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  • DE-78462 Konstanz
  • 04/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-150276)

Döbele


  • ein 3. Preis


    Architekten
    Trojan + Trojan | Architekten + Städtebauer BDA DASL, Darmstadt (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Klaus Trojan , Verena Trojan

    Mitarbeit
    Volker Ihm, Timo Fahrenbach, Miriam Rieke

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: WGF Nürnberg, Nürnberg (DE)
    Verkehrsplaner: Pirker + Pfeiffer Ingenieure GmbH & Co. KG, Münsingen (DE)

    Preisgeld
    7.500 EUR

    Erläuterungstext
    Leitgedanke ist, das Döbele-Areal mit einer Raum- und Baustruktur zu arrondieren, die morphologisch zwischen historischer Altstadt und angrenzenden Stadterweiterungsgebieten vermittelt und zur Schweizer Seite mit einem urbanen, jedoch landschaftlich eingebundenen Stadtprospekt grüßt.

    In diesem vermittelnden Raumgefüge, das auch auf die Kreuzlinger Ordnungsstruktur ausgerichtet ist, sind der neue Stadteingang, der Stadtraum Am Döbele sowie kleine Quartiersplätze, die orientierungswirksamen und vernetzenden Koordinaten zwischen neuen Stadtgebieten und bestehenden Nachbarschaften.

    Entlang der Schweizer Grenze integriert ein bachbegleitender Grünzug die Verkehrsanlagen und Tiefgaragenzufahrten. Der aufgestaute Grenzbach markiert als besonderes Landschaftselement den Grenzübergang und die Wegführung in die freie Landschaft. Der Grenzbach, ehemals abgrenzend, bildet als teilweise renaturierter Wasserlauf mit Staubecken einen abwechslungsreichen Übergang aus dem Stadtquartier in den nahen Wiesen auf Schweizer Seite und in Richtung Untersee und Seerhein.

    Zwei elastisch-polygonal geschnittene Baufelder bilden die räumliche Fassung der in betont leichtem Schwung zur Oberen Laube führenden Hauptverkehrsstraße, stellen sich mit ihren kräftigen urbanen Strukturen lärmschützend vor die Bestandsbebauung und umschließen weitläufige begrünte Innenhöfe. Die raumbildende Blockrandfassung ist nicht hermetisch abgrenzend, sondern über Raumfugen gegliedert und setzt sich aus unterschiedlichen, miteinander korrespondierenden Bausteinen und Typologien zusammen. So entsteht trotz kräftiger Baukörper und urbaner Dichte eine Raumstruktur, die das Quartier „atmen“ lässt.

    Die neuen Baufelder nehmen Maßstab und polygonalen Zuschnitt der Nachbarschaft auf. Ihre Innenhöfe sind teils private, überwiegend gemeinschaftliche Grünflächen und in Teilbereichen auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Durch das Aussparen einer großen, erdschlüssigen Pflanzfläche in der zweigeschossigen Garagenunterbauung ist auch der Wuchs großkroniger Bäume und die Versickerung des Oberflächenwassers gegeben, das über Zwischenspeicher zum vorflutenden Grenzbach abgeführt wird.

    Das neue Quartier hat eine vier- bis sechsgeschossige leistungsfähige urbane Bau- und Nutzungsstruktur, die entlang der Verkehrsstraßen Lärmschutzfunktion hat und erdgeschossig Läden, Gewerbe und Dienstleistungen aufnimmt, in den Obergeschossen Wohnen. In den verkehrsberuhigten Randstraßen von Paradies und Stadelhofen nehmen Stadthäuser in halboffener Bauweise die Wohnfunktion der gegenüberliegenden Bestandsbebauung auf. Stadträume und Eingangssituationen werden von moderat überhöhten, teilweise skulptural ausgeformten Bausteinen mit publikumsfrequentierten Nutzungen (Gastronomie) akzentuiert.

