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  • DE-48167 Münster
  • 05/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-159494)

Entwicklung der York-Kaserne in Münster-Gremmendorf


  • ein 3. Preis


    Landschaftsarchitekten
    club L94, Köln (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner, Architekten: farwick + grote Architekten BDA Stadtplaner, Ahaus (DE), Dortmund (DE)

    Erläuterungstext
    Mit der Umstrukturierung der York Kaserne in Münster Gremmendorf eröffnen sich für die Stadtentwicklung neue Chancen. Zum einen kann hier durch Nachverdichtung und mit neuen Quartieren ein wertvoller Wohnstandort entstehen, der die vorhandenen park- und waldartigen Qualitäten der Kaserne nutzt. Zum anderen öffnet sich der ehemalige autistische Militärstandort zu seinen Nachbarschaften, so dass hier wichtige übergeordnete Bezüge und neue Verbindungen entstehen werden. Im Dialog von Vorhandenem und den neu gesetzten Themen wird sich ein reizvoller Spannungsbogen aufbauen, der dem Wohnstandort eine einzigartige Identität verleiht. Auf dem landschaftsarchitektonischen Entwurf liegt in diesem Zusammenhang ein besonderes Augenmerk. Es gilt die vorhandenen Elemente wie die Baumhaine mit ihrem großzügigen Rasenteppich oder die Kasernenmauer, die einer vergangenen Logik folgen, mit neuen Themen zu ergänzen, so dass für die zukünftige Entwicklung des Wohnumfeldes neben den bestehenden Qualitäten neue, zeitgemäße Themen hinzu kommen, die den verschiedenen Nutzergruppen und auch den angrenzenden Nachbarschaften zur Verfügung stehen werden.

    Landschaftsarchitektonisches Konzept
    Dem landschaftsarchitektonischen Konzept liegen zwei entscheidende Ziele zu Grunde. Auf der einen Seite soll eine neue Abfolge von größeren Freiräumen das Innere gewachsene Kasernenquartier um den ehemaligen Exerzierplatz im Sinne eines Grünrings umschließen und als Orientierung im Quartier den Nutzern als öffentliche Naherholungsbereiche zur Verfügung stehen. Zudem durchwebt das Freiraumkonzept das gesamte Areal mit einer differenzierten Struktur aus Garten- und Platzflächen sowie großzügigen Spielbereichen, die entweder als Rückzugsbereiche oder als kommunikative Treffpunkte genutzt werden können. Das Wohnumfeld der Bestandsgebäude bleibt nahezu unangetastet und die angrenzenden Freiräume an die Neubauten folgen in ihrer Ausgestaltung der gleichen Analogie. Dabei profitiert das Gestaltungskonzept von den vorhandenen gewachsenen Strukturen des ehemaligen Kasernenareals. Großgewachsene licht stehende Laubbäume, unter denen sich ein Rasenteppich großzügig bis an die Fassaden der Gebäude heranzieht, bilden das Quartier durchwebende Bild.
    Auf der anderen Seite schafft das Freiraumkonzept am Albersloherweg die Verknüpfung mit den bestehenden Dienstleistungsnutzungen von Alt Gremmendorf, indem es mit seiner städtebaulichen Struktur die Nutzungen über neue Dienstleistungs- und Einzelhandelsangebote mit dem neuen Quartier vernetzt. Im Westen des Areals bildet ein neuer Landschaftspark - der große Wiesenpark -den Brückenschlag zu den angrenzenden Wohnquartieren, so dass auch hier durch die neu geschaffenen Erholungsbereiche alte und neue Bewohner zusammen kommen werden. Im Norden und Süden schaffen gemeinsam zu nutzende kleine Platzsituationen und drei große Themenspielplätze die gemeinsamen Anknüpfungspunkte des neuen mit den gewachsenen umgebenden Quartieren.
    Freiraumbausteine
    Der Freiraum des Quartiers setzt sich aus differenzierten Bausteinen zusammen, die in ihrer Gesamtheit sowohl die Funktionen und Anforderungen an ein Wohnquartier erfüllen als auch weiterhin in ihrer Ausgestaltung auf die vor Ort vorhandenen Gegebenheiten reagieren, die bereits bestehenden Qualitäten einbinden und die Historie des Ortes durch die übernommenen Strukturen und die Integration narrativer baulicher Relikte ablesbar belassen.


