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  • DE-78462 Konstanz
  • 04/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-150276)

Döbele


  • 2. Preis

    Perspektive, © Freie Planungsgruppe 7, Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur, Verkehrsplanung Link

    Architekten
    Freie Planungsgruppe 7, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Petra Zeese , Ulrike Beckmann-Morgenstern , Peter Pechloff

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur, Stuttgart (DE)
    Verkehrsplaner: VERKEHRSPLANUNG LINK, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Einfügung
    Das Areal Döbele liegt im städtebaulichen Spannungsfeld zwischen der kompakten Altstadt von Konstanz und den Gründerzeitblockstrukturen des Stadtteiles Paradies. Nach Süden zur Schweizer Grenze ist teils ein offener Freiraum, teils eine heterogene Bebauung ohne städtebauliche Verankerung ablesbar. Die Verkehrsanlagen dominieren das Planungsgebiet und erzeugen heute eine gestalterische Unwirtlichkeit.
    Mit der vorgeschlagenen Konzeption entstehen unter Einbeziehung der Bestandsbebauung nachbarschaftliche Wohnquartiere, die jeweils in einem Quartiersplatz fokussiert sind. Im südlichen Teil entsteht der neue Döbelepark, der den Freiraum Döbeli mit dem Grünzug der Schwedenschanze Richtung Kleinvenedig und Bellevuepark in Kreuzlingen verbindet.
    Der „Döbele-Boulevard“ markiert das neue Entrée nach Konstanz und stärkt gleichzeitig die Erschließung von Kreuzlingen aus über die Europastraße/ Grenzbachstraße zur Oberen Laube. Dadurch kann der nicht erwünschte Verkehr (innerstädtische Verflechtungsverkehr) zwischen Konstanz und Kreuzlingen über die Emmishofer Straße reduziert werden. Die Anlage eines Kreisverkehrs am Knotenpunkt Obere Laube / Döbele-Boulevard / Bodanstraße ist ein Angebot zur städtebaulichen Markierung des Verkehrsplatzes. Dieser Kreisverkehr liegt im oberen Bereich der Leistungsfähigkeit, lässt sich aber städtebaulich gut einpassen. Die Verkehrssteuerung kann auch durch Signalisierung erfolgen.
    Das Konzept eröffnet die Chance einer integrativen Stadtentwicklung mit einer besonderen ökologischen und stadträumlichen Prägung der Städte Konstanz und Kreuzlingen.

    Erschließungen
    Die Entwicklung des Gebietes Döbele kann als Anstoß für ein grenzüberschreitendes gesamtstädtisches ÖV-Erschließungssystem wirken, die einseitige Bahnerschließung der Stadt könnte als Ringbahn ergänzt werden. (s. Abbildung)
    Die übergeordnete Individualerschließung erfolgt von Westen und Süden über die Europastraße und Grenzbachstraße (s. Abbildung).
    Diese Haupterschließungsstraßen münden in den neuen „Döbele-Boulevard“ mit den Zufahrten zu den öffentlichen Garagen. Die Erschließung von Osten (Konstanzer Straße in Kreuzlingen, Emmishofer Straße) erfolgt nur noch für die angeschlossenen öffentlichen Stellplätze. Die Durchfahrt nach Konstanz ist erschwert zu Gunsten der übergeordneten westlichen Erschließung.
    Für die geforderte Parkierung werden drei Tiefgaragen unter den Bauquartieren vorgeschlagen, die differenzierte Zuordnungen der Parkierungsbedarfe ermöglichen. Die privaten Stellplätze (für Bedarf aus Bestand und Neuplanung) und Nebenräume für die Wohnnutzung werden der Ebene -2 zugeordnet, die Ebene -1 kann als öffentliche Parkierungsanlage bewirtschaftet werden.
    Zur Entlastung der geforderten Parkierungskapazitäten werden neben den Erdgeschoss Wohnebenen den Wohnhäusern direkt zugeordnete „Mikromobilitätsstützpunkte“ vorgeschlagen, in denen jeweils kleine Elektro-Fahrzeuge zur gemeinschaftlichen Nutzung (insgesamt ca. 60 Stück), E-Bikes, Fahrräder, Stauräume und Müllboxen zur Ergänzung der Wohnfunktionen untergebracht sind.
    Das Radwegenetz verbindet wichtige städtische Radwegelinien mit übersichtlichen, sicher befahrbaren und angenehmen Routen.

