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  • DE-85435 Erding
  • 03/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-159135)

Langengeisling Ost


  • ein 3. Preis

    Lageplan

    Architekten
    delaossaarchitekten, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Tobias de la Ossa , Julia Kreienbrink

    Mitarbeit
    Sylvia Maier

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Lex Kerfers_Landschaftsarchitekten und Stadtplaner BDLA, Bockhorn bei Erding (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches und landschaftsplanerisches Konzept

    Die Planungen zum S-Bahn-Ringschluss und die Auflassung des Fliegerhorstes machen für den Stadtteil Langengeisling eine Neupositionierung notwendig, beinhalten aber auch die Chance, das eigene Profil zu schärfen und die künftigen Entwicklungen zu steuern. Für den nördlichen Bereich erscheint eine Transformation des Bestandes zielführend, für den südlichen, bahnhofsnahen Bereich eine stärkere bauliche Entwicklung angemessen.

    Inspiration für das Konzept ist die vorgefundene historische Schichtung, von der Jungsteinzeit bis hin zu den noch nicht realisierten Planungen, und deren noch vorhandenen Zeugnisse, die in das Entwicklungskonzept eingebunden werden bzw. eine Transformation erfahren. Hier sind insbesondere zu nennen die „Archäologische Zone“ mit Gräberfunden und Römerstraße, der Dorfkern, der Fliegerhorst mit den prägnanten Modellierungen und als letzter Schritt die Nordanbindung und der neue Bahnhof.


    Vom „Transitraum“ zum „Verweilraum“
    • Alte Römerstraße:
    Die Alte Römerstraße ist zukünftig die Verbindungslinie zwischen zwei Antipoden: dem noch ländlich geprägten Dorfkern um die Kirche im Norden und dem urban geprägten Bereich um den neuen Bahnhof im Süden. Dazwischen spannt sich die Bebauung im Duktus eines Straßendorfs auf, ohne markante Blickpunkte oder Zäsuren, die die Länge des Straßenraumes in messbare Abschnitte unterteilen. Die Bezüge zur Landschaft sind nur rudimentär ausgebildet. Das Konzept wirkt dem entgegen durch die Bildung visuell erlebbarer Sequenzen: Entlang der Straße werden wechselseitig jeweils an Einmündungen bzw. Abzweigungen von Straßen Plätze entwickelt, die als räumlich gefasste Aufweitungen des Straßenraumes diesen in erlebbare Abschnitte unterteilen. Die räumliche Zonierung wird gestärkt durch die Ausbildung der Sequenzen dazwischen als Alleen. Vorgeschlagen wird ein Rückbau der Fahrbahn auf 5,50 m Breite mit 6 cm-Borden und höhengleicher Pflasterung im Bereich der Plätze. Grünzäsuren werden durch Blicklenkung und Randeingrünung stärker in Szene gesetzt und durch besondere Nutzungen inhaltlich aufgeladen, wie z. B. die grüne Fuge am Dreiseithof mit kultureller Nutzung und Verbindung zur Archäologischen Zone.

    „Fuge in der Landschaft“
    • Nordanbindung:
    Durch die Trasse der Nordanbindung wird die Abschottung des Fliegerhorstgeländes in gewisser Weise fortgeführt. Um eine stärkere visuelle Verbindung zum offenen Landschaftsraum des Flugfeldes herzustellen, wird die Straßentrasse um 1 bis 2 m abgesenkt. Damit kann der begleitende Lärmschutzwall niedrig gehalten werden (sog. „Aha“), und die Rampenlängen für die F/R-Brücken können verkürzt werden. Die Übergänge werden unterschiedlich ausgebildet:

    • Im grünen Ring erfolgt der Brückenschlag an der Nahtstelle zwischen Hügelland und Schotterebene über eine Erdskulptur, die neben ihrer Funktion als „Landmark“ als Aussichts- und Rodelhügel dient sowie als Erdspeicher für die Energiebewirtschaftung bzw. Wiederverwendung für anfallendes Abbruchmaterial genutzt werden kann.

