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  • DE-55120 Mainz
  • 04/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-154148)

Freiräume Stadtquartier Zollhafen


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    AW Faust

    Mitarbeit
    Maja van der Laan, Heyden Freitag

    In Zusammenarbeit mit:
    Visualisierer: werk3 architekturvisualisierungen, berlin (DE)

    Preisgeld
    28.000 EUR

    Erläuterungstext
    Raue Schale, urbaner Kern.

    Steinerne Kais und Treppen, raue Pflasterstrecken und weiter Asphalt mit rostigen Gleisen und alten Kränen; ein kräftiger Rahmen historischer Handwerklichkeit und die romantische Rauigkeit eines Flusshafens bilden den Ausgangspunkt für die Entwicklung der modernen Stadtquartiere am Zollhafen. Der Erhalt und die frische Rekombination seiner atmosphärischen Rohstoffe bilden den Ansatz für die Entwicklung seiner Freiräume.

    Idee und Typologie
    Die Grundstruktur des Zollhafens folgt einer sofort verständlichen Zonierung. Entlang der historischen Fluss- und Hafenkais wird eine raue, von Altpflastern geprägte Schale ausgebildet, in die die modernen Inlays der neuen Stadtquartiere eingebettet sind. Diese werden von einem durchgängigen Belag aus geschliffenem Asphalt unterlagert. Diese Spannung aus historischer Rustikalität und vornehm-komfortabler Einfachheit an der Grenzlinie zwischen Quartier und Ufer prägt durchgängig die Freiraumfolge des „Loops“. Ausgehend von dieser einfachen materiellen Setzung entsteht durch die Proportionierung der Flächen, die Baumsetzungen und den Anteil des Grüns eine vielfältige typologische Differenzierung.

    Die Räume
    Promenadenplatz Rheinufer Südmole
    An der Schiffsliege ist der Hafen mit seiner ursprünglichen Funktion noch spürbar und gleichzeitig steht der Raum für die Erneuerung des Zollhafens mit neuen Freiraumqualitäten. Vorgeschlagen wird ein langgestreckter Promenadenplatz auf zwei Ebenen, der sich in drei Abschnitte gliedert. Trennt der Baukörper am Rheinkai
    (MI 20) noch Uferebene und Stadtebene, so wird der Höhensprung am Weinlager in einen offenen Terrassenplatz unter Einbeziehung der historischen Mauer inszeniert, eine Rampe vor der bestehenden Tiefgarage verbindet die Ebenen. Das Entrauchungsbauwerk wird in einen modernen Pavillon mit Kiosk transformiert, der den Platz gastronomisch bespielen kann. Er fasst den Übergang zu einer Sequenz aus vier Sitzstufen, die mit dem Ansteigen des Ufers nach Norden auslaufen. Locker platzierte Bäume, der „Hafenhain“ geben dem Platz eine heitere Rahmung. Die untere Ebene des Platzes steht für Sonderveranstaltungen, wie Märkte, Feste und kleine Konzerte zur Verfügung.

    Promenadenpark Rheinufer Nordmole
    Die Nordmole weist Strukturähnlichkeiten mit der Südmole auf, ist jedoch grün interpretiert: Die Promenade wird vom südlichen Molenkopf rampenartig auf Kaihöhe hinabgeführt. Zwischen Ufer- und Stadtebene werden baumbestandene Rasenterrassen ausgebildet, die die Formatierung der Südmole aufnehmen. Zunächst gefasst von steinernen Stufen entwickeln sie sich nach Norden zu Rasenböschungen. Der landschaftliche Charakter nimmt zu, den Abschluss im Norden bildet ein hochgelegener Platz mit Sitzplätzen am Ufer und einem dahinterliegenden Spieldeck als Quartiersspielplatz.

    Rheinpromenade
    Die Rheinpromenade als zentrale Adresse des Zollhafens wird als klar strukturierter städtischer Raum interpretiert. Entsprechend des Leitkonzepts sind die Gebäude von einem großzügigen Passepartout aus Terrazzoasphalt umgeben, die Uferzonen sind gefasst von Pflasterbelägen. An der Rheinpromade entsteht so eine gerichtete Gliederung in einen „glatten“ Bewegungsbereich vor den Bauten und einen „raueren“ Aufenthaltsbereich an den Treppen und Kais. Die Struktur des Raums wird unterstützt durch lineare Baumsetzungen. Die charakteristische Uferlinie mit den großen Freitreppen wird durch eine zweite Baumreihe unterstützt: Über den Treppen entstehen schattige Sitzplätze. Die zentralen Blickachsen von der Rheinallee zum Rheinkai sowie von der Hafenstraße auf den zentralen Neubau auf der Zollamtsinsel bleiben frei. Im Bereich des Achsenschnittpunkts und dem Platz zur Hafenstraße wird ein Fokusraum zur Platzierung zeitgenössischer Skulptur im Freiraum gesehen. Die Arbeitsfugen für den Asphalt werden an der Rheinpromenade durch die wiederverwendeten Schienen ausgebildet.

