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  • 1. Preis


    Bauingenieure
    INGENIEURBÜRO DR. BINNEWIES Ingenieurgesellschaft mbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Dipl.-Ing. Stephan Schmidt [Tragwerksplanung] , Fachberatung Tropenhalle Christian Gautschi Architekt ETH /SIA Techn. Gesamtplanung/ Bauphysik Prof. Dr. Manfred Norbert Fisch, Dipl.-Ing. Robert Himmler Brandschutz Dipl.-Ing. Manfred Steglich Dipl.-Ing. Silke Bräutigam

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: HPP Architekten GmbH, Düsseldorf (DE), Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE), Leipzig (DE), Köln (DE), Hamburg (DE), Frankfurt (DE), München (DE), Berlin (DE), Istanbul (TR), Shanghai (CN)
    Landschaftsarchitekten: Seelemann Landschaftsarchitekten, Markkleeberg (DE)
    Landschaftsarchitekten: Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich (CH), London (GB), Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    ARCHITEKTUR

    Die Schildkröte hat sich als Urtier über Millionen von Jahren auf den Kontinenten Asien, Afrika und Südamerika behauptet. Sie ist ein verbindendes Element zwischen Wasser und Land. Der Schildkrötenpanzer als schützende Hülle diente uns als Leitmotiv zur Entwicklung der Dach- Form und Struktur. Um eine klare Großform zu entwerfen wurden alle notwendigen Räume, für Tiere, Besucher und Technik mit der Landschaft verflochten, getarnt. Das optionale Areal für Sonderveranstaltungen wurde ebenfalls in die Großform integriert. Den Nachweis, dass es innerhalb des Budgets ausführbar ist, haben wir in der Kostenschätzung geführt.
    So entsteht die gewünschte Situation, dass es nur zwei Elemente gibt; die Landschaft und darüber das schützende Dach der Tropenhalle.

    Mit der Situierung der Halle wird die Pfaffendorfer Straße zum Zoo hin räumlich gefasst.
    Das Dach bildet einen Klimapanzer zum Schutz der tropischen Urwaldlandschaft, dem Gondwanaland. Es ist in alle Richtungen gewölbt, und erhält hierdurch eine Minimierung der Außenluft berührten Fläche. Im Halleninneren entschwindet das Dach hinter der Topographie und den Bepflanzungen. Abgeschnittene Stirnseiten bzw. senkrechte Fassaden wurden vermieden. Die hell gefärbten Profile der Dachhaut erzeugen durch ihre dreieckige Struktur den Eindruck übereinander gewölbter Bambusstangen, die mit der Bepflanzung harmonisch verschmelzen. Das rautenförmige Flechtwerk des Sockels, aus dem die Dachstruktur zu wachsen scheint, erinnert abstrahiert an die verschlungenen Wurzeln im Mangrovenwald.

    Durch die Positionierung der Halle parallel zur Pfaffendorfer Straße wurde die maximale Landgewinnung für das vorhandene Zoogelände erreicht. Das hier geschaffene neue Freigelände ist gut proportioniert und ermöglicht eine optimale Vernetzung mit der thematisch gestalteten Zoolandschaft. Die Fläche erzeugt die notwendige Distanz zum Hallendach und ist von den Zoobesuchern gut überschaubar. Den entsprechende Abschluss bzw. Übergang zum bereits bestehenden Zoogelände bildet die Kulisse der neu mit Kunstfels und Bepflanzung gestalteten „Rückwand“ der denkmalgeschützten alten Raubtieranlage. Auf einen Durchbruch in der historischen Felsenanlage wurde bewusst verzichtet.

    Die Nord-Süd Ausrichtung ermöglicht eine optimale Besonnung der „Riesentropenhalle Gondwanaland“. Der Platz des Pfahldorfs ist so angeordnet, das alle Versorgungseinrichtungen auf der Nordseite einen Rücken bilden und die Bepflanzungen nicht verschattet werden. Die Freianlage liegt im Westen und erhält so eine optimale Besonnung.

    Durch die nicht parallel zueinander stehenden Längsseiten werden die vorhandenen Fluchten im Stadtraum aufgenommen. Dies hat abgesehen von dem städtebaulichen Aspekt den Effekt, das sich die Perspektive, vom Standpunkt des Betrachters auf dem Dorfplatz, optisch verstärkt und somit den Raum tiefer erscheinen lässt. In Längsrichtung ist die Höhe des Dachs nicht symmetrisch, hierdurch wird ein sanfterer Übergang zur Kongresshalle geschaffen und die Verstärkung der Perspektive, des ersten Eindrucks im Hallenraum, findet seine Entsprechung im Dach.