    • Zwischen Archäologischer Zone und Flugfeld erfolgt der Brückenschlag als Technik-Skulptur, Ausdruck der unterschiedlichen Zeitebenen.

    • In der Weiherlandschaft im Norden erfolgt der Brückenschlag unter Ausnutzung der vorhandenen Modellierungen. Hinzu kommen Querungshilfen an den geplanten Straßenanschlüssen.

    • Ortsrand:
    Die Ortsränder werden eindeutig definiert und den Sequenzen entsprechend gestaltet:
    Im Norden und Süden schließen Streuobstpflanzungen als „Signet“ für den Ort Langengeisling die Bebauung zur landwirtschaftlichen Feldflur bzw. zum „Grünen Ring“ hin ab. Im nördlichen Bereich wird zwischen dem Dorfgebiet und dem Sportgelände eine mit Baumpflanzungen strukturierte Entwicklungszone installiert, in der zusätzliche Infrastruktureinrichtungen für das Sportgelände, Parkierungsflächen etc. zukünftig Platz finden und von der die Erschließung der rückwärtigen Bereiche der z. T. ehemaligen landwirtschaftlichen Gehöfte und deren Umstrukturierung erfolgen kann. Eine Entwicklung in Richtung Handwerk/verbrauchernahe Versorgung ermöglicht den Aufbau eines vielfältigen Ortsrandbereiches mit Gewächshäusern, Sonderkulturen, Obstgärten und sichert damit auch die Bewirtschaftung kleinteiliger landwirtschaftlicher Flächen.

    • Im Bereich der mittleren und südlichen Sequenz bildet die neue Bebauung mit ihren Gartenmauern eine klare Grenze zum vorgelagerten „extensiven Landschaftspark“. Die Trasse der Römerstraße wird in ihrem authentisch vorhandenen Abschnitt erhalten und mit Säuleneichen markiert.

    • Bebauungsbänder Mittelbereich
    Die Baustruktur der Arrondierungsflächen baut auf kleinen, sozial überschaubaren Einheiten auf, die sich - ohne die Gesamtstruktur zu beeinträchtigen - sehr flexibel gestalten lassen. Ost- West- gerichtete Baufeldstreifen definieren den Ortsrand und stiftet den Ergänzungsquartieren durch eine hohe stadträumliche Differenziertheit und Maßstäblichkeit eine einzigartige Identität. Die Ausrichtung der Gebäude fügt sich in die ortstypische, giebelständige Baustruktur des Typus Straßendorf ein. Grünsequenzen und Wohnhöfe folgen dem abwechslungsreichen Syntax und bieten wohnungsnahe Kommunikations- und Spielbereiche. Merkmal der auch dem oberirdischen Parken dienenden Wohnhöfe sind die eingeschossigen Stellplatzüberbauungen. Diese bilden zusätzlichen Raum für eine Wohn- oder Gasteinheit oder eine wohnnahe Gewerbenutzung und tragen so zur Nutzungsvielfalt des Gebietes bei. Die Baufelder sind zu den öffentlichen Erschließungsflächen hin mit Mauern eingefasst, so dass auch Eckeinheiten über ein hohes Maß an Privatheit verfügen. Als Haustypologien sind Reihen-, Hof-, Terrassen-, Einzel-, Doppel- und Kettenhäuser vorgesehen und flexibel einsetzbar.
    Im Übergang zum Archäologischen Park und zum Zufahrtsstich Marktplatz sind einzelne Geschosswohnungsbauten vorgesehen.

    • Marktplatz und Quartierszentrum
    Als ein, die Gesamtlänge des ehemaligen Straßendorf gliederndes Element, wird der Marktplatz im Typus eines 3- Seit- Hofes als Quartiersschwerpunkt ausgebildet. Dieser Schwerpunkt stellt einen, der die Gesamtlänge des ehemaligen Dorfes gliedernden Identifikationspunkte dar. Mit Quartierszentrum, Mehrzweckraum, Senioren- und Jugendtreff, wenigen Ladeneinheiten mit kleinem Cafe´ sowie Wohnnutzung in den Obergeschossen wird der neue Marktplatz räumlich gefasst und ein vielfältiges und kommunikatives Angebot geschaffen. Neben der Sicherstellung der wohnortnahen Nahversorgung können hier auch ein Wochenmarkt, Weihnachsmärkte o.Ä. abgehalten werden. Konsequenterweise führt der Erschließungsstich zur Ostumfahrung über diesen Platz und belebt diesen zusätzlich. Kurzzeitparkplätze auf dem Platz bzw. in unmittelbarer Nähe dienen in erster Linie den Ladeneinheiten.

