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  • CH-9100 Herisau
  • 03/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-167047)

Arealentwicklung Bahnhof


  • Teilnahme


    Landschaftsarchitekten
    Andreas Geser Landschaftsarchitekten AG, Zürich (CH) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Futurafrosch GmbH, Zürich (CH)
    Öffentlichkeitsarbeit / Mar­ke­ting: Martin Steiner, Beratung & Coaching, Zürich (CH)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau / Architektur
    Die Hauptidee der Verfasserinnen besteht darin, das Areal in drei unterschiedliche Teilgebiete, beziehungsweise Markenwelten zu gliedern, welche für Herisau gute städtebauliche Identitäten erzeugen, sowie zu bewältigende Wachstums- und Vermarktungsschritte erlauben.
    Diese strategische Ausrichtung des Konzeptes ist sehr gründlich dargestellt und die entsprechende städtebauliche Gliederung ist gut nachvollziehbar.
    Hinsichtlich der vorgeschlagenen Bebauungstypologien sowie der Gestaltung der Freiräume diskutierte das Beurteilungsgremium intensiv, inwieweit die Vorschläge tatsächlich zur städtischen Identitätsbildung beitragen und die notwendigen funktionalen Zusammenhänge unterstützen.
    Insbesondere die an die Geschichte anknüpfende Vorstellung eines Bahnhofplatzes
    als primär öffentlicher Raum, den funktionalen Bushof und Umsteigeort überspielend,
    wurde vom Team sorgfältig hergeleitet und macht grosse räumliche Qualitäten vorstellbar.
    Das Teilgebiet „Kirchbühl“ umfasst eine strassenbegleitende, aus Einzelbauten zusammengesetzte Bebauung mit gemischter Nutzung und einem höher gelegenen, teilweise gefassten Freiraum. Dieser bleibt zur südlichen Hügelkuppe hin offen und bildet eine schöne öffentliche Raumfolge zum tiefer gelegenen Bahnhofplatz. Die vorgeschlagene Bebauung erscheint indes problematisch. Die sehr differenzierte Gliederung und Höhenentwicklung der Einzelbauten ist zu wenig nachvollziehbar ist und die hohen Bauten verstellen den Blick zur westlich gelegenen Kirche. Auch der Zugang zum Bahnhofplatz über die Terrasse und die bescheidene
    Treppe sind zu wenig als bedeutender und attraktiver Weg artikuliert.
    Das Gebiet „Bahnhofplatz“ ist räumlich geprägt durch die bestehenden Bauten Bahnhof- und Postgebäude, durch die gegenüberliegende Nagelfluh-Wand, sowie durch zwei höhere Kopfbauten im Übergangsbereich zu den angrenzenden Teilgebieten. Diese Raumfassung ist klar ausgebildet und schafft ein ausgewogenes Ensemble aus Topographie, bestehenden und neuen Bauten. Der Bahnhofplatzbereich wird vor allem durch die starke Präsenz der Bäume qualifiziert, wodurch die architektonische Gestaltung der Wartehallen entlastet wird. Deren Darstellung in der Visualisierung erinnert an gute Vorbilder der 50-er Jahre, welche durchaus als Pate für diese Kleinarchitekturen stehen könnten.
    Gesamthaft wird die Dimension des eigentlichen Platzbereiches als zu gering beurteilt Die
    radikale Entlastung vom Individualverkehr wird als interessant beachtet, die Umsetzung mit einer Durchfahrtssperre und fehlender Vorfahrts- und Wendemöglichkeiten wird jedoch als nicht zielführend eingeschätzt.
    Das dritte Gebiet „Güterfeld“ schliesslich wird als längerfristiges Entwicklungsgebiet mit einer angemessenen und urbanen Bebauung vorgeschlagen. Diese soll auf flexible Art gemischte Nutzung ermöglichen, eine je nach Marktentwicklung mehr oder weniger hohe Ausnutzung und Dichte zulassen. Die Offenheit dieses Bebauungsvorschlages lässt Spielraum für die Anordnung eines Busdepots oder weitere Infrastrukturanlagen der Appenzeller Bahn.
    Die Realisierungschancen und Potentiale für gemischte Nutzungen werden jedoch infrage
    gestellt. Auch kann die aus der neuen Verkehrslösung resultierende Isoliertheit, welche das Gebiet gewissermassen aus seinem Kontext herauslöst, nicht überzeugen und wird als Nachteil beurteilt.