    Nutzungen
    Die Bebauungsstruktur ist vorrangig auf Wohnnutzungen ausgerichtet. Durch die Ordnung der Straßenund Platzräume entstehen zusammenhängende Nachbarschaften und ein gewohntes Wohnumfeld.
    Bestehende Quartiere sind in das neue Gefüge integriert oder werden ergänzt.
    Die Geschosszahl beträgt durchschnittlich 4 bis 5 Geschosse.
    In verkehrsorientierten Erdgeschosszonen werden Läden und Dienstleistungen vorrangig für die Nahversorgung, ein Lebensmittelmarkt, Gemeinschaftseinrichtungen u.a. vorgeschlagen.

    Baustrukturen, Freiräume
    Durch die Blockstrukturen werden Straßenräume und Plätze gebildet, die gleichzeitig die bestehenden Quartiere einbinden. Der neue Döbele-Park kann durch seine Größe und Lage in Verbindung mit den angrenzenden Freiräumen den südlichen Stadtrand von Konstanz und auch die nördlichen Randzonen von Kreuzlingen aufwerten und in Bezug setzen. Die Baustrukturen können innerhalb der Blockstrukturen individualisiert werden, z.B. durch Baugemeinschaften oder Baugenossenschaften.
    Am Döbele-Park soll mit einem höheren baulichen Akzent eine fernwirksame Orientierung erreicht und die Stadteinfahrt markiert werden.
    Für den Bereich der Grenzstation wird eine offenere und minimierte räumliche Situation vorgeschlagen.
    In den Wohnstraßen werden vor den Erdgeschosswohnungen stadttypische, begrünte Gartenzonen angelegt.

    Umwelt, Ökologie
    Breite Straßenräume, Plätze und der Döbele-Park, begrünte Innenquartiere und der Wechsel von offener und geschlossener Bauweise lassen ein begrüntes und gut durchlüftetes Stadtquartier entstehen.
    Die Niederschlags-Dachwässer werden in den Wohnstraßen über offenen Gerinne direkt dem Grenzbach zugeführt (partielles Trennsystem), im Boulevardbereich über Unterflurrigolen. Das Wasserspiel in der Boulevard-Achse wird über eine Regenwasserzisterne gespeist und eventuell im Freispiegel zur Quelltopfpumpe geführt.
    Das System der Mikromobilitätsstützpunkte (private und Gemeinschafts-Elektrofahrzeuge und E-Bikes) wird über solarisierte Foliendächer mit Solarstrom unterstützt. Das Angebot von ca. 60 E-Mobilen entlastet die Stellplatzaufwendungen in den Tiefgaragen und kann als besonderes Mobilitätskonzept für das gemischte Wohnquartier entwickelt werden.

    Bauabschnitte, Realisierung
    Nach der Herstellung des „Döbele-Boulevards“ als leistungsfähige Stadtzufahrt können die zukünftigen Quartiersflächen als Parkplätze zwischengenutzt werden.
    Die Wohnquartiere können in drei Bauabschnitten über den Garagenebenen errichtet werden. Die Baustelleneinrichtungen können zur Entlastung der Anlieger auf dem Gelände des zukünftigen Döbele-Parks vorgehalten und z.B. Aushübe für spätere Geländemodellierungen dort zwischengelagert werden.