    Quartiersplatz Albersloherweg
    Der Quartiersplatz Albersloherweg fungiert als Gelenk zwischen der bestehenden Promenadensituation entlang der Läden auf der östlichen Straßenseite des Albersloher Weges und dem nördlichen städtebaulichen Eingangsbereich in das neue Quartier. Der baumüberstandene befestigte Platz vereint urbane Aufenthaltsqualitäten mit funktionalen Angeboten.Er bietet Raum für die vielen alltäglichen Funktionen eines Quartiersplatzes: Treffpunkte, Außengastronomie und proportional angemessene Stellflächen für Kunden und Besucher der angrenzenden Läden. Das gewählte Belagsmaterial überzieht den gesamten Platz, die Fahrbahn wird so optisch zurückgesetzt. Zur Schaffung des Zusammenhalts der beiden durch den Albersloher Weg getrennten Seiten mit ihren Dienstleistungs- und Ladenangeboten zieht sich der Belag auf der östlichen Seite fort. Hier wird durch eine geringfügige Umstrukturierung des parkenden Verkehrs und die Ergänzung von Ausstattungselementen der Promenadencharakter hervorgehoben. Großzügige orthogonal ausgeführte Wasserbecken mit Sitzkanten unterstreichen den urbanen Charakter. Die Wiederaufnahme der gestalterischen Themen auf dem nun großzügigen gegenüberliegenden Gehwegbereich unterstreichen das zukünftige Zusammenwachsen beider Straßenseiten zusätzlich.
    Bürgerpark
    Angrenzend an den Stadtplatz eröffnet sich in Verlängerung seiner Achse quartiersseitig der Bürgerpark. Dieser ist bewusst urban geprägt und bildet einen Gradienten zwischen dem städtischen Auftakt in das äußerst grün gestaltete neue Wohnquartier. Eine breite Promenade aus wassergebundener Wegedecke, in welches eine Lauflinie aus großformatigen Betonplatten integriert ist, bildet mit der Doppelreihe Bäumen den Rahmen. Der Bürgerpark selbst liegt um etwa 40 cm tiefer eingelassen. Eine Sitzkante umschließt ihn. Mittig wechseln sich streifige Flächen aus wassergebundener Wegedecke, Pflanz- und Rasenstreifen ab. Aufgekantete Wasser- und Pflanzbecken mit Sitzauflagen dominieren den östlichen Parkauftakt. Nach Westen bilden bodenbündige Pflanzbereiche und Binsenbecken den gestalterischen Aspekt. Die an die rundlaufende Promenade angrenzenden privaten Gartenbereiche werden durch reich blühende Rhododendrengewächse zum öffentlichen Park hin abgeschirmt.
    Parkgürtel und Anknüpfungen
    Das innere Quartier ist von einem breiteren Grüngürtel umschlossen. Dieser bedient sich der vorhandenen Qualitäten des Gehölzbestandes sowie der teils noch bestehenden Kasernenmauer und ergänzt ihn mit gärtnerischen Aspekten und Ausstattungselementen.
    Im Osten und Süden bildet der Gürtel den Schattengarten. Weich geformte Wege führen durch die Pflanzungen aus schattenliebenden Gräsern und Stauden. Der umgebende Saum hebt sich durch die teils kniehohe Unterpflanzung von den Wiesenflächen des Qauratiers ab, dient der Orientierung und bildet einen angenehmen schattigen Aufenthaltsbereich. Entwässerungsbereiche sind hier wie selbstverständlich integriert und bereichern die pflanzliche Artenvielfalt. Im Westen wird der Saum durch die Relikte der Kasernenmauer charakterisiert. Hier bilden Spiel- und Ausstattungselemente ein Aktionsband, welches das Thema Mauer gestalterisch als Rückhalt für Sitzbereiche oder auch Kletterwand integriert.
    An das umgebende Band schließen Freiräume an, die die angrenzenden Nutzungen anknüpfen: Das ehemalige Entree bildet die Mitte der kulturell und sozial umgenutzten Gebäude. Die Flächen unter den Bäumen bleiben offen. Im Wechsel der Jahreszeiten wird die Fläche durch Geophyten blütenreich akzentuiert. Auch die Flächen zum Albersloher Weg hin sind offen gehalten. Die Mauer ist hier immer wieder durchbrochen und bildet Durchblicke und Durchlässe. Die bestehenden Baumreihen entlang des Albersloher Weges werden ausgebessert und aufgeastet. Niedrige, sichtbehindernde Strauchpflanzungen werden entfernt. Die beiden Straßenseiten erhalten optische Bezüge, die trennende Wirkung der Fahrbahn wird reduziert. Drei große Themenspielplätze bilden die Übergänge in die angrenzenden Wohnquartiere und bilden Treffpunkte für Familien aus dem neuen und dem gewachsenen Gremmendorf. Hier werden die gegeben Themen Wald, Holz, Märchen oder Mauerblümchen in den Spielelementen und Materialverwendungen aufgegriffen und wie selbstverständlich in das Quartier integriert. Im Nordwesten bildet der Aussichtsturm eine Besonderheit.

