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  • DE-10179 Berlin
  • 03/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-142226)

Städtebauliches Workshopverfahren „Ernst-Reuter-Platz“


  • Teilnahme

    kein Bild vorhanden
    Landschaftsarchitekten
    HL Heilbronner Lachkareff Landschaftsarchitekten, Berlin (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: SMAQ Architektur und Stadt, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    1. Städtebauliches Konzept / Masterplan

    Dem Entwurf liegt eine analytische Betrachtung des Areals zugrunde. Diesem wird als einem „Bild der Spätmoderne“ eine heute noch gültige zeichenhafte Bedeutung beigemessen. Die städtebauliche Konfiguration der 50er Jahre sehen die Entwurfsverfasser charakterisiert durch das Aufspannen von Stadträumen über große Distanzen hinweg mit Gebäudetypologien, die zwar in sich weitgehend standardisiert sein können, sich aber zu spezifischen Konstellationen verdichten. Diese großräumliche Gestaltstrategie wird ergänzt durch das Unterlegen der Großformen mit einer erdgeschossigen Netzstruktur der kleinen Räume - Gebäude-/Platz- und Wegeräume, die an die Dimensionen und Raumcharaktere der gründerzeitlichen Stadt anschließen. Aus beiden Raumcharakteren versucht der Entwurf ein Repertoire abzuleiten, das eine „Programmierung“ der zukünftigen baulich räumlichen Entwicklung zulässt.
    Auf der ersten, der großräumlichen Ebene, wird vom räumlichen Zentrum Ernst-Reuter-Platz ausgehend eine bauliche Verdichtung „in der zweiten Reihe“ vorgeschlagen. Der Entwurf führt allerdings nicht nur die analytisch ermittelte städtebauliche Strategie – verdichtet - weiter, sondern er übernimmt auch in der architektonischen Ausformulierung die von den 50-Jahren überlieferte Typologie der Hochhausscheiben. Diese „1:1-
    Umsetzung“ des analytischen Modells kann nicht immer überzeugen. Die hinzugefügten Solitäre schließen weder in den vorgesehenen und im Modell anschaulich dargestellten Dimensionen noch in ihrer Konfiguration an zeitgenössische Typologien von urbanen Großformen an. Um zu einer leistungsfähigen städtebaulichen Aktualisierung des Areals zu kommen, die per Verdichtung auch zeichenhafte Wirkung entfalten kann, wären hier spezifische, architektonisch deutlicher ausdifferenzierte Typologien wünschenswert.
    Das Entwicklungspotential der kleinräumigen, der „fußläufigen“ Ebene, sieht der Entwurf dagegen in einer Inversion der ursprünglichen städtebaulichen Konzeption. Dazu wird die radikale Idee formuliert, den Ernst-Reuter-Platz, die leere Mitte, in eine aktive Funktion zu bringen. Auf dem Ernst-Reuter-Platz ist ein neues räumlich-funktionales Zentrum mit hohem Vernetzungspotential für das weitgehend mono-funktional mit Bildungseinrichtungen besiedelte Arreal vorgeschlagen. Diese Idee ist riskant und polarisiert. Sie verstößt einerseits gegen die definierten Ziele des Denkmalschutzes und zieht die Potentiale zur Aktivierung brachliegender Flächen auf die Platzmitte ab. Sie integriert andererseits die Lösungsansätze für die einzelnen divergierenden Problemstellungen zu einer verblüffend einfachen Synthese. Dass das Konzept nach der kritischen Bewertung in der Zwischenpräsentation modifiziert wurde, mit dem Vorschlag, das Gebäude unter das Platzniveau einzusenken, wird dabei in der Jury mehrheitlich als eine unnötige Schwächung der Idee beurteilt. Die Vorschläge zu Interimslösungen mit temporären Installationen stellen als ad-hoc Maßnahmen zur städtebaulichen Qualifizierung und zur touristischen Aktivierung des Bereichs einen positiven und umsetzbaren Beitrag dar.

    2. Verknüpfungen (Freiraumentwicklung)

    Die Vorschläge zur Freiraumentwicklung in den einzelnen Bereichen – ein behutsames Aufräumen und Neuordnen – ergeben sich aus dem Konzept der Stärkung und Vernetzung der kleinen Räume. Sie sind strukturell plausibel und liefern gute Ideen zur nutzerbezogenen, prozesshaften, auch informellen Umsetzung.

    3. Ernst-Reuter-Platz (ERP)

    Sofort und temporär umzusetzende sowie langfristige Maßnahmen werden als Initiale aller weiteren Entwicklungen des Areals gesehen, sie ergänzen sich und bauen aufeinander auf. Es stellt sich allerdings die Frage nach „Akteurskonstellationen“, d.h. der finanziellen Trägerschaft für diesen Bereich, der überwiegend öffentliche Infrastrukturen anbieten soll.

    4. Städtebaulicher Vertiefungsbereich D1
    (Unternehmensgruppe Pepper)

    Die Platzkante wird mit drei Hochhausscheiben neu gefasst. Das Telekom-Gebäude wird rückgebaut, transformiert und in die neue Konfiguration einbezogen. Die zweite Reihe wird mit Hochhauscheiben - und Türmen verdichtet, die Büro- und Wohnnutzungen erhalten. Die Ausgestaltung der Sockelzone unterstützt eine passagenartige Vernetzung zur Grolmannstraße und zum Savignyplatz.

    5. Städtebaulicher Vertiefungsbereich F1
    (Art-Invest Real Estate)

    Das Areal erfährt eine Arrondierung durch Hochhausscheiben und Brandwandbebauung, als Nutzungen sind studentisches Wohnen und Bürogewerbe gedacht. Die Setzung der Großformen unterstützt die Ausbildung eines zum Landwehrkanal gerichteten Binnenraumes.

    6. Städtebaulicher Vertiefungsbereich H1
    (Campus Charlottenburg –TU/UdK)

    Die Lage zum Landwehrkanal ist das Potential. Auch dieser Bereich soll vor allem in seiner räumlichen Ausrichtung zum Kanal gestärkt werden.
    Die Beurteilung der einzelnen Bearbeitungsbereiche durch die jeweiligen Interessenträger sieht die positiven Beiträge überwiegend in der Aktivierung und Arrondierung der Sockelzonen zu nutzbaren fußläufigen Binnen- und Passagenräumen. Den Fokus des Entwurfs bildet die visionäre Idee zur Aktivierung des Ernst-Reuter-Platzes mit einem Zentrum für die studentische Infrastruktur, die im Entscheidungsgremium ebenso kontrovers wie intensiv diskutiert wird.