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  • DE-20354 Hamburg
  • 02/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-168481)

BID Quartier Gänsemarkt


  • 2. Rang


    Landschaftsarchitekten
    Breimann & Bruun, Hamburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Bruun & Möllers GmbH & Co. KG, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    FORUM ANSERUM
    B I D G ä n s e m a r k t

    Der Gänsemarkt als lebendiger Fixpunkt der Innenstadt - als Nukleus für das Quartier und für das neu zu gründende BID. Was muss passieren damit dies wahr werden kann?
    Der Gänsemarkt war stets ein Ort des städtischen Lebens, auch des Verkehrs. Straßenbahnlinien haben ihn lange dominiert, heute der Bus- und Autoverkehr. Täglich queren ihn tausende von Menschen, doch kaum einer hält an diesem Ort inne, verweilt ein Augenblick. Liegt es nur an dem verblassten Glanz der Oberflächen?
    Gestern am Rande des Bewusstseins der Menschen - heute ein Ort des Lebens, der Kommunikation. Ein Forum: Treffpunkt, Bühne, und Stadtplatz an dem sich Menschen begegnen. Traditionsverbunden, aber – wie Lessing - mit dem Blick aufmerksam nach vorne gerichtet.
    Dem BID Gänsemarkt kann es gelingen sich in den Mittelpunkt dieses Austauschs zu stellen, und dieses Forum aktiv und kommunikativ zu bespielen. Im Mittelpunkt zu stehen heißt allerdings nicht die Mitte zu besetzen, wie auch der Aufklärer Lessing die Mitte frei lässt.
    Dennoch - eine Einladung zum Austausch, ob lautstark oder leise, muss sichtbar gemacht werden. Ein Element, ein Objekt wird als Katalysator benötigt:
    Sitzmöbel, Kommunikator, Spielgerät, Kunst, Symbol, Corporate Identity und vieles mehr. Frei gruppiert, fast wie ein neuer Sockel des Lessingdenkmals, bilden die farbigen Kissen diesen Anziehungspunkt. Ihre Oberfläche möchte man berühren, ihre Form öffnet sich dem Besucher und lädt ein. Bei Nacht leuchten sie und rücken den Gänsemarkt in den Fokus. Sie lassen sich drehen und bleiben somit wandelbar. Ob zueinander gewendet für ein Gespräch zu zweit oder als kleine Gruppe, alle in eine Richtung, um einem Redner zu lauschen, oder um sich abzuwenden und für sich die Mittagspause zu genießen.
    „Wo treffen wir uns?“ „Am Lessing!“ Klingt irgendwie komisch – heute. Aber morgen? „Natürlich am Lessing – wo denn sonst.“ Der Gänsemarkt ist eine Adresse geworden, ein Ort des Lebens.

    Die Kommunikation und die Menschen, die Besucher und die Interaktion zwischen dem BID und seinen Gästen ist das zentrale Element, symbolisiert durch ein kleines Sitzobjekt. Die Gestaltung der Platzfläche tritt in den Hintergrund. Sie ist ruhig und unaufgeregt. Lässt Lessing und den Menschen den Freiraum den sie brauchen. Die dunkle Platzfläche wird klar ablesbar durch die Rahmung der breiten Trottoirs. Sie greifen einerseits das historische Bild auf des großzügigen Platzes des auf seinen drei Seiten durch breite Gehwege gefasst wird, andererseits tragen sie die Gestaltung der angrenzenden BID’s mit ihren breiten Nebenflächen fort.
    Ob am Übergang zum Jungfernstieg, dem BID Opernboulevard, dem Passagenviertel oder den Hohen Bleichen, überall fügt sich das Bild nahtlos in das Stadtensemble ein. Als Material wird ein hochwertiger Betonstein eingesetzt, der dauerhaft durch geringe Pflegemaßnahmen sein hochwertiges Bild erhält. Aufmerksam auf das neue BID wird man durch die Einbauten. Bereits an der Ecke Gerhofstraße / Poststraße weist eine große steinerne Bank und ein Solitär Baum auf das neue BID und den Gänsemarkt hin. Das wohltuende Grün und die öffentliche Sitzgelegenheit zeigen schon hier den Charakter des BID Gänsemarkt. Es lädt den Menschen ein.
    Die Sitzbank aus Basalt findet man auch auf dem Gänsemarkt wieder. Hier allerdings treten sie auf den dunkleren Pflasterflächen aus demselben Material etwas in den Hintergrund, um Raum für Lessing und seine Umgebung zu lassen. Die Einladung sich zu setzen ist aber nicht weniger gering.
    Auch bei der Beleuchtung zeigt sich das BID zurückhaltend. Die Lichtelemente rücken nicht in den Vordergrund, sind nicht aufdringlich und bieten kein Überangebot an Lichteffekten. Sie beleuchten die Flächen zielgerichtet und ausgewogen – seien es die Hängeleuchten in der Post- und Gerhofstraße, die Mastleuchten in der ABC Straße und entlang der Fahrbahn am Gänsemarkt oder auch die große Mastleuchte mit ihren Spots auf der Platzfläche. Die Gebäude leuchten und der Stadtraum soll wirken und sichtbar werden.
    Das BID Gänsemarkt - ein Forum für die Menschen und für das Leben in der Stadt. Nicht statisch sondern wandelbar, lebendig und langfristig. Keine Erstinvestition mit fehlendem Engagement im Unterhalt oder in der Bespielung des Orts. Ein BID das sich mehr über die Kommunikation, die Menschen und das gelebte Miteinander definiert als über eine einmalige Baumaßnahme.

    „Wo das Herz reden darf, braucht es keiner Vorbereitung“ (Gotthold Ephraim Lessing)

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Obwohl eine Ernsthaftigkeit im Entwurf der Platzgestaltung in funktionaler Hinsicht zu erkennen ist und das gewählte Motiv der Sitzmöbel eine mögliche Kommunikation der Platzbenutzer fördert, wird dieser Gestaltungsvorschlag dem Charakter des Lessing Denkmals nicht gerecht. Die Material- und insbesondere die Farbwahl des Bodenbelags fördert nicht die angestrebte Aufenthaltsqualität des Platzes.
    Zudem ist die nachhaltig-langfristige Oberflächenstruktur aus Sicht des Gremiums an diesem Ort nicht vorstellbar.