    Landschaftspark
    Im Westen des Quartiers schließt der große Wiesenpark an, welcher das neue Quartier mit den gewachsenen Strukturen zusammenbringt. Vom Waldsaum im Westen und Norden und lockeren Baumpflanzungen im Osten umgrenzt öffnet sich die Wiesenlandschaft als große Lichtung. Ein breit angelegter Rundweg lädt die Menschen zu allerlei sportlichen Aktivitäten oder einen gemütlichen Spaziergang ein. Der Belag des Weges differenziert sich in zwei Linien. Eine asphaltierte Bahn für Fahrrad, Rollstuhl, Kinderwagen etc. und eine Bahn aus wassergebundener Wegedecke. Die Wiese bleibt mit ihren vereinzelten Baumgruppen offen und frei bespielbar. Eine große Parkterrasse und ein Wasserspielplatz bilden nach Süden ausgerichtet gerade in den warmen Sommermonaten einen beliebten Treffpunkt für Groß und Klein.
    An die Grundstücke der westlich im Quartier liegenden Bebauung schließen landschaftlich ausformulierte temporäre Feuchtflächen, die der Versickerung des im Quartier zusammenkommenden Oberflächenwassers dienen, an. Die Wege aus dem Quartier und den gemeinsamen Wohnhöfen werden teils großzügig über platzartige Lichtungen, teils subtil über Stege durch die Schilf- und Binsenflächen an den Landschaftspark angeschlossen. In den Waldsaum fügen sich kleine, zimmerartige Bereiche ein, die Wald- und Wiesenzimmer. Sie bieten introvertierte, intimere Flächen, die je nach Ausstattung als Spiel- oder Ruhe- und Rückzugsort zu nutzen sind.

    Entwässerung - Wasserrückhaltung als Gestaltungselement
    Die Dächer der Neubauten werden in ihrer Gesamtheit als Gründächer ausformuliert, welche bereits ihren Beitrag zur Rückhaltung des Niederschlagswassers leisten. Entlang der Straßen reihen sich beckenartig ausgestaltete Binsenflächen zur Wasserrückhaltung ein. Ebenso befindet sich zwischen den Häusern in den Quartieren eine notwendige Anzahl an orthogonal ausgeführten Becken. Hier wird die urbane Gestaltungssprache betont. An den Rändern der Parkstreifen und des südwestlich angrenzenden Landschaftsraums weiten sich die Flächen für die Entwässerung auf und bilden mit Gräben und Tümpeln landschaftlich geprägte Strukturen. Die mit Binsen bewachsenen Becken und Mulden integrieren sich in die jeweilige Gestaltungssprache des Außenraumes und bekommen über ihre eigentliche Funktion hinaus einen optischen und ökologischen Mehrwert.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.