    • Mischgebiet
    Südöstlich des historischen Ortskerns ist die Bebauungsstruktur noch stark durch großformatige Bauernhäuser und scheunenartige Nebengebäude geprägt.
    Diese Prägung aufgreifend soll das Gebiet in Richtung Sportflächen als Mischgebietsbebauung weiter entwickelt werden. Ziel ist es wohnortnahe, kleinere Gewerbeflächen mit zugehöriger Wohnnutzung zu entwickeln, die ein weiteres Abwandern von Handwerkern und sonstigen Betrieben in die Peripherie verhindert und so einer Entwicklung zu einem monostrukturierten, reinen Wohnstandort entgegen wirken. Die Struktur der gerichteten Bauernhäuser und Hallengebäude wird ungezwungen und flexibel ergänzt. Die verkehrliche Anbindung direkt an die Ostumfahrung stellt eine hervorragende Erreichbarkeit auch für „vorbeifahrende“ sicher und belastet den Ortskern nicht mit zusätzlichem Gewerbeverkehr. Im Südosten des Mischgebiets wäre sinngemäß auch die Errichtung einer Sporthalle gut vorstellbar.

    • Bebauung südlich des Grünrings
    Die Bebauung südlich des „Grünrings Erding“ wird entsprechend der sehr zentralen Lage zum neuen Bahnhof Erding und den östlichen Entwicklungsflächen auf dem ehemaligen Fliegerhorst als dichtere Wohnbebauung ausgebildet. In den straßenzugewandten Erdgeschossen sollen Laden und Dienstleistungsflächen angeboten werden. Der Grünring bildet einen eindeutigen Ortsübergang, vom Kern- Stadtgebiet Erding zu dem kleinteilig geprägten Ortsteil Langengeisling.

    • Stellplätze
    Die im ländlichen Raum unabdingbaren Autos werden selbstverständlich in die Wohnbebauung integriert. Über hierarchielos ausgebildete Belagsflächen wird ein rücksichtsvolles Miteinander gefördert und der öffentliche Raum auch als Spiel- und Bewegungsfläche nutzbar. In Ergänzung zu den Stellplatzflächen am Haus werden kleinteiligere Tiefgaragen für die Zweitwagen und die Geschosswohnungen angeboten, Teilweise mit direktem Hauszugang. In den öffentlichen Räumen sind Besucherparker vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeichnet sich durch eine klare städtebauliche Struktur aus, welche sich aus dem bestehenden Haufendorf und anschließendem Straßendorf ableitet. Positiv wird das vorgeschlagene Mischgebiet zwischen den Bestandshöfen und den Sportflächen gesehen, welches eine eigene Anbindung an die Nordanbindung erhält.

    Das Preisgericht sieht die Gliederung des Straßendorfs durch grüne Fugen mit Ost-West-Verbindungen sehr positiv. Die Bebauung im mittleren Bereich erhält eine nachvollziehbare Grenze durch die historische Römerstraße.

    Insgesamt wird die vorgeschlagene städtebauliche Struktur, vor allem im Süden als zu massiv beurteilt. Sie zeigt städtebauliche Qualitäten, welche jedoch dem dörflichen Charakter von Langengeisling nicht angemessen erscheinen.

    Die alte Römerstraße ist gut gegliedert durch markante Punkte wie dem Bürgerzentrum, der Kulturbauernhof und den Nachbarschaftsplätzen.

    Die Arbeit zeigt sehr gute landschaftsarchitektonische Ansätze zur Ortsrandgestaltung und eine homogene Verbindung zum zukünftigen Land-schaftspark.