    Freiräume
    Mit dem Raumkonzept der drei Plätze und einer feinfühligen Umsetzung setzt dieser Entwurf in der Aussenraumgestaltung klare Zeichen. Ein Baumhain bildet auf dem zentralen Bahnhofsplatz den prägenden räumlichen Körper, der transparent und vermittelnd zwischen den Bahnhofsgebäuden und dem Nagelfluh-Hang steht. Die asymmetrischen, gepflasterten Baumscheiben zonieren und individualisieren die pragmatische Asphaltfläche wirkungsvoll.
    Leider haben der Zeitfaktor sowie praktische Aspekte Anlass zu Diskussionen gegeben: Bis die Bäume eine raumwirksame Grösse erreicht haben, wird es lange dauern. Aspekte wie Zufahrt, Schneeräumung, Befahrbarkeit, Unterhalt und der mangelnde Komfort für Wartende bergen Konfliktpotential.
    Das Entree zum Bahnhofsraum wird mit dem Kreisverkehr und den Bäumen am Kirchplatz
    stärker betont. Wenige Meter weiter endet auch der neue Höhenweg durch den Nagelfluh-
    Hang, der den gesamten Hang bis zur Geländenase für Spaziergänger erschliesst. Elegant vermittelt eine Terrasse, die sich durch die Gebäudesetzung ergibt, zwischen Hang und Bahnhof. Diese neue Fussgängerverbindung trägt zur Belebung des Bahnhofsgeländes bei.
    Ob der Siloplatz am anderen Ende des Perimeters städtebaulich die richtige Lösung für diesen Ort bietet und die nötige Belebung generieren kann, ist zu hinterfragen. Zwischen Siloplatz und Bahnhofsplatz schaffen die Neubauten durch ihre Querstellung einen schönen Bezug zur Landschaft. Allerdings sind die entstehenden Zwischenräume in ihrer Gleichförmigkeit und Grösse anspruchsvoll in der Gestaltung.

    Verkehr
    Die Jury hat sich viel Zeit genommen um den Grundsatzentscheid der „Unterbrechung der
    Güterstrasse“ zu diskutieren und die Vor- und Nachteile abzuwägen. Dabei hat die erschwerte Zufahrt zum Bahnhof (fehlende Vorfahrt) und zur Post (zahlreiche Postfächer) den entscheidenden Ausschlag gegeben.
    Die Interpretation des Bushofs als grosser (baumbestandener) Platz ist auf positives Interesse gestossen. Allerdings bedingt die vorgeschlagene Anordnung den kompletten Ausschluss des allgemeinen MIV und reduziert die Fussgängerflächen vor dem SOB Bahnhof und der Post auf ein kaum zumutbares Minimum.
    Für die Fusswegverbindungen Richtung Zentrum und „Ebnet“ wurden sehr gute Lösungen
    gefunden. Insbesondere der direkte Zugang zum Bahnhofplatz (vom Zentrum Herisaus her kommend) ist sehr gut in die Landschaft eingefügt und führt zum richtigen Ort, zudem sind die Wege gut vernetzt.

    Wirtschaft
    Die abwechslungsreiche und kompakte Anordnung von Gebäuden ermöglicht eine hohe Flexibilität. Durch nicht zu grosse und dem regionalen Massstab angemessene Baukörper kann ein homogenes Wachstum verfolgt werden. Die vorgeschlagenen Baumassen eröffnen wirtschaftliche Chancen, welche das Team realitätsbezogen eingeschätzt und entsprechend dargestellt hat.
    In den Unterlagen des Teams lassen sich deren Gedankengänge hervorragend nachvollziehen. Diese Arbeit lässt, nicht zuletzt dank der sehr hohen Nutzungsflexibilität, die beste zu erwartende und nachhaltig gestaltbare Wirtschaftlichkeit erkennen und weist somit hohe Chancen nach, vom Markt aufgenommen zu werden.
    Insgesamt bildet der Projektvorschlag durch seine eigenständige Lesart einen interessanten Beitrag, der gute Fragen aufgeworfen und zu vielen Diskussionen angeregt hat. Die auf Markenwelten gestützte Herleitung ist bestechend und führte einige Erkenntnisse herbei. Der stimmungsvolle Bahnhofplatz überzeugte durch seinen eigenständigen Charakter, konnte aber unter funktionalen Aspekten leider nicht befriedigen.