität, der Bürgerpark lebt von den Möglichkei-ten, den Fluss zu erfahren. Die Nutzung des Auwiesenparks ist offen. Am Turbinenhaus entsteht ein Platz mit hohem gestalterischem Potenzial. Die historischen ERBA-Gebäude werden durch einen gemeinsamen Platz zusammengebunden. Der Bezug in die freie Landschaft wird durch Baumreihen verstellt, die Ausweisung von Stellplätzen dominiert.

    Es besteht ein Widerspruch zwischen der Freilegung der Uferbereiche und den vorhandenen ge-schützten ökologischen Strukturen.

    Das Denkmal Kanal ist durch die überladene, aufwändige Gestaltung mit dem Steg auf der Nordseite der Dammkrone mit zahlreichen Plattformen, viele Holzdecks entlang der Argeninsel und Bäumen auf dem Damm in seiner technisch schlichten Ausführung stark verändert. Ein geschütztes Gebäude ist entfallen.