    Bei der landschaftsgärtnerischen Gestaltung des Geländes wurde das neu zu bebauende Grundstück als ein Ganzes betrachtet. In der Folge besetzt die Landschaft des Gondwanalandes das gesamte Areal zwischen Parthe und Pfaffendorfer Straße. Die Landschaft innen wie außen läuft scheinbar hindurch. Als Verbindung zwischen Tropenhalle und Freigehege öffnet sich eine Schlucht, dessen Wasserlauf (mit Glas klimatisch getrennt) die Kontinuität der Landschaft erahnen lässt. Ein optionaler Zugang, von der Halle aus in die Freianlagen des Nashorns, ist im Sommer möglich.

    Durch die parallele Anordnung der „Riesentropenhalle Gondwanaland“ zur Pfaffendorfer Straße ist sie im Stadtraum sehr präsent und selbstbewusst. Die Tropenhalle ist durch ihren abgerundete Baukörper als eine freistehende Großform erlebbar. Hierdurch wird eine starke Werbewirkung erzielt. Das Gebäude wirbt, durch sein unverwechselbares Erscheinungsbild, aus sich selbst heraus.

    Die zweiseitige Erschließung, sowohl vom Zoogelände als auch von der Pfaffendorfer Straße aus, wird im Norden über die kurze Seite der Halle realisiert. Vom Inneren des Zoogeländes kommend öffnet sich dem Besucher die Welt des Gondwanalandes an der markanten Treppenanlage über der Parthe. Felsformationen begrenzen einen großzügigen Vorplatz, von wo aus die Zoobesucher durch einen Felsentunnel hindurch das Halleninnere erreichen. Den Nebenweg über bzw. durch die denkmalgeschützte alte Raubtieranlage empfinden wir dramaturgisch als zu schwach. Durch die Positionierung des Gondwanaland - Zugangs an die Parthenbrücke verbleibt die historische Raubtieranlage weiterhin im Zoorundgang.
    Die Platzierung des neuen Eingangs in der Nähe des Nordplatzes, als gegenüber zum Haupteingang, spannt auf dem Teilstück der Pfaffendorfer Straße eine durch Zoobesucher belebte Promenade auf. Der großzügige Vorplatz bietet genügend Stauraum für große Besucheransammlungen. Das hier dargestellte Nashorn dient als Platzhalter für eine Plastik die durch einen Künstlerwettbewerb Gestalt finden sollte.

    Bei der Entwicklung der Gondwanahalle galt als Grundprinzip die naturnahe Gestaltung. Aus diesem Grund wurde bei der Konzeption bzw. Konstruktion möglichst kein rechter Winkel verwendet.

    Um eine ungestörte Versorgung und Pflege der Tiere und Pflanzen zu gewährleisten, legt sich um die Tropenhalle ein Servicegang. Von hier aus können sowohl die Tiere in der Halle als auch in den dazugehörigen Freianlagen versorgt werden. Ergänzt durch eine Befahranlage in der Halle werden von hier aus auch die Pflanzen gepflegt.
    Die Freigehege sind entlang der zoozugewandten Längsseite der Halle angeordnet. Über entsprechende Schieber können die Tiere in die Halle bzw. in die Freigehege geleitet werden.

    Die Ver- und Entsorgung von Besucherzentrum, Restaurant, Shop usw. erfolgt über einen im Norden angeordneten Wirtschaftshof. Hier können auch Parkplätze für Personal angeordnet werden. Die Parkplätze könnten auch bei Abendveranstaltungen für VIP Verwendung finden. Die Ver- und Entsorgung für Tiere und Pflanzen erfolgt auf direktem Wege über den vorhandenen Wirtschaftshof. Somit sind diese unterschiedlichen Funktionsbereiche der Anlieferung sinnvoll entflochten, kreuzende Wege werden vermieden.



    LANDSCHAFTSARCHITEKTUR

    Das landschaftliche Konzept der Riesentropenhalle „Gondwanaland“ basiert auf der Idee einer fremden, komplexen Landschaft, die den Besucher einlädt, Teil dieser Landschaft zu werden und sie eigenständig zu erkunden. Die Ausdehnung der den Bildern des Tropenwaldes nachempfundenen Landschaft beschränkt sich nicht auf die Fläche der Tropenhalle selbst, sondern erstreckt sich fast über das gesamte Areal.
    Dem Besucher bietet sich schon von der Pfaffendorfer Straße und den Flächen des Leipziger Zoo ein Neugier weckendes Bild.
    Die Halle selbst tritt durch ihre einfache Konstruktion nicht in den Vordergrund. Die Fußpunkte der Hallenkonstruktion verschwinden in einer nach oben geführten Geländemodellierung, so dass aus der Perspektive des Besuchers nur die Eindrücke der fremden Landschaft wahrgenommen werden.

