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  • DE-10179 Berlin
  • 03/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-142226)

Städtebauliches Workshopverfahren „Ernst-Reuter-Platz“


  • Teilnahme

    kein Bild vorhanden
    Landschaftsarchitekten
    SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: kleyer.koblitz.letzel.freivogel, Berlin (DE), München (DE)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    1. Städtebauliches Konzept / Masterplan

    Das städtebauliche Konzept wird bestimmt von einer klaren Maxime: Blockränder sind zu schließen und Solitäre frei zu stellen. In allen zu bearbeitenden Vertiefungsbereichen werden entsprechende Interventionen vorgeschlagen.
    Die Verfasser wollen dadurch klare Raumeinheiten schaffen: Straßen, Plätze und Alleen, welche durch ein stärkeres Angebot an Wohnen, Gastronomie und studentische Einrichtungen belebte öffentliche Räume generieren sollen.
    Der zentrale Bereich des Ernst-Reuter Platzes wird bis auf eine neue, obererdige Erschließung nicht verändert. Die Raumkanten der Platz begrenzenden Bebauung allerdings werden erweitert.
    Die Straße des 17. Juni wird zu einem Studentenboulevard ausgebaut. Parkierungsflächen werden durch von Allee-Bäumen gedeckten Aufenthaltsflächen mit „Promenadenplatzen“ und Pavillons.
    Das Einsteinufer wird durch eine neue gestaltete Wegführung mit Aufenthaltsbereichen am Ufer an das Campus Gelände angeschlossen und aufgewertet.

    2. Teilbereiche

    Teilbereich A (Freischälen)

    Hier wird anstelle der Wasserbau Halle und eines Teiles des Mathematik Gebäudes ein freistehendes Learning Center vorgeschlagen. Der Zugang zu den Grünbereichen wird von der Straße des 17. Juni großzügiger gestaltet. Die vorgeschlagenen Ergänzungen durch Gebäude und Wegeführung verknüpft den Campus Nord mit dem Ufer und den anliegende Quartieren.

    Teilbereich B (Vernetzen)

    Es wird der Abriss des Bergbau- und Hüttenwesen Gebäudes vorgeschlagen und die Hertzallee für Fußgänger zum Ernst-Reuter Platz verlängert. Die Hertzallee bildet das Zentrum des Campus Süd.

    Teilbereich D

    Der Bereich zwischen dem Grundstück der Pepper Immobilien und dem Ernst-Reuter Platz wird geöffnet. Die bestehende eingeschossige Bebauung zugunsten von Platzflächen zwischen den Gebäuden entfernt. Die dahinter liegende Blockstruktur wird geschlossen (2 Alternativ Varianten). Auf dem Grundriss des von Hermkes vorgeschlagenen dritten Hochhauses an der Bismarckstraße wird ein Hochhaus von gleicher Höhe des Telefunken Hochhauses vorgeschlagen. Durch diese Intervention soll laut den Verfassern eine „Tor Situation“ geschaffen werden.

    Teilbereich E

    Hinter dem Telefunken Hochhaus wird auf dem Gelände der Tankstelle auch eine Blockrand Schließung vorgeschlagen.

    Teilbereich F

    Die Abbestraße wird in Richtung Otto-Suhr-Allee verlängert und durch eine Blockrandschließung und eine neuen Blockbebauung hinter dem Hochhaus der Deutschen Bank gefasst.

    3. Beurteilung

    Die Verfasser legen einen Schwerpunkt auf großzügige öffentliche Räume. Eine klarere Wegeführung und Verknüpfung der Teilbereiche wird insgesamt hergestellt. Besonders lobenswert wird die Durchwegung des Campus Nord und die Anbindung an das Einsteinufer hervorgehoben.
    An vielen Stellen, aber besonders im westlichen Bereich des Ernst-Reuter Platzes (Teilbereich D) und am Ende der Hertzallee (Teilbereich B) wird der Raum des Platzes von der Jury als zu offen aufgefasst. Das Konzept der „freigelegten Solitäre“ verkennt die positiven Eigenschaften, welche die eingeschossigen Ergänzungsgebäude von Hochhäusern der Moderne für den öffentliche Raum haben.
    Der Vorschlag des „Tores zum Westen“ in Form eines dem Telefunken Hochhauses entsprechenden Solitärs wird durchgehend als Missverständnis des bestehenden Städtebaus aufgefasst. Es entsteht eine Symmetrie, die das Ensemble nicht stärkt, jedoch die Wirkung des Telefunken Hochhauses schwächt.
    Der „Studenten-Boulevard“ auf dem 17. Juni wird generell positiv aufgenommen, allerdings wird eine rege Bespielung zumindest angezweifelt. Der Ersatz der Wasserbau Halle und eines Teils des Mathematik Gebäudes wird kritisiert. Das neue, in die Flucht zurück gesetzte Volumen des Learning Centers, leistet als Akzentuierung des Straßenraumes weniger als der Bestand.
    Generell wird darauf hingewiesen, dass sich das städtebauliche Repertoire vereinfachter „klassischer“ Freiraum- und Gebäudetypologien bedient, die zwar grafisch ordnen und klare Durchwegungen schaffen, allerdings insbesondere am Ernst-Reuter Platz zu weiten, nicht angemessenen Außenräumen und städtebaulichen Figuren führen.