    Mitarbeiter:
    Lorenz Brugger, Heide Buff, Mathias Dietsche, Volker Kleppel, Sven Dratwa (Praktikant), Saskia Hübner (Praktikantin)

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt durch eine maßvolle Einbindung in den vorhandenen Stadtkörper und durch eine quasi selbstverständliche Verwebung mit dem bestehenden Strassensystem. Durch den annähernd 30m breiten zentralen Strassenraum, der die Grenzbachstrasse mit der Laube verbindet, entsteht eine leistungsfähige, in der verkehrlichen Vernetzung naheliegende Planungsidee, die gleichzeitig ein gutes Rückgrat für die angrenzenden neuen Planungsfelder liefert. Er ist so breit angelegt, dass er die Anforderungen (Einmündung Grenzbachstrasse) bestens leistet.

    So begründet die zentrale Straßenführung eine außerordentlich gute Einfügung in die Stadt. Folgende Hinweise, die die Straßenführung betreffen, müssten aber noch bedacht werden:
    - die Zufahrt vom Emmishofer Zoll wird sich stärker darstellen müssen, denn die
    verkehrsberuhigte Strecke muss in Frage gestellt werden und eine Neueinschätzung dieses Verkehrsaufkommens wird auch den Knotenpunkt in seiner Dimension
    verändern.
    - die Zufahrten Tiefgarage liegen zu tief im neuen Planungsgebiet.
    Direkte Anbindung der Fahrradstrasse / Verlängerung Schützenstrasse wird aus
    verkehrsplanerischer Sicht sehr gut bewertet.

    Der im Süden angelegte Döbele-Park mit der Neugestaltung des Saubach ist besonders überzeugend in diesem Konzept, erzielen die ' Verfasser eine grüne Parklandschaft, die eine qualitätsvolle Verbindung zum Nachbarland darstellt.

    Und zu welchen Konsequenzen führt diese gute Planungsbasis bei der Entwicklung der Hochbauten? Hier stellt sich eine Reihe von Fragen. So führt die verkehrliche Vernetzung zu Baufeldzuschnitten, die doch eine grosse Anzahl von Sonderbauten erzwingen. Sehr enge spitzwinkelige Blockinnenecken, ein unmittelbares und nicht genehmigungsfähiges Vis-a-vis von Wohnbereichen im Blockinneren, eine hohe Differenzierung der Baumasse, um die Besonnung der einzelnen Wohnungen sicher zu stellen etc. und ein im Vergleich bisher außerordentlich geringes Wohnflächenangebot. Das Wohnhochhaus ist ein verständlicher, aber nicht überzeugender Versuch, diese Defizite auszugleichen. Vielleicht ließe sich das über eine generelle Baukörpererhöhung noch etwas relativieren, aber die Probleme der nachbarschaftlichen Abgrenzung und die gezwungenermaßen Spezifizierung einer Bautypologie lassen sich nicht leicht beheben. Bisher werden 4-geschossige Bauten mit einem zurückgesetzten Dachgeschoss vorgeschlagen - ein gängiger Bautyp, dessen Vorzüge bekannt sind, der aber auch im Stadtkörper von Konstanz keine ortstypische Charakteristik aufgreift. Dieses Gebäudeprofil ist an keiner Stelle ortsbildprägend und eigentlich der pure, gebaute Kompromiss. Die Anzahl der Tiefgaragenstellplätze ist dann auch entsprechend zu wenig und müsste deutlich den Zielvorgaben angepasst werden. Eine Verbindung der Tiefgarage ist unter dem öffentlichen Straßenraum nicht selbstverständlich und müsste rechtlich überprüft werden, eine Tunnelverbindung der einzelnen Garagen ist aber durchaus sinnvoll und gewünscht.

    Die Arrondierung des östlichen Baufeldes ist wieder sehr selbstverständlich und gut
    gelungen. Es verändert an diesem Ort die historische Kante - das wird kritisch
    angemerkt.
    Ein überzeugender Planungsansatz, der allerdings offensichtlich keine richtige Balance finden konnte mit den hochbaulichen Konsequenzen, das gilt sowohl für die Baukörperzuschnitte wie auch für die Gestaltungsabsichten, die sich über die Schnittansichten hier eröffnen.