    Die Landschaft wird als Topographie aus steilen Kunstfelsen gebaut, die sich mit Vegetationsbereichen und Wasserflächen abwechseln. Die Felsen definieren Räume und schaffen natürliche Barrieren für die Tiergehege.
    Das wichtigste Gestaltungselement ist die Vegetation. Wie am Naturstandort bilden sich die drei Stockwerke der Baum-, Strauch- und Bodenschicht. Die Pflanzen sprechen über Farben, Struktur und Textur sowie durch Düfte die Wahrnehmung der Besucher an. Besonders eindrucksvoll sind die Großbäume mit den aneinander stoßenden Baumkronen, die ein wellenförmiges dichtes Blätterdach bilden. Die Bodenschicht zeigt sich als lückenhafte Krautschicht aus niedrigen Pflanzen, breitblättrigen Gräsern, Zwergpalmen und kleinen Sträuchern.
    Die aus dem Urkontinent Gondwana entstandenen Kontinente Asien, Afrika und Südamerika werden als charakteristische Einzelbereiche herausgearbeitet, für jeden Erdteil werden besonders typische Bilder des tropischen Waldes vermittelt: Ein Bambuswald und tropische Nutzpflanzen für Asien, ein Tieflandregenwald mit Orchideen für Afrika sowie ein Mangroven- und Nebelwald für Südamerika. Die unterschiedlichen Tropenwaldtypen gehen einher mit verschiedenen Wuchsformen der Pflanzen, so dass eine Abfolge von dichten Bambuspflanzungen, mittelgroßen tropischen Bäumen und Sträuchern, Regenwaldbäumen mit Lianen, Wasserpflanzen und Mangrovengehölzen, urtümlichen Palmfarnen und Palmen entsteht.
    Ein prägendes Erlebnis ist auch das fremde Klima. Hohe Luftfeuchtigkeit und ganzjährig hohe Temperaturen lassen den Besucher den Tropenwald direkt spüren.

    Die Wegeführung ist so gelegt, dass sich dem Besucher immer wieder neue Perspektiven eröffnen. Der Verlauf ist abwechselnd vertieft, geländegleich oder als erhöhter Steg geführt. Die Einfriedungen der einzelnen Tiergehege sind soweit möglich mit der künstlichen Landschaft kombiniert, so dass sie vom Weg aus nicht wahrgenommen werden können. Der Besucher hat das Gefühl, den Tieren ohne Barrieren gegenüberzustehen.
    Das tradierte Schaukastenprinzip wird durch eine direkte Teilnahme der Besucher als Akteure abgelöst. Der Weg führt über die stark bewegte Topographie zum Beispiel durch Baumwipfel, zu einem Wasserfall und an Sumpfzonen vorbei. Der Hauptweg variiert in seiner Breite, so dass an interessanten Punkten kleine Plätze entstehen. Hier können sich Besucher aufhalten, ohne den Personenfluss zu behindern. Zusätzlich zum Rundweg durchlaufen Nebenwege besondere Themen wie die Baumwipfel hoher Urwaldriesen, das Dickicht des Mangrovenwalds oder einen Unterwasserbereich und laden zum Entdecken ein.
    Die im Sommer im Freigehege untergebrachten Großtiere wie das Nashorn können über einen nach aussen geführten Weg besichtigt werden.
    Als Ergänzung zum Fußweg kann über eine Bootstour die Ebene der Wasserflächen erkundet werden. Diese beginnt mit einer multimedialen Information zum erdgeschichtlichen Hintergrund und zeigt anschließend die Tropenhalle aus einer völlig neuen Ebene. Die Tour bietet die einzige Möglichkeit, die in der Hallenmitte durch die Topographie versteckt liegenden Bereiche zu besuchen, wodurch die Neugier der Besucher geweckt wird.

    Der Besucher wird in die völlig eigene Welt einer tropischen Landschaft versetzt, die sich bald als vollkommen selbstverständlich zeigt. Die Gestaltungselemente werden präzise und zurückhaltend eingesetzt, damit der Besucher die neuen Eindrücke und das neue Wissen nach und nach selbst entdecken kann.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Den ersten Preis erhielt das Leipziger Büro HPP International Planungsgesellschaft mbH. Dieses überzeugte durch ein hohes Maß an Professionalität besonders im Hinblick auf die Tragwerkskonstruktion, die landschaftsarchitektonische Gestaltung und die bereits sehr detaillierte Planung. Für die Tropenhalle sieht HPP eine rechteckige Grundfläche und ein gewölbtes Foliendach mit einer außen liegenden filigranen Stahltragewerkskonstruktion vor.

    Dr. Jörg Junhold
    Zoodirektor

    (Auszug Pressekonferenz 19.07.2006, Bekanntgabe Preisträger)