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  • DE-70825 Korntal-Münchingen
  • 04/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-154421)

Korntal - West


  • 1. Preis

    Lageplan 1:1000

    Stadtplaner
    ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart, Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Modellbauer: MS Architekturmodelle, Leutenbach (DE)

    Preisgeld
    22.000 EUR

    Erläuterungstext
    Ziele
    Das Neubaugebiet Korntal-West bildet künftig den westlichen Siedlungsrand von Korntal und ist gleichzeitig wichtiger Zugang zu den Naherholungsflächen im Westen der Stadt.

    Die den Planungsort prägenden Rahmenbedingungen werden in das städtebauliche Konzept aufgenommen. Diese sind:

    - Die an der Topografie orientierte Fluraufteilung mit Parzellen und Wirtschaftswegen,
    - die Neuhaldenstraße/ Am Lotterberg als wichtige Fuß-/ Radwegeverbindung in die freie
    Landschaft im Westen der Stadt und in Richtung Ditzingen,
    - die Blickbeziehung zum „Grünen Heiner“,
    - die trennende Trasse der Strohgäubahn mit dem bestehenden Haltpunkt beim Isolde-
    Kurz-Weg.

    Es soll ein neues Wohngebiet mit einer kinder- und familiengerechten Bau- und Freiraumstruktur und einem einprägsamen und unverwechselbaren Charakter entstehen. Durch barrierefreie öffentliche Räume und ein Angebot an behinderten- und seniorengerechtem Wohnraum in Form von kleinen Mehrfamilienhäusern mit Aufzug, soll darüber hinaus ein Wohnort für unterschiedliche Lebensphasen und Lebensentwürfe gesichert werden.

    Bebauung und Freiraum
    Drei unabhängig erschließbare Baufelder bilden die an der bestehenden Fluraufteilung orientierte städtebauliche Grundordnung und sichern damit einzelne, in der Praxis umsetzbare Umlegungs- bzw. Bauabschnitte.
    Die einzelnen Baufelder gliedern sich wiederum in überschaubare Nachbarschaften, die jeweils eine Mischung unterschiedlicher Wohn- und Eigentumsformen aufweisen. Verkehrsfreie Nachbarschaftsplätze bieten Raum für gefahrloses Kinderspiel (LBO Spielfläche integriert) und sind Treffpunkte für die Anwohner.

    Ein „Grüner Winkel“ zwischen Bahnlinie und Neuhaldenstraße/ Am Lotterberg bildet den Mittelpunkt des Neubaugebietes und ist gleichzeitig „Fenster“ zum westlich angrenzenden Landschaftsraum. Die freie Landschaft wird auf diese Weise über die trennende Trasse der Strohgäubahn hinweg mit dem neuen Wohngebiet verzahnt.
    Der zentrale Freiraum mit dem geplanten Quartiersplatz bietet Blickbeziehungen zur bedeutenden Landmarke im Westen, dem „Grünen Heiner“. Zusammen mit den begrünten Straßenräumen und der „Grünen Fuge“ zwischen den nördlichen Baufeldern entsteht damit ein Grün- und Freiraumnetz, das eine optimale Durchlüftung sichert, Siedlung und Landschaft miteinander verbindet und im Gebietsinnern ein qualitätsvolles grünes Wohnumfeld schafft.
    Die Bedeutung des zentralen Bereichs wird durch die dort konzentrierten Nutzungen wie Kinderhaus, Bäckerei mit Cafe, Mehrgenerationenhaus und dem großen Spielbereich für Kinder gestärkt.


    Erschließung und Parkierung
    Die Erschließung des Neubaugebietes erfolgt ausgehend von der Wilhelmstraße überwiegend über die Uhland- und die Neuhaldenstraße. Die drei geplanten Baufelder und die einzelnen Nachbarschaften sind mittels eines orthogonalen Straßenrasters übersichtlich und in für die Ver- und Entsorgung günstiger Weise erschlossen (keine Sackgassen). Die geplanten Straßen werden durch Fuß-/ Radwege zu einem zusammenhängenden Erschließungsnetz ergänzt, das auch die bestehenden landwirtschaftlichen Wege - insbesondere auch die Straße am Lotterberg - und die östlich angrenzenden Wohnstraßen des Siedlungsbestandes sowie den Haltepunkt der Strohgäubahn einbezieht.
    Öffentliche Parkplätze werden entlang der Erschließungsstraßen und im Bereich der Quartiers- und Nachbarschaftsplätze auch in Form von Stellplätzen für das Carsharing angeboten. Die Platzflächen selbst bleiben dem Fußgänger und Radfahrer vorbehalten.
    Den südlichen Auftakt des Gebietes bildet ein Eingangsplatz mit einer Mobilitätsstation, mit Hilfe dieser die unterschiedlichen alternativen Verkehrsmittel Carsharing/ e-Mobil, das Fahrrad und der Schienenverkehr miteinander vernetzt werden.


