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  • DE-16540 Hohen Neuendorf
  • 04/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-153355)

Rathauserweiterung mit Bürgerzentrum


  • 2. Preis


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    Architekten
    MGHS MEYER GROSSE HEBESTREIT SOMMERER, Berlin (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Energieplaner, TGA-Fachplaner: Planungsbüro Roth, Straußberg (DE)

    Preisgeld
    12.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Entwurfsidee "Rathausplatz"

    Dem Alten Rathaus Hohen Neuendorf fehlen städtebauliche Einordnung und Anbindung an die Stadtmitte. Der städtebaulich wenig ausgeprägte Raum braucht einen zentralen Ort. Der geplante Erweiterungsbau des Rathauses sollte so ausgebildet sein, dass er diesen Ort formuliert.
    Das Rathaus bildet den Rathausplatz - mit Altbau und Neubau.
    Eine klare Raumfassung und Platzgeometrie, klar ausgeprägte Platzwände schaffen städtebauliche Ordnung.

    Der entstehende Rathausplatz ist nach Süden hin zur Stadtmitte orientiert.
    Historisch war eine platzbildende Gebäudeformation geplant, die sich mit ihrer zentralen Achse nach Westen orientiert. Diese Achse wird umorientiert und gebrochen. Durch Drehung und Neuausrichtung der Gesamtanlage werden die Schwerpunkte neu gesetzt.

    Das neue Rathaus wird als nördliche Platzwand städtebaulich dominant angeordnet, ohne sich baulich-formal aufzudrängen. Das Rathaus ist der Raumabschluss des Rathausplatzes und daher auf maximal mögliche Länge zwischen Altbau und geplantem Wohnungsbau angelegt. Diese Dominanz ist durch den neuen inhaltlichen Schwerpunkt gerechtfertigt. Die inhaltliche Schwerpunktsetzung entspricht der städtebaulich-räumlichen. Das neue Haus bringt als ruhiger, lagernder, unaufgeregter Bau ein neues Selbstverständnis mit, eine zeitgemäße Rathausform als Funktionsbau ohne strenge Hierarchien.

    Das historische Rathaus wird ihm an die Seite gestellt, als hinführende Platzwand. Die starke Geste seiner Bauplastik wird gemindert und in das Ganze eingeordnet, die zentrale Achse bewusst nicht wieder hergestellt. Betont werden die Platzränder und die Platzfläche, seine historischen Pflasterstreifen werden integriert und erhalten.

    Im städtebaulichen Umfeld werden die Räume funktional zugeordnet: Das Zentrum bildet der dreiseitig gefasste Rathausplatz. Parallel liegt ein Erschließungsraum, an dem alle Gebäude, einschließlich späterer Erweiterungsbauten, anliegen und der die erforderlichen Stellplätze aufnimmt. Durch den Rathausneubau wird der Gesamtraum in Nord-Süd-Richtung unterteilt, es entsteht ein Grünraum zwischen Rathaus und Bahntrasse.

    Zusammenspiel von Alt und Neu
    Umgang mit dem Alten Rathaus

    Das historische Rathaus ist dominant durch sein plastisch hervortretendes Querhaus mit markanter Dachform und ausgeprägtem Eingang. Die starke Vertikalität entspricht einer verhältnismäßig kleinen Grundfläche. Dieser Charakter soll durch das neue Rathaus nicht erdrückt werden. Ähnliche Zeichenhaftigkeit wird durch den Neubau vermieden. Das Neue ist im Wesen anders: ruhig, lagernd, selbstverständlich. Eine Einheit mit dem markanten Altbau wird durch das Spiel der Massen erreicht, bei eindeutigem Schwerpunkt auf dem Neubau. Durch sensible Distanz bei aller funktionalen Nähe wird das Alte gewahrt. Dieser Altbau sollte nicht um-„gestaltet“ werden; es wäre kein Ergebnis zu erwarten, dass einer historischen Betrachtung standhält. Der Bau sollte als Zeitzeuge in seiner überkommenen Gestalt erhalten werden. Wünschenswert ist, die Bögen im Eingangsbereich freizulegen und von Ausbauten zu befreien.








    Architektur und Gestaltung, Funktion und Konstruktion


    Der Neubau ist in seiner Architektursprache modern und eigenständig. Um seiner städtebaulichen Anforderung gerecht zu werden, bleibt die Kubatur des Baukörpers geometrisch und lagernd. Die Horizontalität wird durch bandartige Gliederung unterstrichen, aufgelöst durch übergreifende Wandbereiche entsprechend innerer Struktur. Großflächige Verglasungen im Erdgeschoss öffnen das Haus zum Platz und nehmen führen aus den angrenzenden Erschliessungsräumen in das großzügige Foyer.

    Durch Formsprache, Materialität und Oberflächenqualität wird der Charakter eines modernen Verwaltungsgebäudes geschaffen, der sich freundlich, einladend, bürgernah und demokratisch darstellt. Gerade in der Einheit mit dem vorhandenen Altbau wird hier ein besonderer Reiz gesehen, eine historische Entwicklung verzeichnet.

    Das Gebäude ist allseitig gleichwertig gestaltet, auf Vorder- und Rückseiten wird verzichtet, da jede Ansicht raumbildend im städtebaulichen Kontext steht.