    Die Hafenufer
    Obwohl die Ufer mit den historischen Kaien und dem Rahmen aus Altpflaster grundsätzlich übergreifende Merkmale aufweisen, sind sie im Hinblick auf Raumangebot und Funktionen differenziert ausgebildet: Im südlichen Hafenbecken steht einer steinernen Uferkante im Westen eine locker baumbestandene Kante mit Sitzplätzen im Osten gegenüber. Im nördlichen Becken ist die Kante der privaten Liegeplätze steinern ausgebildet, während über den grünen Böschungen der Westseite balkonartige Plätze als Endpunkte der Straßenräume thronen. Wie an der Rheinpromenade sind die Hafenköpfe besonders herausgearbeitet. Am Kopf des Nordbeckens entstehen - einem Baumplatz vorgelagert - hervorragend besonnte Sitzstufen zum Wasser, eine Art vis-a-vis zum Kopf des Südbeckens. Der künftige funktionale Fokus des südlichen Hafens ist die neue Marina. Die Liegestege sind mit Plattformen für maritime Serviceangebote an die Treppensteige angebunden. Von Platz und Promenade am Hochhaus aus ist das „Boating“ zu beobachten.

    Stadträume der Quartiere
    Grundsätzlich wird von einer Ausweisung der Erschließungsräume in den Quartieren als verkehrsberuhigte Bereiche (in den Promenaden zumeist als Fußgängerbereiche) ausgegangen. Anstelle der üblichen Gliederung in Fahrbahn / Bord / Gehweg kann so von der Ausbildung eines höhengleichen „Erschließungsteppichs“ aus Terrazzoasphalt ausgegangen werden, in dem intarsienartige Markierungen aus Naturwerkstein die Spielregeln bestimmen und Orientierungs¬hilfen geben. Doppelbahnen aus Platten dienen der Markierung befahrbarer Bereiche und als Entwässerung. Die Parkierung wird mit Punkt/Strichsignaturen im Boden erlaubt und ist ansonsten nicht zulässig. Baumscheiben werden mit aufgekanteten oder höhengleichen (Fußgängerbereiche) Bahnschienen eingefasst. In den Straßenräumen kommen je nach Raumprofil klein- und mittelformatige Bäume zum Einsatz. Auch bei einreihiger Stellung werden die Straßenräume mit Baumtoren gefasst. An den wesentlichen Verflechtungsräumen, wie Taunusstraße / Feldbergplatz, Hafenstraße, Goethestraße oder der westlichen Rheinpromenade, entstehen mit der Platzierung der Bäume übergreifend entwickelte Raumbilder.

    Übergreifende Qualitäten
    Denkmal und historische Elemente - Erhalt und Upcycling
    Das System der Uferbefestigungen bleibt bis auf minimale Eingriffe an der Marina und dem nördlichen Hafenkopf unangetastet. Historische Elemente, wie das Pflaster werden wiederverwendet oder erhalten, Schienen in neuen Funktionen als Einfassungen oder Fugenbildner im neuen Kontext wiederverwendet. Die Hafenbahndrehscheiben werden wo möglich erhalten. Die Lok wird als Verweis auf die alten Bahnverläufe am südwestlichen Hafenkopf platziert. Die Kräne finden prominente neue Standorte an den Hafenkopfbereichen (und kommen an der Marina vielleicht wieder zum Einsatz), der Kran am Weinlager bleibt erhalten. Der historische Zaun an der Rheinallee wird erhalten und bepflanzt. Das „banale“ Material Asphalt wird in veredelter Form wiedereingesetzt.

    Licht und Ausstattung – die moderne Ebene
    Im Kontrast zu den historischen Elementen stehen die hinzugefügten Ausstattungskomponenten, die sich durch schlichte und zurückhaltende Modernität auszeichnen. Die Möbel und Geländer sind für den Ort entwickelt und betonen in ihrer Gestalt strikt die Horizontalität.
    Das Lichtkonzept beruht auf den Gedanken des Masterplans Beleuchtung und arbeitet im Raum mit Stelenleuchten (Hess Residenza) an Promenaden und Plätzen und mit Auslegern (Hess New York) in den Straßenräumen. Die Lichtinszenierung ist zurückhaltend, beschränkt sich in der Betonung der historischen Fassaden und der Modellierung markanter Ebenenwechsel (Treppen, Rampen, Brückenplätze).

    Bäume – der atmosphärische Schirm
    Die Quartiere des Zollhafens sind geprägt von urbaner Dichte und überwiegend mineralischen Räumen. Es sind die schirmenden Bäume, die für die besondere Aufenthaltsqualität sorgen. Zum Rhein hin ist die lockere hainartige Anordnung ab dem Feldbergplatz typisch. In das Gerüst der Sumpfeichen mischen sich mehrstämmige Amber- und Tupelobäume. Die innere Struktur der Quartiere ist geprägt von strengeren Baumreihen und gerasterten Gruppen, die zusammenhängende Baumdächer bilden. Hier stehen ausdrucksstarke Wuchsformen im Vordergrund, an der Rheinpromenade werden Zerreichen kombiniert mit Säuleneichen, hinzu kommen auf den weiteren Promenaden amerikanische Eschen, Koelreutherien, Zürgel- und Schnurbäume. Bäume der engeren Straßenprofile sind Dorne (Crataegus crus-galli) und Felsenbirnen. Das prägende Gerüst der Stadtbäume zeichnet sich so aus durch hohe Transparenz, markanten Wuchs und ausgeprägte Stadtklimatauglichkeit („Zukunftsbäume“).

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.