    Nachhaltigkeit
    Die überwiegende Südausrichtung der geplanten Gebäude bildet die Grundlage für eine wirtschaftliche Nutzung der Solarenergie zur Gebäude-/ Brauchwassererwärmung und in Bezug auf die Stromproduktion mittels Fotovoltaikanlagen.
    Für das Areal kann eine zentrale Nahwärmeversorgung aufgebaut werden. Die einzelnen Häuser werden in diesem Fall über einen Nahwärmeanschluss mit Wärme versorgt. Für eine umweltfreundliche Wärmeerzeugung bieten sich entweder gasbetriebene Blockheizkraftwerke an, bei denen Strom erzeugt und die anfallende Wärme für Heizzwecke verwendet wird oder alternativ ein Heizkraftwerk, das mit Holzhackschnitzeln betrieben wird, an.
    Als Alternative zur zentralen Nahwärmeversorgung wäre es möglich, die Energie-versorgung dezentral in den einzelnen Häusern zu verwirklichen. In diesem Fall sollen regenerative Energien, z.B. in Form von solarthermischen Anlagen, bzw. Geo-thermienutzung (falls aufgrund Geologie möglich) zum Einsatz kommen.
    Das städtebauliche Konzept lässt eine kompakte Bauweise zu. Die thermische Ge-bäudehülle soll hierzu ergänzend hoch wärmegedämmt ausgeführt werden.
    Um die Lüftungswärmeverluste zu minimieren ist ein Lüftungskonzept mit einer kontrollierten Lüftung mit Wärmerückgewinnung einzuplanen.

    Das Konzept für die Niederschlagswasserbewirtschaftung sieht eine Ableitung von Niederschlagswasser in einem getrennten Leitungs- bzw. Mulden-Rigolen-System und die Einleitung in eine Retentionsfläche am südwestlichen Gebietsrand mit gedrosseltem Überlauf in die Mischkanalisation vor. Zusätzlich ist die Speiche-rung in privaten Zisternen mit Retentionsvolumen u.a. zur Gartenbewässerung sinnvoll.
    Das Gebiet wird durch ein flächensparendes, differenziertes Straßen- und Wegesystem unter Berücksichtigung einer wirtschaftlichen Ver- und Entsorgung er-schlossen.
    Die direkte Anbindung an das bestehende Straßen- und Wegenetz sichert kurze Wege zum ÖPNV (Bus), zu den Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen, zu den Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen und nicht zuletzt in die hochwertigen wohnungsnahen Erholungsgebiete im westlichen Gebietsanschluss.
    Erforderliche Freiflächen für die Retention, den ökologischen Ausgleich und größere Spielflächen werden zu einer zentralen, ökologisch wirksamen Grünfläche („Grüner Winkel“) zusammengefasst in die auch die bestehenden Biotopflächen entlang der Bahntrasse integriert sind.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Bei der Arbeit handelt es sich um einen insgesamt stimmigen Entwurf mit prägnanten Nachbarschaften, in denen die verschiedenen Baukörpervolumina gut mit einander verknüpft sind. Die Durchmischung mit verschiedenen Bauformen ist gut gelöst - mit Ausnahme des mittleren Bereiches im Norden des Quartiersplatzes. Die Topographie ist durch Reihung und Stellung der Baukörper und Grundstücke gut bewältigt. Die Bauabschnittsbildung ist gelungen, funktioniert auch ohne den dritten Bauabschnitt, und greift die alten Grundstücksgrenzen des Bestandes auf.
    Die Wirtschaftlichkeit des Konzepts ist bei einem Erschließungsaufwand von 24% nicht erreicht. Zusammen mit den Grünflächen führt dies zu vergleichsweise wenig Baulandflächen. Es gibt abwechslungsreiche, gut gestaltete Freiräume, wenngleich der Quartiersplatz nicht von Gebäudekanten gehalten wird. Der Autoverkehr wird nicht in die Erschließungsstraße nach Norden räumlich geführt. Der Platz ist nicht gut proportioniert und als Auftakt von der Neuhaldenstraße zur Siedlung verbesserungswürdig. Die Einzelhausgrundstücke sind teilweise, insbesondere in Eck- und Randbereichen, zu groß geschnitten. Die Retentionsfläche ist ungünstig platziert; die Durchlüftung in beiden Richtung gegeben. Ökologische Ausgleichsflächen sind im Bereich der ehemaligen Gärtnerei vorhanden. Die Durchgrünung ist gut gelöst.
    Das südliche Baufeld liegt zu nah am Bahndamm und am Sportplatz.
    Die Quartiersbildung durch Nachbarschaften ist sehr gut gelungen. Einige Korrekturen vorausgesetzt bietet die Arbeit eine ausgezeichnete Basis für die Entwicklung des
    Planungsgebiets.