    Die Zugänge vom Rathausplatz und aus der Erschließungsstraße sind funktional gleichwertig. Beide führen zum Infobereich im Hauptfoyer. Von hier aus erschließt sich das Gebäude zentral und übersichtlich, einschließlich der Anbindung an das alte Rathaus. Im Schnittpunkt der Ebenen ist die Vertikalerschließung mit behindertengerechtem Aufzug (als Durchlader für alle Höhen), Treppenraum und offener Eingangstreppe bis Niveau EG Altbau. Am Geländesprung wird der Versatz im Gebäude angelegt, leicht abgesenkt zur Erschließungsstraße um hier einen zweiten großzügigen Zugang vom ruhenden Verkehr zu ermöglichen, der in räumlicher wirkung nicht nachsteht um nicht zum (vielbegangenen) Nebeneingang zu werden. Da relativ flach, wird er im Inneren offen mit der Eingangshalle verbunden und durch eine Deckenöffnung zum Zwischengeschoss aufgeweitet.

    Die Bürogeschosse sind dreihüftig angelegt, eine innere Kommunikationsachse nimmt Wartebereiche, Nebenbereiche und zusätzliche Funktionen auf. Durch Aufweitung und Tageslichtkerne wird ein attraktiver Aufenthaltsbereich geschaffen, der zur Kommunikation einlädt und Erschließungsflure vermeidet. Die Bürobereiche sind überwiegend an den Längsfassaden angeordnet, durch Bandfassade langfristig flexibel in ihrer Unterteilung. Dies wird durch eine offene Rohbaukonstruktion mit Stahlbetondecken und großzügigem Stützenraster (Stahlbeton) unterstrichen. Maximale Grundrissflexibilität selbst für Nutzungsänderungen ist gewährleistet. Die Tragkonstruktion ist von der Gebäudehüle unabhängig. Die Gebäudehülle ist in Leichtbauweise überwiegend aus Holzwerkstoffen nachhaltig und hochwertig gedämmt ausgefhrt. Konsequente Trennung in Konstruktion und Materialität ermöglicht Optimierung entsprechend Anforderungen: Stahlbeton - für Brandschutz, Schallschutz, Flexibilität (Spannweiten), Warmbereich. Holzkonstruktion - für vorgesetzte leichte Hülle, Dämmschicht ohne Wärmebrücken, Nachhaltigkeit, Materialwirkung.

    Ein transparenter Glasverbinder führt in den beiden Hauptgeschossen zum Altbau. Bei Rathauserweiterung ist diese Achse so angelegt, dass eine selbstverständliche Fortführung in den nördlichen Erweiterungsbau ohne großen baulichen Aufwand geöffnet werden kann.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Durch die Ost-West-Orientierung des Neubaus wird für den Platz eine klare Raumkante nach Norden ausgebildet.Der grüne Hof, der sich im Norden zur Lärmquelle Bahn hin öffnet, lässt allerdings weder für die Wohnbebauung noch für die Rathauserweiterung im 2. BA städtebauliche Qualitäten erwarten. Die Anbindung des Platzes nach Süden zur Stadt wird durch die Freiflächengestaltung konterkariert. Der Durchblick von der Oranienburger Straße zum bestehenden Rathaus ist nur eingeschränkt möglich.
    Die zum Platz hin dreigeschossige Neubebauung gliedert sich dem Altbau maßstäblich an. Die eigenständige Architektursprache mit den stringenten Fensterbändern nimmt wenig Bezug zum Altbau auf. Der großzügige Eingangsbereich wird über das eingestellte Raumelement gut zoniert. Der Multifunktionssaal ist aufgrund der Raumproportion nur eingeschränkt nutzbar. Die unterschiedlichen Höhenniveaus sind jeweils barrierefrei
    erschließbar.

    Die Grundrisse sind effizient organisiert, die Ausbildung der Mittelzone ist gelungen. Die Oberlichtkerne und die Öffnungen der Flure nach Westen lassen eingeschränkt Tageslicht in der Mittelzone erwarten. Die Büros erscheinen teilweise aufgrund ihrer geringen Breite als nur eingeschränkt nutzbar. Die Fassadengestaltung des Neubaus ist durch eine eigenständige Architektursprache gekennzeichnet. Das außen liegende, satinierte Glaselement ist vor dem Hintergrund der dadurch bedingten Reduzierung der Tageslichtausbeute und dem solaren Gewinn nicht nachvollziehbar.
    Der Eingangsbereich könnte eine markantere Geste vertragen.
    Die Nachhaltigkeit des Gebäudeentwurfes wird für die einzelnen Aspekte unterschiedlich bewertet. Das Energiekonzept ist überwiegend plausibel. Der Passivhausstandard wird angestrebt. Das technische Konzept entspricht den Anforderungen, sollte zur Planung jedoch weiter entwickelt werden. Es wird empfohlen, die sommerliche Behaglichkeit durch eine thermische Gebäudesimulation zu überprüfen. Unter Berücksichtigung der Anforderungen des Bauherrn ist eine möglichst hohe regenerative Stromdeckungsrate anzustreben (Nutzung der Dachfläche für Photovoltaik).
    Die Erweiterungsmöglichkeit nach Norden befindet sich in zweiter Reihe, abseits des Platzes. Es werden bauliche Lärmschutzmaßnahmen zur Bahn hin notwendig. Die Erschließung funktioniert gut über die Straße am Rathaus. Die Anordnung des ruhenden Verkehrs im Osten des Gebietes ist sinnvoll. Die Unterbringung der STP innerhalb des Gebäudes des 2. BA ist nicht nachvollziehbar.
    Die Kostenverteilung in KG 300 und 400 anhand des Konzeptes ist nicht nachvollziehbar.


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