    Die Bausteine haben nutzungsflexible Typologien. Sie sind für unterschiedliche Wohnformen offen und entsprechen den Anforderungen von Behindertenfreundlichkeit sowie gefördertem und freifinanziertem Wohnungsbau. Bauherrengemeinschaften, Stadthäuser als Einzeleigentum, Miet- und Eigentumsstrukturen sowie „Haus in Haus Prinzipien“ werden erfüllt. Insbesondere wird der Kombination von Wohnen und wohnungsbezogenem Arbeiten und der Zusammenschaltbarkeit großer und kleiner Wohnungen für Generationenwohnen Rechnung getragen. Maisonette-Wohnungen und Penthäuser mit Dachterrassen sind realisierbar. In dem vom Verkehr tangierten urbanen Umfeld sichern ergänzend zu den begrünten Innenbereichen Balkone, Loggien und vor allem lärmschützende Wintergärten als „Grüne Zimmer“ eine durchgehend hohe Wohnqualität.


    VERKEHR

    Der Hauptverkehr in Richtung Innenstadt wird von der Grenzbachstraße als abbiegende Vorfahrt über die dreispurige „Schweizer Straße“ zur Oberen Laube geführt. Mit straßenbegleiten Baumreihen, seitlichem Parken, breiten beidseitigen Fuß- und Radwegen und ÖPNV-Haltestellen ist diese Straße als großzügiger Stadtboulevard ausgebaut und für erdgeschossige Dienstleistungen und Serviceeinrichtungen attraktiv. Eine nachgeordnete zweispurige Sammelstraße stellt die Verbindung zur Emmishofer Straße her. Die Zu- und Ausfahrten öffentlicher Tiefgarage liegen entlang der Grenzbachstraße, werden fahrbahnparallel über holländische Rampen erschlossen und sind selbstverständlicher Bestandteil des linearen, von Bäumen bestandenen Stadtraums.

    Die öffentliche Tiefgarage mit Zufahrt an der Grenzbachstraße und Stadteingang am Döbele-Platz (Info-Pavillon) liegt auf der –2-Ebene unter beiden Baufeldern, verbinden diese durch Unterbauung der Schweizer Straße und hat eine Kapazität von 520 Plätzen, die bei Bedarf durch mechanische Parkierungsanlagen erhöht werden könnte. Auf der –1-Ebene liegen unter den Baufeldern die beiden Anliegergaragen (284 Plätze) mit umlaufenden Hauskellern, siwe können an die Treppenhäuser der aufgehenden Bebauung angeschlossen werden. Ihre Zufahrt erfolgt über die Seitenstraßen der angrenzenden Quartiere von Stadelhofen und Paradies. Beide Garagenebenen werden zusätzlich durch eine interne Rampe verbunden, sodass insgesamt 4 Ein- und Ausfahrten zur Verfügung stehen. Fahrbahnbegleitende Kurzzeit- und Behindertenparkplätze sind allen Verkehrsstraßen zugeordnet.

    Die neue vernetzende Quartiersstruktur ermöglicht durchgehende Radwegverbindungen vom Stadtgebiet nach Kreuzlingen, in den Erholungsraum des Kreuzlinger Rieds sowie zwischen den Konstanzer Stadtgebieten und entlang der neuen Schweizer Straße. Fahrradstellplätze sind den Einfahrtsrampen der Anliegergaragen zugeordnet. Oberirdische Fahrradstellplätze sind an allen Plätzen und Hauptverkehrsstraßen positioniert.

    Bushaltestellen für Fern- und Linienbusse liegen am Döbele-Platz und wie bestehend, entlang der Döbelestraße.


    NACHHALTIGKEIT, ENERGIEKONZEPT UND ERSCHEINUNGSBILD

    Struktur und Charakter des neuen Quartiers werden neben baulich-räumlichen und ökologischen Qualitäten auch von einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Stadtenergie bestimmt.

    Energetisch wird ein CO2-neutrales, dem Passivhausstandard entsprechendes Quartier angestrebt.
    Die technische Grundversorgung kann entweder über ein vorhandenes Fernwärmenetz oder über eine Nahwärmeversorgung erfolgen, die z.B. als BHKW integriert wird. Alternativ sind auch dezentrale kleinere bausteinbezogene Versorgungseinheiten möglich, mit denen auf eine abschnittsweise Realisierung reagiert werden kann.

    Für die Baustruktur ist eine kompakte Massivbauweise mit Bauteilaktivierung sowie eine Bautiefe maßgebend, die im Geschossbau innenliegende Installationskerne erlaubt und ein hohes Maß an Nutzungsflexibilität sowie Außenorientierung aller Aufenthaltsräume gewährleistet. Bei vorrangig Ost-West- und Südorientierung der Wohngebäude bilden verglaste Wintergärten als vorgeschaltete Puffer und Schutzzonen zum öffentlichen Raum eine zweite Fassadenhaut und erlauben mit ihren „Grünen Zimmern“ von Wintergärten, Loggien und Balkonen eine lärmschutz- und energiesparende Raumzonierung (z.B. Grundrisse zum Durchwohnen, Aufenthalt und Wohnen zur Straße, Ruhen und Schlafen zum Innenhof).

    Feste wie auch bewegliche Fassadenelemente können energetisch aktiviert werden. Die Dachlandschaft wird als fünfte Fassade behandelt, wobei die Dachflächen teils begrünt, teils Aufenthaltsterrassen sowie Träger energetischer Felder und Elemente sind. Insgesamt soll in dem neuen Quartier die energetische Konzeption und Instrumentierung das architektonische Erscheinungsbild entscheidend mitbestimmen. In diesem Zusammenhang ist der Erdschluss der Innenhöfe und deren Begrünung mit großen Bäumen sowie die Erhaltung und Neubepflanzung großkroniger Straßenbäume eine wesentlicher ökologischer Beitrag und für das Quartiersbild maßgebend.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser schlagen eine Raum- und Baustruktur vor, die im Maßstab und Höhenentwicklung eine gute Fortsetzung der gründerzeitlichen Quartiere darstellt. Der Stadtrand zur Schweiz wird stadträumlich ablesbar definiert mit integriertem Ost-West-verlaufendem Grünraum und zentral situiertem Eingangsplatz als Auftakt zur Schweitzer Straße in direkter Verbindung zur Laube.
    Der Grenzbach wird in der Achse der Schweitzer Straße mit einem Wasserbassin aufgewertet und schafft damit einen attraktiven Übergang zu den Freiflächen des Döbeli.
    Die Rampen zur öffentlichen Tiefgarage sind aus allen Fahrtrichtungen nur bedingt erreichter und schränken den Übergang zur Schweizer Seite ein. Die Trennung von öffentlichem und Bewohnerparken wird vermisst.
    Die großzügige Bemessung der Straßenräume bietet ausreichend Raum für z.B. zukünftige notwendige verkehrliche Anpassungen. Kritisiert wir die entwurflich bevorzugte Verkehrsführung von der Grenzbachstraße über die Emmishoferstraße und Kreuzlinger Straße zum Hauptzoll. Die Anbindung von der Fahrradstraße Schützenstraße Richtung Kreuzlingen ist nicht angemessen gelöst.
    Die nachgewiesenen Stellplätze in der zweigeschossigen Tiefgarage liegen unter dem Durchschnitt. Problematisch erscheint die Unterbauung der Haupterschließung mit einer Tiefgarage und erschwert eine abschnittsweise Realisierung.
    Positiv bewertet werden die Vielzahl der angebotenen, gut austarierten öffentlichen Platzräume und die für die Fußgänger teilweise passierbaren Innenhöfe mit differenzierten privaten und gemeinschaftlichen Grünflächen, die eine hohe Wohnumfeldqualität erwarten lassen.
    Kritisch hinterfragt werden Art und Maß der gewerblichen Nutzung (Schwerpunkt Gastronomie). Nicht überzeugen können die vorgeschlagenen baulichen Veränderungen an der Einmündung zur Emmishoferstraße mit Rückbau des Bestands und Neubau eines Boarding-Hotels.
    Die Mischung zwischen Geschosswohnbau und Stadtreihenhäusern „zur Laube“ ist nachvollziehbar, während in der Verlängerung der Schützenstraße die geplante Einzelhausbebauung nicht überzeugt.
    Auch das 6-geschossige Eckgebäude vor dem bestehenden „Ensemble“ Döbelestraße erscheint zu massiv und störend.
    Sowohl hinsichtlich Geschossfläche wie auch Anzahl der Wohneinheiten liegt der Entwurf unter dem Durchschnitt.